Saab, Saab oder Saab. Der Weg zurück – das Finale.

Eines Tages als ich selber fast einen gröberen Motorschaden hatte, und mir im Operationssaal die Schläuche zu meinen eigenen Motor repariert wurden, fasste ich mir buchstäblich ein Herz, jetzt oder nie. Gleich nach der Entlassung durchsuchte ich die Autoverkaufsplattformen.

Endlich angekommen, zurück bei Saab und dem Cabriolet
Endlich angekommen, zurück bei Saab und dem Cabriolet

Und da war er, dunkelblau, mit Verdeck in Wagenfarbe, wenig Kilometer, handgeschaltet und sehr preiswert.

Geburtstag am 20. Dezember 2005, Geburtsort Graz in der Steiermark bei Magna Steyer. Modelljahr 2006, Erstverkehrseinsetzung schon im Januar 2006. Gekauft von mir im Jahr 2011 oder war es 2012? Das war noch zu einer Zeit, wo sich etliche von ihren Saabs trennten, weil sie Angst wegen den Ersatzteilen hatten! Umso besser für mich und die Portokasse!

Zwar mit dem Sechszylinder-Motor, der ja in bester GM-Manier nicht gerade als verbrauchsarm konzipiert war. Allerdings war und ist das Cabrio mit dieser Motorisierung wunderbar schalt faul und niedertourig zu fahren. Oder wie es auto motor und sport mal beschrieb: „Der kräftige, kultivierte Turbo-Sechszylinder mit seiner harmonischen Leistungsabgabe ist das Sahnestückchen dieses 9-3…… weil er prima zieht, immer zügig aufs Gas anspricht und bei Bedarf locker bis 6500 Touren dreht, vermittelt der V6 das Gefühl überlegener Motorisierung. Auf der Autobahn beispielsweise genügt der sechste Gang – für das Bummeln durch Baustellen ebenso wie für das Erstürmen der Kasseler Berge.“

Der von Holden konzipierte Motor ist tatsächlich sowas von elastisch und hängt dank des Turbo auch in einem eigentlich zu hohen Gang mehr als genug am Gas um im Schweizer Verkehr problemlos mitzuschwimmen. Und wenn es dann statt über die Kasseler Berge über einen Bündner Pass geht – zum Beispiel damals als der Albulapass frisch asphaltiert war – aber lassen wir das.

Das wird wohl noch nicht verjährt sein.

In der Zwischenzeit hat das Cabrio 190‘000 Kilometer und macht immer noch jeden Tag Spaß. Wie hieß es mal in der Porschewerbung?

Zuerst das Vergnügen, dann die Arbeit und dann wieder das Vergnügen. Genauso geht es mir jeden Tag, aber mit einem viel cooleren Auto! Und der Verbrauch? Hält sich in erstaunlich engen Grenzen. Ich fahre das Cabrio im Schnitt mit circa 9 Litern Normalbenzin 95 Oktan auf 100 Kilometern. Reine Kurzstrecken von etwa 20 Kilometern einen Liter mehr, größere Strecken bis einen Liter weniger.

Und bin dabei beileibe kein Verkehrshindernis. Zumindest nicht, wenn man den Blechpolizisten glaubt, die mir immer wieder mal eine Zahlungsaufforderung, leider ohne Foto für den Blog, zusenden. Und natürlich, weil ich kaum auf deutschen Autobahnen unterwegs bin. Und in der Schweiz bekanntlich Tempo 120 auf den Autobahnen als Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben ist.

Wobei es nicht mehr allzu viele Autobahnabschnitte mit 120 hat. Weil, nun ja, Politik ist im Blog von Tom nicht gewünscht, aber ihr wisst alle, was ich meine. Und ja, ich fahre auch Fahrrad (Renner und Mountainbike) und sogar ÖV wenn’s sein muss. (Seit Corona muss es übrigens seit Ende Februar nicht mehr sein).

Und sonst?

Natürlich hat ein älteres Auto mal seine Macken, auch ein Saab. So musste ich die Temperaturwarnanzeige fürs Motorenöl deaktivieren, weil jedes Mal, wenn ich über 140 Km/h darauf hatte, hat sich die Anzeige mit einer Störungsmeldung bemerkbar gemacht. (Wie ich in der Schweiz offiziell auf über 140 Km/h komme, ist mir allerdings schleierhaft, großes Pfadfinder Ehrenwort.)

Und die Sitze?

Na ja, die Cabrio Sitze sind konstruktionsbedingt, weil die Sitzgurte nicht an der Karosserie verankert sind, eindeutig weniger bequem als bei der Limousine. Und die Ledersitze sind im Hochsommer bei offenem Cabrio und Sonnenschein spätestens beim ersten Lichtsignal ein Problem. Nach 20 Sekunden beginnt wieder das Spiegeleierproblem, nach 30 Sekunden beginnt man langsam niederzugaren und gleichzeitig auszutrocknen und nach 40 Sekunden hilft nur noch eines, endlich Grün oder das Verdeck schließen.

Und wenn man die Schweiz kennt, hier will man ja nicht, dass der Verkehr fließt, sondern stillsteht, also Verdeck zu und warten bis zum Sonnenuntergang oder auf eine große, weiße Wolke. Dann ist es sehr stylisch und angenehm. Oder im Winter in den Dolomiten. Links und rechts meterhohe Schneewände. Minus zwei, drei Grad, Sonnenschein und extrem trockene Luft. Verdeck runter, Daunenjacke an und im wahrsten Sinne des Wortes cool, aber ohne zu frieren, von Cortina d‘Ampezzo nach St. Christina oder auch nur über Misurina und Toblach nach Sexten oder wie auch immer.

Und dank Windschott sitzt auch die Frisur der Beifahrerin noch!

Und wie sieht die automobile Zukunft aus bis ich als pensionierter Tattergreis mit einem bis dahin hoffentlich autonomen, selbstfahrenden Irgendwas unterwegs bin? Etwas ÖV und bei Bedarf ein Mietwagen? Das ist sicher ökonomisch das Vernünftigste. Vor allem bei den horrenden Parkplatzpreisen mitten in Zürich.

Ich denke aber, das Cabrio fährt noch ein paar Jahre und dann, ja, was dann? Auf die Suche machen nach einem jüngeren Saab mit weniger Kilometern? Ein Fiat 500 Elektro? Ein links und rechts und vorne und hinten und überhaupt bei jedem Überholvorgang und bei jedem Straßensignal piepsendes Ungeheuer namens Volvo mit Innenraumkameras, die den Fahrer überwachen, ob er überhaupt noch fahrtüchtig ist, dazu erst noch bei 180 Km/h abgeriegelt, wenn es wieder mal auf der Autobahn über die Kasseler Berge ginge und sich von Audis und BMWs abhängen lassen?

Einen Opel Insignia, der noch ein paar Saab-Gene hat, und darüber hinwegsehen, dass Opel wohl entscheidend dazu beigetragen hat, dass es Saab nicht mehr gibt? Oder lieber mit einem entsprechenden Lotto-Gewinn ein Fisker E-Motion, sofern der wirklich mal gebaut wird?

Die Zukunft wird es weisen, ich denke aber, ich bleibe Saab noch eine ganze Zeit lang erhalten.

Text und Bilder: Gigi

Vorherige Teile:

Saab, Saab oder Saab – Der Weg zurück (1/2)

Fiat, Volvo oder Alfa? Was ein eigentlich überzeugter Saab Fahrer fährt.

Volvo oder Saab oder doch ÖV?

Volvo oder Saab, oder doch Alfa Romeo?

Volvo, Saab oder doch Volvo – Werbetexter bei Volvo

Volvo 940, 960 oder doch der neue 850?

3 thoughts on “Saab, Saab oder Saab. Der Weg zurück – das Finale.

  • hab ich jetzt grade durch….STEMI ,2 stents 5 medikamente auf dauer. Plan: im sommer ,frisch geimpft (ohne Corona ) mit blauem cabrio von 2007 langsam ( max 120 km/h ) durch die Schweiz( bis auf skt, gallen und lugano ( kongresse )noch nicht viel gesehen ) und dann florenz ,mailand und toskana (1-2 Monate ) vielleicht macht jemand von euch mit nicht nur im Traum…

  • Danke für diesen wärmenden Bericht ud das sehr schöne Foto mit der halb hinter Wiesenblumen versteckten Schönheit – sehr gelungen! So eine schwere OP, die ja augenscheinlich glücklicherweise gut überstanden wurde, ist natürlich ein ganz besonderer Anlass, sich endlich das schönste aller Cabrios, ein Saab Cabrios 🙂 , zu kaufen!

    Bei mir war es bzgl. der Modell-Reihrnfolge umgekehrt: ich bin vor 18 Jahren zum Saab Cabrio gekommen und damit zu Saab überhaupt. Seitdem fahre ich jetzt mein dritttes Saab Cabrio, durchgehend Saab und habe zur Schonung desselben noch einen SportCombi angeschafft. Deshalb fahre ich das Cabrio im Winter praktisch nicht.

    Aber Ihre Idee, im Winter bei Schnee und trockener Luft offen zu fahren, lässt mich seit der Lektüre des Artikels nicht mehr los, es klingt herrlich! 🙂 Nun ja, bei unseren milden, aber trüben Wintern hier im Norden kommt man eher nicht auf die Idee, bei 10 Grad plus und Nieselregen offen Cabrio zu fahren. Aber wenn wir auch mal einen “richtigen” Winter kriegen, wer weiß? Danke für den Tipp!

    In einem Punkt muss ich allerdings widersprechen: Die Sitze in meinem Cabrio sind die besten, die ich je hatte, allerdings auch Sportsitze und neuer (Grifgin, MY 12). Noch deutlich besser als die schon dehr gutenim Kombi. Und dass die Gurte direkt im Sitz verankert sind, ist ein sehr teurer hoher Sicherheitsaspekt, den Saab sich meines Wissens als einziger Hersteller (neben, so weit ich weiß, einem einzigen Mercedes Cabrio früher) geleistet hat, ab dem 9-3 II. Vorher, beim 9-3 I, war es schon nervig mit den rumbaumelnden Gurten, gerade auch, wenn man an die Rückbank wollte.

    Auch finde ich, dass ein Cabrio Ledersitze haben MUSS, die gehören für mich einfach dazu! 🙂 Das Hitze-Klebe-Problem kenne ich nur, wenn das Cabrio vorher in der Sonne gestanden hat. Wenn ich draufsitze, scheint die Sonne nicht durch mich hindurch … 😉

    Aber das geht jedem bestimmt anders! Noch viel Freude mit dem Cabrio! Und natürlich erforderlichenfalls bitte nur durch ein anderes Saab Cabrio ersetzen! 🙂

  • An 7 Tagen erschuf …

    Vielen Dank Gigi, für den tollen 7-Teiler. Und immer eine gute Fahrt mit dem Jüngsten. Auch wieder ein sehr schönes Auto.

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