Fiat, Volvo oder Alfa? Was ein eigentlich überzeugter Saab Fahrer fährt.

Ich weiß jetzt nicht, ob man als Saab Fahrer mit einem Saab, egal welches Modell und welcher Jahrgang, für besonders viel Aufsehen beim gemeinen Volk sorgt. Außer natürlich bei Kennern, versteht sich. Ich selber hatte aber das Glück im Laufe der Zeit, zwei „Nicht-Saabs“ zu fahren, die für viel Aufsehen sorgten.

Mein Volvo P1800 ES
Mein Volvo P1800 ES

Einerseits einen Volvo 1800 ES, besser bekannt als Schneewittchensarg, und dann einen der allerersten Alfa Romeo 156 in der Schweiz, den zu Beginn ganze Trauben von Interessierten bewunderten. Wie es als eigentlich überzeugter Saab-Fahrer sowie Werbetexter für Volvo, Subaru und Jaguar dazu kam, möchte ich hier kurz schildern.

Wie das so geht im Leben, eines schönen Tages trennten sich die Wege der Volvo-Werbeagentur und mir, sowie auch die meiner Frau und damit auch meines Saabs 900 (der blieb bei ihr). Und ich stand plötzlich ohne Auto da. Und ich gestehe es, ich ging fremd. Und kaufte mir auf die Schnelle einen Fiat Uno.

Ein Wägelchen, das als Stadtauto ein paar Jahre lang wunderbar funktionierte und 100 000 Kilometer lang keine Probleme hatte. Rein gar nichts, nicht einmal Rost, außer den Rehbock, den ich damit mal abschoss. Natürlich habe ich mir damals auch überlegt, einen Saab zu kaufen, aber Saab gehörte damals schon zu großen Teilen GM und das hielt mich dann davon ab.

Und Volvo?

Die hatten lange nur Hinterradantrieb, von den Modellen 440, 460 und 480 wollen wir mal diskret absehen, und der neue 850 war zwar der erste richtige Volvo mit Vorderradantrieb, aber in der damaligen Situation mir zu teuer. Und überhaupt hätte ich eigentlich einen Subaru oder einen Jaguar fahren sollen. Beides hätte ich als Firmenfahrzeug bekommen, wenn ich denn gewollt hätte, weil ich in der Zwischenzeit für diese beiden Automarken in einer anderen Werbeagentur textete. Und das als Fiat Uno Fahrer!

Eine schwedische Schönheit
Eine schwedische Schönheit

Zum großen Entsetzen beider Marketingabteilungen

(Immerhin konnte ich Auto fahren, was man von vielen der damals bekannten und erfolgreichen Auto-Werbern in der Schweiz nicht behaupten konnte. Einige davon können sogar bis jetzt nicht selber Auto fahren.)

Ich war also für Saab wie auch Volvo für immer verloren? Nicht so ganz, denn ich verguckte mich in der Zwischenzeit in einen Volvo 1800 ES in Gold Metallic. Automat zwar, aber mit nur 51 000 Kilometern, Klimaanlage, automatischem Sperrdifferential und allen anderen Extras, die es damals für diesen Wagen gab.

Sie erregte damals viel Aufsehen
Sie erregte damals viel Aufsehen

Natürlich fuhr ich den Schneewittchensarg samt passendem Schneewittchen nur an Wochenenden und in den Ferien. Und erregte überall entsprechendes Aufsehen. Einmal umrundeten zwei Italiener den „Schweden-Ferrari“ und meinten nach entsprechender Bewunderung der schnittigen Silhouette als Fazit: „Più bella di una donna.“ Schöner als eine Frau. Wir einigten uns dann darauf, dass es auch auf die Frau drauf ankomme.

Sehr zur Freude meiner Begleitung

Der Volvo 1800 ES machte viel Spaß zum Fahren, allerdings mochte er heißes Wetter oder gar Stau überhaupt nicht und das Kühlwasser begann sich jeweils dampfend zu verflüchtigen. Das hieß, bei Stau auf der Autobahn gab es nur eines. So schnell wie möglich raus, wenn nötig über den Pannenstreifen. Dafür funktionierte die Klimaanlage (noch mit Freon!) wie ein Gefrierschrank und produzierte deziliterweise Kondenswasser, welches sich bei jeder scharfen Kurve entweder über die Füße des Fahrers oder der Beifahrerin ergoss.

Die Uhrensammlung - ein Traum
Die Uhrensammlung – ein Traum

Aber auf die Dauer zwei Autos in der zunehmend autofeindlichen Stadt Zürich, wo die Parkplätze in der Innenstadt ein Vermögen kosten? Schon vernunfthalber habe ich nach ein paar Jahren den Schneewittchensarg verkauft. Immerhin zum gleichen Preis, den ich sechs Jahre zuvor dafür bezahlt habe. Allerdings wäre er heute wohl das Doppelte wert. Und manchmal trauere ich ihm noch nach. Er scheint aber in guten Händen zu sein, habe ich doch „meinen“ Volvo in der Zwischenzeit ein, zweimal am Straßenrand gesehen.

Weiterhin im Originalzustand und unverbastelt

Dazu stand noch einmal Nachwuchs ins Haus. Ein neuer Wagen musste also her. Aber was? Saab war aus meiner Sicht praktisch Opel und Volvo war Ford. Dazu steckte im Volvo V40 etwas gar viel Mitsubishi. Die neue A-Klasse von Mercedes schied nach einer Probefahrt, noch ohne die elektronischen Helferlein, schon in der ersten, scharfen Kurve aus.

Gold Metallic steht dem P1800 ES sehr gut
Gold Metallic steht dem P1800 ES sehr gut

Was nun?

Blieb eigentlich nur eine unerfüllte Jugendliebe: Alfa Romeo. Der neue 156er mit den versteckt angebrachten hinteren Türgriffen, sodass das Auto von der Seite wie ein Zweitürer aussah, war Liebe auf den ersten Blick. Und das in einem himmlischen Hellblau namens Azzuro Tazio Nuvolari. Die deutschen Motorsportpostillen mäkelten zwar an der Verarbeitung, am Stoffbezug und am Interieur herum, gestanden aber immerhin ein, dass dagegen ein BMW 320 direkt langweilig aussah.

Langweilig war der Alfa denn auch keineswegs. Ein schlichtweg tolles Auto, mit tollem Motor, wunderbar verarbeitet, herrlich zu fahren und auch der Stoff der Polster war nach 155 000 Kilometern noch fast wie neu. Und mindestens zu Beginn standen teils bis zu zwei Dutzend Passanten um das parkierte Auto herum und bewunderten Design und Farbe.

Alfa 156 - Serie 1
Alfa 156 – Serie 1

Noch schlimmer, vor lauter Bewunderung fuhr mit einer nach nur 3 000 Kilometer hinten drein. Der neue Alfa sei so schön anzusehen, dass er vergessen habe, zu bremsen! Zum Glück war der Schaden nicht allzu groß und ich war ein paar Jahre lang stolzer Alfa Fahrer.

Und ja, Jeremy Clarkson von Top Gear hat recht, einmal im Leben muss man einen Alfa fahren.

Alles paletti also? Naja, auch ein Alfa ist nur ein Italiener. Irgendwie haben sie vergessen, bei der Bodenplatte auf rostfrei zu bestehen. Schon bald bröselte der fahrbare Untersatz unter meinem Allerwertesten vor sich hin und wenig hätte gefehlt, dass ich zwischen den Beinen den Zustand des Straßenbelages aus der Nähe hätte studieren können.

Keine Chance also nochmal die Motorfahrzeugkontrolle (entspricht dem TÜV) zu bestehen. Wiederum musste ein neues Auto her. Und da es keinen Alfa mehr in der Farbe Azzuro Tazio Nuvolari gab, mussten sie in Turin meinen Namen gezwungenermassen aus der Kundenliste streichen. Sonst, in hellblau, wer weiß, würde ich wohl noch heute Alfa fahren.

Und da in der Zwischenzeit Saab sich von GM gelöst hatte …

Text: Gigi

Bilder: Gigi (5), FCA (1)

Text und Bilder: Gigi

Vorherige Teile:

Volvo oder Saab oder doch ÖV?

Volvo oder Saab, oder doch Alfa Romeo?

Volvo, Saab oder doch Volvo – Werbetexter bei Volvo

Volvo 940, 960 oder doch der neue 850?

2 thoughts on “Fiat, Volvo oder Alfa? Was ein eigentlich überzeugter Saab Fahrer fährt.

  • Shooting Break

    Wunderschöne Autos. Ein Alfa möchte ich auch noch einmal besessen haben. Ich hoffe, die Marke bleibt uns erhalten und kommt wieder mit einem Kombi …

    @ Aero-93,

    Was sind denn die bekannten Mängel am P1800ES?
    Die Technik gilt doch allg. als simpel und zuverlässig?
    Motoren, Getriebe und Fahrwerkskomponenten stammen aus dem Regal der damaligen Volumenmodelle und der P1800 steht im Guinness Book of Records für die höchste Laufleistung, die je ein PKW erreicht hat …

    @ Gigi,

    vielen Dank! War mir wieder ein Lesevergnügen.

    P.S. (Shooting Break)
    Wer die Herkunft kennt, ließt nicht weiter. Erfunden hat diesen Fahrzeugtyp der britische Landadel zusammen mit Karosseriebauern. Es galt als standesgemäß und sportlich, etwa mit einem Aston Martin zur Jagd zu fahren. Und es galt als stillos, den Tee nicht aus Porzellan und nicht bei Tisch einzunehmen. Also wurden Sportwagen umgebaut, um den Picknickkorb, 2 Klappstühle für Lord & Lady und einen Tisch für die Pause (den Shooting Break) fassen und bequem stauen zu können.
    Einen Shooting Break zu besitzen, war der maximal mögliche Ausdruck dafür, frei von wirtschaftlich Zwängen Freizeit gestalten und seine Transportkapazitäten einzig an Vergnügen und Genuss ausrichten zu können. Was für ein Image ! ! !
    Die Hersteller, die solche Autos früh in Serie realisiert haben, kann man dennoch an der Hand abzählen. Der P1800ES ist definitiv ein schönes und besonderes Auto.

  • Dank an Gigi für die unterhaltsame Story. 2 zweifellos wunderbare “Ersatz-PKW” (statt SAAB) standen da eine Zeit lang in der Garage. Hätte allerdings nicht gedacht, SO bei dem ES 1800 “leiden” zu müssen… Aber da waren die PKW´s wohl noch nicht so perfekt durchgestylt/-konstruiert.
    Der Schneewittchensarg ist selten geworden, leider. Trotz der (bekannten ?) Mängel ein Traumwagen.

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