Volvo oder Saab, oder doch Alfa Romeo?

Früher, ja früher war die Welt noch in Ordnung. Es galt sich meist nur zwischen jeweils zwei Optionen zu entscheiden. Beim Skilaufen zwischen Alpin oder Nordisch, bei den Ferien zwischen Meer oder Alpen, beim Einkaufen zwischen Coop oder Migros. Der geneigte Leser merkt’s, ich bin aus der Schweiz – und, noch lange vor den ersten 4 × 4 Antrieben galt es auch, sich zwischen Hinter- oder Vorderradantrieb zu entscheiden.


Oder konkreter zwischen Volvo oder Saab. Oder doch einen Alfa?

So oder so, diese drei Automarken prägten und prägen immer noch mein automobiles Leben.

Ende der siebziger Jahre, gerade als ich es mir leisten konnte, mein erstes Auto zu kaufen, stand ich vor einer schwierigen Entscheidung. Einen Volvo mit Hinterradantrieb oder einen Saab mit Vorderradantrieb? Oder eventuell doch etwas Passenderes zu meinen damaligen Musikgeschmack, nämlich etwas Rassigeres aus Italien. Einen schneeweißen Alfa Romeo Giulia oder einen blutroten Alfa Sprint Veloce?

Letzteres hat sich dann beim näheren Betrachten des Zustandes der angebotenen Gebrauchtwagen mehr oder weniger von alleine beantwortet. Leise rieselte da nicht der Schnee, sondern vielmehr die rotbraune Pest, an den Türschwellen, am Unterboden, eigentlich überall. Und da der Alfa Sud meiner Freundin auf Schnee das Fahrverhalten eines Rodels auf Glatteis hatte, war das Thema vorläufig bei meinem Wohnort in Graubünden erledigt.

Wobei ich aber mit Jeremy Clarkson von Top Gear einig gehe, irgendwann im Leben muss ein richtiger Mann einen Alfa fahren. Doch das war dann schon zur Jahrhundertwende und auch der Alfa Romeo 156 in Blu Tazio Nuvolari ging den Weg vieler Italiener, er wechselte die Farbe in Rost Braunrot und irgendwann hätte ich zwischen den Beinen den Zustand des Straßenbelages aus der Nähe studieren können.

Aber zurück ins Jahr 1978 und zur großen Frage Volvo oder Saab?

Nun denn, gefallen hat mir ein gebrauchter, himmelblauer Volvo 1800ES schon, aber der Preis? Viel zu teuer damals für mich. Kostete doch so ein fabrikneuer Schneewittchen Sarg anfangs der 70er Jahre mehr als ein Porsche. Und 20 000 Franken für einen Gebrauchten waren definitiv viel zu viel für mich. Aber auch einen Volvo Amazon oder dann einen Volvo 144 oder gar 164 hätte ich mir als fahrbaren Untersatz gut vorstellen können, aber eben, Hinterradantrieb. Und wer will schon das ganze Winterhalbjahr mit zwei Betonelementen im Kofferraum und einem Sack Sand rumfahren, nur damit er nicht an jeder zweiten Steigung hängenbleibt?

Also kam für mich als nordisch orientierter junger Mann eigentlich nur noch ein Saab infrage. Allerdings, Saabs waren in der Schweiz nicht gerade häufig, und in Graubünden schon gar nicht. Es würde mich nicht wundern, wenn ich gar den ersten Saab in Graubünden besessen hätte.

Wie aber der Zufall so wollte, habe ich mir bei einem großen Volvo-Händler in der Kantonshauptstadt die Okkasion-Volvos angeschaut und da, da stand ein völlig anderes Auto. Ein Saab 99 GL in Orange, Pardon Indian Yellow. Nicht nur von der Farbe stach das Auto aus der Masse heraus.

Es war nicht nur anders, es war spezieller, das Schrägheck dieses Kombi-Coupé hatte es mir sofort angetan. Ein Kombi, der trotzdem schick daher kam und sich mehr als angenehm fuhr. 7000 Franken war damals zwar viel Geld für mich, aber wirklich bereut habe ich es nie.

Obwohl das Fahrzeug auch so seine Macken hatte.

Beispielsweise brauchte ich fast mehr frische Auspufftöpfe und Auspuffrohre als manche Leute frische Unterhosen, aber der Spaßfaktor auf Schnee war nicht zu übertreffen. Ich befürchte, dass es heute noch Einheimische in Arosa, Davos oder in St. Moritz hat, die sich mit Schrecken an einen orangen Saab mit Bündnernummernschild erinnern, der sie vermeintlich auf halsbrecherische Weise auf schneebedeckter Straße überholte. Passiert ist auf alle Fälle nie etwas. Das Geheimnis war einfach, allerbeste Winterpneus, damals Fulda Kristall, sauber eingestellte Bremsen und im richtigen Moment wieder Gas geben oder dann mit der Handbremse das Heck rumreissen.

Nun denn, das war der erste Saab, es folgten bis jetzt noch drei weitere, und nebst dem Alfa 156 auch ein Schneewittchen Sarg.

Text und Bild: Gigi

7 Gedanken zu „Volvo oder Saab, oder doch Alfa Romeo?

  • Gigi,

    vielen Dank. Großes Lesevergnügen. Der Orange sieht klasse aus.

    Das sind auch meine Marken. Alfa fehlt mir noch. Ich hoffe, die Marke bleibt erhalten und dass es wieder einen Kombi geben wird.

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  • ….und Langlaufski auf dem Dach! 🙂 ,…auch meine Kombination!

    Antwort
  • P.S.

    Ist das der Auftakt einer Reihe oder ein geschlossener Artikel?

    Die anderen Saabs in Wort & Bild aus Gigis Feder sind bestimmt auch ein Lesevergnügen.

    Und der Schneewittchen Sarg sicher auch. Würde auch gut dazu passen, dass der Blog die Göteborger ja zunehmend auf den Radarschirm nimmt.

    Der P1800 ist definitiv einen Betrag wert. Wunderschönes Auto mit einem nahezu unverwüstlichen Motor. Ganz großes Volvo-Kino.

    Lieber Gigi,
    bitte mehr davon, mehr von dir und deinen Autos.

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    Antwort
  • Hallo!

    Toller Bericht! Nur wie Du bei einem 99 mit Handbremse vorne mit selbiger das Heck herumgerissen hast, würde mich schon interessieren ;-)))) …

    liebe Grüße
    Gerald

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  • Tolle Story und ein cooles Vintage Foto. Kommt die Fortsetzung?

    Antwort
  • Pures Lesevergnügen!
    Großer Dank an Gigi! 🙂
    Zitat: Nun denn, das war der erste Saab, es folgten bis jetzt noch drei weitere, und nebst dem Alfa 156 auch ein Schneewittchen Sarg.
    … und bitte auch die Geschichten für diese Fahrzeuge, die es sicher gibt…
    Erfreuliche Woche!

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  • Irgendwie ging es. Ich glaube mit dem Allerwertesten nachgeholfen?

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