Meine Saab Geschichte

Ich bin wahrscheinlich nicht DER größte SAAB-Fan der Welt, aber auf jedem Fall einer der größten. Dabei habe ich mich schon vor vielen Jahren infiziert als ich noch ein junger Bub war und ich jeden Freitagmittag die Autohändler in der Stadt abgeklappert bin um Prospekte zu sammeln.

Saab 900 1996
Schwedische Eleganz, Saab 900 II Coupe

Der lokale SAAB-Händler hat so ab und zu mal den Besitzer und den Ort gewechselt, aber mir entkommen konnte er nicht! In dieser Stadt in den Niederlanden (Zwolle) gab und gibt es immer noch ein SCANIA Montagewerk. Dort hat ein Bekannter meines Vaters gearbeitet und als der eines Tages mit einem 900 turbo ankam (das muss so um 1983 gewesen sein) war ich endgültig vergeben.

Dabei ist SAAB nicht meine einzige favorisierte Marke. Ich habe ein Faible für Marken die auf jedem Fall nicht den Mainstream entsprechen und irgendwie etwas Besonderes haben wie zum Beispiel auch Marken wie Lancia oder Rover. Leider tun sich diese Marken aber sehr schwer zu überleben, da sie nur geringe Stückzahlen verkaufen. Ich arbeite aktuell in der Produktstrategie einer deutschen Premium-Marke und weiß wie teuer es ist ein komplett neues Fahrzeug zu entwickeln.

Dort werde ich zwar manchmal etwas belächelt, aber erstens ist mir das egal – ich stehe zu meiner Leidenschaft – und zweitens bin ich nicht der Einzige. An SAAB interessieren mich insbesondere das reduzierte schwedische Design und die Turbo-Technologie. Die Sicherheitsgedanke und das Umweltbewusstsein runden das Bild ab.

Als Ingenieur Fahrzeugtechnik fand ich den Turbo-Motor immer intelligenter und fortschrittlicher als ein großvolumiger Sauger. Es ist wesentlich anspruchsvoller bei gleicher Fahrbarkeit viel Leistung und Drehmoment aus einem kleinen Motor mit weniger Hubraum zu holen als aus einem Großen. Dabei ist der kleine Motor deutlicher effizienter! Anfang der 80-er noch ein Exot, finden heute im modernen Automobil fast ausschließlich Turbomotoren Verwendung, aber das konnte auch Per Gillbrand als er in den 70er-Jahren mit der Entwicklung begonnen hat, sicherlich noch nicht ahnen.

Ich besitze 2 SAAB mit Turbomotor (185 PS) und zwar einen 900 Coupé und ein 900 Cabriolet. Beide sind Modelljahr 1996, es handelt sich also um den 900 II. In der SAAB-Fangemeinde wird der 900 II z.T. nicht als echter SAAB betrachtet. Ja, das Auto baut auf eine Opel-Plattform auf und hat einige Opel-Teile. Aber ohne GM und den technischen Basis hätte SAAB meiner Meinung nach nicht mal die 90er überlebt (siehe das Buch „SAAB 900 – Eine schwedische Geschichte“). Ich finde, dass es dem Entwicklungsteam unter Leitung von Yngve Larsson sehr gut gelungen ist viele typische SAAB-Elemente ins Design zu integrieren und der 900 II ist somit ein echter SAAB! Vor allem das Coupé finde ich sehr attraktiv durch die Pfeilform und die sehr sportliche C-Säule, die sehr an den 900 I erinnert. Jetzt noch unterbewertet, aber ich bin mir sicher, dass auch der 900 II ein Klassiker wird!

Mein Coupé befindet sich in einem sehr guten originalen Zustand und ist weiter ausgestattet mit dem genialen Sensonic-System. Ich liebe es selbst zu schalten, aber das Ein- und Auskuppeln ist manchmal doch lästig. Vor allem in der Stadt oder im Stau. Das Sensonic hat mich bereits 140.000 km und 15 Jahre zuverlässig bei der Schaltarbeit unterstützt. Das 900 II Coupé mit Turbomotor und Sensonic dürfte jetzt sehr rar sein und ich würde es für kein Geld auf der Welt verkaufen. Kürzlich habe ich im SAAB-Museum in Trollhättan den Entwickler des Getriebes getroffen. Das war ein sehr interessantes Gespräch. Thanks Peter Bäckström!

Mein Cabriolet ist ein amerikanisches Modell, war aber nie dort. Es wurde erstmalig in den Niederlanden zugelassen, wahrscheinlich war es ein amerikanischer Diplomat, der das Auto gekauft hat. Wie dann das Auto nach Deutschland gekommen ist, muss ich noch heraus finden. Es handelt sich um das Topmodell mit Vollausstattung. Sogar die elektrische Sitzverstellung ist an Bord. Kurioserweise war übrigens in den USA der V6 damals teurer als der 2-Liter Turbo und somit das eigentliche Topmodell. Das Gefühl einen SAAB Cabriolet im Sommer bei schönem Wetter zu fahren ist unbeschreiblich. Obwohl ich aber auch bei niedrigeren Temperaturen offen fahre! Dank guter Heizung, Sitzheizung und Windschott ist das kein Problem.

Um die beiden 900 zu schonen habe ich für den Winter als Daily Driver einen 9-3 Modelljahr 2000 gekauft. Ich halte es einfach nicht aus 5 Monate keinen SAAB zu fahren! Trotz seinen 17 Jahren, 200.000 km, 2-Liter Sauger und Automatik fährt das Auto sehr gut. Mit der Automatik habe ich mich arrangiert, es schaltet immer noch sehr weich. Das Auto entschleunigt ungemein und eignet sich ideal zum Pendeln in die Arbeit und zum Cruisen.

Außer Autos sammle ich sämtliche Veröffentlichungen über SAAB. Ich habe nahezu alle Verkaufsprospekte ab 1960 bis 2012, also vom 95/96 bis 9-5 NG. Sonst sammle ich Bücher, Pressemappen, also alles was ich kriegen kann. In meinem Keller habe ich auf 30 m² ein kleines Automobilarchiv aufgebaut und so wird das SAAB-Virus bei mir noch lange anhalten!


Danke an Herman für seine Saab Story! Dafür geht eine unserer exklusiven Saab Bordmappen auf die Reise. Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, einer Restauration oder einer anderen Begebenheit im Leben mit der Kult Marke aus Trollhättan?

Dann bitte Geduld… Denn der Einsendeschluss für unsere Saab Bordmappen war der 31.12.2017. Termin verpasst? Die nächste Aktion kommt bestimmt. Zuvor veröffentlichen wir aber noch einige Saab Geschichten aus dem Jahr 2017!

11 Gedanken zu „Meine Saab Geschichte

  • 16. Februar 2018 um 11:38 AM
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    Eine sehr schöne Story… Mir ging beim lesen das Herz auf. Ich werde mich niemals freiwillig von meinem 93 Cabrio Baujahr 1999 trennen. Kein Rost, keine Probleme und die Automatik schaltet wunderbar weich.. freu mich schon auf die nächsten Geschichten.

  • 16. Februar 2018 um 11:49 AM
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    Hallo Herman,
    sehr schöne und vorallem interessante Geschichte. Auch ich besitze 2 Saabs, darunter ein 9.3 Cabrio von 2000, 50 Modelle, 20 Bücher, unzählige Prospekte und 9, prall gefüllte Ordner mit Veröffentlichungen . Dazu noch allerhand Anderes rund um Saab.
    Vielleicht könnten wir Mal Kontakt aufnehmen, aber wie?
    Eventuell gibt es ja für Jeden noch was Unbekanntes.

  • 16. Februar 2018 um 2:26 PM
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    Das war eine tolle Story. Vielen Dank!

    Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass dahinter noch andere Geschichten stecken. Etwa die über die Sensonic!
    Zitat: “Das war ein sehr interessantes Gespräch. Thanks Peter Bäckström!”

    Um ehrlich zu sein, ich weiß nichtmal was die Sensonic ist. Ist das nun eine Halb- oder Vollautomatik? Oder ist sie etwas ganz anderes und eigenes? Ist sie eine Art automatischer Kupplung?

    Was immer sie ist, sie scheint eine Eigenentwicklung von SAAB zu sein, sich auf dem Markt nicht durchgesetzt zu haben und mich macht das sehr, sehr neugierig …

    Also Dank für die Story, aber bitte, bitte noch mehr davon und dazu …

    • 16. Februar 2018 um 6:18 PM
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      da gab es mal ein super Werbevideo für die Sensonic, findet Tom bestimmt irgendwo, …also nur so viel man (Mann) braucht keine Kuplung zu treten! 😉

      ..hab doch gleich mal selber gesucht, aber vieleicht gibt es ja irgend wo ne bessere Qualität:

      • 17. Februar 2018 um 7:22 AM
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        Danke! Toll was den Trollen so alles einfiel. Genial! Ich lerne immer wieder dazu.

        Und ich mag Handschalter, brauche aber keine Kupplung.

      • 17. Februar 2018 um 12:33 PM
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        Nochmals Danke. Habe mir das Video jetzt schon mehrfach angeguckt …

        … und selber noch ein wenig recherchiert. Anscheinend gab es die Sensonic nur 1995 und 1996. Und nur im 900 und nur in Verbindung mit den Turbos. Also ist ein Seltenheitswert garantiert.

        Und ich fühle mich jetzt etwas besser. Man kann ja nicht alles kennen, was SAAB je gemacht hat. Insbesondere nicht alles mit Seltenheitswert …

        Anscheinend handelt es sich NICHT um eine Visko-Kupplung, sondern um eine ordentliche wie beim Handschalter. Nur, dass sie elektro-hydraulisch automatisch betätigt wird und schneller und präziser sein soll, als ein Fahrer es je sein könnte.

        Ergo sollte es keinerlei negativen Einfluss auf Verbrauchswerte geben und die Performance optimal sein. Turbo und Sensonic passen anscheinend wie die Faust aufs Auge. Klingt genial ! ! ! Will ich auch …

        Interessant wäre jetzt noch, warum sich die Sensonic nicht durchgesetzt hat? Technisch Anfällig? Nachfrage? GM? Wer weiß …

        • 17. Februar 2018 um 9:07 PM
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          Ein heikles Thema. Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Angeblich war ein minderwertiges Bauteil aus dem GM Regal für die Unzuverlässigkeit der Sensonic verantwortlich. Deshalb wurden viele Fahrzeuge umgerüstet, einen Überlebenden zu besitzen ist eine echte Rarität. Ein Gespräch mit Peter Backström beim nächsten Besuch in Trollhättan könnte alle Deine Fragen beantworten 😉

  • 16. Februar 2018 um 4:15 PM
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    Wunderbare Geschichte! Dank an Herman. Davon lebt dieser Blog.
    Gruss an alle Saabfahrer!

  • 16. Februar 2018 um 5:39 PM
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    Tolles Timing!
    Die “richtige” Geschichte zum idealen Zeitpunkt:
    Gestern SAAB Saga II, heute der gelebte Betricht mit reichlich herzblut!
    Danke an den eifrigen Schreiber!! 🙂
    Ja, auch die Fotos zeigen tolle Klassiker, edel, zeitlos u elegant.
    Weiterhin viel Freude mit den SÄÄBen…

  • 16. Februar 2018 um 5:52 PM
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    Eine schöne Geschichte und sehr passend nach der Trilogie. Außerdem wird hier mit professionellem Hintergrund 902 gefahren 😉
    Sieht fast aus, wie bei mir zu Hause, da steht auch das silberne Turbo-Coupé und das Cabrio, das allerdings in Scarabäusgrün – hoffentlich ist der Winter bald vorbei 🙂

  • 17. Februar 2018 um 5:19 PM
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    Liebe Mit-SAAB-Freunde,

    Wie sich die Bilder gleichen. Auch wir haben alte 2 SAAB, beide rot, einen 96 aus 1978 und einen 900 II Coupe aus 1997. Den 96er haben wir bereits seit 30 Jahren, haben damit viele Urlaube gemacht und darin gehochzeitet. Mit einem 900 I GLs haben wir vor 25 Jahren 1,5 Jahre in Norwegen gelebt.

    Leider lässt mir mein Job und die anderen Restaurierungsprojekte (3 Motorräder, 1 Vespa) und der Fiat 500 meiner Frau viel zu wenig Zeit für unsere SAABs. Vielleicht müssen wir den 900 II auch irgendwann verkaufen (er bedarf einer Entrostungskur), da wir künftig auch mehr öffentlich unterwegs sein wollen.

    Wie dem auch sei, vielleicht trifft man sich mal bei der ein oder anderen Ausfahrt.

    Uli aus München

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