Volvo, Saab oder doch ÖV?

Mein erstes Auto war also ein gebrauchter Saab. Ein 99 GL in Indian Yellow. Mit einigen Kilometern auf dem Buckel, aber doch im Großen und Ganzen gut im Schuss. Und mit Vorderradantrieb, was mir als Skilangläufer mit Wettkampfambitionen wichtig war.

Die Geschichte spielt in einer analogen Zeit. Bilder sind rar. Der 99 ist daher nur ein Beispielbild.
Die Geschichte spielt in einer analogen Zeit. Bilder sind rar. Der 99 ist daher nur ein Beispielbild.

Wer will denn schon auf dem Weg zu einem Rennen schon vor dem Start bei der erstbesten, verschneiten Steigung aufgeben müssen, nur weil sein Heck am Schlingern und Durchdrehen ist? Eben, und daher galt meine erste große Autoliebe Saab.

Und alte wie erste Liebe rostet bekanntlich nicht, wie man so sagt. Im Gegensatz zu den Auspufftöpfen, die bei mir wohl wegen der vielen Kurzstrecken und der leidigen Angewohnheit die Straßen im Winter zu (ver)salzen in kürzester Zeit sich jeweils ziemlich laut knatternd bemerkbar machten, bevor sie endgültig zerbröselten und ersetzt werden mussten.

Aber kann man eigentlich ein Auto lieben, dass keine Macken hat? Vielleicht, aber so richtig eine lebenslange, tiefe Bindung wird sich wohl nie einstellen. Die Macken des 99 GL waren einerseits die Auspuffanlage und weit gravierender der Thermostat. Leider hat sich das verflixte Ding entweder nicht geöffnet oder blieb permanent offen. (Ich hoffe, das ist technisch korrekt?) Die Folge war, entweder hatte der Motor zu heiß, oder die Heizung funktionierte nicht.

Dies blieb auch mit dem zweiten und dritten Thermostat so. Trotzdem machte (und macht!) Saab fahren viel Spaß. Und gerne immer wieder mal nach Schweden und Norwegen. Damals in den frühen 80er Jahren kosteten ja die Flüge nach Skandinavien zwischen 800.- (Charter) und 1200.- Franken. Aus heutiger Sicht, Unsummen.

Also fuhr man mit dem Auto hin.

Einmal bewältigte der 99GL mit mir als alleinigen Fahrer die Strecke Bellinzona – Kopenhagen noch über den Gotthardpass in einem Stück. Der Motor wurde sehr, sehr heiß, aber der aktuelle Thermostat funktionierte ausnahmsweise und sogar die Abdeckung des Zündverteilers war einigermaßen dicht, sodass auch die flotte Fahrt über die deutschen Autobahnen nicht wegen eines Gewitters abrupt auf der Überholspur gestoppt wurde. Was mir auch schon passierte.

Kurz, die Jahre und die Kilometer summierten sich, und eines schönen Tages spielte der Thermostat wieder mal verrückt und der Motor wurde auf einer Schweizer Autobahn mit damals noch 130 Km/h Höchstgeschwindigkeit in Sekunden, oder doch eher Minuten zu heiß und die Zylinderkopfdichtungen dichteten nicht mehr und der Saab verwandelte sich gefühlt in einen Deux Chevaux, oder eine lahme Ente.

Ebenso der 900 GL. Bilder vom Original existieren leider keine mehr.
Ebenso der 900 GL. Bilder vom Original existieren leider keine mehr.

Eine kostspielige Reparatur stand an, oder ein anderes Auto musste her. Was machen? Natürlich einen neuen Saab kaufen. Etwas anderes kam gar nicht infrage. Und der Saab Händler machte ein gutes Angebot für einen Vorführwagen, der auf dem Hof stand. Ein 900 GL in Karminrot Metallic. Gekauft! Trotz der Metallic Lackierung. Schließlich war in der Zwischenzeit Nachwuchs da und der wollte eine funktionierende Heizung, respektive Klimaanlage.

Und das Auto musste absolut winterfest sein, weil in der Zwischenzeit wohnte ich auf der Lenzerheide, eine Skistation auf 1500 Meter Höhe. Mit zumindest damals Schnee, viel Schnee im Winter. Zum Beispiel im Februar 1984 mehr als vier Meter. Das war übrigens das letzte Mal, dass ich Schneeketten montierte, seither fahre ich die Schneeketten im Winter nur noch im Kofferraum spazieren. Weil, nebst Vorderantrieb sind 1A Winterreifen das Allerwichtigste im Winter.

Und was ist mit Vierradantrieb werden da einige fragen?

Nun denn, anfangs der 80er Jahre kamen mit Subaru die ersten 4 × 4 Fahrzeuge und wenig später machten die ersten Audi Quattro die Straßen Graubündens unsicher. Aufwärts auf Schnee waren sie tatsächlich beeindruckend, aber kurz nach der Passhöhe sah man damals die Quattros links und rechts neben der Straße im Schnee liegen.

Die Physik ließ sich spätestens beim Bremsen nicht überlisten. Und die Subarus? Nun denn, um dem „Ketten obligatorisch“ auf der Hauptstraße von Chur nach Lenzerheide zu umgehen, bin ich damals oft von Tiefencastel auf der Rückseite nach Hause gefahren. Und oft kam es, wie es kommen musste. An den steilsten, verschneiten Stellen standen verschiedenste Fabrikate aus allen Herren Länder und drehten samt Fahrer durch.

Respektive rutschten kreuz und meist quer Richtung Schwerkraft, das heißt auf mich zu und noch schlimmer, auch ich musste daher anhalten. Und die Nicht-Saabs zu Fuß anstoßen. Und selber wieder anfahren, an den steilsten Stellen, die mittlerweile durch die Herumrutscherei zu veritablen Eisbahnen wurden!

Aber ich fuhr ja einen Saab mit Fulda Kristall Pneus und Vorderradantrieb mit Motor auf der Vorderachse und ich wusste, dass ich im 2. Gang, wenn nicht gar im 3. Gang anfahren muss. Auf alle Fälle werde ich das Gesicht des Subaru-Fahrers nie vergessen, den ich eben angestoßen hatte, als er mitbekommen hatte, dass ich praktisch problemlos anfahren konnte!

Mein eigener Ausdruck wird wohl in Richtung strahlend wie ein Maikäfer gewesen sein, auf alle Fälle andere anstoßen und selber wieder anfahren können, ist ein königliches Gefühl, ein Gefühl auf das Hinterradantriebler wohl ewig verzichten müssen! Der Saab 900 GL war auf alle Fälle ein tolles Auto, das viele, viele Jahre gute Dienste leistete und sogar einen Crash ohne Kratzer überlebte.

Eines Wintertages rutschte mir nämlich mitten auf der Lenzerheide ein Fahrer eines Japaners mit einem ziemlichen Bumbs hinten rein. Zum Glück mit seiner Schnauze genau auf die charakteristischen Stoßstangen der damaligen Saabs. Fazit, der Honda war Wellblech und von vorne nicht wieder als Honda zu erkennen und meiner hat nichts. Gar rein nichts, was auch die Saab-Garage bestätigte.

In der Zwischenzeit war ich beruflich in der Werbung gelandet und arbeitete in Zürich als Werbetexter für die Schweizer Bundesbahnen und fuhr daher sehr häufig mit dem Zug hin und her und auch sonst stellte sich die Frage, ob denn ÖV in Zukunft nicht viel vernünftiger wäre?

Aber nach zwei Jahren ÖV hatte ich endgültig genug.

Genug von den Mitreisenden, die als Erstes ihre Schuhe ausziehen, die Füße auf das Polster gegenüber legen, ihre Leberwurstbrote auspacken und dann noch genüsslich eine Orange schälen. Ich kann nur hoffen, dass es bis in 10, 15 Jahren mit den selbstfahrenden Autos klappt, sonst – mir graut schon jetzt davor, vor der Zeit, wo ich alters halber wohl nicht mehr selber Auto fahren kann.

Und bis dahin wird es wohl noch fahrbare Saabs geben, hoffen wir.

Und was ist mit Volvo? Die Werbeagentur, in der ich arbeitete, bemühte sich in einem Pitch um das Schweizer Werbebudget von Volvo. Die Begeisterung war groß, wenn schon Autowerbung, dann schon Volvo, hieß es. Aber der Pitch ging verloren! Trotz einiger meiner Ideen. Was machen? Klar doch, die Werbeagentur wechseln und kurze Zeit später textete ich nicht mehr für die SBB, sondern für Volvo!

Und das als immer noch Saab-Fahrer!

Erster Teil verpasst? Hier lesen: Volvo, Saab oder doch Alfa Romeo.

Text und Bild: Gigi

4 thoughts on “Volvo, Saab oder doch ÖV?

  • Ja, vielen Dank für die Fortsetzung.

    Und auch die Bilder. Die filigran gerahmte Heckscheibe, die Heckklappe des und der indisch Gelbe sind traumhaft schön.

    Nur das mit dem Thermostat verstehe ich nicht. Ist doch eigentlich bewährte und simple Technik. Wenn das Thermostat in einem Wassertopf korrekt auslöst, dann stimmt an anderer Stelle/am Ort des Einbaus etwas nicht.

    Spätestens beim 2. hätte die Werkstatt auf die Idee kommen müssen, das Thermostat im Kochtopf zu prüfen und bei korrekter Funktion den Ort des Einbaus gründlich zu inspizieren – irgendwo muss es ja klemmen.

    Ist schon traurig, wenn Autos wegen Lapalien über den Jordan gehen, Motorschäden erleiden …

    Na ja, kommt halt vor und schön, dass der Autor Saab trotzdem die Treue hält. Auch ein gutes Fazit.

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  • Sehr tolle Gechichte, Danke an den Gastautor. Hat mich sehr viel Freude gebracht.

  • Tolle Geschichte, auch sehr flüssig geschrieben. Vielen Dank dafür.
    Einige Wintererlebnisse habe ich mit der “lahmen Ente” einem 2CV erlebt. Der war auch sehr gut im Schnee.
    Subaru hat sich dann aber doch sehr gut etabliert in der Schweiz, auch oder gerade der Werbung wegen. Der damalige Werbeträger war bei uns sowas von populär, wird nur noch von RF getoppt und der wohnt bekanntlich, ab und zu, in Lenzerheide. Fährt aber sicher kein Subaru und ganz bestimmt keinen Saab.

  • Eine Schweizer Saab Geschichte. Habe ich mit viel Freude in der Mittagspause gelesen! Dank an den Autor auch für Teil 1. Freue mich schon auf den Teil 3 und die Volvo Geschichten. Kommen doch, oder?

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