Wir bringen Autowerbung zurück auf den SaabBlog!

Der SaabBlog ist seit Jahren werbefrei. Keine Pop-ups, keine aufdringliche Google Werbung, die belästigt. Erlaubt sind nur Anzeigen zum Thema Saab  und (theoretisch) auch Citroën. Die sind dezent, nicht störend, und das soll in Zukunft auch so bleiben. Trotzdem! Es wird sich etwas verändern! Wir bringen Auto Werbung zurück auf den SaabBlog.

Tatsächlich steht diese Änderung nicht dafür, dass Google und andere Anbieter erneut einziehen werden. Das Leseerlebnis ist nicht in Gefahr, die Finanzierung über Werbeanzeigen ist kein Thema. Wir haben eine völlig andere Idee. Wenn wir über das Thema Autowerbung schreiben, dann geht es dem Team primär um frühere Zeiten.

Wir reden über damals, als es noch Werbegrafiker gab, die am Zeichentisch mit Lineal, Stift und Tusche arbeiteten. Künstler, die gekonnt Linie setzten, die mit wenig sehr viel aussagen konnten. Die vergangenen Zeiten sind aufregend, weil sie anders waren, und die Werbeaussagen aus heutiger Perspektive ziemlich speziell sein können. Es könnte jedoch auch so sein, dass die Werbung von damals uns den Spiegel vorhält und wir völlig unerwartete Rückschlüsse ziehen.

Saab 99 Werbung (Ausschnitt) 1976 - immer noch schwarzweiß
Saab 99 Werbung (Ausschnitt) 1976 – immer noch schwarzweiß

Ein kleiner Ausflug in die deutsche Mediengeschichte

Der Werbegrafiker, das Genie am Zeichenbrett, schaffte es vor Jahrzehnten erfolgreich in das deutsche Fernsehen. Peter Weck, der große österreichische Schauspieler, spielte im ZDF Quotenhit den Grafiker Werner Schuhmann. Die Serie “Ich heirate eine Familie” spielt in West-Berlin, Weck holt sich eine Familie mit pubertierendem Nachwuchs in sein bürgerlich-kreatives Ambiente, was 1983 zum Serienstart ein echtes Thema war.

Vielleicht auch deshalb, weil sich nach dem damaligen Selbstverständnis freischaffende, Porsche fahrende Grafiker und Familienleben ausschließen.

Sekurit Fensterglas - am Zeichenbrett entstanden 1965
Sekurit Fensterglas – am Zeichenbrett entstanden 1965

Während die Patchworkfamilie, der Begriff war damals noch nicht erfunden, alle möglichen Höhen und Tiefen erlebt, ist Schuhmann im Souterrain mit dem Auf und Ab des Werbegrafikerlebens beschäftigt. Nur die Art, wie damals entworfen wurde, spricht heute für die Serie. Denn es gibt keinen Computer, keine 3D Grafik, keine Hilfsmittel.

Nur einen Mann und seinen Zeichenstift.

Das ist faszinierend, der Rest der Handlung ist mehr fragwürdig als unterhaltsam, auch wenn die Serie bis 1986 ein Renner war und zum Kult avancierte.

Genantin Werbung der Höchst AG 1965 - wer führte den Zeichenstift?
Genantin Werbung der Höchst AG 1965 – wer führte den Zeichenstift?

Autowerbung aus vergangenen Tagen

Die Idee, die vergangenen Tage des Werbedesigners aufleben zu lassen, kam mit Kisten historischer Autozeitungen in das Blog Büro. Beim ersten Durchblättern gefielen uns die Anzeigen, die zum Teil schwarz-weiß und nicht farbig sind. Es gab Grafiken zu entdecken, die nicht am Computer, sondern am Zeichenbrett entstanden. Eine sparsame Linienführung und simple, aber zutreffende Werbebotschaften transportierend, ist die alte Werbung einfach toll.

Seitdem digitalisieren wir immer mal wieder ein altes Heft, das vielleicht 50 oder 60 Jahre alt ist, es gibt auch jüngere, und das zum Teil bereits vergilbte Seiten hat. Natürlich geht es uns dabei um zwei Automarken. Saab und Citroën.

Der neue Opel Kadett 1965
Der neue Opel Kadett 1965

Saab – klein und unbedeutend

Bei Saab tauchen wir in eine Welt ein, die teilweise vor der Zeit liegt, bevor die erste Saab Deutschland Niederlassung in der Berner Strasse in Frankfurt am Main eröffnet wurde. Saab war klein und unbedeutend. Die schwedische Marke kämpfte sich über die Zweitakt Modelle, die Kleinwagen waren, mit dem Saab 99 nach oben in die Mittelklasse. Die Höherpositionierung brauchte Mut und, naja, etwas Unverschämtheit. Denn Saab hatte ein Problem. Die Autos waren gut – aber viel zu teuer.

Das musste erfolgreich kompensiert werden.

Kurz und prägnant - Rover - seriös aus England
Kurz und prägnant – Rover – seriös aus England

Citroën – Avantgarde mit Humor

Anders war die Situation bei Citroën. Die Marke war Avantgarde – auf der einen Seite. Auf der anderen, jenseits der DS und ID, verkaufte man Kleinwagen und Mittelklasse gegen die starke deutsche Konkurrenz. Im Unterschied zu Saab beherrschte die Doppelwinkel-Marke schon immer die Kunst,  günstig zu produzieren und auch bezahlbar anzubieten. Dennoch brauchte es auch hier Humor und die Kunst, den Mitbewerber langweilig aussehen zu lassen.

Humor, dieses fast verlorene Wort in unserer ernsten, manchmal viel zu verkniffenen Welt, spielte vor 40, 50 oder 60 Jahren scheinbar eine wichtige Rolle. Da ging es nicht nur darum, den Marktbegleiter auf einem humoresken Augenwinkel zu sehen, sondern auch die eigene Marke mit Witz zu betrachten.

Das Augenzwinkern von einst ist der Branche im Effizienz-Streben abhandengekommen, so scheint es. Das ist bedauerlich, aber wir holen es zurück, in loser Reihenfolge regelmäßig auf dem SaabBlog.

Selbstverständlich zeigen wir die Werbung auch in Farbe, nicht nur alte schwarz-weiße Anzeigen. Was immer uns vor den Scanner läuft und Saab oder Citroën (oder etwas bemerkenswertes Automobiles) als Inhalt hat, ist von Interesse.

14 thoughts on “Wir bringen Autowerbung zurück auf den SaabBlog!

  • Großartiger Gedanke …

    Und ja, bestimmt laden uns historische Werbungen auch zur Selbstreflexion ein. Klappt bei mir gleich hier und heute ;-), wenn ich die Anzeige von Opel so sehe …

    130 Km/h und 22 sec von 0 auf 100 noch 1965 als Werbeversprechen?

    Mir verschiebt das sofort die Perspektive. Nicht nur auf aktuelle Autos, sondern sogar auf Oldtimer. Meiner (1970) ist laut Wikipedia in 8,7 auf 100 und max. 193 Km/h schnell. Als ich den “neu” hatte und meinem besten Freund (ebenfalls im Besitz eines Oldtimers) die Fahrleistungen nannte, guckte der mich völlig ratlos an und fragte, ob das wichtig sei?

    Heute habe ich ihn verstanden. Würde ihm gerne am Lagerfeuer von dem Saabblog, dessen jüngster Initiative und meiner jüngsten Erkenntnis erzählen. Würde ihm gut gefallen. Leider vor ein paar Jahren verstorben. Aber sein Oldtimer (1 Jahr älter) fährt noch heute. Slow and steady wins the race. Und was ist schon slow? Im Vergleich zum Kadett ist sein Göteborger gleichen Jahrgangs mit 68 PS eine Rakete …
    Aber wie er schon fragte: “Ist das wichtig?”

    Freue mich auf die Rückbesinnung auf das Wesentliche, die sich hier in alten und charmanten Werbungen formal und inhaltlich ereignen wird, schon heute zeigt. Einfach nur gut und möglichst sicher von A nach B kommen. Nix weiter. Darum ging es doch einst …

    Das kommt heute einer Konfrontation mit unseren Ansprüchen gleich.

    Da passt auch die Anzeige zum Sicherheitsglas perfekt rein. Sehr charmant, das alles. Traue Tom & Team schon langjährig quasi alles Gute zu. Bin trotzdem wieder einmal total überrascht. Wo kommt das alles 24/7 bloß her?

    Es ist schlicht phänomenal, oder?

    • Gut kommentiert! Ich konnte es kaum glauben, als ich die Opel Anzeige las. War das einst die Realität auf unseren Straßen? Echt jetzt? Der Kadett ist so kurios, der ist schon wieder richtig cool.

      Vielleicht liebes Blog Team nicht nur Saab und Citroën. Gerne mal mehr Fremdmarken wagen, aber bitte nur in Bezug auf die Werbung 😉

      • Ja, bitte auch andere Marken und/oder charmante Werbung von Zulieferern und Herstellern von Zubehör und Betriebsmitteln. So wie auch heute …

        Das hilft, den Zeitgeist und historische Saab zu verstehen.

    • Ja, da hat Volvaab Recht – aber wenn man mal versucht, sich ein bisschen in der Zeit zurückzuversetzen, dann müssen die Werte des Kadett wohl sogar ganz gut gewesen sein. Der normale Fahrer bzw. Autokäufer und das normale Auto, das man sich leisten konnte, spielte noch lange in einer ganz anderen, viel niedrigeren Liga als das, was alle heute selbstverständlich finden – und, Hand aufs Herz, wir Saab-Freunde lieben natürlich ohnehin die Geschwindigkeit. Aber die Werte des Volvo von 1970 von Volvaab waren sicher die absolute Ausnahme und entsprachen wohl zB denen der S-Klasse, die sich nur ganz ganz wenige Leute leisten konnten und wollten. Zum Vergleich: Mein erstes (sehr zuverlässiges und heißgeliebtes) Auto war ein Polo Bj 1982 (den ich einige Jahre später von meiner Mutter übernahm, als sie einen Ford Sierra bei Edeka gewann und dann auch fuhr, tolle Sache). Der fuhr damals, also ca. 20 Jahre nach dem Kadett, 140 km/h Spitze und das reichte völlig (bei dem Tempo vibrierte alles und der Kleine soff dann auch ordentlich, so dass ich es selten ausreizte). Ersetzt habe ich den Polo dann 1992 durch einen Golf Turbo-Diesel (mit der sagenhaften Pumpe-Düse-Technonolgie), den ich (und auch Kommilitonen mit dem gleichen Wagen) mit 75 PS und 160 km/h Spitzengeschwindigkeit einfach irre schnell fanden. Das ist (erst) dreißig Jahre her. In andere Klassen und Geschwindigkeiten bin ich dann erst 2003 mit meinem ersten Saab vorgestoßen. Ich denke mal, vielleicht bis 2000, als der SUV-Wahn zu uns rüberschwappte, waren die meisten “normalen” Autos und deren Besitzer mit deutlich unter 100 PS mehr als zufrieden. Die Familienzweitwagen waren meistens Kleinwagen oder allenfalls Kompaktklasse und nicht wie heute fußgängerfeindliche Riesenpanzer, mit denen Mutti ihren Nachwuchs trotz ÖPNV jeden Tag zur Schule, zum Freizeitstress usw. kutschiert. Mein Mann erzählte mir gerade, sein erstes Auto war ein uralter Käfer mit in etwa dem Baujahr wie der Kadett in der Anzeige, allerdings mit 6-Volt-kerzenartiger- Beleuchtung, 34 PS und sage und schreibe einer Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h. Für Nicht-Großverdiener oder Auto-Enthusiasten war das ganz normal – haben wir nur mittlerweile alle vergessen.

      • Ja, man neigt da echt zum Vergessen …

        Sogar Mercedes hat noch bis 1979 bzw. 1985 den recht großen und schweren 123 ab 54 PS bzw. ab 60 PS als 200 D mit immerhin gut 1,4 Tonnen angeboten.

        Dagegen war Ihre Pumpe-Düse ein Wolf im Golf. Und ein Saab 96 mit nur 950 Kg und 68 drehfreudigen Otto-PS aus einem V4 wirkt neben so einem Benz vielleicht äußerlich etwas altbacken, aber trotzdem und zugleich noch immer wie ein abgespeckter Sportwagen.

        Tatsächlich gab es aus Schweden kein einziges Auto parallel zum 123, das die Fahrleistungen des dt. Premium-Selbstzünders unterboten hätte. Kommt man doch im Traum nicht drauf. Ist aber tatsächlich so. Ich finde es faszinierend, die Geschichte von Saab im Umfeld anderer Oldtimer neu zu entdecken, gedanklich neu zu sortieren …

        • Ja, Saabs war eben schon immer etwas Besonderes und, verglichen mit den zeitgenössischen deutschen Produkten (mal abgesehen von den weltweit einzigen, neben Saab, Turbofreunden aus Zuffenhausen), echte Leistungs- und Geschwindigkeitswunder. Die Frage ist nur: Ist das erst heute für uns so erstaunlich – oder wusste das auch zu der Zeit, als man die deutlich schnelleren und innovativeren Autos aus Schweden kaufen konnte, auch in Deutschland kaum jemand? Ich tippe mal auf letzteres. Selbst auto- und geschwindigkeits-affine Käuferschichten hatten Saab einfach nicht auf dem Schirm. Auch ich wäre nie zu Saab gekommen, hätte ich nicht bei Freunden mal zufällig einen fahren dürfen. Was uns zu der Frage führt: Woran lag das? Ich tippe hier mal auf schlechtes Marketing. Hätte es eine solche Initiative wie seinerzeit von Bob Sinclair in den USA auch hierzulande gegeben, wäre vielleicht einiges anders gelaufen – womit wir wieder mal bei “wäre wäre, hätte hätte” gelandet wären. 🙁

          Zum W123 kann ich auch noch eine Geschicht beisteuern: Mitte der 80er ließ mich mein Bruder mal bei einer Schweiz-Tour gnädigerweise an das Steuer seines ach so tollen neuen 220 D (ich meine, mit 60 PS). Auf der vermeintlich flachen Autobahn, die parallel zum Berghang über Montreux hinwegführte, steuerte ich mit ca. 100 km/h auf die linke Spur, um mal so eben schnell, wie ich es von meinem 50 PS-Polo (Benziner) gewohnt war, einen LKW zu überholen. Ich drückte das Gaspedal durch – und was passierte? Gar nichts! Ich musste mich ganz bescheiden wieder hinter dem LKW einordnen. Habe ich bis heute nicht vergessen.

          • Das ist so richtig. Der 220 D hatte 60 PS. Als der 200 D von 54 auf 60 PS “getunt” wurde, ist der 220 D ersatzlos gestrichen worden …

            Fände es auch interessant zu wissen, woran genau es lag, dass Saab (und auch Volvo) in D vor den 1970er Jahren quasi keine Rolle gespielt haben. Da waren beide Marken ja schon langjährig exportorientiert (ausgerechnet nach Nordamerika versus fette und billige Kisten). Auch waren die Schweden dort im Marketing sehr aktiv und hatten in Sachen Selbstdarstellung durchaus Erfahrung …

            Die Werbungen für den US-amerikanischen Markt waren unglaublich pro- bis aggressiv. Da sieht man (s/w-Film, auf YouTube auffindbar) beispielsweise einen Volvo Amazone in einer unglaublich wilden Hatz über staubige Pisten (Texas?) rasen, während der Werbesprecher die (Fahr-) Leistungen und ökonomischen (und aus heutiger Sicht auch ökologischen) Tugenden dieses Autos anpreist. Miles per Gallon etwa (na klar!) – um dann den Werbespot mit den Worten zu schließen, “But the one thing you will love most about your Volvo is, you can drive it like you hate it.” Was für ein Statement …

            Marketing Skills, Fahrleistungen, Qualität oder Fertigungskosten scheinen mir als Grund dafür, dass die Schweden auf dem dt. Markt lange Zeit nicht Fuß fassen konnten, nicht plausibel. Das muss andere historische Gründe haben. Ich tippe auf unterschiedliche, bilaterale Zollabkommen nach WW II zwischen den jeweiligen Im- und Exporteuren. Deshalb konnten F, GB und die USA (Siegermächte) günstig in die junge BRD exportieren, Schweden auch günstig in die USA (die wiederum auch nach Schweden), aber Saab und Volvo eben nicht nach D, denn dort sollte sich ja ein Wirtschaftswunder ereignen, die heimische Industrie auferstehen. Das ist alles verdammt komplex. Ich weiß nur (das aber mit Sicherheit), dass die Schweden auf dem dt. Markt lange Zeit sehr, sehr teuer, absolut unverkäuflich und plötzlich erstaunlich günstig waren.

            Das kann doch nur an politischen Rahmenbedingungen und einer Veränderung der selbigen liegen, ergibt anders gar keinen Sinn. Die Verlagerung von Produktion noch Asien war in dieser spannenden Phase schwedischen oder europäischen Automobilbaus jedenfalls noch gar kein Thema …

  • Wiederum eine ganz tolle Idee! Ich besitze eine umfangreiche Citroen Prospekt Sammlung aus den Jahren 1968-1980. Schmuckstück der Sammlung ist der rare SM Prospekt von Sarah Moon. Ein Sahnestück der Autowerbung!

    Freue mich auf weitere Beiträge von Zeitdokumente-Auto-Prospekte.

  • Kreativ, kreativ. Habt Ihr eine super tolle Agentur, die so viele neue Ideen liefert? Oder ist es Tom?

    • Vielen Dank! Es ist das Team, ohne wäre das alles nicht möglich.

  • Sehr tolle Initiative, Tom.
    Bin gespannt und neugierig

  • Etwas mehr Autokultur, das klingt gut! Ich bin schon gespannt, was Ihr an alter Werbung so alles ausgrabt!

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