Eine würdige Nachfolgerin der DS? So könnte sie aussehen!

Der Präsident der französischen Republik fährt auch heute noch DS. Ein (oder eine) DS 7 Élysée, die ein gutes und repräsentatives Auto ist. Aber in puncto Eleganz einen gewissen Nachholbedarf zur wahren DS hat. Was einst eine Göttin gewesen war, das ist heute nur ein SUV. Dass es eines der optisch ansprechenderen Art ist, darf man als positiv werten. Dabei wäre es nicht schwierig, zurück zu alter Eleganz und Größe zu finden. Jean Louis Bui, der kürzlich mit einem ë-2CV Entwurf von sich reden machte, zeigte schon vor einigen Jahren, wie eine moderne DS aussehen könnte.

DS Revival - so elegant kann Zukunft sein
DS Revival – so elegant kann Zukunft sein

Hinter der DS standen André Lefèbvre, der die technische Vision hatte, und Flaminio Bertoni, der diese Ideen in Form brachte. Er schuf nicht ein Auto, sondern eine Skulptur für die Ewigkeit. Natürlich waren da noch Paul Magès, der die Hydropneumatik der Welt schenkte, Robert Puiseux und Pierre Bercot, die weitblickend das Projekt Wirklichkeit werden ließen. Aber es geht um das Design, das damals visionär war und direkt aus der Zukunft zu kommen schien. Die große Panorama Windschutzscheibe, das abflachende Heck, die Eleganz und die Liebe zum kleinsten Detail.

DS Revival von Jean Louis Bui

Wie würde in der Gegenwart eine DS aussehen, wenn man dem Rezept von Bertoni folgen würde? Jean Louis Bui hat es vor einigen Jahren getan. Noch bevor DS, heute als eigene Marke, ein neues Flaggschiff auf den Markt brachte. Die DS 9 ist sicher ein eleganter Beitrag und eine Alternative in der automobilen Welt, wird aber dem großen Namen DS in puncto Außendesign nur bedingt gerecht.

Jean Louis Bui entwarf die neue DS - ohne Chancen auf Verwirklichung
Jean Louis Bui entwarf die neue DS – ohne Chancen auf Verwirklichung

Anders der Entwurf von Jean Louis Bui. Er zeigt ziemlich klar die verpassten Chancen. Wieder zieht eine große Panorama-Windschutzscheibe die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Eine Flugzeugkanzel. Ein Cockpit. Die A-Säule scheint zu verschwinden (wie beim Saab 9-5 NG), die Kanzel scheint zu schweben. Auch zeichnet Bui ein faszinierendes, abfallendes Bootsheck, womit das Design nichts mehr von Retro oder Kitsch, sondern sehr viel von der Gegenwart bekommt.

Dass die hinteren Räder halb verkleidet sind, verstärkt den Schmerz, dieses Auto nicht zu bekommen. Das Dach selbst ist schwebend leicht, vielleicht sogar aus Kunststoff, so wie bei der ursprünglichen DS.

Warum macht man nicht einfach und baut wieder faszinierende Autos?
Warum macht man nicht einfach und baut wieder faszinierende Autos?

Warum regiert die Mutlosigkeit?

Man fragt sich natürlich, warum es immer nur bei Zeichnungen und Ideen bleiben muss? Ist die Gegenwart so mutlos, hat bereits die KI übernommen, deren Algorithmen die Marktchancen fein austariert und keine automobilen Persönlichkeiten mehr zulässt?

Dabei wäre es so einfach, eine neue Göttin, so wie Jean Louis Bui sie zeichnet und der Markt sie feiern würde, auf die Räder zu stellen. Plattformen für Elektroautos lassen Designern heute fast jede Freiheit. Viel mehr, als alle Generationen vor ihnen hatten.

Trotzdem, und vielleicht gerade deshalb, werden Autos immer uniformer und mutloser. Gedacht für den globalen Markt, kompatibel mit möglichst allen Geschmäckern. Das ergibt keine göttliche Bouillabaisse.

Sondern nur ein fades Gericht aus der Dose.

Mit Bildern von Jean Louis Bui

15 thoughts on “Eine würdige Nachfolgerin der DS? So könnte sie aussehen!

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    Schon zwei, drei mal habe ich den DS7 konfiguriert, auch schon den DS9. In meinen Augen wirklich wohl proportionierte Autos. Sind halt auch ganz schön kostespielige Autos geworden.
    Um einen DS7 habe ich mich schon bemüht. Die beiden für mich vorgeschlagenen “DS Salon” waren rund 200km von meinem Wohnort entfernt. Habe dann geschrieben, dass ich in 5km Entfernung einen Citroen Händler habe und angefragt ob der mir einen DS7 zeigen könnte. Die Antwort, na ja, etwas Geschwurbel von Primium und gehobenerer Ausstattung im Salon, geht leider beim Citroen Händler nicht!
    Das Resultat dieser abgehobenen Einstellung sieht man doch auf der Strasse, respektive man sieht es eben nicht. DS7, vielleicht alle Schaltjahre mal einer, DS9 noch keinen gesehen, auch nicht in der nahen Schweiz.

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      Am Vertriebsnetz muss sicher noch gefeilt werden. Es ist aber auch nicht so einfach, hier Partner zu finden. Eine Saab Werkstatt, mit schönem und großzügigem Ausstellungsraum, war kurz davor DS ins Programm zu nehmen. Ich hätte das begrüßt, man hat sich dann aber dagegen entschieden, obwohl es gut gepasst hätte.

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    ” … Die A-Säule scheint zu verschwinden (wie beim Saab 9-5 NG) …”
    Ich kenn da aber mind. noch ein weiteres “neueres schwedisches” Auto, bei dem das – zumindest meiner Meinung nach – so wirkt … 😉 😉 😉

    Der DS Revival ist ein schöner Entwurf!
    Ich finde halt aber nur, dass sich bei den verdeckten hinteren “Radkästen” dann doch zu sehr ans Original gehalten wurde.
    Ich glaub, das ist nicht mehr unbedingt so zeitgemäß (und praktisch ja eh nicht so sehr).

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      Ja, wie konnte ich nur Dein Auto vergessen. Es ist eben so rar und handverlesen, dass ich den 9-4x manches Mal ausblende. Sorry!

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      Kleiner Nachtrag:
      Den “SM”-Entwurf (Google-Bilder davon) von Jean Louis Bui finde ich auch gut. Auch besonders die Front.

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    Ich finde zwei Dinge wirklich sehr schade. Zum einen, dass Citroen das Kürzel DS für ein bisschen mehr chi-chi verwendet hat, zum anderen, dass immer wieder die Vergangenheit bemüht werden muss um attraktives Design auf die Straße zu bringen. Das ist aber bei jedem Hersteller so.
    Ich habe die Hoffnung das sich die Hersteller in der E-Mobilität mehr Design wagen, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden.

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      Ich denke, es wird nichts anderes übrig bleiben. Wenn das Design nicht punkten kann, dann wird es letztlich über den Preis gehen. Das kann die Branche nicht wollen.

      Man sieht ja bei dem Rudel chinesischer E-Autobauer, die sich in Europa ausbreiten, wie es nicht funktionieren wird. Die Designs kommen fast immer aus Italien, sie sind absolut vergleichbar, da ist nichts markenspezifisches mehr. Das wird sich in 2 bis 3 Jahren, wenn die europäischen Premium Anbieter zurückschlagen, bemerkbar machen.

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      Schade Dinge …

      Das mit den DS finde ich auch schade und auch nicht klug von Citroën. Ein Konzern/eine Marke mit einer derart großen Vergangenheit (Traction Avant, DS, SM, CX, XM) hat es gar nicht nötig, eine “Luxusmarke” zu gründen und etablieren zu müssen (!) …

      Toyota und Honda hatten gar keine andere Wahl. Auf dem Weltmarkt hätte niemand eine premium Limousine von Toyota gekauft, die zudem wie ein Plagiat der S-Klasse aussah. Als Lexus ging das.

      Derlei Imageprobleme hat Citroën aber nie gehabt. Ganz im Gegenteil eine lange Tradition großer und eigenständiger bis eigenwilliger Autos, die per se über jeden Verdacht des Plagiatorischen erhaben sind.
      Ganz andere Voraussetzungen als in Japan. Ein hohes und unnötiges Risiko, eine neue Marke auszugründen, bekannt machen und einen separaten Vertrieb aufbauen zu müssen. Und es ist alles andere als schlüssig, schon fast ein wenig schizophren, wenn sich diese Marke dann schon im Namen (DS) explizit auf seine Wurzeln beruft. Man kann unmöglich gleichzeitig ein Citroën und etwas anderes sein wollen. Das ist, als hätte Lexus von Anfang an betont, dass jeder Lexus ein Toyota sei. Genau das wurde bei der Gründung japanischer Premiummarken aber tunlichst und aus gutem Grund vermieden. Man bricht nicht mit der eigenen Geschichte, um sich dann auf sie zu berufen. Man sendet keine konfusen Signale, wenn man ein neues und spezifisches Image anstrebt …

      Vor allem aber bricht man nicht mit seiner Tradition, wenn man sich gleichzeitig auf sie berufen will. Citroën wäre besser beraten gewesen, wieder eine (!) DS zu bauen, als die Marke DS auszugründen. Ferner hätte man unter dem Doppelwinkel neben einer DS auch noch weitere, optisch und technisch modifizierte Modelle mit hohem Ausstattungsniveau als XY “DS-Line” anbieten können. Quasi als Citroën AERO …

      Ich verstehe die Marke DS und die Motivation des Konzerns dahinter bis heute nicht. Was ich hingegen gut verstehe, sind die Visionen der Designer EINER neuen DS (oder eines neuen SM). Das sind vielleicht noch nicht in jedem Detail Volltreffer, aber frappierend gute Fingerübungen der Schöpfer, die eindrücklich zeigen, wie viel Potential in Sachen Design und Image Konzern & Marken aktuell brach liegen lassen. Und ich finde die Entwürfe nichtmal retro. Wenn Form & Funktion stimmen, sind sie zeitlos gültig …

      Wir können und dürfen uns bestimmte Designs ja nicht verbieten lassen, nur weil sie historische Vorbilder haben. Ich möchte auch morgen noch Messer kaufen können, bei deren Klinge der Rücken oben und die Schneide unten ist …

      Was sich im Automobilbau und -design bewährt hat, darf gerne bleiben oder ein Revival erleben. Ob es “retro” aussieht oder nicht, interessiert mich persönlich nicht die Bohne, ist für mich zumindest kein Stein des Anstoßes, kein valider Kritikpunkt.

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    Ich habe mir gerade die DS 9 virtuell angeschaut. Die Qualitäten scheinen innen zu liegen, das äußere Design ist recht schlicht, aber nicht unattraktiv. Es fehlt da etwas der Funke, der nicht überspringen will. Wäre außen mehr Mut festzustellen, wäre das anders.

    Ich habe übrigens noch keine DS 9 auf der Straße gesehen!

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    Großartig geschrieben …

    Genau so ist es. Alle Automobilkonzerne schreiben die gleichen Lastenhefte für die Designer und Entwickler welcher Marke auch immer. Ich finde den DS 9 zwangsweise beliebig, den Entwurf einer neuen DS vergleichsweise großartig …

    Ist das (der DS 9) schon KI oder Statistik? Eine fast schon phylosophische und zugleich überflüssige Frage, denn es gibt gar keine künstliche Intelligenz und schon gar keine künstliche Kreativität …

    Es gibt stattdessen faszinierende Rechenkapazitäten und -leistungen und sehr wohl auch “selbstlernende” Software, die jedoch “Lernziele” implementiert, die wiederum vorgegeben und programmiert sind. Der Mensch (der Programmierer) legt fest, was ein “selbstlernendes” Programm als einen Lernfortschritt wertet, wann es in welcher Richtung abbiegt. Das hat mit Intelligenz und Kreativität wenig am Hut …

    Guckt man sich den DS (9) und DIE DS an, so wird das sofort augenscheinlich. Schöner Entwurf. Ich würde mir einzig eine etwas schmalere Hinterachse wünschen – so wie beim historischen Vorbild keine ausgestellten Radläufe. Wenn es ein Fronttrieb sein soll, kommt sie sogar besser um die Kurven, je weniger Hüftspeck sie hat. Eine Göttin braucht kein breites Becken!

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    So in etwa wäre ein neue DS wirklich sensationell gewesen. Es ist kaum zu glauben, dass dieser Entwurf auch nicht mehr so ganz frisch ist. Der vorerst letzte große Citroën war eben der C6. (So lange bis der Autor mir erklärt, dass der neue C5 X auch genial ist 😉 )

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