Rétromobile Paris 2023 – Citroën SM Prototyp (1973)

Die Rétromobile in Versailles ist eine der aufregendsten europäischen Veranstaltungen, wenn es um die Liebe zu klassischen Fahrzeugen geht. Die große automobile Vergangenheit der französischen Nation beginnt noch einmal für kurze Zeit zu leuchten, und Marken wie DS nutzen das Momentum, um etwas von einst in die Gegenwart zu übertragen.

Bevor die Rétromobile am 1. Februar startet, zeigen wir zwei Meilensteine französischer Autokultur, die neben den modernen Fahrzeugen auf dem Stand von DS Automobiles zu sehen sein werden. Für DS, der Pariser Automarke, ist Versailles quasi ein Heimspiel, bei dem man nicht enttäuschen sollte. Aus den gut gefüllten Magazinen automobiler Artefakte wurde deshalb ein aufregender Citroën SM Prototyp gezogen.

Citroën SM Prototyp (1973), Aufnahme von 2005
Citroën SM Prototyp (1973), Aufnahme von 2005

Citroën SM Prototyp (1973)

Die SM war in meiner Jugend das aufregendste Auto, dass je in Frankreich gebaut wurde. Eine SM, sie war goldfarben, war immer wieder in meiner Heimatstadt zu sichten. In der Provinz war eine SM, damals bereits ein alter Gebrauchtwagen, noch immer für ein Spektakel gut. Denn, unter der unverschämt langen Motorhaube, lauerte ein Maserati Motor.

Einen Prototyp aus dem Jahr 1973 rollt DS Automobiles in das Scheinwerferlicht der Rétromobile. Was, 1973, werden jetzt die älteren Leser sagen, und sie beginnen nachzurechnen. Richtig, die SM kam im Sommer 1970 auf den Markt und nur 5 Jahre später war der Traum auch schon wieder ausgeträumt.

Prototyp auf einer Forststraße, fotografiert 1977
SM Prototyp auf einer Forststraße, fotografiert 1977

Was plante Citroën mit dem SM Prototyp?

Das gezeigte Fahrzeuge diente als Versuchswagen, um das Fahrverhalten der Citroën SM und der Hydropneumatik bei besonders hohen Geschwindigkeiten zu untersuchen. Beschleunigung, Traktion und Spurtreue sollten erprobt und verbessert werden. Am Bord des Prototyps gab es die Möglichkeit, die Fahrwerksparameter sogar während der Fahrt zu modifizieren. Die Lastverteilung und Steifigkeit der Hydropneumatik konnte verändert werden. Die SM diente als Basis für Citroën Rennsportmodelle, deren Basis nicht nur die SM sein sollte.

SM Prototyp mit 340 PS und 285 km/h

Wer sich etwas mit dem Thema Hydropneumatik und Maserati beschäftigt hat, wird jetzt heftig schlucken. Die SM war eine eigentlich unmögliche Kombination aus (weicher) Hydropneumatik und ziemlich kernig laufendem Maserati V6. Tatsächlich soll es sogar Mitmenschen geben, welche die Maserati Maschine als unkultiviert und nicht zur SM passend einordnen.

Ausstellung, die Geheimnisse von Citroën, 1977 im alten Hauptsitz Quai de Javel
Ausstellung, die Geheimnisse von Citroën, 1977 im alten Hauptsitz Quai de Javel

Wie auch immer, die SM zog einen Teil ihrer Magie aus dem Reiz der Gegensätze. Dass Citroën ernsthaft mehr Sport wagen wollte, demonstrieren die Daten des Prototypen. Stolze 340 PS leistet der 3 Liter Motor mit den drei Weber Doppelvergasern, seine Spitzengeschwindigkeit liegt bei 285 Km/h. Die Fahrleistungen müssen damals atemberaubend gewesen sein, denn der Prototyp bringt nur 1.169 Kilogramm Leichtgewicht auf die Wage.

SM Prototyp auf der Rétromobile

Tatsächlich leistet die SM aus der Serie in der höchsten Ausbauversion geradezu bescheiden anmutende maximale 180 (bzw. 178) PS. Das war 1972 ausreichend für mehr als 220 km/h Höchstgeschwindigkeit, die SM fuhr damit an der Spitze der Schnellsten im Land.

Der Prototyp blieb bei Citroën über das Produktionsende der SM hinaus im Einsatz. Aus den Firmenarchiven kommen Bilder von 1977. Damals wurde die SM einem größeren Publikum vorgestellt. Die öffentliche Ausstellung am historischen Hauptsitz am Quai de Javel in Paris trug die passende Bezeichnung “Die Geheimnisse von Citroën”. Volle 46 Jahre später fährt die SM wieder auf die große Bühne. Vom 1. bis 5. Februar ist sie während der Rétromobile zu sehen.

Mit Bildmaterial von DS Automobiles

6 thoughts on “Rétromobile Paris 2023 – Citroën SM Prototyp (1973)

  • Schon ein tolles, gefährliches Dinge, diese SM. Einen Preis für Schönheit gewinnt die aber ziemlich sicher nicht 🙂

  • Was für eine SM-Maschine…, atemberaubend und keine 1,2 to. “leicht” :-). Danke für diesen tollen Bericht!
    Danke auch an die Beiden vorherigen Blog-Akteure für die Schmunzette ;-), wunderbar.
    Habe in meinem Konfirmandenalter nur wenige SM “live” erleben können/dürfen. Ich denke, mein Lebensort war für die SM zu provinziell…
    Wenn, dann goldfarben. Sehr edel.

    • Kenne die SM live auch nur in Gold, nur aus der Kindheit. Aus Filmen oder hier als Modell aber auch in dunkelblau. Da kommen Stoßstangen und anderer Chrom richtig gut zur Geltung. Mag ich auch sehr gerne – zumal an Klassikern und weil verchromte Stoßstangen schon vor 1975 so langsam vom Aussterben bedroht waren, es bald darauf auch sind.

  • Sieht ziemlich abenteuerlich und gefährlich aus. 285 km/h sind irre schnell, und das ohne ABS, Airbag und so? Eine verrückte, mutige Zeit! Klasse!

    • Und das sagen ausgerechnet Sie? Sie haben doch die drei Doppelvergaser geliefert, Herr Weber.

      Haben Sie vielleicht noch drei 45er Weber für mich auf Lager? Einfach würde mir reichen. Damit soll ein Volvo 164 E es angeblich auf bis zu 240 PS bringen. Sieht im Motorraum auch schöner aus, als die serienmäßige Einspritzung (160 PS). Zuviel und zu klein. Alleine 12 offen verlegte Kabel für die 6 Einspritzventile …

      Witzig, dass der erste Kommentar unter einem Auto mit im Prinzip 6 (!) Weber-Vergasern (3 doppelte) ausgerechnet von einem Weber kommt 😉

      Andere Zeiten damals, definitiv! Fehlendes ABS fällt mir da nichtmal zuerst ein. Bei meinem 164, der das Baujahr mit dem Erscheinen der SM gemein hat (eine weitere Parallele wäre die Einstellung der Produktion 1974/1975 je nach Absatzmarkt), sind es vor allem die Lenkung & Fahrwerk. Bin ihn ein einziges Mal ein paar Minuten 180 und niemals ausgefahren. Das fühlte sich schon an, wie eine Stunde lang 240.

      Auch will man heute gar nicht mehr wissen, wie viel ein Sauger mit so vielen Vergasern und 340 PS wohl geschluckt haben mag. Trotzdem ein heißes Gerät, dieser Versuchsträger. Und ja, definitiv ein Kind seiner Zeit.

      • Danke, köstlich! Vermutlich war es mein Großvater, der verantwortlich für die Vergaserbatterie war!

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