Spyker kommt zurück und produziert in Deutschland

Eigentlich dachte ich das Thema sei durch. Spyker sei Geschichte und Victor Muller auf dem Weg zu neuen Unternehmungen. Man kann sich täuschen, und manche Automarken scheinen unzählige Leben zu haben. Spyker kommt zurück und nimmt 2021 die Produktion wieder auf. So ist der Plan. Und aus Spyker wird dann eine deutsche Automarke.

Spyker Comeback mit dem C8 Preliator
Spyker Comeback mit dem C8 Preliator

Seit dem Ende von Saab ging es auch mit Spyker bergab. Die Wegstrecke als holprig zu bezeichnen trifft es nicht wirklich. Es war alles viel schlimmer. Im April 2020 schien es dann wirklich vorbei zu sein. Das tragische Ende einer Geschichte. Aber so ist es nicht. Mit russischem Geld, hier zapft Victor Muller an alten Beziehungen, kommt die Marke zurück.

Als Finanzier steht Boris Rotenberg hinter dem Comeback. Der Gründer der SMP Bank, Präsident des FK Dynamo Moskau, der SGM Gruppe und Freund Wladimir Putins hat ein Faible für elegante, exotische Autos. Für den Spyker Neustart steht ein ganzer Strauß an illustren Unternehmen, die alle etwas mit sehr kostspieligen Autos und Lifestyle zu tun haben, bereit. Alle sind dem Umfeld von Boris Rotenberg zuzuordnen, oder gehören ihm direkt.

Die Produktion übernimmt die R-Company in Trier, das Rennteam von SMP-Racing und BR-Engineering kümmern sich um die Technik und den Motorsport. Ein erster Spyker Showroom soll in Monaco gebaut werden. Los geht es 2021, der Spyker C8 Preliator wird neu aufgelegt. Später folgen dann der B6 Venator, der 2013 in Genf Premiere feierte, aber nie in Serie ging und das Spyker D8 SUV. Dessen Konzeption wurzelt in alten Saab Tagen, die Idee ist rund 10 Jahre alt.

Die Fahrzeuge werden in Handarbeit für einen erlesenen Kundenkreis hergestellt, die Ersatzteilversorgung für die bisher 265 gebauten Spyker Sportwagen übernimmt die Gruppe ebenfalls. Muller ist, als CEO der Spyker Ltd., weiterhin der Frontman.

Natürlich bleiben viele Dinge unklar, für den Moment. Wer wird die Motoren liefern, die einst von Audi und später dann aus Schweden von Koenigsegg kommen sollten. Schafft es der famose Koenigsegg V8 doch noch unter die Spyker Karosserie, oder kommt ein revolutionärer FreeValve Motor? Schon alleine die Vorstellung, dass es so sein könnte, macht Laune.

Fragen gibt es genug, Antworten wenige.

Natürlich braucht kein  Mensch Spyker und kaum jemand hat auf das Comeback gewartet oder gewettet. Aber, die Welt mit ihren Elektroautos und der galoppierenden Digitalisierung kann ein paar handgebaute Exoten vertragen. Vielleicht braucht sie diese sogar. Unter Umständen dringender denn je.

11 thoughts on “Spyker kommt zurück und produziert in Deutschland

  • @ Ebasil,

    ist mir sehr sympathisch, ihre Sicht der Dinge. Man kann und sollte Unrecht nicht gegeneinander aufrechnen – nicht zum Zwecke einer Relativierung …

    So wollte ich es auch nicht gemeint haben, aber es ließt sich tatsächlich so und nicht anders. Das muss ich wohl einsehen …

  • Volvaab

    Ja, auch alles richtig, ABER: Mit der Argumentation kann man wirklich Alles, jedes Mitläufertum und mehr als das rechtfertigen. Sehr praktisch, wenn man angeblich keine andere Wahl hat, weil die große Mehrheit ja auch Geschäfte mit Kriminellen macht. Ich halte es da eher mit Wolfgang Borchert: Sag Nein! Und wenn das Alle oder jedenfalls Viele täten, ergäben sich ganz andere Mehrheiten und Machtverhältnisse. Das mag idealistisch sein, aber jeder hat für sich immer die Wahl: Geld oder Moral. Das fängt im Kleinen an und hört in ganz großen Dimensionen auf. Um das Fußballbeispiel aufzunehmen: So sympathisch mir auch Herr Kl vom FC Liverpool und Herr Tu von PSG sind, bei diesen Finanziers hätten Sie besser nie unterschreiben sollen. Aber auch die Bayern machen Geschäfte mit Katar und über die FIFA brauchen wir erst gar nicht zu reden.

    Eine rechtfertigende humanitäre, politische oder wirtschaftliche Notwendigkeit, sich mit solchen Gestalten einzulassen, vermag ich jedenfalls bei Herrn Muller keinesfalls zu erkennen.

  • @ Ebasil,

    ist ja (leider) alles soweit richtig, was Sie schreiben und VM ist sicherlich ein Glücksritter in eigener Sache, kein Robin Hood …

    Er ist aber auch ein derart kleiner Fisch, dass die Aufregung nicht lohnt, finde ich. Genauso gut könnte man die Missstände dieser Welt auf den schmalen Schultern eines beliebigen Spielers aus dem großen Kader Dynamo Moskaus abladen.

    Ich bin ratlos, was und wie man es stattdessen tun sollte, aber wenn ich es wüsste, würde sich mein Unmut gegen die Personen und Institutionen richten, die tatsächlich Verantwortung für die Rahmenbedingungen tragen, innerhalb derer sich ein VM oder ein Fußballspieler bewegen. Oder ein Familienvater, dem in den Rücken geschossen wird, ein Kunde von Amazon – was und wer auch immer.

    Das ist die Welt, in der Spyker vielleicht wieder eine Handvoll Autos baut. Es wird keinen Unterschied machen, ob man VM das gönnt oder vorwirft.

    Viel entscheidender ist, dass in Ost und West die großen Fische Schach spielen – während man dazwischen in Europa nur noch “Mensch ärger dich nicht !” spielt.

    Die Würfel sind gefallen. Das war’s dann schon. Mehr kriegen wir schon langjährig nicht mehr hin. Die Strahlkraft von Demokratie und einer intakten Zivilgesellschaft schwindet zusehends. Mit fatalen Folgen für alle Nationen und Gesellschaften, die sich in einem Auf- oder Umbruch befinden.

    Alles traurig, sehr traurig. Aber wen wundert es noch? Man darf ja nicht vergessen, dass ein dt. Altkanzler auf der Gehaltsliste Putins steht. Putin spielt aber Schach. Was macht der Altkanzler? Auch nur noch ein Glücksritter, der den persönlichen Vorteil sucht …

    Soll VM inmitten dieses Wahnsinns doch machen, was er kann und will. Ich kann es ihm nicht verübeln. Nicht in dieser Welt …

    Auf der Skala möglicher Verfehlungen ist er mit seinen Nischenprodukten, begrenztem Umsatz, Gewinn und fiskalischen Tricks ohnehin kein Aufreger …

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  • Er gibt nicht auf!! Und das mag ich.

  • P.S.: Was ist mit den Insolvenzforderungen gegen die Spyker Services B.V. und die anderen Spyker-Firmen des “undurchsichtigen Firmengeflechts” (vgl. den Blog-Bericht aus dem Frühjahr)?? Begleicht der nette Oligarch die gleich mit? Wohl kaum – man hat sich bestimmt erfolgreich arm bzw. nackt gerechnet und die Gläubiger bleiben drauf sitzen. Aber das macht ja nichts, schließlich sind die Hauptgläubiger ja nur die Steuerbehörden und damit die doofen einfachen Bürger der betroffenen Staaten. Nochmal pfui Teufel!

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  • Interessanter Artikel, für dessen Informationen ich ausdrücklich danke – und irgendwie auch ein charmanter “Gegentrend”. Aber mit einem sehr bitteren Beigeschmack! Hach, ich kann mich einfach nicht entscheiden! ;-/

    – was oder wen ich widerlicher und abstoßender finden soll, die chinesische Staats-Manchester-Kapitalismus-Maschinerie (à la NEVS, Hengchi, Volvo usw.) oder die russischen Oligarchen mit ebenfalls direktem Draht zu ihrem genauso totalitären, machtversessenen und korrupten Regime. Antidemokratisch, menschenrechtsverachtend und kriminell sind sie wohl in gleichem Maße. Und Europa macht schön mit, um sich den Kontakt zu diesen netten Herrschaften und Systemen nicht zu vermiesen; ja man baut sogar sehr gerne darauf und daraus alles auf. Pfui Teufel! Und dann regt man sich mal wieder über nur eine einzige lächerliche Vergiftung eines Regimekritikers ganz furchtbar doll auf … Die Hugenbergs und Heuchler sterben einfach nicht aus!

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  • @ Griffin

    Naja – GM, schwedische Staatsregierung: Da konnte vor 10 Jahren eigentlich gar nichts schiefgehen…….

  • Muller – der nie aufgibt. Ich drücke die Daumen, meine besten Wünsche hat er.

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  • Naja – warten wir es mal ab.
    Muller, russische Oligarchen: Da kann ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen……

  • Fabergé-Ei mit Straßenzulassung

    Ich kann es nicht erklären, verstehe es selbst nicht, aber mich freut das irgendwie. Ich wünsche VM und Spyker viel Erfolg.

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  • Es zeigt sich mal wieder: Vitamin B… hilft (meistens) immer. 😉
    Unglaublich, wo VM seine Gelder organisiert…
    Oligarchen gibt es sicherlich (noch) einige Weltweit…, für die Produkte, für evtl. “Nachfinanzierungen”.
    Aber: spannend bleibt die Frage des Antriebes…

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