Eine Autofabrik entsteht. Evergrande-Hengchi in Nansha.

Es ist faszinierend zu sehen, wie neue Automarken geboren werden. Bei Evergrande-Hengchi waren die Lesenden von Anfang an dabei. Nicht ganz freiwillig vielleicht, sondern von den Ereignissen rund um das Saab Erbe mitgenommen. Mittlerweile wird sichtbar, in welchen Dimensionen Evergrande baut. Und mit welcher Geschwindigkeit.

Blick auf den Neubau des Evergrande-Hengchi Werks in Nansha
Blick auf den Neubau des Evergrande-Hengchi Werks in Nansha

Wir erinnern uns an den 12. Juni 2019.

Es ist erst ein knappes Jahr her. Evergrande Gründer Xu Jiayin ist in Guangzhou. Die Metropole am Perlfluss Delta hat 14 Millionen Einwohner, und damit mehr als ganz Schweden. An diesem 12. Juni verkündet Jiayin den Bau von 3 Automobil-Fabriken, einer Batterie Fabrik, sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Das Preisschild daran: So in etwa 20 Milliarden US Dollar.

Guangzhou ist ein Hotspot der Autoindustrie, ein automobiles Silicon Valley auf chinesische Art. Die Entscheidung dort den Schwerpunkt zu setzen erscheint logisch. Kapazitäten für 800.000 Fahrzeuge pro Jahr sollen entstehen. Die Frage steht im Raum, wer so viele Elektroautos einer nicht existierenden Marke kaufen wird. Denn zum damaligen Zeitpunkt kennt man noch nicht einmal den Markennamen.

Ein Jahr später sehen wir ein gewaltiges Werk.

Der Markenname ist mittlerweile bekannt. Hengchi nennt sich die neue Automarke. Und wir sehen ein gewaltiges Autowerk, das in Nansha, dem Stadtteil von Guangzhou heranwächst. Über Twitter (@GregKable) kamen Bilder des Baufortschritts. Die 3 Hauptteile des neuen Evergrande-Hengchi Werks nähern sich ihrer Vollendung. Wie der Neubau in Songjiang (Shanghai) soll auch Nansha bis zum Jahresende 2020 fertiggestellt sein.

Produktion ab 2021.

Beide Werke könnten 2021 mit einer möglichen Anfangskapazität von je 200.000 Fahrzeugen an den Start gehen. In der Realität werden die anfänglichen Stückzahlen niedriger sein, die Steigerung langsam erfolgen. Unabhängig davon sind die jetzt aufgebauten Kapazitäten aber eines. Egal welche Fahrzeuge und Marken dort hergestellt werden, die Investition ist eine Kampfansage an die internationale Fahrzeugindustrie. Evergrande, der Immobilen Riese, könnte in einigen Jahren den Markt mit Elektroautos fluten. Dabei für einen gewissen Zeitraum Verluste billigend in Kauf nehmen und so das komplette Marktumfeld verändern.

Es stellt sich vorher aber noch eine andere Frage.

Das riesige Werk in seiner Entstehung zu sehen ist spannend und beeindruckend zugleich. Wo aber bleibt das marktfähige Produkt? Hengchi 1 gilt zwischenzeitlich als verspätet. Es soll sich dabei um ein SUV handeln, das bei RAW Design in Ängelholm gezeichnet wurde. Erste Bilder der Patentanmeldung machten im April die Runde. Die Saab Gene sind kaum zu übersehen, die Ähnlichkeit mit dem 9-4x ist gegeben. Hengchi 1 macht einen überraschend europäischen Eindruck.

Aber außer den Bildern gab es bisher keinen Hinweis auf seine Existenz. Kein Prototyp, kein Teaser. Hengchi 1 ist immer noch ein Phantom.

Bilder: @GregKable via Twitter

13 Gedanken zu „Eine Autofabrik entsteht. Evergrande-Hengchi in Nansha.

  • Ist schon spannend mit welcher Geschwindigkeit die Fabrik dort aus dem Boden gestampft wird. Ok, Tesla in Grünheide hat ähnliche Zeiträume. Ich bin auf die Produkte gespannt!

    Was bedeuten die chinesischen Schriftzeichen an dem mittleren Gebäude?

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    • Tja, die Schriftzeichen. Ich habe wegen Saab ein rudimentäres Schwedisch gelernt. Wegen Evergrande das nächste Abenteuer zu starten schenke ich mir. Ich kann die Frage leider nicht beantworten.

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  • Spannend ist das ja schon.

    Muss ich zugeben. Ist nichts was mich emotional positiv bewegt, aber spannend ist es trotzdem …

    QUO VADIS, Evergrande, China, Menschheit und Welt ? ? ?

    Habe kürzlich zufällig erfahren, dass Evergrande auch 45% Anteile an der US-Automobilmarke Faraday Future (FF) hat.

    Die scheinen reife Autos in der Pipeline aber nicht wirklich Fertigungskapazitäten zu haben. Könnte es sein, dass FF gemeinsam mit Evergrande den Weg von Apple und Ikea gehen wird?

    Soll heißen, Design and Quality of XY Made in China?

    Weiß das Blogteam etwas über die Verbindung, mögliche und gemeinsamen Pläne von FF und Evergrande?

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    • Evergrande ist bei FF nicht mehr drin. Zumindest nach unserem Kenntnisstand.

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  • Da frage ich mich doch, wozu sie so viele Werke brauchen, wenn noch nichts produziert wird? NEVS hat doch schon zwei Werke in China, die aktuell gerade weiter ausgebaut werden und Evergrande stellt noch mehr Produktionskapazitäten dazu?

    Ich kenne das chinesische Steuersystem jetzt nicht, aber könnten das möglicherweise Abschreibungsobjekte sein? Oder am Ende noch geschickter, werden die ganzen Automobilwerke von der Evergrande Real Estate Group umgesetzt? Dann wird womöglich ein Teil der mit der Autoproduktion verbundenen Förderung an die Immobiliensparte weitergeleitet.

    Nicht falsch verstehen, ich glaube nicht an einen Betrug, dass sollte auch in China ins Gefängnis führen. Aber wenn man am Ende einen Autokonzern besitzt und seinen Immobilienkonzern ‘saniert’ hat, sieht es doch so aus, als hätte man alles richtig gemacht.

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    • Da wird vermutlich Hand in Hand gearbeitet. Aber die Nummer ist viel zu groß, da ergeben diese Ideen kaum Sinn.

      Allerdings bringt die rege Investitionstätigkeit Evergrande zusätzliche Vorteile. Wer entsprechend in Industrieprojekte investiert, was hier im großen Stil geschieht, wird bei der Vergabe von begehrten Land für Wohnbebauung bevorzugt.

      Antwort
  • Kenntnisstand (@ Tom)

    Der von euch ist zuverlässig besser und jünger. Dann ist es so …

    Ich fand nur das Logo von FF ganz gut und den Namen der Marke und die Modellbezeichnungen besser, als Hengchi I.

    Gleichwohl habe ich für Mensch & Umwelt auch von FF nicht viel erwartet …

    Warum müssen künftig alle Autos in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer oder 60 Meilen pro Stunde beschleunigen?

    Evergrande, Tesla, FF, wer auch immer. Es wäre schon schön, wenn irgendwann irgendein Unternehmen den Umweltschutz über die Fahrleistungen stellen würde.

    Ist schon traurig, wenn sich die Elektromobilität nur über Leistung und Luxus oder billigen Mist (etwa E-Bikes und Roller) etablieren lässt.

    Am oberen und unteren Ende der Skala wird gelten, dass es früher besser war. PKW der Oberklasse haben bis zu einer Tonne weniger gewogen und Fahrräder fuhren einst einzig durch Muskelkraft.

    Das obere und untere Ende der Skala ist für mich persönlich daher auch völlig uninteressant. Meine Fahrräder werden weiterhin ausschließlich muskulär bewegt. Und für meine Autos gilt, dass ich mich vom Verbrenner nicht für mehr Leistung, sondern für mehr Umweltschutz verabschieden würde.

    Dazu bräuchte es eine glaubwürdige Gesamtbilanz. Eine solche habe ich noch nie gesehen. Wo sind all die tollen Autos mit den (vollständig ausreichenden) Fahrleistungen von gestern und der (absolut überlegenen) Gesamtbilanz von morgen?

    DAS sind Autos, die wir wirklich bräuchten, aber anscheinend sind sie kein attraktives Marktsegment?

    Apropos Marktsegment, nach oben wird die Luft dünn. Bin gespannt, wie die Strategien all der gegenwärtigen und kommenden Hersteller aufgehen, die sich aktuell so sehr auf Premium und Oberklasse versteifen.

    Na klar, die Marge pro produzierter Einheit ist größer. Aber wenn sie alle gleichzeitig darauf setzen, dann gilt schon morgen das Prinzip von Angebot und Nachfrage auf einem Markt mit einem Überangebot und absehbaren Folgen …

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  • Hab es mal im eine ÜbersetzerApp eingegeben, Ergebnis “Heng Sechs Autos”, also vermutlich “Hengchi Autos”

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  • Evergrande kann heftig werden. Die denken ganz groß, mit kleinen Stückzahlen geben die sich nicht ab.

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  • Gut dass es die Kommunistische Partei Chinas gibt, die Evergrande finanziert, mit Land beschenkt und sicher nur das Wohlergehen aller Menschen auf diesem Planeten im Sinn hat …
    Ich fahre lieber Bus & Bahn als mit einem Henchi herumzugurken – nicht umsonst verkaufen sich europäische Autos in CHina besser als die eigenen …

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  • Umso größer wird die Ernüchterung sein, dass 1. der Umsatz nicht passt, 2. keiner weiß wo die Chinesen alle mit den Autos hinfahren wollen, weil eh kein Platz mehr auf den Straßen ist …
    Denke das wird ein Megaflop

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