Autos auf Halde und Produktion von Schutzmasken

Woche 2 der Ausgangsbeschränkungen. Autos stehen auf Halde, und im ehemaligen Saab Werk werden jetzt Schutzmasken hergestellt. Erinnert mich unwillkürlich an Kriegswirtschaft – und ist es auch. Europa steht im entschlossenen Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner. Harte Zeiten, und wer in diesen Tagen unterwegs ist, der erlebt ein trauriges Land. Es ist leer auf Straßen und Plätzen,  und die Stille ist unwirklich.

Ex-Dienstwagen des VW-Konzerns auf Halde. Nicht nur der Corona-Krise geschuldet.
Ex-Dienstwagen des VW-Konzerns auf Halde. Nicht nur der Corona-Krise geschuldet.

Immer öfter trifft man auf Menschen mit Mundschutz. Das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit setzt sich langsam durch. Corona hat Konsequenzen für jeden, man muss nur hinschauen

Die Autoindustrie wurde von Covid-19 hart getroffen. Um die Auswirkungen zu erkennen, muss ich nicht weit gehen. Im nächsten Ortsteil gibt es einen kleinen Provinzbahnhof. Von der Deutschen Bahn längst an private Investoren abgestoßen, etwas heruntergekommen,  wie weniger wichtige Bahnhöfe in diesem unfassbar reichen Land leider oft sind. Wenn in den öffentlichen Verkehrsmitteln die klimaneutrale Zukunft liegen sollte, dann lässt dieser Bahnhof den Verantwortlichen sehr viel Luft nach oben.

Aktuell sieht es auf dem Gelände weniger nach Bahnverkehr und mehr nach dem Volkswagenkonzern aus. In langen Reihen parken vorwiegend PKW von Audi, aber auch von Skoda und Volkswagen. Es sind ehemalige Dienstwagen, nur wenige Monate alt, die ein lokales Unternehmen vermarktet. In den letzten Jahren erfolgreich, in immer größerem Stil. Geschätzt 1.000 Fahrzeuge sind in normalen Zeiten am Lager und sind eigentlich eine sichere und einträgliche Wette. Käufer,  die in einem fast neuen Audi die Erfüllung ihrer Träume sehen, gibt es genug.

Atemschutzmasken aus dem Saab Werk

Zwischenzeitlich ist der Markt vollständig kollabiert. Autohäuser haben ihre Verkaufsräume geschlossen, Zulassungsstellen arbeiten eingeschränkt. Währenddessen rollt der Nachschub weiter, vorerst ungebremst. Denn die Hersteller haben selbst volle Halden, und was weg kann,  das wird abtransportiert. Entsprechend reicht der vorhandene Platz bei Handelspartnern nicht mehr aus, sie müssen mehr Stellfläche anmieten.

Aber nicht alles ist Corona. Die ersten Reihen von Audis bauten sich bereits im Januar auf. Die Krise hatte die Autoindustrie schon zuvor im Würgegriff, nur nicht so deutlich.

NEVS übergibt den lokalen Behörden Atemschutzmasken
NEVS übergibt den lokalen Behörden Atemschutzmasken. Bild: NEVS

Die Corona-Krise ist weltweit und macht auch vor Schweden nicht halt. Noch ist man dort entspannt, vielleicht etwas zu sehr. Immerhin wird man nach diesem Wochenende die Skisaison im Norden beenden und die Lifte abstellen. Vor ein paar Tagen noch wollte man am traditionellen Ende nach Ostern festhalten.

Im ehemaligen Saab Werk werden jetzt Atemschutzmasken hergestellt – so wie es bereits Volvo Cars und AB Volvo tun. Die 3D-Drucker der Abteilung Konzept- und Prototypen Bau produzieren jetzt Schutzmaterial für das lokale Gesundheitswesen. In dieser Woche wurden die ersten Masken ausgeliefert. Zuvor hatte man dem lokalen Krankenhaus 360 Schutzmasken aus dem vorhandenen Bestand übergeben. Weitere 2.500 Schutzmasken wurden von Evergrande auf den Weg nach Trollhättan gebracht und sollen in der nächsten Woche an das Krankenhaus weitergeleitet werden.

Saab Fahrer für Sozialkaufhaus Grenzenlos e.V.

So wie NEVS in Schweden hilft, so sind die Saab Fahrer für das Sozialkaufhaus Grenzenlos e.V. da. Die Lesenden haben schon über 600,00 € gespendet. Wir sind gut damit beschäftigt,  Saab Aufkleber zu versenden,  und am Montag geht die erste Überweisung auf das Konto des Sozialkaufhauses.

Wichtig ist es jetzt, nicht nachzulassen! 6,00 € ist keine große Summe, viele Leser packen noch den ein oder anderen € drauf. Die Krise wird weiter andauern, und Grenzenlos e.V. wird sicher jeden Cent benötigen. Und sollten die Aufkleber knapp werden, dann bestellen wir nach.

Wir vom Blog sind stolz auf unsere Leser und darauf, in schweren Zeiten etwas gemeinsam bewegen zu können. Das motiviert uns!

Danke!

Und nicht vergessen: #bleibtzuhause.

4 Gedanken zu „Autos auf Halde und Produktion von Schutzmasken

  • Habe mir schon gedacht, dass auch die jetzt Masken produzieren. Ich hoffe für die Schweden, dass den Weg den sie gewählt haben klappt und sie es nicht doch bereuen werden.

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  • S ist vergleichsweise dünn besiedelt, Homeoffice ein alter Hut und das Internet gut.

    Ich denke (@ Ken-Daniel S), dass die relative Gelassenheit der Schweden Hand und Fuß hat. Wahrscheinlich müssten wir in D nochmals drakonischere Maßnahmen ergreifen, um unser Risiko auf das schwedische zu senken.

    Mit Steuern und Sozialabgaben ist es ja schon ewig so. Immer wieder geistert S als Negativbeispiel (etwa für Einkommens- und Mehrwertsteuer) durch die dt. Medien und stolpert über politische Zungen.

    Dabei wird regelmäßig vergessen, dass Sozialleistungen in S steuerfinanziert sind und die Belastung der Bürger nicht etwa höher, sondern insg. niedriger als in D ist.

    Nix gegen Sie und Ihre guten Wünsche an die Schweden, aber ich fürchte, dass es viral ebenso umgekehrt ist wie sozial und fiskalisch. Wir brauchen das Mitleid. Schon allein für unser Internet …

    Antwort
  • Laughing through tears…

    Nevs is finally producing something

    (Last production 2012-2013?)

    Nevs will beat its previous numbers as far as production is concerned…

    Eh. Tough times. Health for all

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