Ein Saab 9-5 ab 1 €? Corona verschiebt Pläne!

Woche 3 der Ausgangsbeschränkung in Bayern. Täusche ich mich, oder ist da ein kleines Hoffnungslicht am Horizont? Wir werden es in den nächsten Tagen wissen. Corona verändert das Leben, macht Zukunftspläne zur Makulatur und gefährdet Geschäftsmodelle. Auch unsere täglichen Saab Kleinigkeiten leiden darunter, eine Aktion des Blogs wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Eigentlich sollte das Paul Projekt uns jetzt verlassen
Eigentlich sollte das Paul Projekt uns jetzt verlassen

Die Rede ist von Paul, unser erstes und einziges Projekt Auto auf dem Blog. Mit viel Geduld und noch mehr Geld wieder zum Leben erwacht hat der Saab 9-5 jetzt eine gute, durchreparierte Substanz. Natürlich benötigt er noch etwas Zuneigung, aber die wichtigsten und teuersten Dinge sind erledigt. Als früher 9-5 Kombi mit nur 150.000 Kilometern ist er eine Rarität. Er sollte uns jetzt im Frühjahr verlassen und sein Erlös einem guten Zweck zugutekommen.

Der Plan war, ihn so wie er ist nach Kiel zu bringen, wo er ab 1 € zum Verkauf stehen sollte. Selbstverständlich mit den kultigen Aufklebern der Sponsoren darauf und den recht coolen 18″ Felgen. 30 Tage Zeit für Interessenten,  um nach Kiel zu fahren, den Saab anzuschauen, und ein Gebot abzugeben. Jeder Preis sollte notiert werden, der Zuschlag würde an den gehen, der das höchste Gebot vorlegt. Soweit der Plan, der mit Markus Lafrentz abgestimmt war. Dann kam die Corona-Krise.

“Bleibt zu Hause” ist das Gebot der Stunde, da gibt es nicht viel zu interpretieren. Fraglich ist außerdem,  wieviel Laune zum Autokauf unsere Leser aktuell haben, selbst wenn es wie hier um einen guten Zweck geht. Das Projekt ist abgesagt, vielleicht auf den Herbst verlegt. Eventuell startet es auch erst im Frühjahr 2021. So lange parkt Paul gut und trocken im Saab Hangar. Geduld ist etwas, das uns dieses Virus neu beibringt.

Aber nicht jeder kann die nötige Geduld aufbringen, zu viel steht für ihn auf dem Spiel. Die Autobranche hat es schwer in diesen Zeiten. Nichts geht mehr, das Geschäft mit Neuwagen ist eingebrochen. Den größten Rückgang verbuchte mit einem Minus von 57,4 % der Absatz mit Mietwagenfirmen. Nicht überraschend, wer kann, der meidet ein Mietauto aus Angst vor einer Infektion. Experten sehen den Absatz von Neuwagen im besten Fall frühestens 2022 wieder auf dem Niveau der Zeit vor Corona. Saab hat schon Ewigkeiten keine Neuwagen mehr, ist also raus aus dem Thema. Aber die Werkstätten leiden ebenfalls unter der Krise, wie sehr ist unklar,  da es ohne Hersteller auch keine Zahlen gibt.

Ein ungefähres Ausmaß der Probleme lassen die Meldungen von Volkswagen erahnen. Die Auftragseingänge im After-Sales sind mit der Krise um zwei Drittel eingebrochen, bei Saab Werkstätten dürfte es vergleichbar sein. Es hilft nur das Hoffen auf ein rasches Ende der Krise, ein striktes Durchhalten der Ausgangsbeschränkungen.

Für die Zeit in ein paar Wochen, wenn es Stück für Stück langsam in Richtung Normalität gehen wird, kann man sich gute Vorsätze nehmen. Etwa die, dass man das Budget bei der traditionell Saab-affinen Werkstatt investiert und nicht bei einer großen Kette. Damit wäre schon viel geholfen.

In der Wuhan Provinz, wo das Virus seinen Anfang nahm, probt man bereits so etwas wie eine neue Normalität. Mit Mundschutz, Fieberthermometer, Apps und Robotern,  die Passanten scannen. Die Autoindustrie meldet schon eine erste Belebung des Geschäfts und ist selbst überrascht davon. Menschen scheinen verblüffend schnell bereit, große Budgets für ein neues Auto freizugeben. Aber es ist eine andere Motivation,  und es sind andere Autos als noch vor der Krise. Kleinere Modelle, die als Zweitwagen genutzt werden. Die Käufer kommen, weil sie nun öffentliche Verkehrsmittel meiden wollen.

Das Auto im Privatbesitz als ein sicheres Transportmittel hat noch lange nicht ausgedient. Auch nicht in China, wo die Idee intelligenter, autonomer Fahrzeugflotten als öffentliche Transportmittel propagiert werden. Und die Corona-Krise wird in unseren Köpfen noch lange ihre Spuren hinterlassen.

17 thoughts on “Ein Saab 9-5 ab 1 €? Corona verschiebt Pläne!

  • @ StF

    vielen Dank für den Link. Dort steht auch, dass gelb tatsächlich bis 1993 in F für die gesamte Frontbeleuchtung vorgeschriebenen war …

    Aus heutiger Sicht reichlich skurril. Ach was, heute? Die gelben Funzeln auf einsamen Landstraßen haben mich schon als Kind fasziniert …

    Die Motivation, ein Farbspektrum und die Lichtausbeute technisch auf ein unvermeidlich notwendiges Minimum zu reduzieren, erschließt sich mir bis heute nicht.

    Da müssen nationale Verkehrsexperten bei Kerzenschein mit einem guten Bordeaux auf diese Regelung angestoßen haben. Ein Prosit auf die Gemütlichkeit.

  • Das Gelb der Automobilscheinwerfer heißt ‘selective yellow’, oder bei uns hellgelb, und ist hier meines Wissens für Nebelscheinwerfer immer noch erlaubt.
    Es reduziert die Blendung, allerdings auch die auf die Straße geworfene Lichtmenge, da mit einem Filter gearbeitet wird.

    Bei Wikipedia gibt es einige kurze Informationen dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Selective_Yellow

  • @ Sprott,

    ja, die Diskussion hat vor historischem Hintergrund humoristische Komponenten.

    Neben den 6V-Anlagen älterer KFZ fallen mir auch noch nationale Eigenarten und Vorschriften ein. Die gelben bis orangen Funzeln in Frankreich bis zum Jahr X (ja welches eigentlich) sind legendär …

    Auch in Finnland waren meines Wissens gelb getönte Scheinwerfer eine gewisse Zeit vorgeschriebenen. Ich habe noch heute 2 gelb-transparente “Plastikteller” mit je drei Saugnäpfen.

    Meine Eltern haben sie 1973 und 74 in Finnland auf die runden Scheinwerfer eines Volvos 144 gedrückt.

    Vielleicht gibt es da sogar einen Zusammenhang mit der 12V-Technik? Ist sie in Frankreich und Finnland als zu hell und grell empfunden worden?

    Faszinierend ist, dass Teller und Saugnäpfe noch immer nicht spröde sind. Und irgendwo in der Familie geistert noch immer ein paar winziger Gummistiefel der Firma NOKIA herum, die damals für mich gekauft wurden und noch immer nahezu neuwertig sind.

    Zeiten ändern sich. Auch wenn früher natürlich nicht alles besser war aber die Haltbarkeit von Kunststoffen und Gummis scheint mir eindeutig rückschrittlich. Deren Herstellung und Verwendung hingegen inflationär.

  • @ Ebasli

    Vielen Dank für den Hinweis auf den Blogbeitrag über den alten 9-5 SC. Ich habe ihn gerade verschlungen. Den Werkstattersatzwagen von Lafrentz kenne ich übrigens gut und fahre ihn immer wieder gern.

    Über die Lichtdiskussion, die sich hier entsponnen hat, muss ich etwas schmunzeln. Ich bin schon zufrieden, wenn ich in meinem Borgward mit seiner 6-Volt-Elektrik 30 Meter weit gucken kann und bin fast geblendet, wenn ich dann in den 902 umsteige 😉 Aber klar: Zuviel Licht kann es eigentlich nicht geben, hätte ich schon gern.

  • Halogen (neues) @ Ebasil,

    die Hersteller arbeiten mit einer Vielzahl an Tricks, um das Licht heller und weiß zu bekommen.

    Beimischungen im Gas
    Tönung (blau) vom Glas
    Stärke und Material der Wendel

    Lichtausbeute und Farbtemperatur guter H-Lampen haben in den letzten Jahren enorme Sprünge gemacht.

    Hinzu kommen aber auch Fortschritte beim Design der Scheinwerfer selbst. Die Lampe selbst trägt ja eher wenig bis gar nichts zur Form und Charakteristik des Lichtkegels bei.

    Das ist vielleicht auch ein Grund, dass sich Behörden mit der Zulassung von Retrofit-LED schwer tun? In alten und schlecht eingestellten Scheinwerfern können sie den Gegenverkehr blenden. Bei Xenon ist das durch die vorgeschriebene automatische Regulierung unabhängig vom Beladungszustand ausgeschlossen.

  • @ Herbert Hürsch

    Da haben Sie absolut Recht, das ist wirklich krass und skandalös – in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht -, wenn Xenon-Autos wegen eines bloßen Lichtdefektes beim Verwerter landen! Ganz übel!

    Wie konnte das Halogenlicht im Neuwagen Ihres Bekannten so gut sein? Ich habe damals die teuersten und besten Halogen-Birnen in meinem früheren Cabrio ausprobiert, es reichte mir alles nicht. Wenn es noch Saab-Neuwagen gäbe, würde ich jetzt wohl Halogen kaufen und durch Nachrüst-LED ersetzen, wenn diese denn endlich zugelassen würden. Man könnte dadurch tausende Euro beim Neuwagenkauf sparen – was wiederum wohl auch ein wichtiger Grund dafür sein dürfte, dass sich die Automobil-Lobby gegen die Zulassung der LED-Nachrüst-Leuchtmittel sperrt.

  • @ Ebasil,

    ich saß neulich in einem Neuwagen. Excelentes kalt-weißes Licht. Xenon oder LED, fragte ich den Fahrer.

    Nee, Halogen, kam es zurück. Ich war baff.

    Xenon (eine Brückentechnologie) gab es für das Modell gar nicht und LED nur gegen einen saftigen Aufpreis.

    Aber Sie haben natürlich Recht. Xenon macht schon Spaß Auch die automatische Regulierung der Leuchtweite. Man muss sich eben bewusst sein, dass das System komplex ist und teuer werden kann. Die Dinger laufen ja nicht auf 12V.
    Bei einem Bekannten war Mal das Vorschaltgerät fällig und hat einen 4-stelligen Betrag geschluckt.

    Viele Autos mit Xenon haben inzwischen Laufleistungen, alter und Marktwert, dass sie bei einem Defekt an der Beleuchtung zum wirtschaftlichen Totalschaden werden können.
    Schon krass, wenn PKW deshalb beim Verwerter landen, während die Besitzer anderer einfach für ein paar € ‘ne Birne selber tauschen.

    Ihr schönes Cabrio dürfte da auf der sicheren Seite sein. Chrombrillen werden schon jetzt für ‘n Appel und ‘n Ei gehandelt …

  • Halogenscheinwerfer mit LED betreiben

    P.S.: Technisch möglich ist es ja schon längst, bei Halogen-Scheinwerfern einfach das Leuchtmittel durch LED zu ersetzen, nur zugelassen ist das hierzulande bisher leider nicht.

    https://www.spiegel.de/auto/aktuell/led-nachruestung-fuer-auto-schweinwerfer-im-test-a-1216829.html

    Ich hatte mich, als ich noch mein voriges Cabrio besaß, oft damit beschäftigt und als Technik-Dummke mal so ganz abstrakt gefragt, wieso das grudsätzlich nicht. Es geht zuhause ja schließlich auch, in alte Lampen moderne LED zu drehen. Ja ja, ich weiß, ist im Auto alles nicht ganz so einfach – aber jedenfalls vom Grundprinzip ja ähnlich. Und siehe da – es geht und wäre deutlich güstiger als Xenon oder LED-Scheinwerfer im Neuwagen. Und dazu noch jederzeit einfach austauschbar. Was vermutlich auch der Grund sein dürfte für die fehlende Zulassung … 🙁

  • @Sprott

    Hier ein Artikel unseres Blogs, der die ganzen Vorzüge des frühen 9-5ers ggü der Chrombrille auflistet (s.u.). Ich selbst – sonst ausschließlich 9-3-Fahrerin (Cabrio und SC) – hatte in Kiel mal einen alten 9-5 SC als Werkstattersatzwagen bekommen – und war spontan begeistert, wie gut in Schuss, hochwertig und wenig abgenutzt dieser trotz hoher Laufleistung war. Die Ausstattung ließ keine Wünsche offen und er fuhr sich sowas von entspannt und selbstverständlich! Ein wirklich großartiges Auto!

    Anders als Herbert bei seiner Chrombrille möchte ich auf das Xenon-Licht bei meinen beiden 9-3ern aber keinesfalls mehr verzichten. Kosten hatte ich dadurch noch gar keine (toi toi toi) und das Licht ist wirklich grandios, beim 2012er Griffin Cabrio sogar noch einen Tick besser als beim 2011er SC. Das deutlich hellere Xenon-Licht ist längst nicht so anstrengend für die Augen wie das im Vergleich dunkle Halogen-Licht, das ich im Übrigen bei meinem 2007er Cabrio dauernd mit neuen “Birnen” bestücken musste. Aber die teuersten halfen nichts, gerade bei Regen auf der Autobahn fand ich es einfach nicht mehr ausreichend – was sicher auch daran lag, dass ich oft in einem anderen Auto mit Xenon mitfuhr. Wenn man so gutes Licht erst einmal gewohnt ist, wird es, jedenfalls für mich, schwierig, sich mit dem deutlich dunkleren Halogen zu arrangieren. Das Licht war für mich einer der Hauptgründe, mein 2007 er Cabrio gegen das letzte Modell zu tauschen.

    https://saabblog.net/2016/09/13/saab-9-5-all-die-netten-kleinigkeiten/

  • @ Sprott,

    ist jetzt auch meine Philosophie.
    2009 wollte ich einfach nur den modernsten und größtmöglichen Saab/Kofferraum …

    Mittlerweile sehe ich modern nicht mehr ausschließlich als fortschrittlich. So viel überflüssiger und kostspieliger Schnulli …

    Oftmals TÜV-relevant (etwa der Neigungssensors für Xenon). H4 oder H7 oder andere Birnen wird es noch immer in jedem Supermarkt für Centbeträge geben, während parallel dazu Autos verschrottet werden, weil
    LED- und Xenon-Lichter versagen, nicht mehr verfügbar sind und/oder den Zeitwert übersteigen …

  • @ Herbert Hürsch

    Vielen Dank für die profunde und erhellende Antwort. Sie bestätigt mir mal wieder, warum ich meine Vorliebe für “alte” Autos, die ich in meinem Beitrag über das blaue 902-Cabrio kundgetan habe, nicht aufgeben sollte. Die Modernitäten gerade an Autos machen das Fahren zwar kommod und – ja – auch sicherer, können aber gern zum Ärgernis und Groschengrab werden. Der Leuchtmittelwechsel des Scheinwerfers hat bei meinem 902 keine zwei Minuten gedauert und ca. 5 Euro gekostet. So geht Autofahren 😉
    Eine schöne Restosterzeit allen Saab-Fahrern!

  • P.S. @ Sprott,

    die Xenon-Brenner der Chrombrille haben mich übrigens innerhalb weniger Jahre und Km ca. 600 € direkt und indirekt gekostet. Getauscht werden sie immer paarweise (bislang 1 ×). Indirekte Kosten hat der Austausch des defekten Neigungssensors verursacht, der zum System gehört.
    Das noch zur Info für Ihre Überlegungen. So oder so wünsche ich Ihnen viel Spaß mit Cabrio und/oder SC.

  • @ Sprott,

    es gibt ein paar Unterschiede aber keine Falle.

    Die Beleuchtung der Chrombrille ist teurer im Unterhalt (Xenon) und sie ist außen empfindlicher. Plastikrahmen um Plastikgläser …

    Auch sagt man dem Vorgänger eine höhere Qualität des Innenraums nach. Für den Tankdeckel gibt es im Kofferraum eine Notentriegelung, die beim Facelift entfällt.
    Versagt der Stellmotor der Zentralverriegelung, kann man ziemlich ratlos auf Tanke stehen.

    Je nach EZ ist der Vorgänger dem H-Kennzeichen ein paar Jahre näher. Wer langfristig denkt und seinen 9-5 “ewig” günstig zu fahren gedenkt, ist mit dem Vorgänger etwas besser beraten.

    Wer einen Gebrauchten zum Verbrauchen sucht, lässt wohl am besten den Geschmack entscheiden. Oder ein gutes Angebot, über das man stolpert.

  • @ Herbert Hürsch
    Mal eine etwas unbedarfte Frage: Gilt der 9-5 mit Brille als nicht so solide? Ich bin nämlich gerade am überlegen, ob ich mein 902-Cabrio gegen einen 9-5 Kombi wechseln sollte und würde natürlich ungern in eine Falle tappen.

  • Paul profitiert

    Zumindest hoffe ich das. Das Spannende an diesem ersten Blog-Projekt ist ja, dass bewusst ein Modell gewählt wurde, welches zum gegebenen Zeitpunkt unterbewertet am Anfang einer voraussichtlich wachsenden Wertschätzung stand.

    Je später die Aktion anläuft, desto mehr bringt sie vermutlich für den guten Zweck. Der 9-5 ohne Brille ist ein solides und als SC auch großes Auto, das sich hinter keinem 9K verstecken muss.

  • Nicht wirklich. Das Anna Projekt hat zwar seinen festen Platz auf dem Blog, und es wird demnächst wieder Updates geben. Aber das Paul Projekt war das bisher erste, das wir mithilfe des Blog-Budgets und mit Spenden auf die Räder gestellt haben.

  • Schöne Idee, ich freue mich schon darauf, wenn die Aktion dann irgendwann stattfinden kann! Gab es nicht vorher auch schon mal ein Blog-Projekt-Schätzchen? Eine 9000erin namens Anna, meine ich? 🙂 Was ist aus ihr geworden?

Kommentare sind geschlossen.