Meine saabische Story. Ein Saab aus Griechenland.

Ich fahre seit Anfang 2015 einen Saab 9-5 2.0t (Baujahr 2004) der ersten Baureihe. Mit diesem Wagen habe ich eine wechselvolle Geschichte erlebt, was aber meine Leidenschaft für die Marke bis heute nicht abzukühlen vermag.

Saab 9-5 aus Griechenland. Geringe Laufleistung.
Saab 9-5 aus Griechenland. Geringe Laufleistung.

Dabei ist es mir wichtig zu betonen, dass es nicht am Wagen selbst lag, sondern eher an den äußeren Umständen, die mir erst später bewusst wurden: der Wagen wurde mehrere Jahre in Griechenland bewegt und war dabei trotz guten äußeren Zustands und geringer Laufleistung (nur 72 TKM) wahrscheinlich doch einige Zeit Sonne und Salz ausgesetzt. Er war schlichtweg schlecht gewartet und musste erst „durch repariert“ werden.

Los ging es bereits auf der ersten Fahrt vom Saabhändler in Gießen zur A3 Richtung Bonn, als unterwegs die Motorkontrollleuchte aufblinkte und mich zur Rückkehr in die Werkstatt zwang. Auslöser war ein schadhaftes Kabel.

Wenige Monate später nach zwischenzeitlicher Freude am starken Vierzylinder-Turbo und dem sanften Brummen des Vierzylinders bei langen Autobahnfahrten ereilte mich auf der Rückfahrt von der Küste auf halbem Weg ein Kupplungs- schaden.

Dann wieder einige Monate später wollte ich mit Freunden zu einem Fußballspiel fahren, plötzlich wurde es spätabends taghell im Armaturenträger: Der „Christbaum“ (ABS-Motorkontrollleuchte etc.) leuchtete seitdem immer wieder in unterschiedlichsten Situationen auf und meldete sich stets mit einem Warnton. Es folgten Monate fieberhafter Suche nach der Fehlerquelle. Von Motorsteuergerät über Radsensor wurde alles gegen Gebrauchtwagengarantie des Gießener Saabhändlers ausgetauscht – ergebnislos.

Ein Mitarbeiter der ehemaligen Saabvertretung in Beuel fand dann heraus, dass die Ursache ein simpler Kabelbruch zwischen Radsensor und Motorsteuergerät war. Der Schaden wurde schlussendlich für 150 € repariert, das neue Steuergerät schlug für die Versicherung mit 2.600 € und der Radsensor mit knappen 1.000 € zu Buche.

Hin und wieder nutzte ich den Wagen auch zur Fahrt ins Büro. Und so kam es, dass eines Abends, ich ahnte nichts Böses, der Motor auf einmal rapide an Leistung verlor und ich wieder einmal die Gelben Engel um Hilfe rufen musste.

Diesmal war die Steuerkassette hinüber. Kostenpunkt 500 €.

Danach hatte ich erst einmal für einige Monate Ruhe. Der Saab schnurrte und brummte fröhlich vor sich hin und bescherte mir und meiner Lebensgefährtin viel Fahrgenuss, besonders auf Wochenendausflügen an die Mosel und an die Ahr.

Das war aber noch nicht alles, der geneigte Leser ahnt es. Eines Abends war ich wieder einmal auf dem Weg zurück von der Arbeit in Düsseldorf und fuhr am Ratinger Kreuz auf ein Stauende auf. Zunächst war alles normal, es ging im Stop-and-Go langsam Richtung Abzweigung zur A3. Der hinter mir fahrende BMW verlor plötzlich die Nerven und wollte sich rechts vorbeitanken, um ein paar Meter (!) gut zu machen. Da ich jedoch schon wieder wegen des stockenden Verkehrs abbremsen musste, erwischte mich der BMW hinten rechts. Er traf mich dabei so unglücklich, dass eine große Welle im Bodenblech entstanden war. Der Wagen war damit verzogen und wirtschaftlicher Totalschaden. Man stelle sich meinen Ärger vor, nachdem der Wagen quasi erst seit wenigen Monaten „durch repariert“ war und meine Freude am Saabfahren nun ein so jähes Ende zu finden schien.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meiner Lebensgefährtin Yvonne bedanken, die sich in der Folgezeit sosehr für den Erhalt des Wagens eingesetzt hat. Da sie merkte, wie viel Herzblut von mir an diesem Wagen hängt, hat sie alles in Bewegung gesetzt, eine Werkstatt zu finden, die eine professionelle 130 %-Reparatur für die Kostenübernahme der gegnerischen Versicherung gewährleistet.

Ich darf auf dem Blog wahrscheinlich keine Schleichwerbung machen, daher möchte ich, verschwiegen, wie ich gerne bin, einen Karosseriebauer in Bonn (Saimé-Genc-Ring) nennen, der den Wagen wunderbar (inklusive Lacknacheinblendungen) wiederhergestellt hat.  Der ganze Spaß bis zum Finden dieser Werkstatt (Yvonne sei Dank!) hat über ein halbes Jahr gedauert.

Mittlerweile nehme ich den Saab meist nur noch am Wochenende oder für längere Fahrten aus der Garage und nehme ihn noch mehr in acht als sonst. Er hat jetzt knapp 105 TKM auf der Uhr und ich hoffe, er begleitet mich noch viele Jahre, genauso wie dieser wundervolle Blog, den ich so gerne auf meinen langen Pendelfahrten mit der Bahn zum Arbeitsplatz lese.


Danke an Arne für die Saab Geschichte am Sonntag. Der Einsendeschluss unserer Aktion war der 15. August 2019. Die Aktion ist vorbei und nicht dabei gewesen? Nicht schlimm! Wir haben neue Ideen und stellen sie demnächst vor.

2 Gedanken zu „Meine saabische Story. Ein Saab aus Griechenland.

  • SCHÖN

    Beides. Das Auto und die Geschichte. Bei mir weckt sie Erinnerungen. Ein silberner 9-3!, jemand fährt auf und im Ergebnis ebenfalls ein wirtschaftlicher Totalschaden, der auf den ersten und äußeren Blick nicht von mir vermutet worden wäre. Es ist toll, wenn ein SAAB so einen Befund überlebt. Und es ist auch nachhaltiger …

    Meiner hat damals wohl doch auch überlebt, denn die Versicherung des Unfallgegners hat ihn erstaunlich teuer für über 2.000 € verkauft. Für den Käufer (ein Profi mit einem großen Autotransporter voller jüngerer Autos mit Blessuren) und die Versicherung hat sich das garantiert gerechnet. Zwei Gewinner und ein Dummer.

    Nochmals würde ich einer solchen Enteignung nicht so schnell zustimmen, sondern mir die schöne Geschichte von heute zum Vorbild nehmen.

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  • Was für eine hoffnungsvolle Geschichte! Wiederherstellung nach einem Totalschaden… Ich habe mit meinem schönen, sehr geliebten schwarzen Saab 900i, der erst 136.000 km hatte, erleben müssen, wie ein geistesabwesender SUV-Fahrer auf mich auffuhr, als ich stoppen musste wegen eines Linksabbiegers im Gegenverkehr vor mir. Ergebnis: Mein Saab war verzogen und fast alles Blech verbogen. Totalschaden. Ich war bei 4 Werkstätten, zwar hätte man ihn wieder gerade richten können – doch der Blechschaden war allen zu umfangreich. Grrr! Dennoch konnte ich mich nicht von diesem geliebten Gefährt trennen, ich hatte ihn schon einmal (!) 20 Jahre zuvor nach gerade so einem Auffahr-Unfall entgegen aller vernünftigen Ratschläge für einen immensen Betrag wieder herrichten lassen, den damals, da es ein noch fast neues Auto war, die Versicherung bezahlte. Doch jetzt war keine Werkstatt mehr bereit, sich dran zu machen… Er steht bei jetzt mir als ‚Ersatzteillager‘ oder schöner gesagt: auf dem Altenteil… Ich habe nun nach monatelanger Suche einen gleichen gefunden, nur noch 1 Jahr älter und noch 125.000 km mehr auf dem Tacho. Auch der fährt wie eine Eins! Dennoch: vielleicht sollte ich mich mal auf den Weg nach Bonn machen… Danke für den verschwiegenen Tip!

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