Wie es mit dem Saab 900 Turbo begann

Wie hat es mit der Saab Leidenschaft begonnen? Der Blog fragt die Leser, es gibt einen Ursaab zu gewinnen. Gestern kamen bereits die ersten Beiträge in meine Mailbox. Zum Auftakt, und als Motivation für die Fans, meine persönliche Saab Geschichte.

Nordbayern kann man nicht gerade eine Saab Hochburg nennen. Mein erster bewusster Kontakt mit der Marke aus Schweden verlief dann auch mehr ernüchternd. Nachbarn einer Freundin, umweltbewegt in Birkenstock-Sandalen und Strickpullovern unterwegs, fuhren einen Saab 95 in signalorange.

Saab 900 S "Sport" 1992. © 2014 saabblog.net
Saab 900 S „Sport“ 1992. © 2014 saabblog.net

Meine erste Wahrnehmung der Marke, und nicht das, was sie für einen 17-jährigen erstrebenswert machen würde. Saab wurde – vorerst – abgelegt in das Kapitel automobiler Skurrilitäten. Der Umstand würde sich bald ändern, denn der Führerschein rückte immer näher. Es war die Zeit von Boris Becker, Deutschland war im Tennisfieber. Das führte mitunter zu heute seltsam anmutenden Auswüchsen: Tennissocken, und Tennisschläger. Letztere wurden gerne demonstrativ auf dem Rücksitz deponiert. Egal ob man der Sportart frönte oder nicht. Vergeben und vergessen, Schnee von gestern.

In meiner Heimatstadt Aschaffenburg hatte damals ein umtriebiger Saab Händler neu eröffnet, und vor jedem Tennisclub und bei jedem Turnier präsentierte er Saab 900 Cabriolets an prominenter Stelle. Saab war plötzlich da, wie der Phoenix aus dem Nichts aufgetaucht. Und fast jeder Rechtsanwalt und Architekt wollte mit einem offenen 900er durch die Gegend cruisen.

Aber noch war ich Schüler,  und die Aussicht auf einen 900 Turbo war nicht mehr als eine Träumerei. Irgendwann stand beim Saab Zentrum ein gebrauchter Saab 900 Turbo Gradschnautzer zum Verkauf. Der Preis, 10.000 DM, war reinste Illusion für meinen bescheidenen Kontostand. Aber das Interesse war geweckt. Und während ich um den gebrauchten 900 schlich – mittlerweile mit Fahrerlaubnis in der Tasche – kam der Saab Händler aus seinem Büro und bot mir eine Probefahrt an…vermutlich mit dem Wissen, dass es hier eh zu keinem Verkaufsabschluss mit dem jungen Kerl kommen würde. Noch nicht…

Luxus der 90er Jahre - Holz und Leder im 900 S © 2014 saabblog.net
Luxus der 90er Jahre – Holz und Leder im 900 S © 2014 saabblog.net

Aber Holger Roth, der Besitzer des Saab Zentrums, war eben Saab mit Leib und Seele, seine Begeisterung für die Marke war spür- und greifbar. Die Saab Infektion, so eine Art Erweckungserlebnis, fand während der Probefahrt an einem beschrankten Bahnübergang statt.

Die Schranken waren heruntergelassen, der 900 Turbo stand, vor sich hinblubbernd, an erster Stelle. Die Schranken hoben sich, der 900 nahm mit dem einzigartigen Sound, untermalt vom Turbopfeifen, Fahrt auf. Erst langsam, dann setzte der Lader ein, der Saab startete den brachialen Nachbrenner. Liess alles hinter sich, wie ein Blick in den Rückspiegel zeigte. Beeindruckend.

Dieser kurze Moment ist, auch mehr als 20 Jahre später, tief in den Hirnwindungen immer noch präsent. Rückblickend ist mir klar, dass sich mit dieser Initialzündung der Saab Virus bei mir eingenistet hatte.

Es dauerte noch etwas, bis der erste neue Saab möglich war. 1992 verkaufte Holger Roth mir ein schwarzes 900 S „Sport“ Coupe, mit Schiebedach, Leder, Klimaanlage und allem,  was dazu gehörte. Das typische Saab 900 Geräusch, mit dem sich der Schwede aus dem Showroom schob, habe ich immer noch im Ohr. Die Tatsache, dass Saab zur Begrüßung kurz hintereinander einen Brief, ein Buch und dann noch einen Schlüsselanhänger schickte, beeindruckte. Willkommen in der Familie!

Saab 900 S Coupe, Nummer 3 von 3. Verkauft 2008
Saab 900 S Coupe, Nummer 3 von 3. Verkauft 2008

Ein 900 Coupe, mit Schiebdach und Ausstellfenstern,  ist etwas für automobile Gourmets. Man ertappt sich dabei,  die Fenster und das Dach, wann immer möglich,  geöffnet zu halten,  um dem Saab Sound zu lauschen.

Bei aller Nostalgie, der Saab 900 Turbo war kein günstiges Auto, kein perfektes Auto. So ganz zuverlässig und fehlerfrei war er nie, und das Wort „klapperfrei“ kannte er auch nicht.

Start der Saab Leidenschaft: Prospekt und Kaufvertrag 1992 © 2014 saabblog.net
Start der Saab Leidenschaft: Prospekt und Kaufvertrag 1992 © 2014 saabblog.net

Warum bleibt man trotzdem bei der Marke? Die Saabs der 90er Jahre, der 900 und der große 9000,  waren individuell, charmant, der Zauber des Saab-Faktors wirkte damals.

Die Bilder übrigens zeigen den dritten 900 S, der wie Nummer eins auch schwarz war. Von Saab Nummer 1, der aus dem vordigitalen Zeitalter kam, existiert nur ein Bild. Das zeigt den Blogger, jugendlich und mit langen Haaren. Zu privat für den Blog. Aber die Fotogalerie von Saab Nummer 3 gibt es auf den Youngtimer Blog zu bewundern.

14 Gedanken zu „Wie es mit dem Saab 900 Turbo begann

  • Sehr schöner Beitrag Tom und vorallem auch emotional geschrieben.
    Es ist schon immer einzigartig wie man zu Saab kommt.
    Ich hatte in der Zeit vor der Wende einen Zastava, ein jugoslawisches Auto.

    Meinen ersten Kontakt hatte ich mit einem 9.5 von Europcar der mich zu einem Termin nach Berlin brachte. Es war eine tolle Fahrt.
    Den Termin hatte ich trotzdem verpasst, ich bekam den Schlüsel nicht raus. Erst ein Anruf bei Europcar konnte das Rätsel lösen, der Rückwärtsgang. Das und alle anderen Sicherheitsmerkmale überzeugten mich…ein Saab (jetzt schon zwei) mußte her.

    Grüße aus Thüringen

  • Kein Wunder, dass das Virus immer noch vorhanden ist! 🙂 Diese SAAB-Power macht immer wieder süchtig und fällt jedem Beifahrer/In auf, wie Beschleunigung definiert werden kann 😉
    Toller emotionaler Bericht über (m)einen „Traumwagen“.

  • Große Klasse sehr schön geschrieben!

  • Hallo Tom,
    ich kann an diesen Artikel anknüpfen.
    Als ich meinen Führerschein machte, fuhr mein Vater einen Saab 900 Turbo, Viertürer mit einer blauen Zweifarblackierung, dürfte so BJ.84 gewesen sein. Mein Auto damals, ein 1200er Sparkäfer mit 6 Volt Anlage !
    Erst nach einem MB 220/8 und einem 230E (W123) kam ich durch Zufall auf einen 9000i mit original Airflow und seitdem gibt es nur noch SAAB.
    Leider habe ich den 9000i verkauft um den es mir heute leid tut … aber gegen meinen 9000 Aero …
    Schöne Grüße aus Österreich, Mike

  • Hallo Tom

    sehr schön deine Geschichte zu lesen, wo und wie kann ich dir meine SAAB Geschichte schildern und vor allem wie kann ich dir Bilder zustellen?
    Danke für deine Antwort.

    Gruss aus dem SAAB Land Schweiz

    Fredy

    • Hej Fredy, bitte Bilder und Deine persönliche Saab Geschichte an saabstory@saabblog.net. Wir freuen uns über jede Einsendung!

    • EInfach den vorherigen Artikel von ihm (zum Thema Ur-Saab) lesen, da steht alles nötige drin …

  • Hat denn der Holger Roth Verwandtschaft in Leinfelden /BW ? Da gibt’s ja bekanntlich auch eine Familie Roth , die mit diesem Virus infiziert ist . Also wohl eine Familienkrankheit.

    • Ich denke nicht, dass da Verwandtschaft ist. So weit ich mich erinnern kann wurde er in Nordbayern mit dem Saab Virus infiziert 🙂

  • Hi Tom,
    schick mir doch bitte das „Jugendfoto mit Wallehaar“ an meine e-mailadresse! Bitte ,bitte bitte… :-))

    • Ich bringe es beim nächsten Treffen mit… Spätestens in ER. 😉

      • Also das würde mich auch interessieren.

        • Oh bitte Heiko, doch keine Bilder aus der Steinzeit….

          • Du hast den Stein ins rollen gebracht….

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