Evergrande Expansion mit Pininfarina Design

Auch wenn es vordergründig ruhig erscheint – die Expansion von Evergrande läuft mit voller Kraft. Seltsam ist nur, dass die europäischen Medien bisher kaum Notiz davon nahmen. Was daran liegen kann, dass es noch einige Zeit dauern wird,  bis erste Produkte vom Band laufen. Die ersten Auswirkungen der Expansion spüren hingegen schon einige Firmen. Evergrande sorgt in einer Branche für Verwerfungen am Arbeitsmarkt.

Pininfarina Design für Evergande und NEVS
Pininfarina Design für Evergande und NEVS. Photo Credit: Pininfarina

Pininfarina Design für Evergande

Am 19. September besuchte Xu Jiayin Magneti Marelli und Pininfarina. Die automobile Expansion scheint Chefsache zu sein, relativ klar ist der Grund des Besuches, wenn man über Magneti Marelli spricht. Die Marelli Gruppe ist eine der großen Lieferanten im internationalen Geschäft, wenn es um Komponenten für den Fahrzeugbau geht. Spekulativ könnte hingegen der Besuch bei Pininfarina sein. Eine der feinsten alten Adressen in Italien, wenn es um wertiges Design geht. Gleichzeitig auch ein heißer Name, der ebenfalls zur Expansion ansetzt. Seit seiner Übernahme durch die Mahindra Gruppe ist das Unternehmen in indischer Hand, die Besitzer wissen die Magie des Namens durchaus zu schätzen. Unter dem legendären Pininfarina Schriftzug entsteht ein Hersteller für exklusive Hochleistungs-Elektroautos.

Xu Jiayin besucht Pininfarina Design

Dabei vertraut man auf erfahrene Mitarbeiter. Jochen Rudat, langjähriger deutscher Tesla Chef, wechselt zum 1. Oktober nach Mailand und wird den Vertrieb leiten. Auch Evergrande setzt auf die feine Adresse. Pininfarina, das meldet Yicai Global via Twitter, wird das Design für die neuen Fahrzeuge der Evergrande Gruppe liefern.

Eine Fabrik in Quingdao?

Noch eine Fabrik für Elektroautos könnte die Evergrande Gruppe in Quingdao planen. Die Stadt war bereits 2013 und 14 im Gespräch, damals ging es noch um eine Saab Fabrik. Evergrande hat, das meldet Caixin, im Frühjahr 2019 400 Hektar Land reserviert. Neben einer Fabrik für Elektroautos soll auch eine Fertigung von Batterien im Umland entstehen. Das Projekt scheint in der Warteschleife zu sein, Verträge sind bisher noch nicht unterschrieben.

Eventuell nimmt Evergrande bei seiner Expansion etwas Geschwindigkeit heraus. Das Unternehmen von Xu Jiayin baut Kapazitäten von 1 Million Elektrofahrzeugen im Jahr auf. Das ist vielleicht visionär –  oder sehr mutig. Der Absatz von Batterie-Elektroautos in China entwickelt sich nicht so wie prognostiziert. Nach dem Wegfall eines Teils der Subventionen bleiben die Käufer verhalten. Einen Markt mit unzähligen Milliarden an Subventionen zu etablieren, wenn das passende Produkt und der Käuferwille fehlen, scheint selbst in einer staatlich gelenkten Wirtschaft nicht möglich zu sein. Eine Lehre,  die auch die Europäer mit Subventionen für die Elektromobilität bedenken sollten.

Aktuelles Beispiel ist NIO. Die erfolgreichste einheimische Marke für Elektroautos verkaufte im August 2019 in China 2.976 Einheiten. Über das Jahr gerechnet hofft man auf 40 – 50.000 Fahrzeuge. Was noch weit entfernt von den Millionenplänen von Evergrande ist.

Verwerfungen am Arbeitsmarkt

Die Expansion der Evergrande Gruppe und der chinesische Hunger auf Batterien beunruhigen koreanische Batteriehersteller. Die Chinesen, aber auch das Northvolt/VW Joint Venture, rekrutieren Spezialisten für Forschung und Entwicklung. Sie zahlen zum Anreiz bis zu dreimal höhere Löhne, darunter leiden die Hersteller aus Korea und Japan,  meldet die Koreatimes. Das Rennen um die qualifiziertesten Mitarbeiter läuft, es gilt Rückstände aufzuholen. Nicht nur bei Evergrande, sondern auch in Europa.

15 Gedanken zu „Evergrande Expansion mit Pininfarina Design

  • Sieht nach Geschmacksverirrung aus das Fahrzeug. Zielgruppe neureiche Chinesen? MEGA-hässlich die Karre! Nur was für abgestumpfte Nihilisten wie ich einer bin

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  • Wieder mal ein spannender Beitrag. Wie Tom verpüre ich aber auch Zweifel. Alles auf Pump und in den Dimensionen? Wenn diese Blase mal platzt dann gibt es eine ganz großem Knall.

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  • Es scheint sich abzuzeichnen, dass der Wunsch der Regierungen ob in China, in Deutschland oder sonst wo, nur noch elektrifizierte Fahrzeuge zu zulassen nicht in Erfüllung geht. Losgelöst davon ob Elektromobilität gut oder schlecht ist. Dazu eine Firma die extrem auf Pump arbeitet! Zuversicht schürt das nicht.

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  • „(…) abgestumpfte Nihilisten, wie ich einer bin.“

    @Karl Hungus,
    köstlicher Kommentar. Musste sehr schmunzeln. Ob Sie „die Karre“ nun so „MEGA-hässlich“ finden, dass Sie dieser schon wieder etwas abgewinnen, bleibt Ihr Geheimnis und hat Max Goldtsche Qualität …

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  • Infrastruktur

    @Alter Schwede,
    vielleicht steckt dahinter (Drosselung und Einstellung von Subventionen) die Einsicht des chinesischen Staates, dass man sich in Sachen Elektromobilität eben auch selbst in die Pflicht nimmt? Und vielleicht erkennt der Staat, dass er die erforderliche Infrastruktur gar nicht zeitnah stellen kann und will?

    In Deutschland ist es ja ähnlich. Ein EV ist fast nur für Eigenheimbesitzer mit einer Lademöglichkeit auf eigenem Grund möglich (also auf dem platten Land oder in den Randbezirken der Städte). Förderprogramme für EVs wurden wegen mangelndem Zuspruchs wiederholt verlängert.

    Soll das die Verkehrswende sein oder ist es einfach nur der verkehrte Weg?
    Vielleicht setzt China schon morgen auf E85 und lässt uns dumm aus der Wäsche gucken?

    Es wäre zumindest eine klimawirksame Sofortmaßnahme, die nicht erst ein infrastrukturelles Jahrhundertprojekt und auch keine seltenen Erden zur Voraussetzung hat. Dank Leserin Ebasil wissen wir alle, dass Frankreich diesen Weg geht. Und Dank Tom wissen wir alle, dass in Deutschland eine Petition (https://www.openpetition.de/petition/argumente/e85-fuer-den-klimaschutz) zur Wiedereinführung von E85 läuft.

    Und wer sie gezeichnet hat weiß auch, wie beschämend wenig Unterschriften sie bislang hat.
    Aber das ändert sich ja hoffentlich noch …

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  • @Herbert Hürsch
    Jetzt gibt es auf jeden Fall einen mehr, aber es ist wirklich schade das es in Deutschland so wenig Unterstützung gibt. Entweder kann das Thema keiner mehr hören, oder aber es wird in der Öffentlichkeit einfach nicht wahrgenommen, weil es zum großen Teil totgeschwiegen wird.
    Das die Chinesen sich über Europa oder insbesondere Deutschland kaputtlachen wäre ja nichts neues, siehe Solarenergie ec.

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  • @Alter Schwede,

    „totgeschwiegen“ trifft es wohl leider am besten.

    Wiederholt begegne ich dt. Autofahrern (Steuerzahler, Bürger, Zuschauer, Leser und Hörer dt. Medien und des ÖRs), die gar nicht wissen, was E85 überhaupt ist …

    Eine Übersättigung (kann keiner mehr hören) darf man da zuverlässig ausschließen.

    Auch ich weiß nur zufällig um E85 oder von dem französischen Vorbild, weil ich nunmal SAAB fahre und hier lese und mich das zu eigenen Recherchen angestiftet hat. Ansonsten hätte ich keinen blassen Schimmer.

    Auch nicht den geringsten …

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  • Auch Renault hatte mal E85 Motoren

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  • Ich frage mich dabei warum die Automobilindustrie den Ball nicht aufnimmt, sondern bedingungslos dem Elektrohype hinterherläuft!

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  • Bedingungslos würde ich es nicht nennen. Da üben etliche Staaten schon auch Zwang aus. Die Abschaffung von E85 in D war nur eines vieler Puzzleteile einer bunten, breiten und globalen Zwangspalette …

    Es ist mal wieder etwas alternativlos – ein selten dummes Wort, wenn es darum geht oder zumindest sollte, Chancen und Wege ergo auch Alternativen auszuloten.

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  • @Saab900II,

    etliche Hersteller hatten mal oder haben noch immer Flexi Fuel Vehicles (FFVs) mit entsprechenden Motoren im Programm. Von A wie VW und Dacia bis hin zu Z wie Audi, Opel, Volvo, Koenigsegg oder Bentley …

    Das mag jetzt alphabetischer Nonsens sein, aber der Punkt ist, dass die Technik kein Problem darstellt. Und die Hersteller bedienen die entsprechenden Märkte, auf denen E85 erhältlich ist, teils weiterhin mit FFVs und selbst gebrauchte Benziner werden in Frankreich in großer Zahl für schmales Geld und ohne Probleme zum FFV umgerüstet …

    Für einen SAAB ohnehin meist kein Problem. Die schwedische Firma MapTun realisiert beispielsweise den s.g. BioPower Convert schon ab rund 300,- €. Etwa für einen 9-5 AERO Bj. 2008.

    Zwischen dem hinsichtlich von CO2 oder Stickoxiden vorteilhaften Treibstoff E85 und Mensch & Umwelt stehen tatsächlich nur der Staat und seine (fiskalische) Erwägung, mittelfristig lieber Mineralölsteuer zu kassieren und langfristig auf die Elektromobilität setzen zu wollen. Es ist tatsächlich so banal und deshalb ja auch so ärgerlich …

    Aus technischer Sicht spricht rein gar nichts gegen E85 und seine Oktanzahl von 105.
    Aus Sicht von Mensch & Umwelt spricht sehr viel für ihn.

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  • @ Alter Schwede

    Es liegt eben gerade an den Bedingungen, bzw. den geltenden Gesetzen und Vorschriften, warum alternative Kraftstoffe mit regenerativem Anteil für die Fahrzeughersteller kein Thema mehr sind.

    Eines der größten Probleme der Hersteller ist, die geltenden und zukünftigen Obergrenzen für den Kohlendioxidausstoß einzuhalten. Und bei der Motorhomologation bekommen sie keinen Bonus, wenn sich das Fahrzeug mit erneuerbaren, oder teilweise erneuerbaren, Kraftstoffen betreiben lässt.

    Für Plug-in-Hybride und E-Fahrzeuge gibt es aber einen rechnerischen Kohlendioxidbonus für den Flottenverbrauch der Hersteller in der EU (der Kohlendioxidanteil der Stromerzeugung wird nicht berücksichtigt), mit dem man hoch motorisierte Luxus- und Sportwagen ausgleichen kann. Der Flottenverbrauch errechnet sich aber nicht nur aus der Modellpalette, sondern auch aus den Zulassungszahlen, weshalb die Hersteller auch zusehen müssen, diese Fahrzeuge zu verkaufen, um vom Elektrobonus zu profitieren.
    Und genau das ist der Grund, warum die Fahrzeughersteller elektrifizierte Fahrzeuge auf breiter Basis propagieren.
    Wobei natürlich Hybridisierung, auch ohne Stecker, schon Effizienzvorteile, insbesondere in der Stadt bringt.

    Die einzig anderen, die sie zur Nutzung alternativer Kraftstoffe ansprechen können, sind die Fahrzeugnutzer. Deshalb ist zum Beispiel Audi noch etwas in der e-Gas-Herstellung (synthetisches Erdgas aus Kohlendioxid und solarem Wasserstoff) für seine Erdgasfahrzeuge engagiert. Und die ein oder andere Kommune hat den städtischen Fuhrpark auf C.A.R.E.-Diesel (aus pflanzlichen & tierischen Ölen & Fetten erzeugter Dieselkraftstoff) umgestellt, weil sie einen Umweltvorteil sieht.

    Diese Nutzer sind aber eher idealistisch oder umweltpolitisch und weniger finanziell motivierte relativ kleine Gruppen, die für große Hersteller relativ uninteressant sind. Daher ist die Situation eben so, wie sie ist.

    P.S.: Fun-Fact am Rande, es gab und gibt vermutlich immer noch nicht, einen definierten E85-Kraftstoff zur Homologation von Flex-Fuel-Fahrzeugen in der EU. Das war eines der Probleme der Hersteller von E85-Zusatzsteuergeräten, da es daher auch keine Zulassungsprüfungen für den E85-Betrieb gab, deshalb war natürlich auch kein Flex-Fuel-Fahrzeug der großen Hersteller für E85 zertifiziert, sondern alle nur für den Benzinbetrieb. Soviel zur Regulierungswut in Europa …

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  • Das mein ich ja
    Eig wäre es gut für alle

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  • @StF,

    das ist (mal wieder) gut recherchiert und zusammengefasst.
    Für mich ganz klar ein erhellendes Lesevergnügen mit teils neuen Aspekten.
    Bitte machen Sie weiter so …

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  • Vielen Dank für die ausführliche Antwort!Jetzt leuchtet es mir ein und egibt einen (un) Sinn für mich

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