Saab und die automobile Zeitlosigkeit

Wir Saab-Fahrer haben – statistisch betrachtet – alte Autos. Also Autos, die älter als der Durchschnitt sind, welchen das KBA für Deutschland mit 9,5 Jahren angibt. Und die Zeiten, in denen man einem neuen Modell entgegenfieberte, sind lange vorbei.

Automobile Zeitlosigkeit. Ein 9000 als Reiselimousine.
Automobile Zeitlosigkeit. Ein 9000 als Reiselimousine.

Bei den langen Laufzeiten der Saab-Modellreihen wurde ja zwischendurch ein Facelift schon wie ein neues Modell gefeiert. Oder die Einführung eines neuen Motors – bei Saab waren dies ja die Diesel-Motoren, die erst recht spät ins Programm kamen.

Da schnupperte man schon einmal gerne beim örtlichen Händler vorbei und schaute unter die Motorhaube oder nahm sich besser einen Prospekt mit allen technischen Daten mit nach Hause, um intensiv zu vergleichen, theoretisch zu beurteilen und ein bißchen zu träumen. Wenn irgendwann noch eine Probefahrt heraussprang, war es ein Highlight.

Ja, das ist lange her, nur noch Erinnerung, aber hat das irgendwelche Konsequenzen für uns?
Ich würde sagen ja, denn wir Saab-Fahrer leben stressfreier wie die Fahrer anderer Marken. Diese leben doch ständig in Erwartung eines neuen Modells, das dann vielleicht noch etwas sparsamer ist (aber meist nur auf dem Papier), das vielleicht noch etwas mehr Assistenz bietet (dies aber nur mit viel Gepipse) oder vielleicht doch etwas mehr Platz im Innenraum hat (aber damit außen zwangsläufig größer und somit unhandlicher wird).

Dann kommt die quälende Frage: Was ist mein Auto noch wert, wenn das Nachfolgemodell kommt? Kann ist es gut in Zahlung geben, oder doch besser privat verkaufen? Etc. etc.

Saab hat eine sogenannte „abgeschlossene Fahrzeughistorie“. D.h. wir kennen alle Fahrzeuge, die produziert worden sind – mit all Ihren Stärken und Schwächen. Und wir sind in der komfortablen Lage, aus diesem „Pool“ an Fahrzeugen, welche noch am Gebrauchtwagenmarkt zu finden sind, mit etwas Glück genau das Fahrzeug zu finden, das unseren Vorstellungen entspricht.

Dabei ist es erstaunlich, welch eine große Bandbreite Saab doch mit den wenigen Modellreihen hervorgebracht hat. Farben, Farbkombinationen, Motorisierungen, Felgen, Ausstattungsvarianten, Extras, jedes Detail macht ein Fahrzeug individuell. Interessant sind auch die Modelle, welche außerhalb Deutschlands ausgeliefert wurden: oftmals mit stärkeren Motoren, für Südeuropa auch mit stärkeren Klimaanlagen.

Ein Saab-Freund ist mit einem Gradschnauzer zufrieden, der andere mit einem Sportcombi, der Dritte schwört auf Aeros, der Vierte erfreut sich am Cabrio, der Fünfte ist mit seinem 9000er happy und so weiter.

Die Vielfalt zeigt sich bei den Saab-Treffen und –Ausfahrten: Jeder hat sein individuelles Steckenpferd, das er hegt und pflegt. Und das ist gut so. Aber trotz der Unterschiedlichkeit der Fahrzeuge ist eine Gemeinschaft da, die sicherlich nicht so häufig zu finden ist. Denn unsere „Saab-Welt“ löst uns los von allen temporären Einflüssen auf das automobile Leben. Wir erfreuen uns, an dem, was wir haben, und haben keinen „Nachfolgemodell-Streß“.


Danke an Thomas für die Saab Geschichte am Sonntag. Der Einsendeschluss unserer Aktion war der 15. August 2019. Die Aktion ist vorbei und nicht dabei gewesen? Nicht schlimm! Wir haben neue Ideen und stellen sie demnächst vor.

19 Gedanken zu „Saab und die automobile Zeitlosigkeit

  • Sehr schön geschrieben, trifft es auf den Punkt. Danke schön…

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  • Das stimmt – aber ganz stressfrei ist es auch nicht. Ich habe schon überlegt, einen 9-5er NG zu holen, aber hier scheint die Ersatzteilversorgung schon ein wenig schwieriger zu sein, vor allem, wenn es mal ins Blech geht. Also fahre ich erst mal meinen Jag als Erstfahrzeug weiter. Zumal der Saab-Liebhaberpreis dieses Modell auch gelegentlich arg teuer macht. Teurer als Flagschiff-Gebrauchte auch von Luxusmarken jedenfalls. Aber ansonsten stimmt das schon, vor allem, wenn man einen Saab weiterhin als Gebrauchsgegenstand benutzt. Die Frage nach neuen Modellen? Obsolet. Also sucht man sich einen Saab aus, kauft ihn, und denkt über Wertverlust oder späteren Verkauf oder ein Nachfolgemodell gar nicht nach. Sondern tut alles, um den Wagen möglichst lange fahren zu können. Und als Marke in Design und Technik war und ist Saab halt immer schon sehr eigenständig und individuell gewesen, und das bereitet eben Freude und sorgt für eine große Fangemeinde. Und das ist eben auch Nachhaltigkeit – mein Ziel ist es jedenfalls, mein 9-3er Cabrio so lange zu halten wie irgend möglich. Aber eben auch zu nutzen. Grüße an alle, Bernard

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  • Danke, Thomas. Perfekt auf den Punkt gebracht.
    In unserer Zeit von Greta müsste der Nachhaltigkeit und dem effektiven Verbrauch umso mehr Gewicht beigemessen werden! Mein Alltagsfahrzeug ist ein 9000 Anniversary mit der AERO Maschine und gehirscht….ergibt 260 PS und 390 NM. Diesen bewege ich in der Schweiz (Tempolimit 120 km/h) unter 8 Liter und dies mit einer grossen Portion Fahrfreude. Welches moderne Fahrzeug kann vergleichbares bieten im Bezug auf Leistung, Platzangebot und nicht zu vergessen stilsicherem Reisen?
    Keep SAABing

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  • Mit viel Leidenschaft geschrieben, sehr schön. Dem kann man nur zustimmen. Unsere Saab sind schon was besonderes.Wenn ich das gelbe Cabrio sehe bin ich stolz so eins zu besitzen. Jede Ausfahrt macht Spaß. Ich werde es hegen und pflegen.

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  • @Daniel,

    Ich fürchte, Greta versteht und interessiert das gar nicht …

    Und unsere Politik nimmt sie dankbar als Galionsfigur für Steuererhöhungen, zeigt sich betroffen (Klima) und gerührt (Greta) und reibt sich die Hände (Steuern). Die Nachhaltigkeit eines Gebrauchten ist gar nicht Thema. Die Wiedereinführung von E85 ist in Deutschland kein Thema. Die steuerliche Begünstigung von Nachhaltigkeit ist insgesamt und allumfassend kein Thema. Weder bei der GroKo, der Opposition, den NGOs oder in den Medien …

    Auf den schmalen Schultern Gretas lastet das milliardenschwere Mantra der dt. Politik, Umweltschutz gäbe es nicht zum Nulltarif. Wie gerne würde ich mein Geld der Umwelt, dieser Erde und der Zukunft meiner Kinder und ungeborener Enkel geben? Sehr, sehr gerne …

    Leider haben weder die Umwelt, noch diese Erde oder ungeborene Enkel ein Konto. Und leider hätte ich auch nicht mehr viel für diese Konten übrig, wenn es sie gäbe. Denn im Namen Gretas werden mich Scholz und Co längst abkassiert haben, ohne dadurch etwas Sinnvolles für Umwelt und Enkel bewegt zu haben. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich gerade …

    Aber wie dem auch sei, ich will das nicht auf Ihren Kommentar bezogen wissen. Der gefällt mir und ein 9000 AERO ohnehin. Keep on SAABing

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    • Es wäre schön, wenn uns der Spagat gelänge die politische Komponente auf ein Minimum zu reduzieren. Das ist nicht einfach, gerade in der aktuellen Lage. Ich würde es den Diskussionsteilnehmern dennoch hoch anrechnen. Es ist schon genug Arbeit gewisse Gesinnungen aus den Kommentaren zu filtern.

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  • DANKE!!!
    Für den tollen Text, aber vor allen Dingen für die Bilder und die Unterschrifften dazu „Automobile Zeitlosigkeit. Ein 9000 als Reiselimousine“ (fahre selber den 92er 9k) sowie „Und für die Sonnentage, na klar, ein Cabriolet“ (fahre selber ein LeMans-blaues 92er 900 CV und träume von einem CV mit diesem wunderschönen Monaco-Gelb).

    jfp

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  • Sehr schöner und richtiger Bericht. Wer will schon einen 1 Liter Dreizylinder, Start und Stop oder Zylinderabschaltung. Bei den Saabs ist die Welt noch in Ordnung !

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  • Wieder mal das Thema sehr schön auf den Punkt gebracht. Mein Namensvetter hat es auch passend kommentiert, Nachhaltigkeit soll doch auch gar nicht zu sehr gelebt werden. Denn wer konsumiert dann die vielen elektronischen Gadgets die nicht wirklich gebraucht werden?
    Mit der Freude am SAAB setzt man aber auch ein kleines Zeichen in einer Welt in der Dinge immer seltener repariert aber dafür ausgetauscht werden.

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  • @Herr Hürsch!
    diese Aufregung und Herumgehacke auf einer kleinen Schwedin wegen 3ct/L kann ich schon wieder nicht nachvollziehen. Das haben wir doch täglich im Rahmen der üblichen Preisschwankungen an der Tanke! Das meckert auch keiner! Also bitte auf dem Boden bleiben!
    Maschine-betriebene individuelle Mobilität müsste noch viel unattraktiver werden, vorallem in Städten. Das würde nicht nur der Luft gut tun, sondern die eigenständige Bewegung vorallem auch direkt dem Menschen …
    Ich benutze meinen Saab jedenfalls nur noch für Langstrecke. Ich denke, auch DER ist dafür dankbar. 😉

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  • Herbert, wie immer ist dein Kommentar sowas von gut und treffend!
    Saabige Grüsse
    Hans S.

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  • Vielen Dank für diesen top geschriebenen Beitrag. Meine beiden Saab sind 12 (93 SC) und 16 (93 CV) alt und machen wir jeden Tag Freude. Bis auf die jährlichen Inspektionsbesuche und verschleißbedingten Reparaturen fahre ich meine SAABine und SAAni ohne Probleme. Dies ist für mich „Freude am Fahren“ . 🙂 … Meine Kollegen mit Autos der deutschen Großkonzerne haben mit ihren älteren (10 Jahre) und neueren Autos nur Probleme (Rost, Elektronik, Antriebe, Motor). … Also allen SAABs allzeit gute und vorallem streßfreie Fährt

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  • Es stimmt schon, wenn man einen Saab fährt ist man von vielen Dingen losgelöst (im positiven). Wie ich kürzlich schon geschrieben hatte, habe ich meinen Saab Combi 11 Jahre und 350.000 km gefahren und mir hat nichts gefehlt. Aber genauso muss ich sagen dass es zum Teil auch schlicht am Mangel von neuen Fahrzeugen bei Saab gelegen hat. Jetzt fahre ich ein Neufahrzeug einer anderen Marke, (ein Saab steht noch in der Garage:-), ). Und ich muss sagen, dass es bei aller Nachhaltigkeit auch schön ist wieder den Neuwagenduft zu schnuppern. Dabei habe ich kein schlechtes Gewissen oder fühle mich schlecht. Im Gegenteil es macht Spaß.
    Bezüglich der Nachhaltigkeit frage ich mich auch, was passiert auf Dauer, wenn Alle, alles behalten?! Wir brauchen den Wechsel von Ware, es muss und sollte konsumiert werden. Nicht konsumieren, oder viel konsumieren? Der goldene Mittelweg wäre wahrscheinlich der beste Weg.
    Und Greta? Sie ist das was die Hintermänner/Frauen aus ihr machen. Wenn sie nicht mehr gebraucht wird, ist sie weg vom Fenster.

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  • Ja (@Tom), das (der Spagat zu einem Minimum solcher Kommentare) ist durchaus schwierig …

    Zumal es durchaus politisch ist, wenn der Blog selbst Petitionen an den Bundestag vermeldet und das Thema der Nachhaltigkeit wiederholt anspricht …

    Oder auch, weil der Blogger solche Kommentare zuweilen ausdrücklich begrüßt. Beispielsweise den von Ebasil zur E85-Petition, erst jüngst (am 6.9.2019) mit den Worten: „Danke dafür! Das spricht mir aus dem Herzen!“

    Welcher Artikel dient da welchem Zweck?
    Wann soll man sich zu Engagement und Kommentaren ermutigt fühlen?
    Wann, wieso und weshalb hat man dennoch unbewusst eine unsichtbare Grenze überschritten?

    Sehr, sehr schwierig, aber ich werde die richtige Balance suchen und finden oder mich im Falle eines Misserfolgs als Abonnent abmelden, möglicher Kommentare enthalten und dennoch der Marke SAAB und dem Blog (als passiver Leser) verbunden und gewogen bleiben …

    Antwort
    • Ja schwierig. Ich stimme zu und leider ist es so, dass in den letzten Tagen politische Kommentare auf dem Blog landen die zu moderieren oder zu löschen sind. Das war nicht absehbar und das gab es bisher nicht. Ich ordne sie auch nicht der Saab Community zu. Bitte daher Verständnis, die Bitte richtet sich nicht gegen die Präsenz einzelner „Stammleser“.

      Antwort
  • Ich glaube zu verstehen (@Tom),

    aber so oder so wächst meine Hochachtung vor diesem Blog und dem Blogger täglich …
    1.000 Dank also für die schon länger (nahezu oder tatsächlich) täglichen Beiträge der jüngsten Zeit.

    Es geht gar nicht besser ! ! !

    Wenn es ein Leben nach dem Tode gibt und technische und sprachliche Barrieren dann aufgehoben sind, dann lesen hier auch sehr, sehr viele Schweden mit und erfreuen sich täglich einer Würdigung ihrer Lebensleistung. Auch an dem Text von Thomas und den passenden Bildern und an der Gesamtheit dieses Blogs ja ohnehin …

    Bitte weiter so und allen Anfeindungen und Schwierigkeiten zum Trotz …

    Immerhin sind die politischen (und vermutlich professionell verfassten) Kommentare der letzten Tage ein unfreiwilliges Lob der Verfasser, Absender und Auftraggeber für diesen Blog. Hätte er keinen Einfluss, wäre er ja auch keine Zielscheibe. Auf dieser Grundlage sollten sich der Blogger und all seine Leser heute zu später Stunde in den Schlaf lachen …

    Anscheinend sind wir (die SAAB-Fahrer) zumindest als Kollektiv groß genug, um noch immer ein würdiges Ziel zu bieten?

    Antwort
  • Echt jetzt?

    Greta ist weg vom Fenster und alles wird gut? Und Mutti inszeniert sich als Retterin des Planeten, oder doch eher Donnie?
    Ich habe ein Faible für Science-Fiction und, wie kürzlich jemand hier schrieb, den Roman würde ich wirklich gerne lesen. Die Dokumentation zu dem gleichen Thema wird jedoch eine ganz andere Geschichte erzählen, ist meine Vermutung.

    Noch ein Kommentar zur Nachhaltigkeit: Natürlich ist es sinnvoll, die mitgelieferte Lebensdauer auch auszunutzen, aber nachhaltig sind auch (und vor allem) geschlossene Stoffkreisläufe (hier liegt unser Hase im Pfeffer, oder unsere Fische im Mikroplastik)! Und wenn man die hat, dann kann man auch neue Güter konsumieren und den Rest regeln die Märkte für gebrauchte Güter, wie schon die ganze Zeit.

    Ist bei Saab wegen der fehlenden Produktion natürlich schwierig und im Moment auch bei NEVS …

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  • @Andreas,
    es geht nicht darum, auf einer kleinen und durchaus sympathischen Schwedin rumzuhacken. Ganz im Gegenteil. Es ist der politische Missbrauch, der ihr aktuell widerfährt, der mich anwidert …

    Und Sie sagen ja selbst, dass das jüngste Klimaschutzpaket der GroKo im Rahmen üblicher Preisschwankungen untergehen und keinerlei Effekt zeigen wird. Dass der Politik nichts Sinnvolles einfällt, ersatzweise aber Sinnloses zugunsten des Haushalts beschließt und theatralisch als großen Wurf im Namen des Klimas und Gretas verkündet, DAS ist der Aufreger …

    Antwort
  • @Herbert, da stimme ich Ihnen zu. Kam aber in Ihrem ersten Post so nicht rüber.
    Zur Zeit wird sie von bestimmten Kreisen halt gerne als Zielschaube genutzt. Das missfällt mir, denn sie kann für alldies ja nichts, sie spricht nur aus was falsch läuft. Was dann daraus gemacht wird, ist das traurige.
    Wie auch immer, wir haben die besten Zeiten hinter uns (nicht nur beim Klima). Geniesst die Saabs, und Lob an das Blog.

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