Saab im Anhängerbetrieb – Praktische Erfahrungen

Vorbemerkung: Wie meine letzte Geschichte „Saab im Alkoholbetrieb – Praktische Erfahrungen“, so ist auch diese Geschichte frei erfunden. Bitte nicht nachmachen.
Das war der offizielle Teil. Jetzt geht es zum Lesespaß!

Saab 9-5 Kombi. Bild: Saab Automobile AB
Saab 9-5 Kombi. Bild: Saab Automobile AB

Seit kurzem hat mein 9-5 eine Anhängerkupplung. Perfekt, um einen Bootsanhänger zu ziehen. Die Bewährungsprobe sollte jedoch anders aussehen.

Vor vier Wochen habe ich meine neue Freundin kennen gelernt. Sie ist Reiterin. So saß ich also im Restaurant der Reithalle, schaute ihr beim Training zu. Zum Glück durch eine Scheibe vom Klima der Reithalle getrennt. Als Segler ist man eher frische Luft gewohnt. Schließlich kam Sie herein und wir aßen zusammen. Eine Clubkameradin und Freundin von ihr erzählte von einem Reitturnier nächste Woche, wo sie gemeldet hat. Leider sei ihr Auto verreckt, sie könne daher nicht teilnehmen. Erst war ihr die Kupplung ihres ein Jahr alten, laut Händler angeblich unverwüstlichen Golf TSI 4motion verbrannt, obwohl nur ein Pferd im Anhänger war. Letzte Woche dann ein kapitaler Motorschaden, wie üblich, die Steuerkette.

Spontan schlug meine Freundin vor, gemeinsam zum Turnier zufahren, da sie auch gern teilnehmen wollte. „Wie schwer ist so ein Pferd eigentlich?“ fragte ich. „Na ja, so etwa 600 kg, 2 Stück mit Anhänger zusammen etwa 1700 kg, das geht doch, oder?“ war ihr spontane Antwort. Irgendwie ferngesteuert, nickte ich, und wir drei verabredeten uns für den nächsten Samstag, acht Uhr.

Als wir am Morgen auf den Pferdehof fuhren, war ihre Freundin schon dabei, ihren störrischen Gaul in den Anhänger zu locken. Als um halb zehn endlich beide Pferde drin waren, habe ich kurz daran gedacht, wie leicht sich ein Segelboot mit Hilfe eines Kranes auf einen Anhänger verladen lässt, und wie schnell!
Jetzt aber los, die beiden Frauen sind schon ganz aufgeregt, weil es immer später wird.

Die beiden Sättel, Futter und Wasservorrat in den Bugstauraum des Anhängers, Reisetaschen und Stiefel in den Kofferraum auf das Zeugs drauf, was jeder Segler dort spazieren fährt. Ankuppeln, anstöpseln, fertig.

Wir haben vier Stunden für 330 km, das reicht. Der Doppelachser mit fast zwei Tonnen ist auf der Autobahn kaum zu spüren hinter dem Saab, die Mädels loben das geringe Geräuschniveau, ich fahre mit Tempomat.

Noch eine halbe Stunde bis zum Ziel, der Saab läuft wie ein Uhrwerk.

Plötzlich – Check Engine – der Motor steht ohne Vorwarnung, ich rolle in der Ebene auf den Standstreifen, der hier zum Glück wegen eines Brückenbauwerkes doppelt breit ist.

Die Frauen jammern wegen des verpassten Turniers, ich denke bei einem vergeblichen Startversuch angestrengt nach und stelle per ODBII-Adapter mit meinem Handy fest, es ist die Zündung. Da fällt mir ein, in den Tiefen des Kofferraums steckt wohl auch eine Zündkassette. Jetzt muß es schnell gehen. Ich hänge eben den Anhänger ab, um mehr Platz zu haben, räume den ganzen Kofferraum aus, finde die Zündkassette und rufe, während ich schon auf dem Weg nach vorne bin: „Räumt alles wieder ein, wenn wir Glück haben, geht es gleich weiter.“

Nach wenigen Minuten ist es geschafft, trotz der Hitze am Motor. Jetzt kommt der spannende Moment: Ich mache einen Startversuch, der Motor springt ohne Probleme an, es war also tatsächlich die Zündkassette defekt, Glück gehabt. Hauben und Türen zu, und losgebrettert, wir können es noch schaffen bis zum Turnier!

Eine halbe Stunde später, ich fahre gerade von der Autobahn ab, da höre ich einen Verkehrshinweis: „Achtung Autofahrer, auf der A 2 bei Hannover befinden sich Pferde auf der Autobahn. Bitte fahren Sie langsam….“

Fast trifft mich der Schlag, als ich in den Rückspiegel schaue: kein Anhänger!

Einmal tief Luft geholt und schnell zurückgefahren. Er warten schon auf mich: Zwei friedliche Pferde in ihrem Anhänger, zwei weniger friedliche Polizisten in ihrem Wagen, die einen wollen Heu, die anderen auch, aber per Zahlkarte. Auf der Weiterfahrt mit Anhänger ist die Stimmung etwas gedrückt, der erste Start beim Turnier leider verpasst.

Am Sonntag nach einem guten Frühstück läuft es besser, die Mädels reiten, ich schaue mir trotz des heftigen Regens in der vergangenen Nacht das Gelände des Reitvereins an. Auffällig viele Zugwagen mit Allradantrieb, meist SUV´s und ein paar richtige Geländewagen, jedoch auch ein paar große PKW mit Heckantrieb.

Nach der Siegerehrung wollen alle schnell weg, das Durcheinander ist groß und fast alle parken mit Anhänger auf einer leicht abschüssigen Wiese, die ein benachbarter Bauer „großzügig zur Verfügung gestellt“ hat. Keine gute Idee bei Nässe.

Die echten Geländewagen mit passenden Reifen und die meisten SUV´s schaffen es noch aus eigener Kraft, einige andere zieht der hilfsbereite Bauer gegen ordentliches Trinkgeld mit seinem Trecker herauf, bis das Agrartaxi selbst bis zur Hinterachse einsinkt, mit S-Klasse im Schlepp.

Was jetzt? Bis zum rettenden Schotterweg sind schätzungsweise 80 Meter matschige leichte Steigung zu bewältigen. Ich denke an die 80 Meter lange Ankerleine in meinem Kofferraum. Ich bleibe also auf dem Schotterweg stehen, reiche dem ratlosen Bauern das eine Ende der Leine mit kurzem Kettenvorlauf und Schäkel, hänge das andere gespleißte Auge lässig auf meine Anhängerkupplung.

Die Länge reicht so gerade. Nachdem er versprochen hat, die Hälfte seiner „Einnahmen“ an den Reitverein zu spenden, rolle ich an, die Leine kommt langsam steif. Ein beherzter Gasstoß im Saab auf dem Schotterweg, die Leine dehnt sich zwei bis drei Meter, dann springt der alte Porsche-Diesel hopsend aus der selbst gegrabenen Kuhle und kommt frei. Ein Applaus der vielen Schaulustigen aus sicherer Entfernung ist zu hören.

Ein Highlight ist dann noch der schicke GLK, dessen Fahrer kleinlaut zugibt, gar keinen Allradantrieb zu haben. Auch er bekommt die Leine, schaut aber etwas unsicher, bevor er, mit weißer Hose, weißem Hemd und italienischen Slippern bekleidet, den schweren Gang zu seinem Blender hinunter antritt. Der Leser ahnt es schon, der Mann rutscht aus. So sieht er dann auch aus.

Nachdem alle befreit sind, verstaue ich die lehmige Leine im wieder angekuppelten Anhänger und wir fahren bei einsetzender Dunkelheit gen Heimat. Nach einem kurzen Tankstopp, die Frauen schlafen schon, folgt ein Stau. Gerade als es weitergeht, höre ich im Verkehrsfunk: „Achtung, hier noch ein Reiseruf: Herr xxxx aus xxxx, unterwegs mit einem Saab, bitte kommen Sie zur Raststätte xxxx zurück.“ Ich bin gemeint. Ich schaue verwirrt in den Rückspiegel, sehe zu meiner Erleichterung zwar den Anhänger, jedoch auch eine leere Rückbank. Also zurück zur Tankstelle, die Freundinnen einsammeln. Während ich getankt und bezahlt habe, sind sie „mal eben“ zur Toilette gegangen.

Deshalb war es so still in der letzten Stunde.

Danke an Jörg  für seine Saab Summertime Story! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört…

Was immer es ist, schreibt uns. Wir bedanken uns, unterstützt von der Orio Deutschland GmbH, mit Saab Literatur und saabigen Kleinigkeiten für jeden veröffentlichten Artikel!

6 Gedanken zu „Saab im Anhängerbetrieb – Praktische Erfahrungen

  • 26. September 2016 um 11:48 AM
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    Danke Jörg ,
    Es ist das wahre Leben ,welches man mit einem SAAB erleben darf ..
    Frei nach dem Motto …..Er kam Saab und siegte….
    Weiterhin viel Spaß mit deinem Zugpferd

  • 26. September 2016 um 1:04 PM
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    Zu schön um Wahr zu sein, das Vergessen wird eine Serie. Ist schon Stoff für einen Roadmovie 😉

  • 26. September 2016 um 1:10 PM
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    Gibt’s ja gar nicht …

    Mir ist es tatsächlich ganz genauso passiert! Allerdings war mein 9-5 zum Service, weshalb ich mein Fahrrad vor die Pferde gespannt habe. Natürlich war es ein Hochrad mit Frontantrieb. Sonst wäre das ja auch alles gar nicht zu schaffen gewesen 😉

    Noch genauer war es eine Hochrad-Rikscha. Wo sonst hätten die Damen sitzen sollen?

    Aber mal ganz im Ernst, ein 9-5 NG mit AWD ist ganz sicher das bessere Zugpferd. Oder gar andere große Autos mit Heckantrieb. Wenn dieser schon sonst keine oder kaum Vorteile bietet, so kann man den Hinterrädlern doch wenigstens den Hängerbetrieb gönnen …

  • 26. September 2016 um 7:18 PM
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    Interessant zu lesen. Eine gute Zugwagen zu finden fur ihre an hang und Gewicht ist nicht einfach. Ein Saab ist dafür nicht gut. Ein Saab XWD ist auch keine terrain wagen wie land cruiser und Landrover oder Mercedes unimog. Die Federbeine konnten durch 70 cm wise fahren .

  • 27. September 2016 um 8:49 AM
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    Nach Auflastung meine 1.9 TiD auf 1980 kg geht das mit den zwei Pferden in der Regel, denn 1800 ist schon eher knapp.

    Apropos Schlupf versus Zug: Hat jemand Erfahrungen mit dem Quaife-Differential? Würde das helfen, Durchrutschen z.B. auf nasser Wiese zu verringern? (Es scheint wohl nicht mehr angeboten zu werden, aber der Neugier halber)

  • 27. September 2016 um 10:21 AM
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    die und schon deine letzte geschichte sind fantastisch! freue mich auf meh!!!

Kommentare sind geschlossen.