Saab im Alkoholbetrieb – Praktische Erfahrungen

Dienstag

19:30 Uhr Dritter Dienstag im Monat. Das bedeutet Stammtisch mit den Saab-Freunden, auch wenn meine Tochter morgen in Köln heiratet. Nachdem ich das beiläufig erwähnt hatte, gab es ein großes Hallo bei den Kameraden und eine Runde nach der anderen zierte meinen Deckel. Egal, ich hab nur eine Tochter. Da kann man sich auch mal betrinken, wenn sie heiratet.

Saab Biopower. Alkoholbetrieb?
Saab Biopower. Alkoholbetrieb?

22:55 Uhr Jetzt muss ich aber wirklich los. Mein Bruder aus Berlin ist mit seiner Frau mit seinem metallicblauen 9-5I sicher längst bei mir zuhause angekommen. Wir wollen morgen vor Mittag gemeinsam weiter zur Trauung.

Mittwoch

0:55 Uhr Hat sich doch noch hingezogen, unsere gemütliche Runde. Alle meine Freunde sind inzwischen per Taxi weg. Ich zahle mit einigen grünen Scheinen meine Zeche und verlasse, vom Wirt geschoben, wankend die Gaststätte. Hinter mir wird sofort die Tür abgeschlossen, das Licht geht aus. Ich stehe allein im Dunkeln auf dem Parkplatz. Die frische Luft tut gut, denke ich, muss mich dabei aber an der Hauswand abstützen. Ich will meine Frau anrufen, damit sie mich abholt. Mein Handy habe ich mit meiner Geldbörse in die Manteltasche gepackt.

1:05 Uhr Verblüfft stelle ich fest, dass ich gar keinen Mantel anhabe. Ich realisiere, dass ich ihn leider im Lokal vergessen habe. Nieselregen setzt ein. Ich friere und muss pieseln.

1:15 Uhr So das wäre erledigt. Ich überlege, was zu tun ist. Kein Taxi zu sehen.

1:25 Uhr Mir fällt ein, dass ich meinen Schlüssel in der Hosentasche habe, und spiele damit herum. Plötzlich blinkt mein dunkelblauer 9-5. Wieso ist der Kofferraum offen? Ich lasse die Haube satt zufallen, klemme mir dabei um ein Haar die Finger der linken Hand ein, weil ich mich an der Stoßstange abstützen muss, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Auf den Schreck hin muss ich mich setzen. Ich betätige also die Zentralverriegelung, öffne die Tür, steige ein.

3:10 Uhr Ich wache auf und überlege, wo ich bin. SCHRECK! MEIN LENKRAD IST WEG! Ach so, ich habe ja einen Rechtslenker (fast der einzige Unterschied zum Auto meines Bruders) und bin wohl vorhin auf der falschen (linken) Seite eingestiegen. Ich krame im Handschuhfach nach Pfefferminz, da fällt mir die Betriebsanleitung heraus. Ich taste im Fußraum, finde sie aufgeschlagen. Ich lese den etwas sperrigen Text:

„Ihr Saab kann auch mit max. 85 vol% Alkohol betrieben werden.„

Keine schlechte Idee! Ich kichere, weil ich allerhöchstens 2 Promille Alkohol intus habe, was vermutlich viel weniger ist. Aber es gibt ja keine Untergrenze.
3:20 Uhr Ich habe mich auf den (rechten) Fahrersitz herübergearbeitet und suche den Schlüssel in der Hosentasche.

5:30 Uhr Bin wohl wieder eingenickt. Wieso finde ich den Schlüssel in der leeren Pfefferminztüte?

5:35 Uhr Die Nacht ist vollkommen ruhig. Kein Mensch weit und breit. Ich starte. Jetzt bloß ohne Macke aus der Parklücke rauskommen.

5:50 Uhr Puh, das war knapp, aber jetzt fahre ich los.

5:51 Uhr Der Saab zieht nicht richtig. Warum nur? Liegt es am Alkohol? Nein, an der angezogenen Handbremse. Ich löse sie. Jetzt zieht er.

5:52 Uhr Warum dröhnt mein Saab so? Ist er im Alkoholbetrieb etwa lauter? Warum nur? Ach so, ich muss schalten. Jetzt drückt der Turbo.

6:05 Uhr Hihi, ich wusste gar nicht, dass die Kurve am Rathaus trotz der Verkehrsinsel auch mit 90-100 leicht zu schaffen ist. In ein paar Minuten bin ich endlich zuhause.

6:06:16 Uhr Mistmistmistmist! Eine rote Kelle der Rennleitung zwingt mich zum Stopp an einer Bushaltebucht! Cool bleiben! Ich lasse das (linke) Beifahrerfenster herunter und höre (in die leere Dunkelheit gesprochen, Night Panel sei Dank): „Allgemeine Verkehrskontrolle, Führerschein und Fahrzeugschein bitte, haben Sie Alkohol getr– Ähhh…Wo sind Sie eigentlich???“

6:06:22 Uhr Ich glaube, der will mir den Tag versauen. Warum nur?

6:06:22,0003 Uhr Wortlos gebe ich Gas und presche davon. Schlagartig bin ich nüchtern. Im Wegfahren hat mir der Typ doch tatsächlich mit der blöden Kelle einen Kratzer verpasst. Kein Respekt vor einem Saab! Bei der Verfolgung ist der olle Passat erwartungsgemäß völlig chancenlos, ich bin dann mal weg.

6:11 Uhr Zuhause angekommen, stelle ich fest, mein Bruder parkt ausgerechnet vor meiner Garage. Er liegt im Wohnzimmer auf der Couch, ist vor dem Fernseher eingenickt, während er auf mich wartete. In wenigen Sätzen erkläre ich ihm, warum es jetzt sehr schnell gehen muss. Er ist zum Glück völlig nüchtern, versteht sofort. Er greift nach seiner Jacke, wir tauschen die Schlüssel. Draußen tauschen wir (dank moderner Kennzeichenhalter) innerhalb weniger Augenblicke die Kennzeichen aus, als würden wir das jeden Tag zehnmal machen.

6:14 Uhr Schon sitzt er am Steuer meines Saab, auf dem Weg zur Autobahn nach Köln. Ich sehe noch den dicken Kratzer in der linken hinteren Tür.

6:17 Uhr Ich habe mich gerade ausgezogen, als es Sturm läutet. Die sind ja fix! Ich kann mich gerade noch aufs Bett werfen, da wird meine Frau wach. Sie öffnet besorgt. Ich reibe mir die Augen, ziehe mir einen Bademantel an und folge ihr schlaftrunken. Zwei ernste Beamte draußen wollen wissen, wann ich zuletzt mein Auto bewegt habe. Ich schicke meine Frau wieder ins Haus. „Gestern Abend, nach dem Essen“ antworte ich schlaftrunken. Sie sind mit der Antwort nicht zufrieden, untersuchen mit einer Taschenlampe genauestens die linke Fahrzeugseite auf Kratzspuren, finden aber nichts. Sie fühlen an der Motorhaube. „Aufmachen!“ höre ich im Befehlston. „Ruuuuhig, Brauner, was ist denn los?“ antworte ich so cool wie nie zuvor. „Uns ist ein dunkler Saab, vermutlich mit Ihrem Kennzeichen ähhh… abhandengekommen.“ Der Motor ist zu meinem Glück kalt. Sie wollen noch einen Blick in meine (leere) Garage werfen, dann ziehen sie endlich ab.

8:00 Uhr Nach einer kalten Dusche rufe ich meinen Freund B. in Leverkusen an. Er hat viele Saab auf seinem Schrottplatz stehen. Zum Glück auch einen blauen 9-5. Per Handyanruf wecke ich meinen Bruder und dirigiere ihn nach Leverkusen. Die gebrauchte Tür kann dort sofort ausgetauscht werden.

8:10 Uhr Meine Schwägerin kommt aus dem Gästezimmer und vermisst ihren Mann. Ich erkläre Ihr, dass wir uns nur kurz gesehen haben, er schon Richtung Köln aufgebrochen ist, um etwas zu erledigen.

9:00 Uhr Wir machen uns auf den Weg zur Hochzeit. Meine Frau steigt wie immer links ein und findet völlig überraschend ein Lenkrad vor. Ich schaue Ihr tief in die Augen und halte ihr den Schlüssel hin. Meine Schwägerin merkt nichts. Meine Frau fährt los.

11:00 Uhr Bei der Hochzeit treffe ich auch meinen Bruder wieder. Alles hat geklappt, die gebrauchte Tür passt perfekt. Wir tauschen in einem passenden Moment in der Rathaus-Tiefgarage die Schilder und die Schlüssel. Ich danke ihm tief ergriffen.

12:00 Uhr Weiterfahrt zum Essen: Meine Frau steigt diesmal rechts ein und findet, wieder völlig überraschend, ein Lenkrad vor. Ich schaue Ihr tief in die Augen und halte ihr den Schlüssel hin. Meine Schwägerin merkt nichts. Meine Frau fährt los.

Samstag

10:00 Uhr Nach einer Politur sieht man wirklich keinerlei Unterschied mehr.

10:40 Uhr Der Postbote wird amtlich. Die Ermittlungsbehörde schreibt mir: Ich soll mein Auto zum Lackprobenvergleich vorführen.

Montag

15:00 Uhr Diesmal prüfen sie sogar die Fahrgestellnummer. Der Grobian mit der Kelle ist auch da, schaut misstrauisch, ich lasse mir nichts anmerken.

Das Ergebnis: Keinerlei Nachlackierung. Keine Kratzer. Verfahren eingestellt.
Eine schöne Hochzeit war´s. Mein Bruder hat was gut bei mir!

Fazit: Mit etwas Glück und guten Freunden kann man seinen Saab durchaus auch mit Alkohol betreiben.

Danke an Jörg für seine Saab Geschichte! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns darauf!

11 Gedanken zu „Saab im Alkoholbetrieb – Praktische Erfahrungen

  • 8. März 2016 um 10:54 AM
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    Grandios! Selbst beim Lesen dieser Geschichte drückt der Turbo… 🙂
    DAAANKE!

  • 8. März 2016 um 10:57 AM
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    Amüsante Geschichte. Wenn jetzt mal nicht aus Versehen die Polizei mit liest?!
    KEIN Alkohol am Steuer!!!

    • 8. März 2016 um 1:14 PM
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      Keine Sorge, Jan, bei mir gib´s beim Clubabend nur alkoholfreies Weizen oder Tee.

      • 8. März 2016 um 1:17 PM
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        Dann kann ich ja die Nacht zum Glück beruhigt schlafen! 🙂

  • 8. März 2016 um 11:06 AM
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    Bin jetzt fast vom Stuhl gekippt (vor Lachen, kein Alkohol)…

  • 8. März 2016 um 12:33 PM
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    LOL, was eine tolle Geschichte, Tom. Hat mich sehr viel Spass gemacht.

  • 9. März 2016 um 9:22 AM
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    Da musste ich doch glatt an die Geschichte denken, als die liebe Frau 20x den Saab anschieben durfte und sich am Ende herausgestellt hatte, dass die Geschichte frei erfunden wurde. Irgendwie hatte ich insgeheim gehofft, dass es hier genauso ist. Nennt mich ruhig einen Spießer.

  • 9. März 2016 um 10:37 AM
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    Nett geschrieben,aber hoffentlich frei erfunden..
    Sollte sowas pupliziert werden?
    Hier werden gleich mehrere straftaten genannt…
    Ich hoffe das mir und meiner Familie nie ein alkoholisierter Fahrer begegnet,selbst wenn er saab fährt.

    • 9. März 2016 um 10:54 AM
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      Ja, das bleibt zu hoffen…,
      aber wenn deine Familie im SAAB sitzt und der “Unfallgegner” ebenfalls im SAAB unterwegs ist, sind ja ALLE Beteiligten SICHER durch den SAAB geschützt… 🙂 und das ist gut so.
      Schade ist womöglich: 2 SAAB´s weniger 😉
      Allzeit unfallfrei Fahrt im SAAB ist für beide Parteien das Beste!

    • 9. März 2016 um 11:23 AM
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      Natürlich vom Autor, so wie sein vorheriger Beitrag, frei erfunden… Hätten wir einen Warnhinweis zusätzlich publizieren sollen?

  • 9. März 2016 um 11:58 AM
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    Ja: Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen! 😉

Kommentare sind geschlossen.