Das ist spektakulär – ein Saab 99 EMS für 46 Jahre in einer Hand
Wir entdecken sie immer wieder, die spektakulären Saab Geschichten. Saab vs. Zeitgeist, könnte man sie betiteln. Wie sonst könnte ich es umschreiben, wenn ein Saab 99 EMS für 46 Jahre bei seinem ersten Besitzer bleibt. Der pflegt den Saab penibel und die Liebe zum schwedischen Auto scheint nie zu erlöschen.
Denn der 99 erhält alles, was er benötigt, die Kosten spielen dabei offensichtlich keine Rolle. Auch nach über 40 Jahren steht das CombiCoupe so da, als ob es ein Jahreswagen wäre. Das kann man unglaublich und besonders finden. Ich halte es für außergewöhnlich wertschätzend. Gegenüber dem Auto, den Menschen, welche es erdacht und gebaut haben, und den eingesetzten Ressourcen.
Doch jede spektakuläre Geschichte findet eines Tages ihren Abschluss. Dann trennen sich die Wege und es wird ein neues Heim gesucht. Für einen Saab, bei dem die Werksrallye Abteilung mehr als nur Geburtshilfe leistete.

Saab vs. Zeitgeist – Saab 99 EMS für 46 Jahre in einer Hand
Ein kurzer Ausflug in die Saab Geschichte. Der Saab 99 galt, bei seinem Erscheinen als solide und vernünftig, aber auch als etwas zu langweilig geraten. Er war der erste Versuch des Kleinwagen-Produzenten Saab in eine höhere Fahrzeugklasse vorzustoßen, aber Begeisterung bei den Kunden und Händlern sah anders aus. Zudem war der 99 teurer als vergleichbare Modelle der Mitbewerber. Die Stückzahlen blieben unter den Erwartungen, auch wenn die Motorpresse dem 99 Respekt zollte.
Zwei Dinge waren es, welche die Geschichte dann doch grundlegend ins Positive drehten. Zum einen der Turbo, den Saab erstmals bei diesem Modell einführte, zuvor aber der 99 EMS.

Der Saab, der aus der Werksrallye Abteilung kam
Generell ist dieser Saab ein spektakuläres Modell, das direkt aus der Werksrallye Abteilung (Link) raus auf die Straße durfte. Dazu schärften die Techniker das Fahrwerk nach, verbesserte das Handling markant und im Detail hatte der EMS Pilot nur noch 3,4 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag, während die braven Versionen dafür 4,1 benötigten.
Straffere Federn und Bilstein Stoßdämpfer, sowie Scheibenbremsen rundum machten den Unterschied, der Motor mit einer mechanischen Einspritzung leistete 118 PS und war damit der bisher stärkste Saab. Fördernd für das Image muss man sagen, dass der EMS Motor die Basis für die Werksrallye Fahrzeuge stellte, dort lieferte er aber viel mehr PS.

Saab 99 EMS Überholprestige mit Doppelscheinwerfern
Außen zeigte ein markanter Frontspoiler, ein schwarzer Kühlergrill und Alu-Felgen Sportlichkeit. Niederquerschnitts-Reifen runden das Erscheinungsbild ab und den US-Versionen spendierte Saab sogar Doppelscheinwerfer. Nicht zufällig denkt man dabei an das Überholprestige der starken 3er-BMW (E21), die mit Sechszylinder und Doppelscheinwerfen unterwegs waren.

Heute steht der Saab 99 EMS im Schatten des 99 Turbo, der alles von damals überstrahlt, und der den Schweden den Weg in die Zukunft ebnete. Das ist ungerecht, denn nüchtern betrachtet fährt sich ein EMS harmonischer und bietet, mit fehlendem Turbo Loch, fast die gleiche wunderbare Aura alter Saab CombiCoupes.
Mehr Zeitgeist und mehr Klassiker Fahrvergnügen geht kaum
Die Plattform Bring A Trailer hat aktuell ein spektakuläres Exemplar im Angebot (Link), das alle Voraussetzungen erfüllt, um heiße Begehrlichkeiten zu wecken.

Dieser Saab ist so unglaublich original, dass man vor ihm auf die Knie gehen möchte. Er ist ein CombiCoupe, keine sachliche Limousine, natürlich in Kardinal-Rot mit roter Innenausstattung. 1978 vom Besitzer als Neuwagen gekauft, mit Schiebedach und einer Klimaanlage, die selbstverständlich heute noch funktioniert. 72.000 Meilen (ca. 115.873 km) in 46 Jahren, keine Unfälle, durchgehend gewartet, mit geringen Gebrauchsspuren. Ersatzteile und Dokumentation sind vorhanden, aber wen kümmert das, wenn hier der perfekte 99 EMS wartet?

Mehr Zeitgeist als die rote Plüschlandschaft geht nicht, mehr Fahrfreude als in einem CombiCoupe mit Ausstellfenstern und Schiebedach ist ebenfalls schwer vorstellbar.
Zurück von der Begeisterung, die einen erfasst, wenn man diesen Saab betrachtet, muss man nach Gründen suchen, ihn nicht zu mögen. Es wird schwierig, denn was spricht schon gegen alte Autos, wenn sie gepflegt sind und so viel Stil haben? Das weiß ich leider nicht, ich bin ratlos, und ich verstehe jeden, der hier mitbieten möchte. Dieser EMS ist spektakulär, wie es ebenfalls seine Geschichte ist, die von einer 46 Jahre währenden Saab-Mensch-Beziehung erzählt.
Mit Bildmaterial von Bring A Trailer
Auf facebook habe ich von einem 99 in Österreich gesehen, der noch die alten scharzen Kennzeichen hat. Auch das Auto muss schon länger als seit 1990 beim selben Besitzer am selben Wohnort sein.
Allgemeiner Respekt an diese nachhaltigen Besitzern.
Bei uns zu Hause sind wir noch im Erstbesitze eines 99 TURBO M80 den ich bewusst nie weggegeben hatte, aber muss inzwischen altersbedingt instandgesetzt werden.
Identische EMS-Ausstattung als Combi-Coupé (es gab ihn auch als Sedan oder als 4/5 Türer mit GLE-Ausstattung) hatten im selben Baujahr die ersten „unauffallenden“ 100 TURBO-Test-Fahrzeuge, noch ohne Heckspoiler, ohne INCA-Felgen, aber noch mit original EMS-Felgen und bereits für Belüftung „belochtem“ Frontspoiler für Oel- und Batteriekühlung. Mein Vater hatte damals die Gelegenheit für mehrere Monate genau diese 3-türige CC-Karosserievariante in selber Farbenausstattung zu testen (mit entsprechend verlangter Tages-Buchführung seitens von Saab). Nach Test-Fase hätte er die Möglichkeit gehabt, dieses Test-Fahrzeug vergünstigt zu übernehmen, aber Ihm gefiel die rote Innenausstattung nicht, somit wurde dieses Test-Fahrzeug weiter verkauft und er entschied sich für einen neuen 99TU in grün. Ich weinte diesem Fahrzeug nach, da ich noch nicht das nötige Geld dazu hatte es zu übernehmen und damals noch 1 Jahr auf den Führerschien warten musste.
Bemerkung betr. Toms-Beschreibung:
Doppelscheinwerfer für den 99er waren nur für Sealed-Beam-Scheinwerfer vorgesehen (pflicht in US-Versionen), dafür hatten die 99 in Nordamerika keine Hauptscheinwerfer-Wischwaschanlage. Die Lichtausbeutung dieser US-Scheinwerfer war sehr schwach. Zudem waren diese US-Scheinwerfer versiegelt, d.h. die Glühbirne war fix im Scheinwerfer, bei Leuchtmittelausfall muss der ganze Scheinwerfer ausgetauscht werden; habe dieses System nie verstanden!
Als Sonder-Zubehör für EU konnten wir damals dieses US-Doppelscheinwerfersystem mit komplettem Kühlergrill (nicht kombinierbar mit EU-Version) ordern, aber mussten für (TÜV/MFK) die EU-Zulassung entsprechend auf Rundscheinwerfer mit H4-Abblend/Fernlicht + H1-Fernlicht umrüsten.
Klima-Anlage mit entsprechender Radio-Konsole (wie abgebildet) und Servo-Lenkung im 99 gab’s nur für den US-Markt. Der 99 GLE war das einzige Modell ab Werk mit Servo-Lenkung. In EU kannten wir damals die Klimaanlage für den 99er gar nicht.
Zudem müsste dieser vorgestellte EMS in US-Version (ab 1976 pflicht) damals schon einen Katalysator gehabt haben, d.h. er hatte lediglich 110 PS, was spürbar schwächer war!
Jedenfalls für mich ein Traumfahrzeug!
Stelle soeben mit Überraschung fest, dass dieser EMS MY78 gar keine Katalysator montiert hat! War in USA die Kat-Einführung nur für gewisse Staaten ab 1976 zwingend?
Etwas Sealed-Beam Verständnishilfe: Die Streuscheibe und der Reflektor werden immer beim Leuchtmittelwechsel mit erneuert und haben so keine Chance älter und verschlissener zu sein als die Lampe. Geht für mich noch als clevere Idee durch.
Allerdings erzeugen klassische Sealed-Beam Scheinwerfer keine asymmetrische Lichtverteilung, damit ist es dann doch leider etwas primitiv.
Exakt, danke.
Habe mittlerweile erfahren, dass Kat.Einführung auf dem US-Markt damals Staaten abhängig war, d.h. ab 1976 in Californien und die anderen Staaten folgten in den Folgejahren bis ca. 1979/1980.
wunderschöne Fotos. Danke!
Cooler 99-ziger! 🙂
Der Besitzer hätte (nachträglich) eine SAAB-Blog Plakette für über 40 Jahre EIGENTUM verdient… ;-).
Die Farbkombi ist “mutig”…, aber evtl. auch nur, weil wir so lange so viel relative “Langeweile” genutzt haben. Uns durchgewuselt haben, nur nicht auffallen.
ROT ist nicht meine favorisierte Farbe, aber blau/grün war damals wohl auch im Angebot. Da wäre die “Verführung” größer gewesen!
Ich habe darüber auch schon nachgedacht. Alles ist grau und schwarz. Sind wir farbenblind geworden? Oder war früher einfach alles bunter und lebendiger?
Hi Mac Saab, weiß auch keine “schlüssige” Antwort.
Evtl. wurde früher spontaner/individueller entschieden, nicht so sehr auf Wiederverkaufswert geachtet.
Oder die Marketingabteilung der Automobilindustrie hat sich “erfolgreich” eingeschaltet: weniger Farbauswahl, weniger Kosten beim Lackieren MEHR € im Konzern. (der Gedanke gefällt mir)
Oder die Fahrzeuge sind deutlich im Preis gestiegen und dann wird beim Kd. “irgendwo” das Geld gespart. Lieber an der Farbe sparen, als bei den ALU-Felgen… ;-).
Ich möchte einfach nicht glauben, das wir Menschen so langweilig geworden sind.
Möchte ich auch nicht glauben. Aber früher gab es von Orange, Blau, Grün alles in den Innenräumen. Natürlich auch seriöse Farben.
Aber mit spontan kann es auch nichts zu tun haben. Früher wurde bar bezahlt, nicht finanziert oder geleast. Da machte man sich schon Gedanken.
Kurz und knapp. Ich bin ratlos.
Früher war mehr Lametta 🙂
ja, es war bunter und lebendiger, fröhlicher und optimistischer!
Nur als Farb-Bspl.: Völkl Renntiger, die frühen G-Modelle….
Obwohl die Zeiten nicht unbedingt besser waren, wenn auch der Informationsfluss viel langsamer war.
Heute handelt man eher rational, mind. in Deutschland gerne auch mit einem Hang zur Depression.
Den Renntiger musste ich erst Googeln. Ziemlich gelb und cool.
Kann schon sein dass uns der Optimismus ausgetrieben wurde. Ist schade, aber ich hätte Lust auf optimistische Farben, innen und außen. Etwas bessere Laune würde jedem guttun.
Eine farbenfrohe Fahrmaschine! Zu 100% Kult!