Ein sportlicher Saab aus dem Land von Dynamit und Turbotechnik

Saab Werbung war immer versucht, humorvoll zu sein und auf nationale Eigenheiten hinzuweisen. Unvergessen ist die “Land von Eis und Schnee” Kampagne und in Trollhättan zeigte man sich offen für weitere Variationen. Schweden als das Land von Dynamit und Turbotechnik – klingt ebenfalls nicht schlecht.

Wobei das mit dem Dynamit im Jahr 2024 sicher empfindsame Bedenkenträger auf den Plan rufen könnte, welche sofort die unangenehmen Nebenwirkungen des Sprengstoffs in den Fokus rücken würden. Jede Marketingagentur würde daher abraten – aber fachlich ist die Werbung natürlich korrekt und im Jahr 2003 war die Öffentlichkeit noch robuster aufgestellt.

Nur  – war die beworbene Saab 9-3 Aero Sportlimousine wirklich Dynamit?

Saab 9-3 Aero (2003) - ist er wirklich Dynamit?
Saab 9-3 Aero (2003) – ist er wirklich Dynamit?

Ein sportlicher Saab aus dem Land von Dynamit und Turbotechnik

Die zweite Saab 9-3 Generation kam 2003 auf dem Markt, Saab Deutschland schaltete die Anzeigen mit dem Erscheinen. Der Sport Sedan, in Deutschland Sportlimousine, trug den neuen B207R Motor unter der Haube. Dieser war – Revolution – keine reine Saab Konstruktion mehr. Das Publikum bekam davon jedoch kaum etwas mit.

Denn der Antrieb war von Saab entwickelt worden und hatte immer noch die Trionic Zündkassette. Dass er weltweit, aber nicht mehr im schwedischen Motorenwerk produziert wurde, störte so wenig wie der Umstand, dass man ihn auch in anderen Modellen des GM Konzerns fand.

Saab gönnte dem neuen Aero 5 PS mehr als im 9-3 OG, wo noch ein reiner Saab Motor arbeitete. Das war knausrig, mehr wäre nicht nur mehr, sondern auch besser gewesen. Der neue B207R kämpfte im Vergleich mit dem alten B205R mit einem spürbar weniger vehementeren Antritt, es fehlte das gewisse Turbo-Etwas, das Saab Fahrer gewohnt waren.

Im Alltag konnte der neue Aero nur dann überzeugen, wenn man den Vorgänger nicht kannte und mancher, der auf das neue Modell umstieg, wird wohl fragend seine Augenbrauen gehoben haben.

Saab Deutschland Werbung im Jahr 2003
Saab Deutschland Werbung im Jahr 2003

In Trollhättan muss man das gewusst, oder zumindest geahnt haben. Denn pünktlich zum Marktstart gab es von Hirsch Performance, dem offiziellen Haustuner der Schweden, das entsprechende Upgrade (Link). Aus 210 wurden 230 PS und mit 350 Nm lag der neue 10 Nm über dem (gehirschten) Vorgänger. Was diese Zahlen nicht ausdrücken, ist das Fahrgefühl, das sich positiv veränderte, zurück ins alte Saab Turbo Empfinden und mit einem Dauerlächeln im Gesicht.

Der Saab ist kein Dynamit – aber sportlich auf jeden Fall

Dynamit wurde der Aero damit nicht, aber wesentlich agiler und eine Quelle für enormen Fahrspaß. Denn Saab hatte sich endlich von der hinteren Starrachse des Vorgängers, die laut Hersteller keine war, verabschiedet. Die neue Hinterachse, mit insgesamt acht Lenkern und Spurlenkern aus Aluminium machten aus dem neuen 9-3 den fahraktivsten Saab bisher.

Zusammen mit dem Chassis, das von Anfang an auf Fahrdynamik getrimmt wurde, machte es Spaß den Saab fliegen zu lassen. Das geniale Armaturenbrett der 1000 beleuchteten Knöpfe und Schalter, das unvergleichbare Nightpanel und das prominent auf dem Armaturenbrett platzierte SID verstärkten den Luftfahrt-inspirierten Eindruck. Wenn Saab puren Fahrspaß versprach, dann löste der 9-3 das Versprechen spätestens nach einem Hirsch Performance Upgrade zu 100 % ein.

3 Comments
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aero50
Editor
2 Jahre zuvor

Und dann gab es noch den 9-3 Performance, eine direkte Zusammenarbeit von Saab und HP. Diese Fahrmaschine hatte 252 PS und stand gut im Futter! Wurde wohl nur in D und CH verkauft. Ich hatte so einen für zwei Jahre und dann verkaufte ich ihn dummerweise. Reut mich heute noch!

Saablover
Saablover
2 Jahre zuvor

Dynamit und Turbotechnik ist eine coole Kombi!

Der Lizi
2 Jahre zuvor

Danke für den Rückblick auf diesen wunderbaren Saab lieber Tom. Auch ungehirscht macht diese Fahrmaschine einen Dauergrinser aus mir. Der Vorteil des Unwissenden vielleicht…… Seine Form mag ich mit der Zeit immer mehr. Womöglich, da meine Sinne immer öfter durch Sickenmonster in gedeckten Farben beleidigt werden. Und über das Fliegercockpit wurde bereits genügend geschrieben. Purer Genuss!!!!! Du erwähntest es schon in einem Deiner Kommentare: nach dem Sommer startet mein neues Projekt. Und es ist exakt dieser Saab. Wunderschöne Fehlfarbe, helles Interieur und knapp 100.000 Kilometer auf dem Tacho. Ich freue mich jetzt schon auf die erste Ausfahrt. Wird wohl 2025. Aber Geduld habe ich mit zunehmenden Alter gelernt. Und eventuell wird meine sehr individuelle – Du sagtest stimmig dazu – schwarze Limousine ein neues Zuhause suchen. Aber das werden die Leser rechtzeitig erfahren.