Saab 99 EMS – mit den besten Grüßen der Motorsport Abteilung
Direkt von der Motorsport Abteilung auf die Straße. Das gab es bei Lancia, bei Citroën, Fiat und anderen Marken. Von Saab kam der 99 EMS mit den besten Grüßen der Motorsport Abteilung aus der Stallbacka in Kundenhand. Stig Blomqvist und Per Eklund flogen mit dem EMS aus geschäftlichen Gründen über die Rallye Pisten.
Aber auch Prinz Bertil, Herzog von Halland und Prinz von Schweden, war mit einem Saab 99 EMS unterwegs.

Saab 99 EMS – mit den besten Grüßen der Motorsport Abteilung
Autohersteller dichten ihren Produkten gerne einige Gene aus dem Rallyesport an. Zumindest war das früher so, als Verbrenner noch nicht böse waren und das Auto nicht generell als schlecht galt. Manchmal beschränkten sich die Gene auf ein paar sportliche Aufkleber, auch Rallye-Streifen galten eine gewisse Zeit als besonders angesagt.
Und manchmal wurde erfolgreich von den Profis nachgeschärft, und das Ergebnis war überzeugend.
Der Saab 99 EMS bekam 1975 einen überarbeiteten Motor mit obenliegender Nockenwelle, Leichtmetall Zylinderkopf, und mechanischer Einspritzung. 118 PS bildeten zu diesem Zeitpunkt die Speerspitze des Saab Motorenprogramms, der Turbo war immer noch einige Jahre entfernt. Der gleiche Motor war auch das Basisaggregat der Werksrallye Wagen, allerdings mit noch mehr Leistung.
Leistung ist wichtig, aber sie ist nicht alles. Der wirkliche Unterschied zwischen EMS und den braven 99 Typen liegt im Handling begründet. Der 99 EMS bekam ein Sportlenkrad und eine direktere Lenkung. 3.4 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag, statt zuvor 4.1, lieferten ein agileres Fahrgefühl. Straffere Federn an der Hinterachse und Bilstein Stoßdämpfer an allen Rädern sorgten für ein sportlicheres Fahrwerk.
Für die Verzögerung waren vier Scheibenbremsen verantwortlich. Im Jahr 1975 war das selbst bei sportlichen Fahrzeugen noch keine Selbstverständlichkeit.
Natürlich konnte auch Saab dem zeitgenössischen Ornat der Sportlichkeit nicht widerstehen. Ein Frontspoiler, ein schwarzer Kühlergrill und Alu-Felgen sind klare Insignien. Niederquerschnitts-Reifen runden das Erscheinungsbild ab. Die perfekte, kompakte Sportlimousine für die Zeit. 10 Jahre bevor BMW diese Marktnische für sich entdeckte und zu kultivieren begann.
Der Saab 99 EMS heute
Ein Saab 99 EMS ist, wenn man einen findet, nicht viel besonders teurer als einer seiner braven Brüder. Selbst eingefleischte Saab Fans wissen mit dem EMS wenig anzufangen, seinen gebührenden Platz in der Geschichte hat er nicht gefunden.
Eine Mitschuld trägt der 99 Turbo, der 3 Jahre nach dem EMS von der Rollbahn abhob, und automobile Geschichte schrieb. Er ist teuer, selten und eine Legende. Die der EMS auch sein sollte.
Der 99 EMS war mein erster Kontakt mit der Marke Saab, damals, im Januar 1978.
Hier in Luxemburg wird von den Autohändlern jedes Jahr im Januar eine Woche der offenen Tür abgehalten, mit Extra Rabatten, Sonderaktionen und ausgiebigen Testfahrten. Ein Muss für jeden Petrol Head.
1978 hatte ich mir extra 2 Tage Urlaub gegönnt, nur um ausgiebig Autos testen zu können. Denn wann hat man denn als Anfang 20jähriger schon mal die Gelegenheit, einen sportlichen 3er BMW, Audi Quattro, Mazda RX7, Opel Kadett GTE, Escort RS, Porsche 924 usw. zu testen ? Keine Ahnung, warum ich damals auch beim Saab-Händler vorbeigeschaut hatte. Saab 96 und 99 waren für mich doch eher Alt-Herren-Autos.
Dann mein erster Kontakt mit dem 99 EMS – sportliches Auftreten mit Frontspoiler, Alurädern, Sportlenkrad und Tourenzähler. Die Testfahrt war atemberaubend, das Fahrzeug war schnell und lag gut auf der Strasse, war aber auch gleichzeitig bequem und geräumig. Ja, ich hatte mich in dieses Modell verliebt. Wäre da nicht der Kaufpreis gewesen.
Die Preisliste weist für den 99 EMS genau 299.000,- Franken (7.400,- €) auf, Metallic kostete 6.000,- Franken (150,- €) und ein Schiebedach stolze 13.500,- Franken (335,- €). Zuzüglich MWSt. Ein Traum von Auto, damals allerdings unbezahlbar für mich. Also fuhr ich wieder heim mit meinen Renault 5, ich war total frustriert.
Die Broschüre und Preisliste habe ich noch immer, kenne ich fast auswendig.
Seit dieser Testfahrt mit dem 99 EMS konnten mich andere Automodelle nicht mehr vom Hocker reißen. Und als ich dann gehaltstechnisch endlich in der von Saab aufgerufenen Preisklasse angekommen war, hatte ich das „Pech“, in den Genuss von Dienstwagen zu kommen. Langweilige Mercedes, Audi, BMW, … in schwarz. Saab stand leider nicht auf der Liste der zu ordernden Autos.
Heute denke ich, dass ich mir damals einen 99 EMS hätte kaufen sollen um mit ihm genüssliche Fahrten zu unternehmen. Damals allerdings haben mir die Dienstwagen viel Geld gespart das ins Häuslebauen investiert wurde und später ins Studium der Kinder.
Saab hat mich nie wieder losgelassen und heute fahre ich ein 9-3 II Cabrio von 2004. Tja, Saab fahren macht halt glücklich, damals schon und auch heute noch.