Sportlich, schwarz und stark – das war der Ford Capri S 3.0

Es ist schwer zu glauben, aber die deutschen Ford Werke waren einst ein ziemlich gut aufgestellter Vollsortimenter. Vom Kleinwagen, über die Oberklasse bis zum Sportwagen gab es alles beim Vertragspartner zu kaufen. Die Sportwagen trugen den Namen Capri – 18 Jahre lang, von 1968 bis 86.

Für den flüchtigen Beobachter waren es drei Generationen des Capri, für alle, die mit der Markengeschichte mehr vertraut sind, sogar 5, die Ford nach Modelljahren unterschied. 1976 standen wieder Veränderungen an, der Capri 76 war ein Übergang zu der nächsten Serie, und eigentlich eine eigene Generation.

Sportliches Spitzenmodell war der Capri S 3.0. Entsprechendes auftreten mit langer Motorhaube, drei Liter Hubraum, Sechszylinder Motor, Heckantrieb. Das war der Stoff, der vom klassischen Sportwagen träumen lässt.

Ford Capri S 3.0 - schwarz ist sportlich
Ford Capri S 3.0 – schwarz ist sportlich

Der Ford Capri S 3.0 kommt neu in das Programm

Das Jahr 1976. In diesem Modelljahr erfährt die zweite Generation eine erneute Überarbeitung. Ford bereinigt die Ausstattungslinien, ordnet sie neu in L, GL, S und Ghia. L steht für die Basis, GL verkörpert etwas Luxus, S steht wiederum für Sport. Und Ghia ist ein Synonym für das ganz große Ausstattungsprogramm, das den Vergleich mit BMW oder Mercedes nicht scheuen muss. Die Fertigung wird nach Saarlouis ausgelagert und der S 3.0 ist brandneu im Programm.

Optisch macht der Capri S einiges her. Auffälliges Merkmal sind der große Frontspoiler, schwarze Schweller und Seitendekor Elemente. Das Fahrwerk wird straffer abgestimmt, Leichtmetall Felgen und H4 Licht runden die sportliche Erscheinung ab. Unter der langen Motorhaube wartet der 3,0 Liter V6 Motor, der es durch zwei Doppelvergaser auf 138 PS bringt.

Das ist eine Menge, aber vielleicht ist es nicht genug. 8,9 Sekunden vergehen von 0 auf Tempo 100, das können 1976 andere schon besser. Was die Fahrleistungen nicht liefern, das bietet jedoch der Innenraum. Gut ausgeformte Sportsitze verwöhnen die Passagiere, insofern sie auf den Vordersitzen Platz genommen haben. Hinten reicht der Platz maximal für Kinder, die auf kurzen Strecken mit dem limitierten Platz vermutlich zufrieden waren.

Den sportlichen Fahrer, es war die Zeit der gelochter Autofahrer-Handschuhe, erfreute die reichhaltige Uhrensammlung, die es mit manchem Hochpreis Sportwagen aufnehmen konnte, und das Sportlenkrad.

Ist schwarz seriös? So warb Ford 1976 für den Capri.
Ist schwarz seriös? So warb Ford 1976 für den Capri.

Der S 3.0 ist nicht der große Erfolg

1976 warb Ford Köln in einer schwarz gehaltenen Anzeige für den neuen S 3.0. Was für ein Unterschied zur Werbung, die 3 Jahre zuvor in den Medien zu finden war. Damals zeigte der Hersteller mit dem Capri 73 die Sonne (Link), bunt und voller Lebensfreude, jetzt ist das Verlangen nach Seriosität in jeder Zeile spürbar.

Der Capri hatte sich verändert, und er würde es weiter tun. Der S 3.0 war nicht der große Erfolg, den die Marketingstrategen erhofften. Die bürgerlichen Kunden griffen öfter zum 2 oder 2,3-Liter-Modell, mit jeweils 90 oder 108 PS. Beide Antriebe waren ebenfalls mit prestigeträchtigen Sechszylindern bestückt, aber um einiges günstiger zu haben.

Wer den großen 3 Liter bevorzugte, der traf beim Ford Händler in der Regel eine ganz andere Wahl. Statt beim S 3.0 machte er das Kreuz beim Ghia, der mit einer Menge Luxus und einem Automatikgetriebe verwöhnte und vermutlich viel besser zum Komfortcharakter des großen Motors passte.

Doch, das mit den großen Sechszylinder Motoren war bei Ford 76 weiterhin nicht am Ende. Es dauerte zwar noch etwas, aber ab 1981  lieferten die Kölner endlich den Spitzenmotor, den der Capri schon länger verdient hatte. Der 2,8i brachte 160 PS an die Hinterachse, damit konnte der Capri Fahrer tatsächlich einen Porsche 911 in Bedrängnis bringen.

Er war, von den limitierten Turbo Modellen abgesehen, der Höhepunkt der Kölner Sportwagen Evolution. Die endete mit der Einstellung der Baureihe 1986. An den großen Erfolg der Capri Dynastie konnte die Marke danach nie mehr anknüpfen.

12 thoughts on “Sportlich, schwarz und stark – das war der Ford Capri S 3.0

  • Ich hatte, glaube 1976 war es, einen Capri
    II 2,3 Ghia dunkelblau mit hellgrauer
    Innenausstattung, immer wenn ich mal einen Capri auf Oldtimertreffen sehe stehen mir die Tränen in den Augen.
    Einfach nur schade, kommt nicht
    wieder.

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  • Ich fuhr als erstes Auto b
    Den Capri 2mit68ps ich habe ihn geliebt aber immer Probleme mit der Hinterachse sonst hat uns der TÜV geschieden 1986haben wir meine Freundin und ich einen 3 gekauft mit 138ps damals ein Hammer 4gang 1.Gang bis 70kmh und am Ende 215kmh nach Tacho ich habe ihm ein Zackspeed Fahrwerk gegeben und Eine Domstrebe vorn hinten Gasdruck Dämpfer und eine 75%Sperre da war er etwas langsamer aber mit dem Fahrwerk super was ich Schade fand ich die Scheiss Stirnräder zum steuern des 6 Zilinders habe 2 Motoren verbraucht wenn es das schicke Coupé würde ich es wieder Kaufen und mich wohl fühlen es war ein tolles Auto ❤️

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  • Besitze heute noch einen 2.6er MK B , nach einem schlechten Tag den Capri aus der Garage holen , ne grosse Runde drehen und dein Tag könnte nicht schöner sein

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  • Hatte den 1.6l mit 68PS leider zu Schrott gefahren. Danach den 3.0l mit 138 PS gekauft.Bis heute mein bester Ford.Seit 1976 fahre ich Ford aber solch einen Wagen gab es nie wieder s

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  • Mein Vater kaufte sich in 11 / 69 einen Capri 1700GTXL , Metalliclack, Venyldach, 75 PS, V4 .Das war ein super schöner Wagen…..nur nach 2 Jahren war er schon durchgerostet! Danach dann später einen der 2. Serie, Sondermodell in Schwarz mit Gold abgesetzt ( John Player Special )! Wow! Der hatte einen ( zu schwachen )1600er Motor mit 88 PS und ein FURCHTBARES Fahrwerk! Das wurde dann vom Werk auf Kulanz verbessert ( Spoiler, härter etc.etc. )! Dann wurde die Farbe unmodern und der Fordhändler zierte sich, ihn in Zahlung zu nehmen!

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  • Ich habe mir 1979 einen 2.3S gekauft. Der bot mir mehr als damals ein 3er BMW und war rund 10.000DM günstiger. Mit der großen Heckklappe auch sehr praktisch. Und ging richtig flott ab. Ich weine dem immer noch hinterher.
    Von Bonn nach Kiel in sternklarer Nacht in knapp 4 Std. inkl. Nachtanken in Stillhorn.
    Eine Macke hatte er, und die meisten anderen Capri auch, wie ich hörte: Bei Nässe und Tempo über 100 zog er beim Bremsen deutlich nach links. Ist viel versucht worden, er hat es trotzdem beibehalten. Aber, wenn man es wusste, konnte man dich drauf einstellen und passiert ist nie etwas.
    Fazit: tolles Auto, super Preis-Leistungsverhältnis. Kommt leider nicht wieder.

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  • Tom, du packst auch immer die richtigen Autos aus….LoL.
    Mein erster Wagen war ein grüner Capri II, Bj. 75 mit dem 1.3l 4-Zylinder und 54PS….das war 1988.
    Als BMXer fand ich damals die geteilt umklappbare Rückenlehne besonders cool und die endlos lange Motorhaube machte was her, leider war der Wagen alles andere als sportlich mit dem kleinen Motor 🙂

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  • Der Nachbar meiner Großeltern hatte einen Capri in silbermetallic; und mit Katzentreppe. Aber was war das für einer?! Jedenfalls: damals bot Ford einiges, wie Tom schon schrieb. Angefangen vom Fiesta über den Escort, Taunus, Granada bis hin zum Sportler, dem Capri. Taunus und Granada waren Lademeister in ihrer Klasse. Das Design war bis Mitte der 70er recht amerikanisch und….etwas prollig. Danach war es sehr sachlich-nüchtern. Wobei ein tiefergelegter Granada mit Breitreifen dann doch wieder….nun ja.

    Ich gucke mir heute Abend mal ein paar Folgen von “Die Profis” an; die Adjutanten fuhren Capri und Escort, der Chef den Granada 2.8i Ghia. 🙂

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  • Fatastisch, meine Opa hatte einen Ford Capri 2600GT XLR von 1972, 125 PS , als Kind war ich fasziniert von den 190 km/h Höchstgeschwindigkeit.

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    • Da werden einmal mehr Erinnerungen wach. Klasse geschrieben!
      Habe als Kind meinem Vater einmal gelochte Autofahrerhandschuhe geschenkt. Hatte er noch nie zuvor (und auch danach nie wieder). War aber wohl kein Geldmangel …

      Seine gespielte und als gespielt durchschaute Begeisterung hat mir damals richtig wehgetan.

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      • Ups, der Kommentar ist verrutscht. Sollte keine AW werden, sondern ein eigener Kommentar. “Klasse geschrieben!”, bezog sich auf den Artikel. Passt natürlich aber auch unter einen guten Kommentar 😉

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        • ICH hatte einen 1972 grünen 1,6l. Mit 72 PS 6 Jahre gefahren leichter Rostan den hinteren Kotflügeln war sehr zufrieden leider verkauft schade hätte in gerne wieder.

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