Der Jeep Cherokee war der Albtraum der Range Rover Händler
Manches Mal tragen Albträume einen Namen. Im Falle der Range Rover Händler in den 80er-Jahren war es der Jeep Cherokee 4 × 4, der sie massenhaft auf die Couch ihres Therapeuten zwang. Der amerikanische Offroader war wohl mitverantwortlich für den Boom von Geländewagen, der im Laufe der 90er-Jahre dann ganz Europa erfasste.
Doch schon in den Jahren zuvor vermieste er den Range Rover Händlern das Leben. Jeder verkaufte Cherokee war potenziell ein Range Rover weniger, der an den Mann oder die Frau zu bringen war. Das tat so richtig weh. Ein Mittel gegen den Cherokee war nicht in Sicht. Und eine Möglichkeit sich die Sache mehr oder weniger schönzureden, die gab es auch nicht.

Der Jeep Cherokee machte dem Range Rover das Leben schwer
In meiner Heimatstadt muss sich der Jeep Händler in den 80er-Jahren, wie der Volksmund sagt, dumm und dämlich verdient haben. Er konnte den Cherokee nach Lust und Laune zuteilen, Rabatte gab es gelegentlich als Gefälligkeit – oder wenn man jemanden kannte, der wiederum jemanden kannte.
Ich muss gestehen, dass ich den Cherokee gut fand und ich meinte jemanden zu kennen, der mir einen guten Preis garantieren könnte. Mit meiner Annahme hatte ich mich geirrt. Vielleicht war es auch wenig geschickt die Ex-Freundin des Händlers zu kennen, welche sich von ihm nicht in größter Harmonie getrennt hatte. Doch hinterher ist man immer schlauer.
Die Probefahrt jedenfalls verlief gut, auch wenn es nicht zum Kauf kam. Ich mochte den Wagen, der ein schickes Editionsmodell war und das ganze Konzept. Nach heutigen Maßstäben war solch ein Jeep Cherokee eine schlanke, durchtrainierte Erscheinung. Rund 4,20 Meter lang, ungefähr 1,80 Meter breit. Wo findet man heute noch vergleichbares – mit einem 4 Liter Reihensechszylinder unter der Haube?
Der wunderbar laufenden Reihensechser produzierte ein feines Klangbild, fern der Prolligkeit, die manche US-Autos ausstrahlen. Überhaupt war die Einrichtung geschmackvoll umgesetzt, mit Raff-Leder, Foto-Holz (und viel Kunststoff). Ein Range Rover dieser Jahre war nicht viel besser gemacht.
Für seine Zeit fuhr der Cherokee unerhört sportlich, obwohl er ein echter Geländewagen war. Mit dem zuschaltbaren Allradantrieb kam er vermutlich selbst dahin, wo seine Besitzer sich nie hingetraut hätten. Ein echter Jeep eben, der für die heutigen SUV wahrscheinlich nur Verachtung übrig gehabt hätte.

Ein Range Rover = zwei Jeep Cherokee
Neben seinem starken Image als US-Gelände-Urgestein hatte der Jeep Cherokee natürlich zwei weitere Trümpfe in der Hand. Die Ausstattung des meistverkauften Ltd. Modells, das die Spitze des Angebots bildete, war komplett. Die Aufpreisliste hielt in der Regel nur eine oder zwei Positionen bereit, im Gegensatz zu den Preislisten des Range Rover Partners.
Und dann war da noch der Preis. Der war gnadenlos. Im Jahr 1988 konnte man einen Jeep Cherokee 4 × 4 Ltd. für 52.490,00 DM kaufen. Der Range Rover Vogue SEi, der mit seinem 3,9 Liter V8 und 173 PS nur 3 PS mehr als der Jeep leistete, war hingegen für 92.850,00 DM zu bekommen. Das Ausstattungsniveau war ähnlich, der Range Rover hatte 2 Zylinder mehr und die bessere Allrad-Technik, aber für die Preisdifferenz konnte man sich bei seinem Jeep Autohaus einen zweiten Cherokee Diesel einpacken lassen.
Die Briten finden ein Mittel gegen den Cherokee
Der Cherokee marschierte so weiter bis in das Jahr 1996 und schwamm, clever mit Sondermodellen jung gehalten, auf der sich entwickelnden Welle der Geländewagen mit. Und die Range Rover Händler mussten ab 1989 immer seltener beim Therapeuten vorstellig werden, mit dem Land Rover Discovery (Link) lancierten die Briten ein Billigmodell gegen den Cherokee.
Der Discovery 1 wurde ein unerwartet starker Erfolg, er brachte die Rover Group in völlig neue Geländewagen Dimensionen, konnte aber nichts an der Malaise des Herstellers an sich ändern. Aber das ist schon wieder eine völlig andere Geschichte.
Familienepisode beider geländetauglicher Modelle und gelegentlich japanischer Geländewagen:
seitens meiner Familie (Uronkel, Onkel und Vetter), war für die Fahrt auf der bewirtschafteten Alp nur mit Geländefahrzeuge zugänglich, da es sich um ein schlecht gehaltener extrem unebener Geländeweg z.T. auch mit Geröll und Felsteilen handelte. Die einizigen Fahrzeuge mit Anhängerbetrieb die dort hoch kamen während den 50er bis 70er Jahre waren, waren Jeep Willys und CJ sowie Land Rover 88; später während den 80er wurden es Jeep Wrangler und Land-Rover 90. Meine drei Vetter hingenen begannen aus Kostengründen während den 80er Jahren anfänglich mit Gebrauchten Geländefahrzeuge von Toyota Land-Cruiser, Mitsubishi Pajero und Nissan Patrol, aber waren irgendwie nie davon mehr als überzeugt und sind jeweil in den Stapfen ihrer Väter zurückgekehrt. Somit wurden mitte der 80er u.a. auch Jeep Cherokee 4.0 und sowie ein gebauchter Range Rover aktuell, der im Herbst 89 durch einen Vorführ Land Rover Discovery eingetauscht wurde. Logischerweise war ich beim aushelfen auf der Alp, mit all diesen Fahrzeugen in Kontakt, und gestehe, dass mich dieser Cherokee am meisten gereitzt hatte, mehr als seine Nachfolger und logischerweise einwenig bequemer und reicher ausgestattet als ein damaliger Land Rover 90. Aber der Land Rover ist ganz klar das Arbeitstier im Gelände! Einzig was mir damals zu denken gab, war dessen Einsatz mit Geländereifen im Winter, der vorallem im Steilhang bergabwärts trotz 4×4 zu wünschen übrig liess; hatte es auf eigenem Laib erlebt. Mitte/Ende 80er gab es die ersten wintertaugliche Reifen für die 4×4 Fahrzeuge, wo bis anhin lediglich grobe Geländeprofile bekannt waren. Für den Cherokee war es der 215/75R15 XM+S1 und den Land Rover den 205R16 XMS244. Da ich im Autogewerbe nahe der Quelle arbeitete, hatten wir die Fahrzeuge entsprechend ausgestattet und es war in der Tat eine erhebeliche Bremsverbesserung unter winterlichen Bedingungen spürbar.
Dabei mag ich mich erinnern, dass beide Modelle, sei der Cherokee sowie der Range Rover für Ihren extremen Geländeweg-Einsatz den sie damit ausübten, als zu luxeriös und leicht weniger geländetauglich beschrieben wurde. Ich konnte dies weniger gut beurteilen, da ich aus Angst und vor Respekt, damit nie bis am Limit bewegt hatte; ausser die damalig eher neue Erfahrung des lamellisierten Winterreifens.
Gehe auch davon aus, dass meine Vetter diese Jeep und Land Rover Gene in ihrer DNA haben, wie wir es von Saab kennen, denn auch ihre Kinder sind damit infisziert und schwören auf diese Produkte; vermutlich vorallem Geländeeinsatzbedingt, denn für längere Reisen sind beide Fahrzeuge bedeutend unbequemer und auf die Länge um einiges ermüdender, gegenüber damalige Saab-Modelle des 900 und vorallem des 9000ers.
Ist der letzte Satz ein Teaser?
Dann bin ich schon in Vorfreude. Die Geschichten sind hier immer gut erzählt.
Ich erinnere die Anzeige eines Rover Händlers, der den Discovery 1 über Monate für aberwitzig wenig Geld bot. Der hatte laut Werbung (jeden Sonntag im Tagesspiegel) 30 Neuwagen stehen.
Der Vater meiner ersten Freundin hatte für kurze Zeit einen nagelneuen Range Rover, den er schimpfend fuhr und bald gegen einen neuen Mercedes G 500 eingetauscht hat. Mit dem war er glücklich.
Und dann hatte Rover ja auch noch zunehmend japanische Konkurrenz. Da gab es meines Wissens ebenfalls gute 6-Zylinder mit ordentlich Hubraum. Ich glaube gerne, dass Rover Händler in D während der 1980er schlecht geträumt haben.
4,20 Meter und Reihensechszylinder. Mensch, was waren das noch Zeiten.
Der alte Cherokee ist heute Kult. Versucht mal einen zu bekommen. Mega schwer!
Im Bekanntenkreis soll einer aus langjähriger Hand abgegeben werden. Dunkelblau mit teilweise goldenen Akzenten (originales Sondermodell), helle Innenausstattung, … – das Auto braucht nach den Jahren Alltagseinsatz mehr Liebe und Zuwendung, hat aber weiterhin seinen originalen Charakter.
Tom darf gerne vermitteln per e-Mail, wenn wer Interesse haben sollte.