Datsun 180B, ein Klassiker aus der Welt der Bluebird Familie

In Europa hat sich längst eine Szene für japanische Klassiker etabliert, die sich dynamisch entwickelt. Alte Datsun, Mazda und Toyota sind gefragt, verwunderlich ist das nicht. Speziell die Modelle der 70er und frühen 80er-Jahren machen durch ein amerikanisch inspiriertes Design auf sich aufmerksam.

Das wirkt heute wie damals exotisch und ein Beispiel dieser Mode ist die Bluebird Familie von Datsun/Nissan. Datsun selbst ist eine traditionsreiche Automarke aus Nippon. Sie wurde 1931 gegründet, ihre Wurzeln reichen aber bis in das Jahr 1914 zurück. Drei Jahre nach ihrer Gründung wurde sie von Nissan übernommen und weitergeführt.

Datsun 180B (1977)
Datsun 180B (1977) – Straßenkreuzer im Kleinformat

Datsun startete 1973 in Deutschland

In Europa startete Nissan unter dem Datsun Label, firmierte ab der Mitte der 1970er-Jahre schrittweise um, ab 1984 verschwand der Datsun Name dann von den europäischen Automärkten.

Wer an Datsun/Nissan denkt, der kommt am Namen Bluebird nicht vorbei. Das Erste außerhalb Japans verkaufte Auto war ein Mitglied der Bluebird Familie, in Deutschland war der Nissan Bluebird in den 90er-Jahren lange eine Größe in der Mittelklasse. Angefangen hatte es mit der Bluebird Familie schon früher, mit den Datsun 160 und 180. Unter dieser Bezeichnung startet die Datsun Mittelklasse in Deutschland ab 1973, in den USA trugen die Modelle zusätzlich den Namen des blauen Vogels.

Wie verkaufen wir den Deutschen Autos? Datsun Werbung 1977.
Wie verkaufen wir den Deutschen Autos? Datsun Werbung 1977.

Viel Ausstattung und Zuverlässigkeit

Das Erfolgsgeheimnis der Japaner? Es gab für kleine Preise besonders viel Ausstattung ab Werk, Aufpreise waren nur selten und wenn, dann beschränkte sich die Liste auf einige wenige Positionen. Von den in den USA angebotenen Fahrzeugen unterschieden sich die europäischen Modelle am Anfang nur im Detail. Das Design war eindeutig amerikanisch geprägt, das Fahrgefühl war es ebenso. Datsun baute Straßenkreuzer im Kleinformat.

Die Fahrwerke waren nicht den Geschwindigkeiten deutscher Autobahnen angepasst, ohne jedoch primitiv zu sein. Der Datsun 180 (PL810) verfügte schon über eine hintere Einzelradaufhängung während die Marktbegleiter (nicht nur) im preissensiblen Segment auf die günstige Starrachse setzten. So schaukelte der 180 komfortabel und lässig und ohne sich dem Verdacht auf sportliche Ambitionen auszusetzen durch die Welt.

Der große Trumpf war jedoch die Zuverlässigkeit. Die japanische Philosophie bei jedem der schnell kommenden Modellwechsel zwar viel am Design, jedoch wenig an der Technik zu ändern, zahlte sich aus. Was optisch als neu wahrgenommen wurde, das war technisch gesehen nur die behutsame Verbesserung des Vorgängermodells.

Die Datsun 180 (Bluebird) Familie
Die Datsun 180 (Bluebird) Familie

Datsun 180B – Coupe, Kombi und Limousine

Im Jahr 1977 warb Datsun Deutschland für die 180B Modellfamilie, die als Datsun/Nissan Bluebird viel bekannter ist. Es gab eine sehr amerikanisch wirkende Limousine, einen Kombi und ein Coupe und damit die drei klassischen Karosserie-Versionen schlechthin.

Der nächste Modellwechsel kam schnell, nicht einmal 3 Jahre später war es so weit. Der japanische Takt brachte die gemächlichen deutschen Anbieter zum Verzweifeln, die folgende Generation sah viel europäischer, moderner, jedoch auch weniger markant aus. Die Lernkurve von Datsun und anderen Marken aus dem Land der aufgehenden Sonne war beeindruckend steil und die Deutschen benötigten einige Zeit bis sie wirksam konterten.

Die frühen Datsun Modelle sind in Deutschland nahezu ausgestorben. Zum Verhängnis wurde ihnen die Zuverlässigkeit, die beim zweiten oder dritten Besitzer zu Vernachlässigung führte. Den mangelnden Korrosionsschutz hatten die Datsun mit anderen Fahrzeugen dieser Epoche gemeinsam, das damals noch fehlende Image und die Wucht der schnellen Modellwechsel tat ein restliches.

Eine 180B Limousine, ein Coupe oder ein Kombi sind daher heute auf jedem Klassiker-Treffen eine japanische Sensation. Bluebird Limousinen aus den 90er-Jahren findet man noch vereinzelt, aber sie sind sachliche, emotionslose Fahrzeuge im Vergleich zu der chromlastigen Pracht der Anfangsjahre.

8 thoughts on “Datsun 180B, ein Klassiker aus der Welt der Bluebird Familie

  • Actualmente soy el orgulloso propietario de un Datsun 180B 1978 Bluebird, aún con sus años es un bolido en la carretera, muchos se admiran por sus características inusuales y detalles llamativos similares a los clásicos norte americanos en síntesis una obra de arte mecánica.

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  • OMG, Datsun …

    Da werden Erinnerungen geweckt. Eltern von einem Mitschüler (Grundschule) waren schon fast fantastische Überzeugungstäter. Und zwar so sehr, dass ihr kleiner Sohn missionarisch tätig wurde. Er hat mir Prospekte und mich tatsächlich dazu gebracht, sie meinem Vater vorzulegen und von Datsun überzeugen zu wollen. Ich war missioniert. Mein Vater blieb desinteressiert schwedisch motorisiert.

    Witzig finde ich, wie Werbung damals funktioniert hat. Heute nennt man solche Überzeugungstäter Multiplikatoren. Die haben keinen Pfennig für ihr Engagement gesehen. Nein, der ganze missionarische Eifer diente einzig der Selbstvergewisserung. Japaner waren noch relativ exotisch und wer sich wagte, (s)einen ersten zu kaufen, wurde geradezu bedürftig …

    Ob die eigene Entscheidung gut und richtig war, hing auch davon ab, ob andere folgen und sich ein großes Vertriebs- und Servicenetz aufbauen, sich die Ersatzteilversorgung für das eigene Auto sichern lässt. Und natürlich ist es immer schmeichelhaft für das eigene Ego, einen Trend zu setzen, statt einem hinterherlaufen.

    Der missionarische Eifer der frühen Käufer japanischer Importe ist heute legendär und ich kann ihn (zeit-) bezeugen.

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    • Erwähnte ich bereits, dass mein zweites Auto ein Datsun war?

      Mittlerweile habe ich auch eine historische Werbung dafür aufgespürt. Die Datsun Erzählung geht weiter 😉

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      • Unglaublich. Nein, ich hatte keine Ahnung. Gibt es eine Marke, mit der Du keine persönliche Erfahrung hast?

        Aber wie dem auch sei, je mehr Erfahrung Du hast, desto mehr ist es wert, dass Du Dich für einen Saabblog entschieden hast. Hätte ja auch anders kommen können 😉

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        • Was soll ich sagen? Aufgewachsen mit einem autoaffinen Großvater, Freunde und Verwandte in der Autoindustrie. Mehr als 2 Jahrzehnte als Externer für fast alle großen deutschen Marken bis in die Vorstandsebene hinauf gearbeitet, das prägt. Aber ja, es gibt Marken, die mich nie interessiert haben.

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          • I’ve been working on one for 3 years now. SW 1977 810

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  • Datsun gab es auch in meiner Familie. Keine Ahnung welches Modell das gewesen war, aber auch meine Eltern schwärmten noch Jahre von ihm.

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  • Ich war ja noch zu klein dafür, aber mein Vater hat immer wieder von seinem “ersten Japaner” geschwärmt. Es war ein Datsun 100A. So toll und so zuverlässig und so viel Ausstattung…
    Ja, Datsun war wohl damals exotisch und doch begehrt.

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