Automobile Kultur aus der Scheune – Citroën 2CV Kastenente

In Schweden findet man automobile Preziosen allgemein parkend in Garagen und Nebengebäuden landestypischer  Ferienhäusern. In Frankreich verbirgt sich automobile Fahrkultur gerne in älteren Scheunen. Wie zum Beispiel eine ganz frühe 2CV Kastenente. Sie wurde weggestellt und vergessen – für 3 Jahrzehnte. Dabei hatte sie erst 4.000 Kilometer auf dem Tacho stehen. Nun wartet sie auf ein zweites Leben und auf jemanden, der sie mit viel Liebe restauriert.

Citroën 2CV AZU - 1955
Citroën 2CV AZU – 1955

Zugegeben, ich bin ein 2CV Fan. Ein Citroën 2CV war viele Jahre in meiner Familie, manchmal nutzte ich die Chance und lieh mir die „Ente“ aus. 2CV fahren ist etwas Besonderes. Es ist Fortbewegung für alle Sinne, mit konsequentem Verzicht auf alles, was nicht unbedingt erforderlich ist. Neuwagen Fahrer werden das nicht nachvollziehen können, jüngere Lesende vermutlich auch nicht.

Sie sollten diese Erlebnislücke dringend schließen. Wer niemals 2CV fuhr, der hat etwas versäumt.

Nicht ohne Grund hat die Ente einen Kultstatus. Und begehrt ist sie auch noch. Zuletzt wurden für fabrikneue 2CV mehr als unglaubliche 100.000 € bezahlt.

2CV Kastenente 30 Jahre in der Scheune

Davon weit entfernt ist die Kastenente, die jetzt in einer französischen Scheune abgestellt gefunden wurde. Dort stand der erste kleine Frontantriebs-Van der Marke mit dem Doppelwinkel für 30 Jahre fast vergessen. Nur 4.000 Kilometer zeigt der Tacho, die Original Dokumente von 1954 sind auch noch vorhanden. Damit ist dieser 2CV ein frühes Exemplar des Kastenwagens.

Der Aufbau der Kastenente soll im guten Zustand sein
Der Aufbau der Kastenente soll im guten Zustand sein

Citroën lieferte die Kastenente ab 1951 aus. 12 PS aus einem 425 Kubik Motor, nur 3,60 Meter kurz und 530 Kilogramm Leichtgewicht, das klingt wie aus einer fernen Galaxie. Aber, die Kastenente schrieb wie die 2CV Limousine Geschichte. Der 2CV motorisierte Frankreich, war das Auto für das Land, die Bauernhöfe und die Handwerker. Ein starker Teil automobiler Kultur, aus der französischen Geschichte kaum wegzudenken, und bis heute präsent.

Der 2CV steht für den unglaublichen Spagat, den wahrscheinlich nur Citroën konnte. Er war ein bezahlbares Transportmittel für die Massen, mit der DS bot die Marke parallel einen hochpreisigen Technologieträger für das gehobene Bürgertum an.

Beides wurde zum Erfolg.

Marketingstrategen würden heute ihren Job verlieren, würden sie es nur wagen, ähnliches anzudenken.

1955 ist ein frühes Baujahr - die Kastenente wurde 1951 erstmals geliefert
1955 ist ein frühes Baujahr – die Kastenente wurde 1951 erstmals geliefert

2CV fast aus erster Hand

Zurück in die Scheune. Der Besitzer stellte aus unerklärlichen Gründen den 2CV dort ab. Als er verstarb, übernahm der Sohn, der Scheune und Inhalt verkaufte. Der aktuelle Besitzer überlegte, die Kastenente zu restaurieren, entschloss sich aber doch letztendlich zum Verkauf.

Damit ist der kleine Van zumindest fast ein Ersthand Exemplar.

Leider hatte die Scheune, die eben kein schwedisches Ferienhaus ist, ein kein dichtes Dach. Wasser tropfte bei Niederschlägen mindestens für 3 Jahrzehnte auf den vorderen Teil des 2CV. Die Motorhaube und Unterbau zeigen jetzt Rost, der saniert werden muss. Der hintere Teil mit dem Kasten soll allerdings in einem guten Zustand sein.

6.900 € könnte der 2CV AZU, so der korrekte Name der gallischen Ente, kosten. Das Inserat zeigt nur spärliche Bilder, weitere Fotos, die halbwegs einen Eindruck vermitteln, findet man bei largus.fr.

Vor einigen Jahren wurden Kastenenten für viel weniger gehandelt, sie waren für kleines Geld zu bekommen. Das scheint vorbei zu sein. Auch die gewerbliche Version der Ente zieht im Preis an. Mit dem 2CV AZU, der in Versailles steht, bekommt der Käufer außerdem die historischen Dokumente und eine nachvollziehbare Geschichte.

Womit der Preis für so viel automobile Kultur gerechtfertigt wäre. Denn günstiger wird es in der 2CV Familie nicht mehr werden.

Mit Bildern von Philippe B.

5 thoughts on “Automobile Kultur aus der Scheune – Citroën 2CV Kastenente

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    Sehr authentisch! Reparieren, konservieren und optisch nicht auf Neuwagen trimmen. Und dann fahren, fahren, fahren…

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      Genau so 😉

      Überrestaurierte trailer queens sind Ausdruck von Luxus, Wohlstand und Überfluss.
      Oldtimer mit Patina, die auch im Alltag bewegt werden, sind 2nd life economy, sind Reparatur und Recycling statt Ressourcen und Überproduktion, sind nachhaltig und machen einfach nur Spaß – fast täglich …

      Man darf nicht vergessen, das waren alles mal daily driver. Das können die noch heute. Mir ist die Technik wichtiger als die Optik. Bei Fahrwerk, Bremsen, Motor und Getriebe bin ich echt penibel. Lack, Blech und Interieur eines 50, 60 oder 70 Jahre alten Kfz dürfen aber gerne so aussehen, als wäre es 10 bis 20 Jahre intensiv genutzt worden. Dann ist auch die Optik noch immer 30 bis 60 Jahre jünger, als das Bj. vermuten lieẞe. Das muss und sollte reichen – auch und gerade unter dem Aspekt eines H-Gutachtens und Kennzeichens.

      Wenn Kfz nach 30 Jahren historisch sind, ist es nur folgerichtig, dass 40, 50, 60 oder gar 70 Jahre alte Kfz dementsprechend mehr Gebrauchsspuren aufweisen dürfen, ohne dass dies ihren historischen Wert negativ beeinflusst. So mancher Pkw ist nach 10 bis 20 Jahren intensiver Nutzung ziemlich abgerockt. Optisch und technisch. Da ist jeder Oldtimer von 40+, der technisch in Ordnung ist, und „nur“ nach 10 Jahren + intensiver Nutzung aussieht, trotz oder auch gerade wegen seiner Patina aus historischer Sicht eine Bereicherung. Besser der, als einer weniger, oder?

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    Citroen 2 CV, meine erste grosse Autoliebe! Über 11 Jahre für ich 2CV, zuerst den 2CV 4 und dann den Big Block 2CV 6 mit 602ccm! Mit dem fuhr ich ans Nordkap, nach Portugal und im 1976 nach Ungarn/Rumänien. Mann waren das noch Reisen! Zwei Personen plus Camping Ausrüstung und los ging es. Ohne Navy, ohne Handy, keine Kreditkarte, dafür viele Fremdwährungen im Geldbeutel. Müssig zu sagen, dass der Döschwo all die Reisen klaglos mitgemacht hat. Einfach herrlich.
    Selbst in meinen zwei Jahren Ghana fuhr ich einen 2CV. Grosse Räder, gute Federung und luftgekühlt, genau das richtige für die Afrikanischen Pisten.

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      Die alten Kisten & die Pisten

      Einfach grandios, wie selbstverständlich viele ältere Konstruktionen Schlaglöcher, Waschbretter und Bodenwellen genommen haben …

      Die Federwege und die Bodenfreiheit einer 2CV stellen 99% aktueller SUVs in den Schatten und ein R4 steht ihr auf der Piste nicht nach. Auch alte Schweden fühlen sich da wohl. Auf der DuRöhre habe ich mal ein altes Commercial in s/w für die Volvo Amazone und den US-Markt gesehen. Es ist ausschließlich auf Pisten gedreht. Heute undenkbar …

      Automobile Freiheit findet in der Werbung heute in Großstädten, auf Landstraßen und Autobahnen statt. Die Straßen sind immer tief schwarz mit schneeweißen Akzenten, sind frisch geteert und die Fahrbahnmarkierungen sind erst vor einer Stunde frisch aufgetragen worden. Auf wundersame Weise sind diese Straßen immer leer, sind ein roter Teppich, der mit unglaublichem Aufwand eigens und exklusiv für die Käufer des jeweils beworbenen Modells der jeweiligen Marke ausgerollt wurde. Die Realität heute ist aber der Stau oder zumindest zäh fließender Verkehr …

      Aber ich schweife ab. Im Commercial zählt der Sprecher etliche Vorzüge der Amazone auf. Etwa Miles per Gallon. Er labert und labert, warum man seine Amazone lieben würde, während diese in einer halsbrecherischen Fahrt über Pisten und sogar querfeldein zu sehen ist. Und dann sagt er abschließlich, dass man seine Amazone vielleicht am meisten dafür lieben würde, dass man sie fahren könne, als würde man sie hassen!
      Was für ein Statement …

      Wir hatten mal Autos, die (fast) ohne Straßen ausgekommen sind. Heute haben wir Autos, die überall leere und aalglatte Straßen sowie eine perfekte Internetverbindung finden und wer es glaubt, wird selig …

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    Ein schönes Beispiel für Autokultur. Hoffentlich findet sich jemand, der dem 2CV ein neues Leben schenkt.

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