Das Ende einer Ära in der Stallbacka und der Verkauf von NEVS

Während bei Evergrande Auto ein Aufgeben nicht zur Debatte zu stehen scheint, werden die Verkaufsgespräche für NEVS weiter geführt. Gleichzeitig endet in Schweden eine Ära. Das Unternehmen räumt in der Stallbacka auf und verabschiedet sich von dem Inventar, das für die Zukunft nicht mehr benötigt wird. Und auf den Prüfständen des Entwicklungszentrum testet Sono Motors den Sion.

Produktion in der Stallbacka, wie wir sie nie mehr sehen werden
Produktion in der Stallbacka, wie wir sie nie mehr sehen werden

Verkauf von NEVS

Die Angelegenheit ist delikat. NEVS setzt Hoffnungen auf das Überleben von Evergrande Auto (HK 0708), zeitgleich  bereitet man die mögliche Trennung vor. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet weiterhin laufende Gespräche mit zukünftigen Investoren oder neuen Eigentümern.

Die mögliche Bewertung von NEVS, umgerechnet 862 Millionen €, wirft Fragen auf. Drehen sich die Verhandlungen nur um die Liegenschaften in der Stallbacka und die Geschäftstätigkeit in Schweden, dann scheint sie hoch gegriffen. Rechnet man die Beteiligung an Koenigsegg hinzu, sähe die Zahl realistisch aus. Würde man das Werk in Tianjin addieren, zuzüglich der existierenden Produktionslizenz, dann wäre sie zu niedrig.

Zumal es wenig realistisch erscheint, dass Evergrande auf Tianjin verzichten würde. Nur in diesem Werk ist eine Produktion möglich, es ist unverzichtbar für den Start der Produktion. Es stellt sich die Frage, was konkret verkauft werden soll?

Ende einer Ära

NEVS räumt auf und verkauft Teile der Fertigungsanlagen, meist Industrieroboter von ABB und Fanuc. Die ältesten Roboter, die über ein Auktionshaus angeboten werden, kamen 1996 und 97 mit dem Start des Saab 9-5 OG in die Stallbacka.

Mit der großen Entlassungswelle, die im Jahr 2000 begann, kamen weitere Roboter dazu, auch sie wurden demontiert. So wie Teile der Produktionsstraße, auf der NEVS 2014 noch die letzten Saab 9-3 baute. Das unwiderrufliche Ende einer Ära, die bei Saab spät und verhalten begann. Die Automation zog erst mit dem 9000, und der Unterstützung durch den Fiat Konzern in das Werk ein. Die Italiener galten damals als weltweit federführend, was die Effizienz der Produktion betraf.

In Schweden nahm man die Hilfe nur zu gerne an. Denn zuvor wurde der 900 OG verlustbringend mit zu viel Personaleinsatz hergestellt. Ein Umstand, der fast zum Aus der Marke geführt hätte.

Aktueller Zeitplan von Sono Motors (via Twitter)
Aktueller Zeitplan von Sono Motors (via Twitter)

Sono Motors testet in Trollhättan

NEVS schafft Platz für die Zukunft. Die alten Roboter werden nicht mehr gebraucht, wer immer im Werk produzieren möchte, der wird auf moderne Anlagen bestehen. 2023 soll das Solar-Elektroauto von Sono Motors von der früheren Saab Fabrik aus in die Welt rollen. Mit drei Jahren Verspätung dann, was vielleicht schon zu spät sein könnte, sieht man die Rasanz an, mit der sich der Markt verändert.


Ein Team von Sono Motors ist seit einigen Tagen in Trollhättan und testet auf den Prüfständen. In rund einem Jahr plant man die Fertigung zu beginnen, die Stadt am Göta Älv wäre zurück im Kreis der Autoproduzenten.

15 thoughts on “Das Ende einer Ära in der Stallbacka und der Verkauf von NEVS

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    Im Freundeskreis tauchen jetzt die erste Elektroautos auf. Die Freunde kaufen das, was lieferbar ist und zwar aus Korea und Frankreich. Ewige Lieferzeiten für einen billig Plastik ID zum VW Premium Preis nimmt keiner in Kauf. In der Nähe gibt es einen MG Agenten (Hallo Tom!). Der kann auch liefern, viel Elektroauto mit guter Ausstattung und guter Qualität. Sofort und günstig. Ein Arbeitskollege rechnet gerade, ich denke er wird bestellen.

    2022 kommen weitere Chinesen mit gut und preiswert und Tesla spuckt in Grünheide jährlich eine halbe Million Stromer aus.

    Glaubt da jemand an ein Konzept das 2023 vielleicht in Trollhättan gebaut werden wird, das man unter Umständen irgendwann bekommt, wenn die Liste der Vorbesteller abgearbeitet ist?

    Das sind Tagträume. Sono Motors hätte 2020 den großen Moment gehabt, auch 2021. In zwei Jahren ist das Elektroauto so was von Mainstream, da werden die keine Chance mehr haben.

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      Mainstream

      Schönes Stichwort. Ich denke, auch ab 2023 wäre Platz für eine Automarke abseits des Mainstreams, für EVs, die in Design und Technik einiges anders machen …
      Nur müsste man es eben auch wirklich machen wollen und können. Bei Sono Motors fehlt mir ein deutliches Signal, ein ernstzunehmender Automobilhersteller und an Stückzahlen gemessen werden zu wollen.
      Im Marketing visioniert Sono vor allem damit, wie viele Leute (bis zu 10) sich einen Sion lieber teilen als kaufen sollten.
      Dabei hätte eine Marke mit Modellen (Plural) abseits schwülstiger und mehrfarbiger EV am Markt durchaus seine Berechtigung. Warum neben dem Sion nicht wenigstens auf dem Papier etwas skizzieren und ins Schaufenster kommender Sonos stellen?
      Vielleicht gibt die Plattform ja was her?
      Es fehlt ein unmissverständliches Signal Sonos, dass sie wirklich Autos bauen (und verkaufen) wollen. Der Verlust an Vertrauen und Interesse ist hausgemacht und die Option des Sharings hat Sono so weit in den Vordergrund gestellt, dass sich bei keinem Käufer mehr Besitzerstolz einstellen kann. Falls der Sion käme, hätte er es nach 2023 und mit diesem Image schwer, sich Käufer außerhalb der existierenden Community zu erschließen. Schade.

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        Es gab vor einiger Zeit mal dieses Signal, dass es mehr als nur den Sion geben könnte. Wie konkret das ist, muss ich offen lassen. Ich bin da nicht nahe genug dran.

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        Generell haben sie Recht. Man kann ein neues Produkt plus Dienstleistung auf den Markt bringen, der entscheidet dann über die Akzeptanz. Bei Sono Motors ist alles sehr ideologisch gefärbt. Passend zu den Sprechblasen einer gewissen politischen Richtung, die bevormundend in Erscheinung tritt.

        Ich möchte meine Mobilitätsentscheidung aber selbstständig treffen, mich schreckt das ab, und mit mir eltliche aus meinem Bekanntenkreis mit denen ich das Thema diskuttiert habe.

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          Genau das meine ich. Mir geht’s da wie Ihnen und Ihrem Bekanntenkreis.
          Die Rubrik „Meilensteine“ auf der Homepage beginnt Sono so: „Wir wollen Sharing (…)“

          Da bin ich schon raus, obwohl mir der Sion konzeptionell gefällt – so wie mir damals ein A2 als Zweitwagen gefallen hat. Den wollte Audi aus anderen Gründen aber auch möglichst nicht verkaufen …

          Da haben der Sion und ein A2 etwas gemeinsam. Und ich verstehe weder Audi noch Sono. Wozu ein raumökonomisches und vernünftiges Fahrzeug erst entwickeln, wenn man davon – aus welchen Gründen auch immer – so wenige wie möglich verkaufen und so viele potentielle Käufer wie möglich abschrecken möchte?

          Audi hat damals einen Imageschaden durch den A2 gefürchtet. Zu vernünftig. Bei Sono ist es umgekehrt. Der Sion ist dem „Hersteller“ selbst nicht vernünftig genug, sodass er möglichst durch 10 Nutzer zu teilen sei. „Wir wollen Sharing (…)“.

          Ja, wie blöd ist das denn? Da hat man nichtmal ein einziges Modell am Markt, nicht ein einziges Auto ausgeliefert und die größte Sorge ist, dass zu viele Sion in individuelle Nutzung und 24/7 in individuellen Besitzt geraten könnten? Ernsthaft?

          Wenn das so ist, wozu überhaupt die Entwicklung des Sions? Car Sharing kann ein Dienstleister ohne eigenes EV anbieten. Da hätte es eine App getan.

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    Es bleibt wohl nur die Reste-Rampe in Trollhättan…, wie schon erwähnt Altmetalle, Schrott und veraltete Maschinen. Ein Trauerspiel, mal wieder.
    Sono Motors…, läuft die Zeit weg.
    Wenn ich mir den Tweet vom 14.1021 anschaue, sehe ich nix vom SONO, nur Stadtansichten. Soll evtl. Trollhättan sein, oder auch nicht. Dünn. Vom Fahrzeug sehe ich nix. 🙁
    Das wird in China deutl. anders gemacht!!! Siehe öffentl. „Probefahrten“ vom Evergrande SUV.

    Nun ja, bisher hatten eine Menge Menschen einen spannenden (gut bezahlten) Job.

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      Ist Trollhättan und die Zufahrt zum R&D Center. Aber Sono ist ganz sicher nicht Saab. Die getrauen sich nicht wild mit Prototypen oder Vorserie durch Schweden zu fahren. Die transportieren ihr Elektroauto im Anhänger.

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    Ich musste laut lachen bei der Bewertung von € 862 Millionen.

    Die Beteiligung von NEVS an Meneko ist seit einigen Wochen Geschichte und Koenigsegg hat die 65% zurückgekauft. Dieses Aktivum ist weg.

    Die Verbindungen zum NEVS-Werk in Tianjin sind ein Spiessrutenlaufen in einem juristischen Minenfeld, welches immer zu Gunsten von Evergrande ausgehen wird.

    SONO wird ein Nischenprodukt bleiben, ist zu spät und auch technisch überholt. Die Musik in der Elektroautowelt spielt China-Oper und nicht Schuhplattler.

    Was das Management von NEVS jetzt tut, ist das richtige. Der Verkauf von allem, was nicht mehr benötigt wird.

    Aus Erfahrung mit solchen Verkäufen in der Stahlindustrie, weiss ich, dass dies wenn es richtig gemacht wird, gutes Geld in die Kasse spielen kann.

    Alleine die Verkabelungen der Fabrik, welche heute technisch nicht mehr genügen, haben einen Schrott-Wert von Millionen.

    Auch die Gebäude genügen nicht mehr für eine moderne Fertigung. Dazu ist der Paint-Shop zu klein. Und dieser ist das Herzstück einer modernen Autofabrik.

    Die gesamte Anlage kann ohne Gefahr abgerissen und zu Stahl- und Betonschrott verarbeitet werden. Auch dies bringt, wenn es richtig angegangen wird, sehr viel Geld und hilft NEVS in ein reines Engineering-Unternehmen umzubauen.

    Im Interesse der vielen Mitarbeiter wünsche ich der Unternehmensleitung den Mut, den es braucht die finanziellen Verbindungen mit der Mutter zu kappen und die Firma neu auszurichten.

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      Bitte in der Bewertung den 20 % Anteil an der Koenigsegg AB hinzurechnen. 2019 für 150 Millionen € erworben. Heute wertvoller, da Koenigsegg gut im Geschäft ist. Der Paint-Shop ist schon länger Geschichte, das Werk war schon länger nicht mehr Produktions-bereit.

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        Koenigsegg Automotive AB als Gruppe macht einen Umsatz von zwischen € 20 – 30 Millionen.

        Christian von Koenigseggs, der grösste Einzelaktionär von Koenigsegg Automotive AB wird mit Update September 2021 mit einem Nettovermögen von US$ 125 Millionen im Register WealthyPersons geführt.

        Auch wenn Anteile an Supercar-Unternehmen für eher ausserirdisch hohe Beträge gehandelt werden, glaube ich nicht daran, dass in der heutigen Zeit für den NEVS-Anteil an Koenigsegg Automotive AB der Kaufpreis von 2019 wieder erlöst werden könnte.

        Bei der ganzen Sache geht etwas vergessen, dass das Geld, welches NEVS für die 20% bezahlte von Koenigsegg Automotive ins Joint-Venture Meneko investiert wurde.

        Wenn ich mir die finanziellen Verflechtungen Evergrande Group – Evergrande Automotive – NEVS – Koenigsegg anschaue, sehe ich das gebräuchliche ‚Geschiebe‘ von chinesischen Gruppen zwischen ihren verschiedenen Beteiligungen und der Mutter (Sponsorgesellschaft), die ich seit Jahren in der chinesischen Stahlwelt verfolge und analysiere.

        Im Falle einer Liquidation von NEVS wäre der Anteil an Koenigsegg für € 10 – 15 Millionen durch den Liquidator bewertet.

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          Der Umsatz der Koenigsegg Automotive AB lag 2020 bei rund 64.4 Millionen €. Dass Bewertungen im Fall einer Liquidation andere sind als bei einem Verkauf, versteht sich von selbst. Aber noch steht eine Liquidation nicht zur Debatte, nur der Verkauf. Selbst diese Aktivitäten sind mit Vorsicht zu bewerten, denn da muss im Gegenzug jemand verkaufen wollen. Bisher hört man Trennungsabsichten nur aus Schweden, in China gibt man vor davon nichts zu wissen.

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    2023 …

    fände ich der Aktualität des Modells halber gar nicht so schlimm. Zeit kostet aber Geld und verspielt Vertrauen. Das Fragezeichen, ob Sono und NEVS überhaupt so lange durchhalten und finanzierbar sind, wächst monatlich. Schade.

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    Ich habe mir gerade noch einmal den Bericht herausgesucht, den Tom nach seinem Besuch bei Sono Motors geschrieben hat. https://saabblog.net/2019/07/24/sono-motors-die-firma-wir-erfahren-nachhaltigkeit/
    Da war wirklich von 2020 die Rede, jetzt ist 2023 das Datum. Ich dachte damals eigentlich das wäre die Rettung für Trollhättan und Tom hätte einen Sion bestellt. Beides ist nicht eingetroffen. Ich finde das echt schade.

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    Danke!

    Wie immer der Blick auf die Randbereiche von Evergrande, in den anderen Medien spielt Evergande Auto und NEVS keine Rolle.

    Hoffen wir mal des es für Sono-Motors und Trollhättan gut aus geht!

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    NEVS schafft wohl Platz für den Sion. Allerdings ist 2023 reichlich spät, ich sehe schwindende Chancen. Die Möglichkeit als Pionier zu punkten hat man wohl in München verstreichen lassen. So schnell wie das Elektroauto in den Markt gepresst wird ist der Bonus des Frühstartes weg. Wie viele Menschen sich ab 2023 für ein mager ausgestattetes SEV eines unbekannten Herstellers entscheiden ist fraglich. Die Konkurrenz ist zu groß.

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