Ein letzter Tanz – Saab 9-3 Produktion bei Evergrande Auto

In Shanghai und Guangzhou hat Evergrande Auto mit der Testproduktion begonnen. In beiden Werken läuft die Saab 9-3 Limousine vom Band. Oder besser gesagt das, was mal ein Saab war. Denn das Saab Logo findet man nicht mehr an der Karosserie, und das Fahrzeug ist rein elektrisch. Was es bei Saab in Serie nie gab.

Saab 9-3 Produktion bei Evergrande Auto
Saab 9-3 Produktion bei Evergrande Auto

Industriestandard 4.0

Was Evergrande Auto mit einer Investition in Milliardenhöhe in Shanghai und Guangzhou hingestellt hat, ist beeindruckend. Zwei hochmoderne Fabriken nach Industriestandard 4.0, fast menschenleer. 2.545 Roboter können pro Minute ein Auto produzieren, nach höchsten Qualitätsmaßstäben, die stets gleichbleibend eingehalten werden.

Der Unterschied zum alten Werk in Trollhättan könnte nicht größer sein. Scheiben und Sitze werden vollautomatisch in die Karosserie eingefügt, Kollege Computer überprüft am Ende der Lackierstraße die Qualität und meldet den kleinsten Fehler. Die intelligente Spitzentechnologie lieferten Fanuc und Kuka. Deutsche Qualität, wie man bei Evergrande nicht ohne Stolz bemerkt.

Testbetrieb und Debugging werden einige Monate in Anspruch nehmen. Spätestens im zweiten Halbjahr 2021 sollen beide Werke fehlerfrei laufen, dann wird Evergrande Auto mit der Massenproduktion beginnen. Es wird aber nicht mehr der alte Saab 9-3 sein, der von den Bändern läuft. Seine Produktion ist in der Tat ein letzter Tanz, dann endet eine Geschichte die vor rund 20 Jahren in schwedischen Konstruktionsbüros begann.

Rekordverdächtige Produktionsdauer

Wenn man so möchte, dann ist der Saab 9-3 in allen seinen Varianten eines der Fahrzeuge mit einer rekordverdächtigen Produktionszeit. Vom September 2002 bis zum vermutlichen Ende im ersten Halbjahr 2021 wären es 19 Jahre. Kaum ein anderes neuzeitliches Modell hat so lange durchgehalten. Und kaum eines hat eine derart dramatische Geschichte.

Kaufen kann man die in China produzierten Fahrzeuge nicht. Ursprüngliche wurde kommuniziert, sie für interne Testzwecke und zur Nutzung innerhalb der Evergrande Gruppe einsetzen zu wollen. Auch Behörden und das Militär sollten Exemplare erhalten. Ob die Planung umgesetzt wird, ist im Moment nicht ersichtlich. Vielleicht kommt es dazu, eventuell landen die produzierten Exemplare der Testserie auch beim Verwerter.

Was nun wirklich ein unwürdiges Ende einer langen Laufbahn wäre.

4 thoughts on “Ein letzter Tanz – Saab 9-3 Produktion bei Evergrande Auto

  • Moin,

    unglaublich, was dieses Model durchmacht. Unbeliebt als neuer Saab in 2002 weil kein Schrägheck, Cabrio und Combi beliebt aber spätestens 2010 hätte ein neues Model her gemußt. Statt dessen SAAB übliche Extension in Ermangelung weiterer Möglichkeiten. Ich habe hier auf Nova Scotia dieser Tage einen silber goldenen TX mit 25.000 Meilen im Neuwagenzustand getroffen. Der Eigner, Engländer, ist voller Stolz und auch diese Variante mit Allrad gehört zu diesem SAAB Model, dass sich nun zum letzten SAAB Strohalm bis in die dritte Dekade dieses Jahrhunderts erstreckt. Wer hätte das gedacht. Und obwohl ich dieses Model für am wenigsten SAABig gehalten habe, Würde ich es heute mit Kusshand nehmen, bekäme ich hier einen ordentlichen Combi, gepflegt und mit wenig Laufleistung. Aber so wie es aussieht, werde ich wohl kaum fündig werden. Grüße nach D und vielen Dank für die tägliche SAAB Ration!

    Erik900

  • @Volvaab Driver Es sagt schon was aus. Der Probelauf ist eine Sache. Eine andere ist, dass Preise, Ausstattungslevels und Modellnamen mittlerweile feststehen. Kommt in den nächsten Tagen hier.

  • Sagt das was über den Entwicklungsstand eigener Modelle aus?

    Nix gegen den 9-3, aber so ein Probelauf mit einem Auto, das man gar nicht an den Markt bringen möchte, scheint mir sehr aufwendig.

    Mag sein, dass Roboterarme günstig rotieren und easy mit neuen Daten zu füttern sind, aber alle Teile des einen oder anderen Autos müssen ja trotzdem spezifisch produziert werden, damit die Roboter sie auch anfassen können.

    Ich lese den Probelauf daher als Umweg und Zeichnen einer Zwangslage. Man möchte und muss die Botschaft senden, dass man produktionsbereit ist. Ohne 9-3 kriegt man diese Botschaft nicht gesendet, weil man noch nicht so weit ist …

    Erinnert mich an NEVS. Die haben sich auch mit einer kleinen Charge Saabs 9-3 als Automobilhersteller generiert.

  • Mensch Tom, ordere doch mal eine Serie, die branden wir dann um als SAAB-Blog Edition 2021 😉

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