Optionen lösen sich auf – die Zukunft von Evergrande Auto bleibt offen

In China ist die Evergrande Gruppe ein großes Thema, das nur langsam nach Europa durchdringt. Die Zukunft der Gruppe bleibt offen, die Lage ist kompliziert. In der letzten Woche wurde die Bonität wiederholt herab gestuft. Verbindlichkeiten können nicht innerhalb der Fristen bedient werden. Bestehende Kredite werden neu verhandelt.

Lichttunnel Evergrande Werk Nansha
Lichttunnel Evergrande Werk Nansha

Die Evergrande Gruppe steht mit den Problemen aber nicht alleine. Der harte Kurswechsel in Peking betrifft so gut wie alle Immobilien Entwickler. Die Boom Phase, mit billigem Geld und einer großzügigen Kreditvergabe angeheizt, ist vorbei. Das chinesische Kapitalisten Casino zeigt dabei auch seine hässliche Seite. Käufer von Immobilien, deren Bau nicht begonnen wurde, verzweifeln. Soziale Medien zeigten am Freitag Lieferanten und Kunden in einem Evergrande Gebäude, die ihr Geld irgendwie retten möchten.

Neben menschlichen Dramen und wirtschaftlichen Verwerfungen, gibt es zwei Entwicklungen, die unser Interesse wecken sollten.

Xiaomi baut Elektroautos

Es ist eine Art von Dammbruch. Der Smartphone Hersteller Xiaomi steigt in das Geschäft mit der Mobilität ein und bekennt sich offen dazu. Ein Batterie-Elektroauto ist ein mobiles Endgerät mit in der Regel 4 Rädern, und es war nur eine Frage der Zeit, wann der erste Smartphone Hersteller einsteigen würde. Bei Apple spekulierte man seit Jahren, Xiaomi tut es ab 2024.

Dann wird die Welt das erste EV kaufen können, dass ein fahrendes Smartphone “Made by Xiaomi” ist. Die Frage, wer als nächster nachzieht, ist spannend. Vielleicht ist es Apple.

Für Evergrande Auto könnte die Entscheidung ein Rückschlag sein. Die Spekulation, dass Xiaomi als Großaktionär und Retter einsteigen könnte, ist fast vom Tisch. Nicht komplett, denn der Smartphone Hersteller braucht Werke und Know-how. Die Spekulation, ein nicht ausgelastetes Hyundai Werk kaufen zu wollen, wies man letzte Woche zurück. Vielleicht sichert sich Xiaomi eines der fast fertigen Evergrande Werke zum Discount Preis.

Und das ein oder andere weit entwickelte Elektroauto Projekt gleich mit dazu.

Überkapazität bei Elektroautos

Es ist eigentlich eine alte Geschichte. Seit gefühlten Ewigkeiten versucht die Administration in Peking die Überkapazitäten in der Autobranche zu beschneiden. Statt vieler kleiner Hersteller träumt man seit Jahren von einem nationalen Champion, der international die Autoindustrie dominiert. Bisher ohne Erfolg, der einzige chinesische Hersteller mit Weltgeltung kommt aus Schweden und trägt den Namen Volvo.

Aktuell setzten, durch großzügige Subventionen angelockt, mehrere chinesische Unternehmen zum Sprung nach Europa an. MG (SAIC) ist bereits in Schweden sehr erfolgreich, Great Wall will mit der Marke Wey und Ora noch in diesem Jahr in Deutschland starten und der NIO ES8 überrascht mit exzellenten Werten im Euro-NCAP Test.

Tatsächlich punkten chinesische Marken mittlerweile bei Preis, Leistung und Design. Rund 10 Jahre Vorsprung in Sachen E-Mobilität und Alltagstauglichkeit darf man addieren. Bei der Batterietechnik ist China sowieso ganz vorne. Great Wall liefert Cobalt-freie Batterien, NIO führt bei der Wechseltechnik ganzer Batteriepakete. Hat der europäische Verbraucher das erst registriert, wird es für heimische Hersteller eng.

Es schwinden die Argumente kein chinesisches EV zu kaufen.

Trotzdem hat China ein Problem mit Überkapazitäten und Fabriken, die nicht ausgelastet sind oder als Investitionsruinen in der Landschaft stehen. Peking möchte (wieder einmal) die Daumenschrauben anziehen, berichtet Bloomberg. Kapazitäten sollen in Zukunft effektiver genutzt werden, die Schließung von Werken könnte erzwungen werden. Die Genehmigung für neue Projekte werden schwerer zu erhalten sein.

Die Pläne sind noch nicht endgültig, könnten aber auch Evergrande Auto betreffen. Riesige Kapazitäten, die eigentlich kein Mensch braucht und eine große Modellpalette, die das Problem des Überangebots verschärfen würde. Ein Kandidat, um ein Exempel zu liefern. Die Möglichkeit dazu, sie steht im Raum.

6 thoughts on “Optionen lösen sich auf – die Zukunft von Evergrande Auto bleibt offen

  • blank

    Der Subventionswahn wird auch nach der Wahl andauern. Die Grünen wollen eine Aufstockung der Elektroauto Prämie. China freut sich 🙂 Die Welt retten wir mit immer mehr Autos und immer mehr Produktion sicher nicht. Entdecke den Fehler 😉

    Antwort
  • blank

    “Es schwinden die Argumente kein chinesisches EV zu kaufen.” ???

    OH DOCH (naja, zumindest für mich persönlich)!

    Und zwar: CHINA!!! 😉 ;-(
    (und noch mal mehr, wenn deren Autos dann sogar noch auf deren eigener “chinesischer” Software laufen werden … soll das nicht bald sogar schon bei Volvo/Polestar so sein?)

    Antwort
    • blank

      Ich spreche auch nicht für mich oder die Lesenden. Es geht um die breite Masse, die mit elektrischen Autos das Klima retten soll 😉

      Antwort
      • blank

        Gut gesagt …

        Artikel und Antwort sind für mich schlüssig. Und es bleibt spannend in China. Die KPCh scheint mir selbst hin und her gerissen zu sein …

        Einerseits teilt man die Phantasie nach (internationaler) Dominanz mit seinen nationalen Konzernen, andererseits nimmt man Dominanz schon auf nationaler Ebene als Bedrohung gegen sich selbst wahr. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Was China (die KPCh) wirklich will, sind Konzerne, die international dominieren, aber auf nationaler Ebene wenig zu sagen haben …

        Dabei gibt es nur ein Problem. Die Welt ist größer als China und nicht umgekehrt. Das sollte die KPCh erstens verstehen, zweitens verinnerlichen und drittens danach handeln – allen wirtschaftspolitischen Erkenntnissen voran gerne auf der Ebene von Menschenrechten.

        Antwort
        • blank

          Es scheint, man hat in Peking den Kommunismus neu entdeckt. Es läuft die Kampagne “Wohlstand für alle” und dafür nimmt die KP auch Kollateralschäden in Kauf. Der Immobiliensektor wird brutal zurechtgestutzt, Technologie Konzerne eingefangen und die KP greift wieder stärker direkt in das Leben der Menschen ein. Mir ist unklar, wie die Regulierungsbestrebungen mit der angestrebten internationalen Expansion verschiedener Industrien Hand in Hand gehen sollen.

          Vermutlich fehlt mir einfach nur die nötige Fantasie oder der staatsmännische Weitblick dazu.

          Antwort
          • blank

            Auch eine mögliche Interpretation.
            Mir persönlich scheint diese Kampagne eher ein Feigenblatt für Gegenmaßnahmen und Angst der KP.
            Angst vor bürgerlichen und auf wirtschaftlicher Stärke beruhender Phantasien, jemals anders als linientreu politisch partizipieren zu können und zu dürfen. Und diese Angst ist berechtigt.

            Russland und Europa liefern der KP viele Beispiele aus jüngeren Jahrzehnten und gleich mehreren Jahrhunderten, dass überkommenen und absolutistischen Machtstrukturen von Arbeitern, Bauern und Minderheiten kaum Gefahr droht.

            Diese kann man gegeneinander ausspielen oder unterdrücken. Kein Problem. Es sind die wirtschaftlich erfolgreichen Kräfte einer Gesellschaft, die man kaum noch auf Linie kriegt und denen historisch immer wieder Zugeständnisse gemacht wurden. So manche Demokratie hat hier ihren Ursprung. Die eine oder andere sogar ganz ohne Blutvergießen. Ein absolutes Schreckensszenario für die KP.

            Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.