Hengchi 1 in der Serienversion

Mit Hengchi 1 soll im zweiten Halbjahr 2021 die Massenproduktion von Evergrande Auto beginnen. Bisher gab es nur Bilder des Concept-Cars. Neue Bilder zeigen Hengchi 1, so wie er von den Bändern laufen wird. Das Design ist demnach nahe an dem ursprünglichen Entwurf geblieben.

Hengchi 1 wurde von Anders Warming gezeichnet
Hengchi 1 wurde von Anders Warming gezeichnet

Hengchi 1 zeichnete Anders Warming. Der frühere BMW und Mini Designer präsentierte auch einen interessanten Saab Entwurf. Die X_Ray Vision nahm voraus, wie ein Saab der Zukunft aussehen könnte. Würde es die Marke wieder geben. Konventioneller als der Saab rollt Hengchi 1 vor.

Wüsste man nicht um die Urheberschaft durch Warming, könnte man das Design auch für einen Entwurf eines beliebigen italienischen Designstudios halten. Das klingt vielleicht hart, entspricht aber der Realität. Denn das erste Produkt von Evergrande Auto sieht zwar ansprechend aus, trägt aber die gängige Mode, die alle Marken in Asien tragen. Würde man vielleicht Xpeng oder Nio auf den Bug kleben, wo wäre der Unterschied? Sogar Lucid Motors, den gehypten Tesla Rivalen, könnte man auf die Karosserie schreiben. Keiner würde sich wundern.

Generell könnte genau hier das Problem der aufstrebenden Elektroauto Hersteller aus dem Reich der Mitte liegen. Optisch sind ihre Produkte so unterscheidbar wie Smartphones, deren Markenzeichen man abgeklebt hat. Vielleicht nimmt man das in den Konzernzentralen billigend in Kauf, eventuell zählt demnächst sowieso nur noch die Flatrate und das Design ist reine Nebensache.

Auch wenn man keine Details entdecken kann, die irgendwie Hengchi spezifisch für einen neue Marke stehen könnten, so ist das Resultat gefällig. Ob das Heck oder die Front für die Schokoladenseite stehen, darf der Betrachter selbst festlegen. Die Limousine jedenfalls wäre, rein optisch, Weltmarkt-fähig.  Über die Technik und die Leistungsdaten schweigt man bisher.

Offen bleibt die Gestaltung des Innenraums. Evergrande Auto veröffentlicht auf dem Heimatmarkt Details in kleineren Portionen, was sicher eine intelligente Entscheidung ist. Ob Hengchi 1 dem Trend zu vielen und großen Displays folgen wird, oder hier überrascht, bleibt für den Moment offen.

Fest steht aber, es könnte etwas Schweden in Hengchi 1 stecken. NEVS sieht sich immer mehr als Entwicklungsstandort für Evergrande Auto und hofft in Zukunft eine größere Rolle spielen zu können.

9 thoughts on “Hengchi 1 in der Serienversion

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    @GP362

    Jemand, dessen ehemals beschauliches Lebensumfeld durch Teersandabbau, leckende Ölpipelines, oder Fracking ruiniert wurde, hat dazu eventuell eine andere Meinung.
    Oder, um einen noch älteren Energieträger zu betrachten, durch unterirdisch brennende Kohleflöze, von denen es auch unerwartet viele gibt.

    Die Erkenntnis ist, Industrie hat immer Auswirkungen, mehr Industrie hat mehr Auswirkungen und neue Industrie hat neue Auswirkungen. Aber das bekannte Industrie besser als neue Industrie ist, das sehe ich nicht.

    Sie haben natürlich recht, es geht meistens nur um das Geschäft. Allerdings auch bei Öl, Kohle, Lebensmitteln, Körperpflegeprodukten und was weiß ich nicht noch allem. An das, was seit Jahren, oder Jahrzehnten läuft haben wir uns halt gewöhnt, aber ich bezweifle, dass es früher grundsätzlich besser war.

    Früher waren es halt weniger Menschen, aber das kann man schlecht den neuen Industrien vorwerfen. Dafür dass wir mehr geworden sind, sind eher die klassischen verantwortlich.

    Dass es nur ums Geschäft geht ist aber ein Problem unseres Wirtschaftssystems und nicht der genutzten Technik. Solange darin Umweltauswirkungen nicht sinnvoll eingepreist sind, werden wir es immer schaffen, die Lebensumstände eines nicht unerheblichen Teils der Bewohner dieses Planeten, egal mit welcher Technik, zum Schlechteren zu wenden.

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    Eine Stunde 28 (@ StF),

    ich mache mir erst gar nicht die Mühe, mir diese Doku anzusehen. Der Gedanke zum Verzicht ist per se gültig. Das wissen wir schon sehr, sehr lange.

    Fahrzeuge von knapp drei Tonnen, die so ungefähr das gleiche leisten, wie ein älteres Auto mit dem halben Gewicht und Materialeinsatz, können nicht die Lösung sein.

    Man wird nicht automatisch in vorindustrielle Zeiten katapultiert, wenn man nach vernünftigen Lösungen sucht.

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    @StF
    Genau diese Aussagen werden doch am Ende von mehreren Leuten gemacht. Der Chinese sagt, das 5! weitere Planeten nicht reichen, um den Chinesen unseren Lebensstil zu ermöglichen.

    Kupfer ist nicht böse, aber endlich. Genau wie andere seltene Erden. Man sollte vielleicht überlegen, wo man solche Rohstoffe einsetzt. Bestimmt nicht in massenhaften Konsumgütern einer fragwürdigen e-Mobilität mit ihren Auswüchsen (e-Roller und anderer Unsinn). Ein Recycling dieser Rohstoffe findet bis heute nicht statt, wie am Beispiel Windgeneratoren beschrieben. Wobei sie dort noch vergleichsweise sinnvoll eingesetzt sind, Energiegewinnung, nicht -verbrauch.

    Hier wird ein e-Auto mit NULL-Emission steuerbefreit und auf der anderen Seite der Kugel werden Kohlekraftwerke dafür gebaut – geht’s noch! Ich kenne Tocopilla noch vor Errichtung dieses Kohlekraftwerkes, ein beschaulicher Ort mit Salpeterverladung auf große Schiffe, teilweise für den Eigenbedarf des Landes. Dafür sind vor 100 Jahren von deutschen Reedereien schnelle Großsegler (Peking, Passat,…) gebaut worden, aber das ist ein anderes Thema.

    Die Chinesen sitzen auf den meisten benötigten Rohstoffen und werden eines Tages diese Industrie ebenso kontrollieren wie die Solarenergie, die Werftindustrie, Elektronik – eigentlich ist der Zug für Europa schon abgefahren.

    Es geht wie immer nur um das Geschäft. Sorry, aber da ist mal wieder nichts nachhaltiges dabei, auch wenn es einen grünen Anstrich bekommen hat. Ein böser “schmutziger” Diesel ist effizienter.

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    Wobei die Reportage ‘Umweltsünder E-Auto’ halt selbst sehr tendenziös und deswegen ernüchternd und anstrengend ist.

    Wenn man deren Aussagen ‘Generatoren sind böse’, ‘Kupfer ist böse’ und ‘Kohlestrom zur Lithiumförderung ist böse’ nimmt und mit der angemahnten Konsequenz (unter anderem, jeder sollte verzichten) auswerten würde, dann wäre die Aussage dieser Reportage nämlich ‘Zurück in die vorindustrielle Zeit’!

    In meinen Augen hat man sich aber sehr bemüht, genau diese Aussage nicht zu machen, sondern stattdessen nur ‘Neue Energien sind böse’! Wenn das nicht einseitig tendenziös ist, dann weiß ich auch nicht.

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    Das Design ist alles andere als aufregend. Es ist übertragbar auf etliche andere und westliche Automarken, aber wie Franken Troll schon schreibt, kein SUV – zum Glück!
    Es gibt einfach keine Ikonen mehr (DS oder CX, E-Type, Alfa 159, einzelne Saab oder Volvos,…) Alles ist glattgelutschter Einheitsbrei mit fiesen LED Spielereien und zu großen Rädern.

    Das ist aber eigentlich egal. Die Industrie dahinter und die Lügen, die uns aufgetischt werden, sind das eigentliche Problem. Dazu gibt es in der ARTE-Mediathek eine ernüchternde und “anstrengende” Reportage:

    https://www.arte.tv/de/videos/084757-000-A/umweltsuender-e-auto/

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    Die Designfrage …

    der Stunde, ist doch längst nicht mehr, ob eine Studie, ein Prototyp oder Serienprodukt jeweils gefällig daherkommt oder gar positiv überrascht.

    Was heißt überhaupt gefällig, im Bezug auf ein Serienprodukt? Was ist eine positive Überraschung bei einer Studie?

    Selbst alle Tesla könnten auch einen Verbrenner unter der Haube haben. Kein einziger Anbieter von EVs hat sich bisher getraut, zusätzlich zum Antrieb neue Wege zu beschreiten. Auch der Hengchi 1 bleibt in Form und Funktion konventionell und vertraut. Eine Limousine, so what?

    Studien? Hier gelten schon langjährig eigene Gesetze. Und zwar so lange, dass man bei der jüngsten Studie von X oder Y streng genommen von einer traditionellen Studie reden könnte und vielleicht auch längst sollte …

    Mind. seit einem Vierteljahrhundert kommt die Mehrheit aller Studien auf grotesk großen Felgen und Rädern fast ohne Luft und Gummi daher. Ebenfalls haben sie mehrheitlich einen weißen oder zumindest sehr hellen Innenraum. Warum ist das so und warum ist es nicht längst Mainstream oder zumindest Serie?

    Weil es ganz einfach großer Mist ist und wir schon viel weiter sind. Der Pneu (ein luftgefüllter Reifen) hat sich nicht grundlos durchgesetzt. Wozu also Studien, die quasi wieder auf 200 Jahre alten Kutschrädern daherkommen?

    Und wer will einen weißen Innenraum, der sich in der Windschutzscheibe spiegelt und schnell unansehnlich wird?

    Richtig, das will kein Mensch und deshalb baut es auch niemand. Und genau deshalb sehen wir diese und andere, längst traditionelle Zutaten auch wieder in der jüngsten Studie. Zuletzt hier und gestern. Und wir sagen zuverlässig “Oh” und “Ah”, weil es ganz anders als die Serie ist …

    Was wir aber wirklich bräuchten, ist nicht die Studie Nr. dreitausendvierhundertsiebenundachtzig zur Limousine, sondern eine Handvoll frischer Ideen zum Auto der Zukunft.

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    Da ist ja einiges auch im X-Ray enthalten, oder umgedreht. Auch dieser Wagen wirkt nicht aus einem Schliff, das geht mir bei vielen so… und fand ich bei den meisten SAAB besonders: das war *ein* nachvollziehbar gestaltetes Stück Fahrzeug. Nicht “wir haben hier Front”, und “wir machen da Seite”, und “fürs Heck denken wir uns das aus”. Und so ist’s auch wieder ein Produkt, das ich mir nicht groß länger ansehen würde, und wo nichtmal die Umkehr “form follows function” (falls die Gestaltung da nicht an erster Stelle gestanden haben sollte.) funktioniert, wenn ich mir beispielsweise die Heckpartie mit mutmaßlich grauenhafter Sicht und Einschätzbarkeit nach hinten ansehe.

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    Ach, ich finde das ein wenig ungerecht, sieht ein Porsche Taycan denn grundlegend anders, spezifischer, unverwechselbarer aus?

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    Ist nett. Wobei Tom mal schrieb, nett sei die kleine Schwester von langweilig. Ich finde bei Hengchi 1 nichts aufregendes, alles schon mal so ähnlich irgendwo anders gesehen. Wobei Warming ja nur das liefert, was Evergrande bestellt. Am Designer liegt es also nicht.

    Immerhin, kein SUV zum Start. Schon das ist fast aussergewöhnlich.

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