Droge Subvention – der subventionierte Elektroauto Boom

Der Kauf von Elektroautos wird stark gefördert. Das ist gut für die Ballungsräume, aber auch gefährlich. Denn Subventionen sind ein zweischneidiges Ding. Sie sind gefährlich, und sie erzeugen Abhängigkeiten. Intelligent mit ihnen umzugehen wäre die Herausforderung für den Staat. Denn nur dann wird aus einem subventionierten Boom auch eine nachhaltige Wende.

Neu auf dem Markt und schon zu Dumpingpreisen
Neu auf dem Markt und schon zu Dumpingpreisen

Opel Mokka-e für 49,00 €

Natürlich reibt man sich verwundert die Augen, wenn man ein neues Elektroauto für 49 € im Monat fahren darf. Ein Netto-Angebot für gewerbliche Kunden. Ohne Anzahlung und inklusive Wartung. 24 Monate, je 10.000 Kilometer im Jahr. Das Geheimnis hinter dem fabelhaften Angebot ist die staatliche Prämie. 6.000 € aus dem Steuertopf sind die Anzahlung für den Opel Mokka-e. So fährt es sich sagenhaft günstig.

Das ist befremdlich. Der Mokka-e ist frisch auf dem Markt und wird schon in die Billigkiste geworfen. Kein gutes Zeichen, weder für den Hersteller noch für das Modell. Doch Opel steht mit dem Angebot nicht alleine. Es gab Hersteller, die noch günstiger waren.

Bei einem französischen Anbieter gab es unter dem Strich Geld zurück. Für Kurzzeit-Leasing mit 12 oder 18 Monaten – den üppigen Subventionen sei Dank. Natürlich ziehen solche Angebote. Der Hersteller bekommt sein Elektroauto vom Hof, der Kunde einen Neuwagen, den er fast zum Nulltarif nutzen kann. Ob die Umwelt auch profitiert, klammere ich bewusst aus.

Droge Subvention

Das alles erinnert an das Vorbild China. Seit fast einem Jahrzehnt fährt die Administration in Peking einen Zickzackkurs in Sachen Elektroauto-Subvention. Der lud zum Missbrauch ein und führte dazu, dass Start-ups E-Autos produzierten, sie zuließen und Subventionen abgriffen. In den Verkehr kamen diese Fahrzeuge, meist elektrische Kleinfahrzeuge, nie. Das waren die extremsten und dunkelsten Auswüchse der Subventionspolitik.

Netto 49,00 € im Monat für einen Mokka-e
Netto 49,00 € im Monat für einen Mokka-e

Der andere Auswuchs ist, dass fast wöchentlich eine neue Elektroauto-Marke ihr Debüt feiert. Im Vertrauen auf den ewig sprudelnden Subventionstopf, der den Markt schon irgendwie richten wird. Denn, und das ist die Gefahr, in den Jahren hat sich in China der Gewöhnungseffekt eingestellt.

Hersteller rechnen langfristig mit der Subvention, Kunden ebenfalls. Versucht Peking mal wieder die Förderung zu kürzen oder sie komplett einzustellen, bricht der Verkauf von Elektroautos brutal ein. Peking justiert dann stets zeitnah nach. Je nachdem auf regionaler oder nationaler Ebene. An einen kalten Entzug der Kunden und der Anbieter der Subventionsdroge hat man sich bisher nicht getraut.

Es besteht durchaus die Gefahr, dass es in Deutschland genauso wie in China laufen wird. Dass die elektrische Mobilität am staatlichen Tropf hängen bleiben wird, wie der Junkie an der Nadel. Und dass der Kunde sich ganz einfach weigert, mehr zu zahlen als einen geringen Betrag im Monat.

Weil er auf Droge ist und sich daran gewöhnt hat, dass ein Elektroauto billig und subventioniert ist.

Das ist nicht gut. Nicht für das Produkt, das entwertet wird. Und fair auch nicht. Nicht jeder kann einen Neuwagen leasen und in den Genuss der aus Geldern der Allgemeinheit finanzierten Subvention kommen. Das Problem hinter dem Problem ist aber das gebrauchte Elektroauto. Wie wird man in 18 oder 24 Monaten die 49,00 € Rückläufer vermarkten? Was ist ein Gebrauchtwagen wert, der als Neuwagen superbillig auf den Markt gedrückt wurde?

Und, die entscheidende Frage, was wird ein Kunde bereit sein,  dafür zu zahlen? Der für den Erwerb der Zweitvermarktung keine staatliche Prämie kassieren wird. Die Finanzierung eines gebrauchten Mokka-e wird kaum für 49,00 € im Monat ohne Anzahlung zu haben sein.

Eine spannende Frage!

Immerhin: In Deutschland hat die Politik schnell reagiert. Die Subvention für Kurzzeit-Leasing wurde eingedampft. Die volle Unterstützung, plus Innovationsprämie, gibt es nur noch ab 23 Monaten aufwärts. Ein Zeichen, das auf etwas Realitätssinn schließen lässt.

Wenn man,  neben den Bestrebungen elektrische Autos auf die Straße zu bringen, den Faktor Nachhaltigkeit nicht völlig aus den Augen verlieren möchte.

8 thoughts on “Droge Subvention – der subventionierte Elektroauto Boom

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    Klassischerweise bedingen niedrige Leasingraten für Neuwagen einen geringen Wertverlust während der Leasingdauer, so dass das Auto nach dem Leasingende zu einem eher höheren Preis verkauft werden kann und der Gesamterlös die Aufwendungen amortisiert und einen Gewinn abwirft
    .
    Ein Fahrzeug, das insbesondere am Anfang einen höheren Wertverlust aufweist, wird man normalerweise nicht in einem günstigen Leasingmodell bekommen, weil ein niedriger Verkaufspreis es nach dem Leasing schwer macht, die Investitionen zu erlösen und noch Gewinn zu machen.

    Insofern deuten die niedrigen Leasingraten für Elektrofahrzeuge eher darauf hin, dass die Leasinganbieter davon ausgehen, die Fahrzeuge nach dem Leasing zu einem für sie attraktiven Preis verkaufen zu können.
    Ob die Gebrauchtwagenkunden da mitspielen, muss man sehen. Falls nicht, könnte der Leasingnehmer der Verlierer sein, weil ihm eine hohe Schlussrechnung präsentiert wird. Wenn die Vertragsbedingungen das nicht zulassen, hat halt der Leasinganbieter mit Zitronen gehandelt.

    Die Anzahlung wird natürlich subventioniert, aber ob dieses Leasingmodell grundsätzlich die Fahrzeugpreise unter Druck setzt, bleibt meiner Einschätzung nach erst mal abzuwarten.

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    Hoffen wir mal das es bei der “Droge” Subvention bleibt – und Opel nicht auch noch den Fahrer des Mokkas unter fragwürdige chemische Substanzen gesetzt hat. Befindet sich der grüne SUV doch auf dem Linksabbieger einer bekannten Hamburger Kreuzung – und damit leider unausweichlich im Gegenverkehr!

    Ein E-Auto unterwegs als krasser Geisterfahrer, im Radio wird man da meist gewarnt, weiträumig ausweichen die Devise. Eine versteckte Botschaft von Opel ? Oder doch nur ein unwissender Fotograf, der eine unglückliche Photoshop-Leistung hingelegt hat? Aufklärung ungewiss – genauso wie das Subventionsdilemma der Regierung.

    Egal wie, das Bild ist schick, der Mokka gut in Szene gesetzt. Nur halt leider im Gegenverkehr.

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    Das sich ein Konzernvorstand in der Automobilindustrie jemals einen Kopf gemacht hat über die Weiterverkaufswerte der GEBRAUCHTwagen, halte ich für “ausgeschlossen”.
    Die Denke dort oben: Neuwagen verkaufen bis die (Produktions-)Bänder glühen… Da machen sie das Geschäft. Und das zählt. Ich bleibe gespannt, wie lange…
    Denn: Dinosaurier gibt es auch nur noch als Fossilien…
    Trotzdem, allen SAABianern einen guten gesunden (!) letzten Monat in 2020!

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    Die Gretchen Frage für mich ist einfach, was taugt ein Produkt das so gepusht und so subventioniert werden muss, so dass es am Markt bestehen kann?

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    Ich muss mich outen!!!! Bin fast auch auf die Droge reingefallen!!!!
    Mein 901 Coupe war einige Wochen bei Berma&Co – winterliche Wellnesskur.
    Mit dem 902 Cabrio war ich in den letzten Wochen zwei Mal in Barcelona. Inklusive des gesamten Pakets an Schwachsinn, den sich die hiesige Regierung für die bösen alten Autos ausgedacht hat: Voranmeldung, Tagesgebühr, doppelte Parkgebühr, von den ohnehin fast 7 Euro Maut pro Strecke völlig abgesehen. An die haben wir uns ja schon im Laufe der Jahre gewöhnt.

    Dann wollte ich zum 3. Mal mit dem Cabrio nach Barcelona. Bei Berma die Autos einfach tauschen. Bei dieser Gelegenheit musste ich feststellen, dass es gar nicht möglich ist, sich für den gleichen Tag anzumelden. Nur im medizinischen Notfall kann man am gleichen Tag in die grüne Zone rein. Kriegt dann so oder so die Strafe, und kann sie mit dem ärztlichen Attest stornieren. Orwell hätte sich es nicht besser ausdenken können…..

    Ich war stinksauer, frustriert, und fest entschlossen der Spinne ins Netz zu folgen. Leasingangebote unter 100 Euro, die Anzahlung durch den Steuerzahler finanziert – natürlich hätte ich mir das Auto in Deutschland geholt. Dazu käme noch:
    keine Maut in Spanien, freie Fahrt in die Stadt, kostenlose Parkplätze und eine – noch – kostenlose Ladestation um die Ecke.

    Aber erstmal – ja lieber Tom – einen Espresso. Oder wie er hier heisst, Cafe Solo….

    Da ich selber an dem Tag nicht in die Stadt konnte, rief ich einfach den Abschleppdienst. Elektronik ist immer eine gute Ausrede…. Wir kamen zu Berma. Es dauerte nur Sekunden, und das Elektroauto und ich waren vor der Hochzeit bereits geschieden. Die Werkstatt voller Saabe. Juan mit seinem entwaffnendem Lächeln und ölverschmiertem Blaumann. Mein Coupe mit instandgesetztem Aerokit, poliert und mit neuem Himmel. Ich liess die Tür ins Schloss fallen, startete den Motor, und genoss vor mich hin grinsend die Geräusche und Gerüche auf dem Weg nach Hause. Den Quatsch mit der untergehenden mediterranen Sonne erspare ich dem Leser heute. Als ich zu Hause ankam, war meine Welt wieder in Ordnung…
    In die Stadt kann ich auch mit dem Zug, wenn es mit der Anmeldung nicht klappt. Um die Angelegenheit an sich kümmert sich mein Anwalt. Weil Anmelden und Zahlen ist eine Sache. Nicht können, wenn ich möchte oder muss eine Andere. Und geht gar nicht. Und meine Autos bleiben. So lange ich es möchte. So lange es Teile gibt. Und so lange der Genuss in meinem Leben wichtig ist und ich ihn mir leisten kann.
    Auf das Thema mit der Umwelt möchte ich heute nicht eingehen…..Die Sonne ist schon untergegangen….

    Gruss an die Gemeinde

    Der Lizi

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    Ja, da gab es von VW die Werbung für den ID3. Das man jetzt sorgenlos Strom geben und Auto fahren kann. Lief auf allen Kanälen und ist eine ziemlich derbe Aussage, wenn man den deutschen Strommix im Hinterkopf hat. Da sieht man mal wieder für wie unmündig die von VW ihre Kundschaft einordnen.

    Generell denke ich, sind wir schon lange falsch abgebogen. Die Politik hätte den Mut haben müssen zu signalisieren, dass nur weniger Konsum etwas bringt, wenn es überhaupt noch eine Trendwende geben soll. Aber das würde gegen die Grundfesten unseres Systems, und übrigens auch gegen das in China verstoßen. Der Deal ist wachsender Wohlstand und nicht Verzicht. So rettet man keinen Planeten.

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    Unfassbar!
    Was sind das für Halbwertszeiten? Auch 23 Monate und dann? Das ist die Schlüsselfrage dieses super Artikels.

    Dafür werden in der 3. Welt Landschaften verwüstet. Die Herkunft der Energie ist weiter ungeklärt – kommt aus der Steckdose, deshalb NULL Emission…

    Manchmal frage ich mich, ob ich selbst nicht mehr sauber ticke, oder hier etwas gewaltig aus dem Ruder läuft. Das betrifft übrigens nicht nur die e-Mobilität. Uns wird vorgegaukelt, wir könnten mit Klein Deutschland die Welt retten – lächerlich! Die beiden größten Städte Ostasiens haben so viel Einwohner wie wir, Afrika wird sich bis spätestens 2035 verdoppeln….
    Das ist nicht mehr aufzuhalten und nicht mehr zu retten, egal was wir für Autos fahren. Aber ein tolles Geschäftsmodell mit der berechtigten Angst vor der kommenden Klimakatastrophe, staatlich gefördert. Ändern wird sich nichts!

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    Tja, was ist richtig?! Den Markt alleine entscheiden lassen? Oder lieber doch subventionieren? Ich bin mir da nicht sicher. Gut finde ich aber das es solche Angebote wie den Mokka gibt. Die Demokratisierung des Elektroantriebes. Und der Mokka ist ein familientaugliches Auto. Mancher Handyvertrag ist teurer. Die Entwicklung muss weiter gehen, die Akzeptanz gegenüber dem E Antrieb muss in der Masse wachsen, sonst wird das nichts mit dem Wechsel. Eine Alternative ist nicht gewünscht, warum auch immer.

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