200 Millisekunden Deines Lebens – Unfallforschung bei Saab

Was ist eigentlich Zeit? Was sind 200 Millisekunden,  und wie wichtig sind sie für Dein Leben? Für Dein Überleben? Diese Frage stellten sich im Jahr 1996 die Unfallforscher bei Saab. 200 Millisekunden könnten entscheidend sein. Über Leben und Tod. Und darüber, ob man einen Unfall gesund überlebt oder ob Schäden für den Rest des Lebens zurückbleiben.

200 Millisekunden Deines Lebens. Unfallforschung bei Saab.
200 Millisekunden Deines Lebens. Unfallforschung bei Saab.

Saab und die Unfallforschung

Die Autobauer in Trollhättan hatten sich Sicherheit in die DNA geschrieben. Früh schon begannen sie mit der Analyse von Unfällen und bewerteten dabei die realen Verkehrssituationen. Der Saab 9000 hatte bereits eine Sicherheitszelle zu einer Zeit, als – außer Mercedes und Volvo –  kaum jemand daran dachte.

Das hatte Konsequenzen. Über viele Jahre hinweg war die 9000 Baureihe das sicherste Auto in Schweden, vielleicht sogar auf der ganzen Welt. In Trollhättan feilten sie kontinuierlich an der Verbesserung der Konzepte und ließen sie in die Serie einfließen. Im Jahr 1996 produzierte man dazu einen Film.

200 Millisekunden in 9 Minuten

Aus dem entscheidenden Zeitraum,  in dem ein Unfall passiert, diesen wichtigen 200 Millisekunden, machten sie bei Saab tatsächlich rund 9 Minuten. Keine davon allerdings gerät langweilig, denn der Sprecher im Hintergrund erklärt Millisekunde für Millisekunde,  was abläuft. Spektakulär lässt man einen Saab 9000 CC, zu dieser Zeit schon abgelöst durch den CS, aus der Höhe eines 4. Stockwerks auf den Boden knallen – verschrottet mehr als nur ein Fahrzeug im Laufe des Films. Nimmt sich die komplette Produktpalette vor, den Saab 9000 CS und 900 II dürfen ebenfalls gegen die Wand fahren.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass man 1996 einen aufwändigen Film mit dem 9000 dreht. Der ist bereits veraltet, seine Laufbahn neigt sich dem Ende zu. Hinter den Kulissen dreht schon der Saab 9-5 seine Runden, der besser und sicherer sein wird. Die Sicherheitszelle des 9000 CS wird beim 9-5 zum Käfig ausgebaut, was eine signifikante Verbesserung bringt.

Scheinbar genügt aber der alte 9000 den Machern des Films, er ist ja immer noch das sicherste Auto im Land.

Was bleibt am Ende des Beitrags? Man ist beeindruckt über die Unfallforschung bei Saab. Ist natürlich etwas traurig, dass es diese großartige Firma nicht mehr gibt. Freut sich aber insgeheim, dass man einen Saab fährt und hat ein gutes Gefühl dabei. Denn die Produkte hatten eine gute DNA,  und auch beim alten Auto ist Sicherheit keine Nebensächlichkeit.

3 thoughts on “200 Millisekunden Deines Lebens – Unfallforschung bei Saab

  • Schwedenstahl

    Die Schweden konnten Stahl, Eisen und Guss verdammt gut. Sie scheinen das im Blut gehabt oder mit der Muttermilch aufgesogen zu haben …

    Und heute? Eine Statistik wäre interessant. Ich könnte wetten, dass in S der Anteil der Menschen an der Bevölkerung, die gießen, schmieden, biegen, dengeln und schweißen können, noch immer signifikant höher als in D ist.

    Kein Wunder, wenn sie auf Ingenieurniveau als erste die Stabilität der Fahrgastzelle und intelligente Verformung von Aufprallzonen richtungsweisend hinbekommen haben.

    Die Stabilität war ja schon immer gegeben. Die konnten gar nicht anders. Nach Gurten und Kopfstützen blieb einzig die kontrollierte Verformung übrig, um den Insassenschutz auf das nächste Level zu heben.

    Und kontrolliert hieß damals auch, dass die Autos keinen Totalschaden erleiden, wenn für den Insassenschutz nicht erforderlich.

    Die Stoßstangen des 9000 sind meines Wissens noch heute der Rekordhalter für die höchste Aufprallgeschwindigkeit, die je ein Fahrzeug völlig unbeschadet überstanden hat.

    Heute räumen alle möglichen und unmöglichen Autos bei Crash-Tests locker 4 bis 5 Sterne ab, die man nur schief anzusehen braucht, um selbst bei einem Neuwagen einen wirtschaftlichen Totalschaden zu verursachen. Das hat mit dem ganzheitlichen Ansatz der damaligen Saab-Ingenieure rein gar nichts mehr gemeinsam.

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  • Unklar ist nach wie vor, warum schwedische Politiker den Hersteller vor nunmehr fast 10 Jahren im Regen stehen ließen – in Frankreich beispielsweise wäre ein derartiges Versagen höchst unwahrscheinlich.

    Gerade in puncto Sicherheit erkennt man neben vielen anderen positiven Merkmalen, dass SAAB-Automobile zu den Juwelen im Automobilbau zählen.

    Wir fahren unsere beiden Lieblinge (9-3 Cabrio, Baujahr 2001 und 9-3 Bio Power, Baujahr 2011) so lange es geht!

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  • Ziemlich beeindruckend. 200 ms auf fast 10 Minuten – das hat schon was. Was für einen Aufwand SAAB damals trieb, das ist völlig verrückt. Ist schon Mercedes Style. Schon klar, das diese Autos extrem sicher sein mussten.

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