Ein unmöglicher Vergleich? Saab gegen Porsche, Jaguar und Audi.

Im Herbst 1991 drehte die Spotlight-Redaktion in Schweden einen scheinbar unmöglichen Vergleich. Der neue Saab 9000 gegen den Jaguar XJ, Audi 100, Porsche 911 und Ford Scorpio. Der Porsche als Sportwagen-Ikone, der XJ ein Inbegriff von britischem Luxus. Dagegen stand der Ford für bezahlbare Mobilität und Audi war mit dem neuen 100 steil auf dem Weg nach oben.

Saab 9000 Turbo gegen Audi, Porsche, Jaguar und Ford
Saab 9000 Turbo gegen Audi, Porsche, Jaguar und Ford

Ist der Vergleich wirklich so unmöglich? Bei Saab war man damals gut gelaunt. Die zweite 9000 Generation war in jeder Hinsicht ein Treffer. Die überarbeitete Karosserie gab dem großen Schweden endlich den seriösen Auftritt, den man über Jahre vermisst hatte. Sie war sicherer, verwindungssteifer. Die neuen Turbo Motoren lagen technisch ganz weit vorne, die kleine Marke aus Schweden hatte sich einen klaren Vorsprung vor den Mitbewerbern erarbeitet.

Der Saab. Ein Auto für jede Lebenslage.

Der 9000 fuhr sich besser denn je und tatsächlich sah man ihn als ein Auto für jede Lebenslage. Ein Transporter mit großer Ladefläche, wenn man sie benötigt. Als Turbo ein Sportwagen und mit viel Platz das richtige Auto für lange Strecken. Was lag also näher, als ihn mit den Platzhirschen zu vergleichen?

Jaguar trat mit dem XJ40 an. Die Raubkatze mit den eckigen Scheinwerfern wird heute von den Fans verschmäht, was alles andere als fair ist. Denn der XJ 40 rettete ab 1990 in überarbeiteter Form die Marke und vereinte Stil und Zuverlässigkeit. Die fortschrittliche Elektronik sorgte in den Anfangsjahren für Ärger. 30 Jahre später tut sie das wieder – und verschreckt so manchen Interessenten.

Der Porsche 964 tritt als Carrera 2 an. Luftgekühlt, so wie es damals sein musste. Ein Glaubensgrundsatz in Zuffenhausen, erst mit dem 993 winkte der Abschied von der Luftkühlung im Hintergrund. Über den Porsche muss man nicht viel sagen. Sein Design ist heute noch gültig, eine Ikone. Innenraum und Verarbeitung waren damals toll und sind es heute noch. Aber wer vergleicht schon einen Porsche gegen einen 9000?

Naheliegender ist die Fragestellung bei dem Audi 100. Aus der C4 Baureihe wurde später der erste A6. Der Audi war sehr ambitioniert und für die Marke ein großer Sprung nach vorne. Erstmals zog ein V6 ein, Ingolstadt wollte mit München und Stuttgart gleichziehen. Das klappte mit dem C4 noch nicht so ganz, verringerte aber die Distanz zu den Konkurrenten deutlich. Aufsteiger Audi war für Saab mit dem C4 einer der gefährlichsten Widersacher.

Jaguar, Porsche und Audi. Alle drei kannte ich als Neuwagen. Nicht aber den Ford Scorpio. Ein Budget-Auto. Aber damals sehr beliebt und eine Größe auf dem Markt. Der Scorpio steht für die ausgestorbene Spezies großer Limousinen für einen günstigen Preis.

Ein Vergleich mit Potenzial zum Kult

Der Saab schlägt sich toll. Im Komfort ist er nahe am Jaguar, im Nutzwert spielt er alle an die Wand. Wenig überraschend ist er mit seiner fortschrittlichen Technik auch noch am ökonomischsten zu bewegen. Die große Stunde des Saab 9000 CS schlägt aber bei der Beschleunigung aus mittleren Geschwindigkeiten. Die Disziplin, welche im Alltag entscheidend ist.

Da zieht der Saab sogar dem 911 davon, der mit seinem Saugmotor dem Drehmoment der schwedischen Maschine nichts entgegenzusetzen hat. Am Ende, in der Summe der Eigenschaften, sieht die Redaktion den 9000 CS vorne. Ist er sicher auch. Denn er bietet in einem Auto die Möglichkeiten eines Sportwagens, einer luxuriösen Limousine und eines Kombis.

Der Test ist fair, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Denn wer testet schon einen Jaguar und einen Porsche 911 gegen einen Saab 9000 CS? Darauf können nur Saab Menschen kommen. Der Film aus dem Herbst 1991 war damals ausschließlich für den internen Gebrauch bestimmt. Schade muss man sagen.

Denn bei einem größeren Publikum hätte er unter Saab Fans Kult werden können.

14 Gedanken zu „Ein unmöglicher Vergleich? Saab gegen Porsche, Jaguar und Audi.

  • Cooler Film, ja desto mehr Beiträge über den 9000 kommen, desto mehr möchte ich selber einen fahren

    Antwort
  • Leonardo da Saabi

    Der 9000 ist ein Universalgenie. Und es war nichtmal der AERO, der hier angetreten ist.

    Der ist nochmals insofern universeller, dass er auch in den Disziplinen 0 auf 100 (in 6,9) und Endgeschwindigkeit (240) enger an den Porsche rückt.

    Der 9000 ist das universellste Auto seiner Zeit. Auf ewig ein Kultobjekt. Gemessen an der jeweils zeitgenössischen Konkurrenz der beste aller je gebauten Saab mit dem größten Mehrwert …

    Und er wurde immer besser und baute seinen Vorsprung aus. Beispielsweise mit dem Erscheinen des AERO.

    Man hätte ihn und die Saab-Philosphie vielleicht noch offensiver vermarkten können und sollen? In jedem Fall begrenzt der interne Gebrauch gültiger Gedanken für interne Videos deren Reichweite. Schade.

    Und da kam ja auch schon GM und brachte eigene Ansichten und auch Motoren mit. Auch schade.

    Wahrlich ein cooles Video. Danke Blog.

    8
    3
    Antwort
  • Leider kann ich diese Filme nicht sehen, bekomme stets diese Fehlermeldung:
    “Die Antwort von videopress.com hat zu lange gedauert”

    Schade !

    Antwort
  • Richtig gut. Den CS hätte ich damals auch genommen. Oder den Porsche 😉

    Antwort
  • @ Big Mac 32,

    ehrlich? Den Porsche? Obwohl man den zum Überholen des Saabs ein oder zwei Gänge hätte runterschalten müssen?

    Spaß beiseite. Ich schalte gerne und bin ganz bei dir. Der Saab und der Porsche sind zwei ehrliche, spannende und sehr unterschiedliche Konzepte.
    Einen von beiden. Die anderen sind mir zu beliebig.

    Wäre schon auch fair gewesen, mal zu testen, welches Auto den Sprung von 80 auf 120 unabhängig vom gewâhlten Gang am schnellsten absolviert.

    Der 5. Gang mag ja eine Domaine der Saabs sein, aber wenn wir alle mal ehrlich sind, dann geht doch keiner ein unnötiges Risiko ein ….

    Wenn sich ein Überholmanöver im 4. abkürzen lâsst, schalte ich einen Gang runter. Wenn es im 3. noch kürzer ist, dann eben 2 Gänge. Im 5. von 80 aufwärts ist für Überholmanöver mit Gegenverkehr definitiv nicht meine Fahrpraxis ….

    Gleichwohl finde ich die Power aus dem Drehzahlkeller (Saab) sehr faszinierend und fahre meinen tatsächlich etwas schaltfaul …

    Es ist ganz einfach lässig und entspannt, am Ortsausgang Drângler im Rückspiegel schrumpfen zu sehen, ohne dafür wild im Getriebe zu rühren, ohne Drehzahlorgien zu veranstalten. Ich mag das, mag es sehr …

    5
    4
    Antwort
  • Sehr geiles Video, das mir den 9000er sehr viel näher bringt! Seinerzeit hatte ich den überhaupt nicht auf dem Zettel (wäre auch wohl nicht das passende Auto für eine Studentin gewesen :-)), bin erst 2001 zu Saab (zum Cabrio) gekommen. Ein wirklich faszinierendes Gefährt – in div. Disziplinen.

    Der 911er ist natürlich ebenfalls eine rassige Augenweide – der Jaguar aber auch, wie ich finde. Zwei oder drei Modellwechsel später sahen sie (bis zum radikal veränderten jüngsten Modell) auch nur nach langweiligen Opa-Familienkutschen aus. Aber der hier hat schon Klasse und Chic!

    Natürlich hätte ich aber den Saab gewählt – eine hochgradig praktische, sichere, schicke eierlegende Wollmilchsau mit hohem Spaßfaktor und von hoher Exklusivität!!

    Über den Ford muss man nicht reden – aber der hinlänglich bekannte Aufstieg der (späteren) Betrüger aus Ingolstadt fasziniert mich immer wieder. Auf mich wirken auch diese letzten Modellreihen des Audi 100 total bieder, “pummelig” und altbacken – das alte Klorollen-Image halt. Mein Vater hatte so einen. Da fand ich die noch älteren Modelle noch hübscher, man denke nur an den Quattro mit der legendären Skischanzen-Werbung (war das in den 80ern?).

    Wie haben sie nur diesen Sprung zum Aussehen und (höherklassigen) Image der letzten Jahre geschafft? Zum schnittigen sportlichen (zum Teil auch agressiven Rüpel-) Auto? (Was früher BMW war.) So einen totalen Imagewechsel muss man erst mal hinkriegen. Alle Designer und Marketing-Heinis ausgetauscht?? Jedenfalls sehr beeindruckend! Obwohl ich mir NIE einen kaufen würde, aber das muss man anerkennen.

    4
    1
    Antwort
  • Das Besondere am im Video gezeigten Audi 100 Typ C4 ist weniger das Design. Es sind mehr die technischen und qualitativen Lösungen. Ihn gab es in der S4 Version auch als 5 Zylinder Turbo mit 230 PS und 350 Nm/1950 min−1.

    Hatte ca. 6 Jahre einen C4 mit Sauger 5 Zylinder. Das war das zuverlässigste und reparaturfreundlichste Auto was ich jemals hatte.

    …nur ein wenig langweilig und beliebiger als ein 9000…aber in ihren Eigenschaften ähnlich sich die beiden schon merklich.

    Antwort
  • Ebasil,

    die weiße, lederne Rücksitzbank des Audis im Video und die rahmenförmigen (!) Kopfstützen fand ich gar nicht schlecht.

    Statt Klopapier und Wackeldackel sehe ich da eher Origami und einen Roboterdackel auf der Hutablage.

    Es sei denn, ich habe mich vertan und die gezeigten Interieurs der Autos falsch zugeordnet?

    Aber ansonsten geht es mir ähnlich. Es sind die älteren Audis (insbesondere die Fließhecks und von diesen wiederum das erste und älteste), denen ich was abgewinnen kann.

    Der Rest ist beliebig und zeigt wohl, dass ein wirtschaftlicher Aufstieg und Imagegewinn am einfachsten durch Anbiederung an den Mainstream funktioniert.

    3
    4
    Antwort
  • T.Koch-900,

    glaube ich gerne. An den Saugern gab es wenig zu mäkeln. Und überhaupt hat das 5-Zylinder-Prinzip Schule gemacht (Volvo) …

    Aber war es nicht so, dass der C4/S4 in Taladega krachend gescheitert ist und Audi den Turbo dann durch einen V8 4.2 im S4 ersetzt hat?

    Der auch kaum schneller aber sehr trinkfreudig und ökologisch und ökonomisch zweifelhaft war?

    Ich habe es jedenfalls so in Erinnerung, dass Audi damals sehr viel sehr gut gemacht hat, in Sachen Turbo aber gegenüber Saab ganz eindeutig das Nachsehen hatte.

    Vom Design mal ganz abgesehen …

    3
    4
    Antwort
  • Deswegen habe ich mich auch für einen 900 NG Turbo für den Alltag entschieden 😉

    Mal abgesehen vom kernigen Klang des 5 Zylinders sind die 2,2er Turbos im C4/S4 auch bei entsprechender Pflege für hohe Laufleistungen gut. Mit der V8 Alternative wurde der C4 nur noch kopflastiger. Wohl reine Prestige-Geschichte gewesen, in den C4/S4 den dicken V8 “einzupressen”. Gewonnen hat der Wagen in meinen Augen dadurch nicht.

    Wenn man einen C4 Sauger mit 4 oder 5 Zylinder fährt, muss man sich nicht viel damit beschäftigen. Er macht einfach seinen Job. Nicht mehr und nicht weniger. Ersatzteile sind vergleichsweise günstig und schnell verfügbar.

    Die gewissen Momente, die man mit einem Saab “erfährt”, sind mit einem C4 so natürlich nicht realisierbar.

    Antwort
  • Marketing Heinis (@ Ebasil)

    Die können nun wirklich nichts dafür, sind letztlich nur ein Tool, ein Fähnchen im Wind der Geschäftsführung.

    Den A2 (geniales Auto) durften sie nie so gut vermarkten, wie sie es gekonnt und der A2 es verdient hätte …

    Die Geschäftsführung hat den A2 gehasst. Und sie hat ihn nicht ansatzweise verstanden. Er war für diese einfach nur ein Hemmschuh auf dem Weg nach oben.

    Zu vernünftig, zu klein, zu schwach, zu weiblich. Ironie der Geschichte, ich kenne 4 (mittlerweile ehemalige) A2-Fahrer und sie sind sämtlich männlich und heterosexuell. Diese Zielgruppe ist aber nie umworben worden – den A2 haben sie trotzdem gerne gekauft. Faszinierend …

    Der A2 ist vermutlich das größte Paradoxon hinsichtlich Marketing und Realität, welches die Automobilindustrie je hervorgebracht hat.

    Die Preise für Gebrauchte sprechen Bände und die Geschäftsführung lag ganz offensichtlich falsch. Oder auch nicht …

    Wenn ein ungetrübtes Macho-Image Ziel der Übung war, dann ist es gut, dass der A2 erst unterdrückt und dann abgesägt wurde. Aber das hat mit Marketing Heinis nicht viel zu tun.

    Da gibt es sehr, sehr viele, die Audi gerne ganz anders beworben und sich eine andere, auch ökologisch fortschrittliche Stoßrichtung für diese Marke gewünscht hätten …

    Die Geschäftsführung hatte eine gänzlich andere Phantasie. Morgen kommt der Q7 oder gar der Q9. Oder gibt es einen oder beide schon heute?

    3
    3
    Antwort
  • @ Volvaabdriver

    Die Marketing-Heinis haben Audi als fortschrittlich (Vorsprung durch Technik) und auch schnittig (Stoßrichtung BMW) dargestellt – insoweit ist doch die Sicht von Ebasil nicht daneben. Auch die überflüssigen Q 7 von Audi werden in ähnlicher Art und Weise vermarktet wie die überflüssigen großen SUV von BMW.

    Ich denke, dass Bei Audi und BMW die Rüpel-Fraktion in etwa gleich groß vertreten ist und auch das Marketing der Marketing-Heinis ähnlich ausgerichtet ist. Ich befürchte, dass auch ein nicht geringer Anteil der Volvo XC 90-Fahrer in diese Rüpel-Richtung abgedriftet ist.

    Antwort
  • @ Detlef Rudolf,

    Sie liegen vermutlich in jedem Punkt vollkommen richtig. Ich will auch nicht gesagt haben, Ebasil läge daneben.

    Mein Punkt war nur, dass die Marketing Heinis damit wenig zu tun haben. Denen ist beruflich völlig gleichgültig, welches Auto sie schönreden …

    Und der Geschäftsführung ist jeder professionelle und bewährte Schönredner jederzeit willkommen. Man muss das Marketing nicht zwangsläufig austauschen, nur weil man seine Stoßrichtung ändert.

    Gleichwohl tut es uns Heinis manchmal weh, für eine Marke X oder ein Produkt Y nicht das Maximum herausholen zu dürfen, von der Geschäftsführung oder Konzernleitung beschnitten und ausgebremst zu werden. Der A2 schien mir ein geeignetes Beispiel.

    Und ich habe Hoffnung, dass Ebasil es auch so und nicht anders versteht. Das beurteilt sie am besten selbst.

    3
    3
    Antwort

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.