Senova Offspace Konzept – die letzte BAIC Idee zum Saab 9-5
Wenn die Erinnerung nicht trügt, dann war es 1992, als Saab Ingenieure und -Designer in Trollhättan mit der Arbeit für den Nachfolger des fabelhaften Saab 9000 begannen. Der Saab 9-5 feierte seine Premiere 1997, und seitdem sind bereits einige Jahrzehnte vergangen. Es scheint, als hätte man in Schweden vieles richtig gemacht.
Denn rund 20 Jahre nach der Erstauflage des Originals, feilte man bei BAIC weiter an der Basis und versuchte, ihr ein zeitgemäßes Design zu verschaffen. Das letzte große Aufflackern fand im Jahr 2017 mit dem Offspace Konzept statt – und mit fremder Hilfe.

Senova Offspace Konzept – die letzte BAIC Idee zum Saab 9-5
Der Saab 9-5 der ersten Generation wurde immer wieder technisch und optisch überarbeitet und lief als MK3 (Chrombrille) bis 2010 von den Bändern. Dann wurden die Rechte und die legendären Turbomotoren an BAIC verkauft, und es wurde für einige Zeit ruhig um den Exil-Schweden.
Mit der Marke Senova startete der staatliche Autokonzern, zu dem damals auch der Borgward Eigentümer Foton gehörte, eine chinesische Premium-Marke. Nach rund 3 Jahren kam der Senova D70 auf den Markt, der unter dem Blech ein Saab 9-5 der ersten Generation war. Senova und BAIC pflegten seitdem intensiv das Saab Image.
Sie warben mit der großen Vergangenheit der Marke, dem Nightpanel und dem Saab Performance Team aus Schweden und setzten den Ex 9-5 sogar im Motorsport ein.

Das Senova OffSpace Konzept – oder ein Saab 9-5 OG in der Version MK4
Gegen die Premiumimporte aus Europa kam Senova zwar nicht an, aber für BAIC war die Senova Linie dennoch mehr als nur ein Achtungserfolg. Um dem zuletzt schwächelnden Absatz wieder Auftrieb zu geben, zeigte BAIC auf der Shanghai Auto Show 2017 das Senova D70 OffSpace Concept.
Das erneuerte Design hatte so gar nichts von einem schwedischen Auto, es sollte aber nahe an der Serie sein. Es nahm den damals merkwürdigen, in Asien sehr beliebten Trend zu immer größeren, breiteren Kühlern im Audi Stil auf. Vielleicht war es das letzte Aufbäumen, bevor man mit elektrischen Antrieben völlig darauf verzichtete.

Das OffSpace Concept sollte, so teilte BAIC mit, Luxus und Technologie verbinden. Das neu gestaltete Logo wurde in einen bis zu den Scheinwerfern durchgezogenen Doppelflügel eingebunden und erinnert an Toyota oder sonst was. Einen hohen Wiedererkennungswert konnte man ihm kaum unterstellen.
Am Heck prangt der Senova Schriftzug in lateinischer Schrift, was dem chinesischen Käufer wertigen, europäischen Ursprung signalisieren sollte.
Was würde man darüber denken? Die Meinungen damals waren geteilt, vor allem, wenn man das Original, welches sicher nicht das beste aller möglichen Saab-Designs darstellte, mit dem neuesten Designvorschlag verglich. Im Kopfkino flackerten Worte wie “Chinadesign” und so weiter auf.
Richtig? Aber das ist alles falsch.

BAIC Redesign mithilfe italienischer Designstudios
Das Design des Senova OffSpace Concept kam damals schon aus Turin. In früheren Zeiten eine der feinsten Adressen für automobile Schöngeister, jetzt einer der Hotspots für chinesische Automarken-Beliebigkeiten-Spiel. Das Granstudio (Link) zeichnete den Entwurf für den Staatskonzern, der in wenigen Monaten ab November 2016 entstand.
Das Offspace Konzept sollte als Senova D70 im Frühjahr 2018 in Produktion gehen. Unter dem neu geformten Blech arbeiteten unverändert die guten, alten Saab Turbomotoren, die in europäischen BAIC Modellen sogar die Euro-6-Norm erfüllten (was man in Schweden einst als unmöglich bezeichnete) und mit einem 6-Gang-Getriebe kombiniert werden konnten.
Der Saab 9-5, oder besser gesagt seine Technik, lebte tatsächlich weiter. Aber nicht mehr lange in der Marke Senova. Der neue D70 wurde von den Kunden nicht gut aufgenommen. Die Marke wurde als solche eingestellt, das Saab-Senova Abenteuer kam zu seinem Ende.
Allerdings sind die Saab Trionic Motoren bis heute in China in Neuwagen zu finden. Sie treiben SUVs an, die nach wie vor als Verbrenner im Trend liegen.
Der Beitrag erschien im Original am 4. Mai 2017 und wurde seitdem redaktionell überarbeitet.