Generelles Tempolimit? Ergebnis der Abstimmung.

Soll es auf deutschen Autobahnen ein generelles Tempolimit geben? Die Frage bewegt,  und sie spaltet die Leser. Wir haben nachgefragt und eine Abstimmung gestartet. Außerdem ging es um die Frage,  wie hoch das mögliche Tempolimit ausfallen soll. Interessant war auch, ob sich die Meinung unserer Leser generell von der deutschen Bevölkerung unterscheidet. Man sollte davon ausgehen, denn der Blog ist zwar offen für die Zukunft, aber im Zweifelsfall doch sehr Benzin- und Turbo-affin. Und hat eine ausgeprägte Liebe für älteres, schwedisches Blech.

Generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Die Lesenden sind gespalten.
Generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Die Lesenden sind gespalten.

Infratest Dimap Umfragen zeigen eine Spaltung der Bevölkerung in Sachen eines generellen Tempolimits. Dabei fällt auf, dass sich die Meinung auch über Jahre hinweg nicht signifikant verändert hat. Im Oktober 2012 startete Infratest eine bundesweite Befragung. Eine knappe Mehrheit von 53 % plädierte zu diesem Zeitpunkt für die Einführung einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung. Genau 7 Jahre später und nach zwei extrem heißen und trockenen Sommern die nächste Befragung, diesmal im ARD Deutschland Trend, exakt das gleiche Bild. 53 % dafür, 45 % dagegen. Klimakrise, Greta Thunberg, Umweltdiskussion. Alles scheint spurlos an der Nation vorbeizugehen, sobald es um freie Fahrt für freie Bürger geht.

Die Lesenden sind in Sachen Tempolimit gespalten

Die Lesenden auf dem Blog verhalten sich nicht ganz wie die Mehrheit der Bevölkerung. Interessant, weil es hier in erster Linie um Autos geht. Aber auch hier ist die Spaltung spürbar. Wer die Abstimmung verfolgte, der konnte ein Hin und Her zwischen den Lagern beobachten. Mal lagen die Befürworter eines Limits an der Spitze, mal die Gegner. Im Endeffekt ist die Mehrzahl der Lesenden für ein generelles Tempolimit. Aber nur mit einer kleinen Mehrheit, und die Spaltung der Gesellschaft in dieser Frage setzt sich auch hier fort.

Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen?

  • Ich bin dafür! (54%, 301 Votes)
  • Ich bin dagegen! (46%, 255 Votes)

Total Voters: 556

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Klar hingegen scheint,  was man bevorzugt, kommt es zur Einführung. Tempo 140 wäre bevorzugt, 130 aber akzeptabel. Abgeschlagen sind niedrigere Geschwindigkeiten. Die Einführung des Limits scheint real in den nächsten Jahren. Die von der Regierung gesteckten Klimaziele wackeln, das Tempolimit auf bundesdeutschen Autobahnen wäre ein einfacher Weg zu einer schnellen CO2 Reduktion. Zwar würde man mit einer Einführung nur 1.2 % der Emissionen des Verkehrssektors sparen, aber 6 % der CO2 Reduktion des Klimaziels erfüllen. Zusätzlich könnte ein Tempolimit die mangelnde Akzeptanz für Elektrofahrzeuge verbessern. Deren größter Nachteil manifestiert sich in rapide schmelzenden Reichweiten bei gesteigertem Tempo.

Welche Beschränkung wäre vernünftig?

  • 140 km/h - damit nicht alle einschlafen (47%, 120 Votes)
  • 130 km/h wären ideal (42%, 109 Votes)
  • 120 km/h wären gut (8%, 20 Votes)
  • 100 km/h reichen völlig aus (3%, 9 Votes)

Total Voters: 258

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Ein weiterer Selbstversuch kommt

Klarer positioniert sind unsere Nachbarn in Österreich. Auf 120 Kilometern alpenländischer Autobahnen wurde die mögliche Höchstgeschwindigkeit zu Testzwecken auf 140 Km/h angehoben. Das 2018 gestartete Experiment ist beendet, es gilt wie zuvor Tempo 130 auf den Strecken. Im Unterschied zum früheren FPÖ Verkehrsminister sah seine Nachfolgerin von den Grünen in der höheren Geschwindigkeit eine vermehrte Belastung für die Umwelt.

Das Thema bleibt aktuell und wird uns auch in Zukunft begleiten. Wir führen einen weiteren Versuch durch. Nach dem Tempo 120 Selbstversuch mit dem 9-3 Aero, das denkbar am wenigsten geeignete Fahrzeug, steht in den nächsten Wochen ein weiterer Test ins Haus. Tempo 130 auf weitere Distanz mit dem Saab 9000. Das als Anna Projekt bekannt gewordene Fahrzeug ist 22 Jahre alt. Kann intelligenter schwedischer Leichtbau auch heute noch mit Effizienz überzeugen und mit aktueller Technik mithalten?

19 Gedanken zu „Generelles Tempolimit? Ergebnis der Abstimmung.

  • Bei dieser Frage ist sogar meine Familie gespalten – also alles völlig in der Norm. Auf den neuen Selbstversuch mit dem 9000 bin ich gespannt. In meinen Augen eines der besten Autos seiner Zeit!

    Antwort
  • Gespalten ist das Land, ja so kann es genannt werden.
    Umwelt-, Sicherheitsgedanken und Folgekosten der Verletzungen gegen individuelle Freiheit der Entscheidung.
    In Zeiten, wo die Verkehrsdichte (leider) weiterhin noch steigt und allg. Verkehrsregeln in einigen Regionen nur noch rudimentär beachtet werden, würde ich, allein aus diesen zusätzlichen Gründen, eine klare REGELUNG bevorzugen.
    Ansonsten freue ich mich über den neuen Selbstversuch SAAB 9000!

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    Antwort
  • Vielen Dank für den Selbstversuch, Umfrage, Auswertung und die Artikel …

    Was ich nicht verstehe ist, wie 1,2% Einsparung im Verkehr uns ganze 6% den nationalen Klimaschutzzielen näher bringen sollen?

    Nach meinem mathematischen Verständnis geht das gar nicht. Oder vielleicht doch?

    Es ist zumindest erklärungs- oder gar korrekturbedürftig.

    Antwort
  • Die, die für ein Tempolimit sind können ja schonmal damit anfangen. Aber schön rechts bleiben 😉

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    Antwort
  • Danke für die Umfrage! Ich habe mich, inspiriert von dem “Selbstversuch” des Bloggers, in den letzten Wochen ebenfalls einem freiwilligen Speedlimit-Versuch auf meiner Stammstrecke unterzogen. Tempomat auf 120 gestellt und einfach rollen lassen. Der Verbrauch geht bei dieser Konstellation deutlich nach unten und ich fühlte mich deutlich entspannter beim Fahren. Unterm Strich geht es um 5-10 Minuten Zeit, die ich vielleicht heraushole, aber genauso gut (trotz Vollgasfahrt auf der BAB) im nachfolgenden Stadtverkehr wieder einbüßen kann. Der Zeitgewinn ist also kein Argument. Deshalb bin ich für ein Tempolimit, 130 km/h reichen aus meiner Sicht aus.
    Wir leben in einer verrückten Zeit, finde ich: die gleichen Eltern, die ihr SUV mit 200 auf der Autobahn bewegen (und diese 200 km/h als unverzichtbar darstellen) zwingen ihre Kinder, auf dem Spielplatz “aus Sicherheitsgründen” einen Helm zu tragen. Das ist schon verrückt. Die Autolobby tut so, als wären die immer noch über 3000 Verkehrstoten kein Problem. Man stelle sich vor, was mit der Bahn angestellt würde, wenn dort jährlich 3000 Menschen draufgehen.
    Ach so: Versuchsobjekt war mein 2002er 9-3 Cabrio, was nach meinem Empfinden für diese Art des Fahrens sehr gut geeignet ist. Ich freue mich auf die weitere Diskussion!

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    Antwort
  • @ Herbert Hürsch

    Das 1,2 % = 6% sind, geht ja nur, wenn die Werte, auf die sich die Angaben jeweils beziehen, nicht die gleichen sind.
    Da dazwischen der Faktor 5 liegt, kann man sagen, dass das nationale Klimaschutzziel offenbar 1/5 der Emissionen des Verkehrssektors entspricht, mithin also die Reduktion um eine Menge CO2, die 20% der CO2-Emissionen des Verkehrssektors entspricht.

    Als Beispiel: Wenn der Verkehrssektor 100t CO2 emittiert, sind 1,2% davon 1,2t. Wenn das Einsparziel 20t CO2 sind, sind 1,2t CO2 davon 6%.

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  • @ StF,

    vielen Dank, aber vielleicht hätte ich mich anders ausdrücken sollen …

    Es mangelt mir weniger am mathematischen Verständnis, als am Verständnis für die Politik – vorausgesetzt, die Zahlen im Artikel stimmen so überhaupt und sind nicht versehentlich vertauscht …

    Wenn 1,2% Einsparung 6% unserer Klimaschutzziele entsprächen, bräuchten wir nur 24% auf dem Verkehrssektor einsparen, um nationalen Ziele 120%ig zu erreichen.

    Das ergibt keinerlei Sinn. Da ist ein Fehler im Artikel.

    @Tom,
    wie genau war es gemeint?

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  • Vermutlich erfahre ich mit meiner Einstellung zu diesem Thema wenig Zuspruch. Ich bin und bleibe ein Befürworter für „kein generelles Tempolimit“ und habe auch eine grundsätzlich vom allgemeinen Mainstream abweichende Meinung über die Medien geführten Umweltdiskussion, Klimaschutzziele, inkl. der gehypten E- Mobilität. Kaufentscheidend für meinen ersten Saab 9-3 in 2004 war seine schlichte Eleganz gepaart mit einzigartigem Design, die Turbo Power sowie das perfekte Cockpit mit einer gefühlten Sitzposition wie in einem Jet. Saab “Born from Jets” und dann nur noch 130 kmh auf der Autobahn?? Ein Jet mit einer Abriegelung im Spaß- bzw. oberen Leistungsbereich?? Nein, nicht für mich bzw. möchte ich das persönlich nicht!! Trotz dieser Einstellung bin ich mit meinen Fahrzeugen zu 90 Prozent und ohne allgemeiner Reglementierung eher im Gleitflug unterwegs, möchte jedoch (so die Bahn frei ist) den Jet auch gern mal richtig durchstarten können. Die Verkehrsdichte reguliert diese Möglichkeiten eh schon stark und die Ignoranten der allgemeinen Verkehrsregeln werden ihr Verhalten bei einem verordneten Tempolimit keinesfalls ändern. Wie gesagt, es ist eine Meinung, also meine Meinung und nicht mehr.

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  • Das, was ich letzte Woche gemacht habe, war kein Selbstversuch, sondern lediglich ein ganz normaler Autotrip. Berufsbedingt ging es 2000 km durch Deutschland. Womit? Mit einem 89-er 9000i. Krasses Gerät, voll ohne Turbo. Alltagsauto. Und tatsächlich bin ich 75 % der Strecke mit durchschnittlich 120 km/h gefahren und war voll zufrieden damit. Als es Sonntag Nachmittag nach Hause ging und die Autobahnen immer leerer wurden, habe ich mich für eine Reisegeschwindigkeit von 150-160 (-170) km/h entschieden. Und nun? Muss ich mich jetzt schämen, krieg einen Shitstorm als Umweltsau oder potenzieller Mörder? 3000 Verkehrstote sind ziemlich genau 3000 zu viel. Aber, wie viele von diesen haben ihr Leben verloren, weil Geschwindigkeiten oberhalb von 130 km/h entscheidend waren? Und die Umwelt? Bei ca. 120 km/h stand da -“händisch”, also ohne Tempomat gefahren- ein Verbrauch von 8.3 l/100 km, bei 160 km/h ein Liter mehr. Das macht bei ca. 500 km rund fünf Liter Mehrverbrauch. Reisst das die Umwelt in den Abgrund? Wie viel macht das im originären Wortsinne global aus?

    Ich bin weiß Gott kein Nihilist, sondern nehme die Dinge ernst. Mir macht jedoch die omnipräsente Einheitsmeinung der omniasketischen, spassfreien Ökotaliban und deren Visionen vom Gutmenschenkalifat Angst. Wirklich Angst.
    Die Umwelt kann ein paar Schnellfahrer verkraften. Und Tote werden in diesem unserem Land jährlich zigtausendfach produziert und von der Öffentlichkeit gar nicht wahr- oder gelangweilt zur Kenntnis genommen. Übrigens produziert von einer Berufsgruppe, von der man dies a priori gar nicht erwarten würde. Dagegen ist die Anzahl der Verkehrstoten noch gering und wird ja auch nur als bedauerlicher Kollateralschaden hingenommen.

    Diese ganze Diskussion um Tempolimit u.ä. ist völlig vordergründig. BILD Dir Deine Meinung eben.

    Wer sich ernsthaft für die Themen Umwelt und Nachaltigkeit interessiert, sollte mal das weltweite Netz nach Michael Braungart bzw. dem cradle-to-cradle-Konzept durchsuchen. Dann können wir substanziell weiterreden.

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  • Hochinteressant dieses “Cradle-to-Cradle-Konzept”. Bleibt zu hoffen daß die Verbreitung dieser Methode weiterhin immer mehr Akzeptanz findet.
    “die omnipräsente Einheitsmeinung der omniasketischen, spassfreien Ökotaliban und deren Visionen vom Gutmenschenkalifat” ist eine treffende Charakterisierung des Mainstream. Die Menschen waren immer so und haben sich nicht geändert. Das war schon mit den “68ern” so, die ich in meiner Jugend “ertragen” mußte. Was haben wir damals diskutiert und debattiert! Sie lehnten eigentlich alles als “spießig” ab, was anders/älter war. Und sie schufen ein neues anderes “Spießertum”, von mir damals als “Neo-Spießer” bezeichnet. Times change, mankind never.

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  • Voll in die Leitplanke …

    gehen hier Kommentare eher selten. Aber das Thema ist offenbar emotional aufgeladen. Muss jeder Befürworter eines Tempolimits wirklich als neo-spießig shitstürmender und ungeBILDeter Ökotaliban beleidigt werden?

    Geht das nicht ein bisschen weit?

    Ich bin bei dem Thema wankelmütig, weil ich gerne ab und an schnell fahre. Aber solche Kommentare schubsen mich eher endgültig auf die andere Seite …

    Albern auch, dass der Verbrauch immer wieder schön geredet wird. Wenn ich schnell fahre, reduziert sich die Reichweite drastisch. So viel Ehrlichkeit muss sein.

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  • Tempo & Verbrauch

    Ausnahmsweise mal sachlich:
    Oberhalb von 100 Km/h können alle Fahrwiderstände mit Ausnahme des Windwiderstandes vernachlässigt werden. Dieser ist bereits beträchtlich und wächst exponentiell weiter.

    Nach einer gültigen und erstaunlich akkuraten Faustformel benötigt man 30% mehr Leistung um 10% schneller zu fahren.

    Anders gesagt, es ergibt sich ein Delta von rund 20% zwischen der zusätzlich eingesetzten Leistung und Energie zur zusätzlich erzielten Fahrstrecke.

    Guckt man sich Leistungsdaten von PKW an, wird man die Regel bestätigt finden. So kann ein Kleinwagen mit 60 PS nicht etwa 30% schneller als einer mit 45 PS fahren und einer mit 80 PS nicht nochmals 30% schneller. Nein, die jeweils mögliche Höchstgeschwindigkeit steigt tatsächlich nur um ca. 10% …

    Beispielsweise von 145 Km/h (45 PS) auf 160 (60 PS) und letztlich 175 Km/h (80 PS).

    Bei einigen Gegnern (und zwar den lautesten) eines jeglichen Tempolimits ist es genau umgekehrt. Wenn überhaupt,, dann steigt der Verbrauch immer nur um 10%, wenn man 30% schneller fährt – beispielsweise 160 statt 120 oder gut 200 statt 160 …

    Da sind alle terrestrischen Gesetze der Natur und Physik komplett aufgehoben. Ganz ehrlich Leute, eure Autos hätte ich gerne. Und hätte ich so eins, wäre ich auch ein ganz entschiedener Gegner eines jeglichen Limits.

    Leider halten sich alle Autos, die ich je gefahren habe, ganz penibel an die terrestrische Physik und saufen mit zunehmendem Tempo ebenso exponentiell mehr, wie der Windwiderstand wächst. Ein vakuumiertes Wurmloch habe ich auf der dt. BAB noch nicht gefunden.

    Ach ja, fast vergessen. Ich hatte eure Autos ja schon längst. Beispielsweise einen 2,3 i im 9K. Geiles Teil. Aber nicht etwa weil er die Physik ausgehebelt hätte, sondern weil er so dermaßen im Einklang mit ihr war, als wären sämtliche Naturgesetze in Trollhättan formuliert worden.

    Spannende Frage auch, warum ein Tempolimit im Herkunftsland unserer Autos okay, in Deutschland aber einem bestimmungsgemäßen Gebrauch der Fahrzeuge zuwider laufen sollte …

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  • @Herbert Hürsch: Danke für Ihre Anmerkung, die ich selbstredend auf mich beziehen darf.

    Selbstverständlich steht es Ihnen frei, sich bei dem Begriff Ökotaliban angesprochen zu fühlen ohne im Geringsten angesprochen zu sein. Ebensowenig wie all die anderen Tempolimitbefürworter. Ebenfalls habe ich Sie in der Vergangenheit keineswegs als verBILDet wahrgenommen.

    Vielmehr war die Intention meiner Worte -und das mag mir misslungen sein- herauszustreichen, dass die Diskussion um ein generelles Tempolimit nach meiner Überzeugung in Bezug auf Ökologie vollkommen vordergründig ist.
    Sie haben ja sehr schön die terrestrische Physik dargestellt, die sich so bei meinem 9000i nicht darstellt, evtl. weil die Verbrauchsanzeige doch nicht so exakt ist wie wir das von unseren Autos sonst kennen. Akzeptiert.

    Um einer fundierten Betrachtung des C02-Effekts höherer Geschwindigkeiten näher zu kommen, ist ja die Betrachtung, welches plus an Ausstoß bei der einen Geschwindigkeit im Vergleich zu einer anderen Geschwindigkeit zu Buche steht, zunächst nur graue Theorie. So liesse sich ja argumentieren, dass in Bezug auf 43 Mio Fahrzeuge, die 160 statt 130 fahren, eine Mehrbelastung von soundsoviel Tonnen CO2 ergibt, ergo wir brauchen ein Tempolimit.

    Eine seriöse und bewertbare Beurteilung wäre jedoch nur dann möglich, wenn man den tatsächlichen (Mehr-)Ausstoß kennen würde, also die Gesamtmenge des realen Mehrausstoßes, der sich -erzeugt von einer Minderheit- über das Jahr ergibt. Sie werden nicht umhinkommen, mir beizupflichten, dass dieser Wert, und nur dieser Wert von Relevanz sein kann und nicht eine Hochrechnung für den Gesamtbestand aller Fahrzeuge in Deutschland. Meine Hypothese lautet, dass es sich dabei im Gesamtkontext um keine relevante Größenordnung handelt. Sollte dies sauber widerlegbar sein, ist dies selbstverständlich zu akzeptieren.

    Aus ganz aktuellem Anlass geboren gestatten Sie mir ein Beispiel ins Feld zu führen:

    gestern Abend habe ich meinen Wochen(end)einkauf erledigt und während ich so durch die Gänge schlenderte, streifte mein Blick im Obst- und Gemüsebereich ein paar Obststiegen mit hübsch anzusehenden roten Früchten. Sie ahnen es bestimmt schon, es waren Erdbeeren und ich musste mich zwangsläufig fragen, ob eigentlich eher die Krokusse aus der Erde kommen oder Erdbeeren reif sind. Auf meinen weiter oben beschriebenen 2000km-Fahrt durch Deutschland waren mir nirgends Erbeerfelder aufgefallen. Also stellt sich die Frage, woher die Früchtchen wohl kommen mögen. Mindestens aus dem Mittelmeerraum mutmaße ich. Ebenso wie andalusische Gewächshaustomaten und dergleichen mehr unverzichtbare Grundnahrungsmittel (sorry, ich kann nicht ganz ohne Spitzen).

    Und nun betrachten wir bitte für einen Moment ganz nüchtern und faktenbasiert die Gesamtheit dessen, was da mit Mutter Erde gemacht wird. Beschädigung der Strassen durch LKW, Reifenabrieb, hektoliterweise Diesel und last but not least der gesamte LKW und alles einschließlich Herstellung, benötigter Energie, benötigter Ressourcen und, und, und ……
    All das nehmen wir gleichgültig hin, weil wir Anfang März Erdbeeren brauchen. Und wenn wir nun die Gesamt-CO2-Last, die aus einem vollkommen überflüssigen LKW, unnötig hergestelltem Diesel, nicht benötigten Reifen und nicht erforderlichen Strassenreparaturen resultiert, zusammen nehmen, was für eine Bilanz mag sich da wohl ergeben?
    Und wir alle wissen, dass die Strassen voll mit solchen LKW sind.

    Und das ist einer der Gründe, warum ich die Diskussion um ein generelles Tempolimit für vordergründig halte. Denn wenn schon, dann muss alles auf den Tisch.

    Und es ist einer der Gründe, warum ich mich nur wegen der Ablehnung des Tempolimits nicht in eine Ecke stellen lasse (natürlich nicht von Ihnen, das weiß ich ja).

    Sehr geehrter Herr Hürsch,
    ich hoffe, meine Position nun ein wenig klarer gemacht zu haben und v.a. dass weder Sie noch andere Tempolimitbefürworter Objekte meiner bewusst pointierten Worte waren und sind. Diejenigen, die ich meinte, die Jünger des Gutmenschenkalifats nämlich, fahren weder SAAB noch wird man sie auf diesem Blog finden können.

    In diesem Sinne
    herzliche Grüße

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  • Wenn Sie gerne mal unbedingt durchstarten möchten, dann fahren Sie doch einfach auf einen der Formel 1-Ringe und lassen Sie andere Verkehrsteilnehmer mit ihrem Spieltrieb in Ruhe.
    Sie kommen mir vor, wie jemand, dem man sein Matchbox-Auto wegnehmen will.
    Die Freiheit eines einzelnen Verkehrsteilnehmers hört bei der Sicherheit der anderen auf.
    Es interessiert niemanden, mit was für einen “Jet* Sie über die Autobahn fliegen wollen, das will keiner sehen. Wichtig ist, dass Autofahrer an ihr Ziel kommen, und zwar ALLE, ohne Störung von Geschwindigkeits-Junkies und anderen Schwachmaten auf der Bahn!

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  • @ fami,

    vielen Dank für die Erläuterung. Ich teile Ihre Einschätzung, dass der private und individuelle Kraftverkehr seitens der Politik und Medien überproportional thematisiert wird …

    “Vordergründig” nennen Sie es. Aber reicht das als Argument gegen ein Tempolimit?

    Wäre diese ewig währende Diskussion beendet, würde neuer Raum für andere Themen entstehen. Beispielsweise für Ihre Erdbeeren. Auch das ist übrigens eine ewig währende Diskussion und ein alter Hut mit Löchern und einem sehr langen Bart.

    Kennen Sie “Asterix der Gallier”? Die Geschichte wurde 1959 veröffentlicht und lange Bärte so wie Erdbeeren zur Unzeit sorgten schon damals für Aufregung. Zumindest unter den Römern …

    Und natürlich kann man in Personalunion einem Tempolimit mit einem gewissen Bedauern und Zähneknirschen zustimmen und zeitgleich auf aromabefreite und ökologisch fragwürdig erzeugte, transportierte und plastisch verpackte Erdbeeren verzichten.

    Meine stammen beispielsweise ausschließlich aus dem eigenen Garten. Auch ein paar Walderdbeeren. Die besten.

    Sie fordern in Ihren Kommentaren wiederholt ein ganzheitliches Denken. Sehr gute Forderung. Offen und rätselhaft bleibt aber, wie es dem ganzheitlichen Denken dienen sollte, ein Tempolimit auszunehmen?

    Ist das nicht eher selektives als ganzheitliches Denken ?
    Ist es nicht auch ein wenig “vordergründig” ? ?
    Ein klitzekleines Bisschen ? ? ?

    Antwort
  • @ Herbert Hürsch
    “…rätselhaft bleibt aber, wie es dem ganzheitlichen Denken dienen sollte, ein Tempolimit auszunehmen?”
    Einverstanden. Diesem Einwand ist nicht zu widersprechen. Wo Sie recht haben, haben sie recht.

    Antwort
  • @ fami,

    danke und gleichfalls. Im Güter- und Warenverkehr auf unseren Straßen liegt sehr, sehr viel Einsparungspotential, welches nicht hinreichend Beachtung findet. Wo Sie recht haben, haben Sie recht …

    Antwort
  • Auch von dieser Seite noch etwas Senf dazu, es handelt sich um eine spannende Diskussion und viele Saabfahrer, mich eingeschlossen, schätzen auch Geschwindigkeitsbereiche oberhalb von 120/130/140 ohne sie deswegen permanent fahren zu müssen. Wie würde ich abstimmen, schwer zu sagen, ich denke wenn es der Mehrheit nutzt, ziehe ich gerne mit, in Ortschaften fahre ich 30/50 wenn gewünscht, bei 70 fast 70 usw. Jedesmal aus Skandinavien zurück merkt man bei der Einreise auf die BABs dass wir leider “unentspannt” unterwegs sind. 500Km durch Dänemark sind sehr easy entspannt, ab Grenze ist das vorbei. Was mich bei der Diskussion stört sind Pauschalisierungen, ich denke wenn man die Meinungen hier liesst, gibt es ganz viele verschiedene Haltungen, also Meinungsvielfalt, die zu ganz unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen kann – und das ist gut so, denn daraus entsteht ein Diskurs. Was ich unangenehm finde, wenn Leute wegen der einen oder anderen Meinung als “Gutmensch” mit ironischen Überhöhung tituliert werden. Grundsätzlich ist jemand nicht schlecht weil er Gutmensch ist oder sein will, das muss respektiert werden und “…Taliban” finde ich ebenfalls völlig daneben. Wir sollten anfangen unterschiedliche Ansichten zu akzeptieren, der eine mag Fleisch und der andere mag Karotten, der dritte beides, wo ist das Problem. Bei Entscheidungen sollte das bessere Argument den Ausschlag geben und demokratisch angenommen werden, mit oder ohne Tempolimit ist schlussendlich egal und wer schneller fahren will kann sich alternativ auf eine Rennstrecke begeben oder sich nicht erwischen lassen, wobei ja gar nicht klar ist, ob das so kommt. Was ist eigentlich mit der Richtgeschwindigkeit 130? gilt das noch oder kennt das keiner mehr. Was mich auch stört, dass automatisch SUV-Besitzer mit großem Neid begegnet wird bei gleichzeitiger Unterstellung, das solche Autos nur von komischen Leuten gefahren werden – dann gibt es mittlerweile tatsächlich viele komische Leute und auch SAAB gab es als 9-4 und 9-7. Ich bin fürs entspanntes Saab-Fahren ohne Häme ohne Hass ohne Neid – und zur Ökodiskussion, jeder Beitrag zählt, alles was wir lassen können wirkt sich Ressourcen schonend aus. Warum nicht selbst damit anfangen, ob im SUV oder zu Hause ganz ohne Diffamierung, sondern positiv effektiv und nachhaltig …

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    Antwort
  • Wobei man in Österreich schon auch dazu sagen muss, dass das auch einfach nur politisches Hickhack war, denn was ein FPÖ Politiker eingeführt, kann unmöglich eine Grüne übernehmen. Wenn das andere Parteien gemacht hätten, wäre das vielleicht sogar geblieben. In Österreich fand der 140er Abschnitt bei der Bevölkerung große Zustimmung.

    Antwort

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