Autosalon Genf. Blogger unterwegs

Genf ist eine feine Veranstaltung in einem feinen Land. Die noble, alte Dame lud zum Autosalon, und auch wir kamen. Obwohl es keine Saab Beteiligung gibt…aber Genf ist der Ort, an dem auch die Kleinen ihre Chance auf Aufmerksamkeit haben;  und eine dezente Gegenveranstaltung zur IAA in Frankfurt, die groß und laut ist.

Saab Team unterwegs auf dem Autosalon in Genf
Saab Team unterwegs auf dem Autosalon in Genf

Um unserer Marke etwas Präsenz zu geben, war das Saabblog.net Trio einheitlich in schwarzen Saab-Jacken unterwegs. Eine Idee, die nicht überall gut ankam und die für Gerede sorgte. Immer wieder hörten wir in unserem Rücken das Wort “Saab” fallen, und wir waren ein häufig  fotografiertes Motiv. Mancher mag sich so seine Gedanken gemacht haben… Aus einem Auto wurden wir dann sehr höflich heraus komplimentiert, nach dem wir scheinbar zu intensiv fotografiert hatten. Und an einem anderen Stand verursachten die drei Saab Herren spürbare Unruhe. Aber dazu später !  Erst geht es um die Eindrücke vor Ort.

Dass die Branche in einer handfesten Krise steckt, war fühl- und sichtbar. Die Stände von Peugeot  und Citroen waren spürbar uninspiriert, und auch bei Opel konnte man die 21 % Absatzminus im Januar förmlich greifen. Geht man nach dem, was die Journalisten sehen wollten, dann waren diese Marken aussen vor, und auch wir schlenderten lediglich über diese Stände, ohne etwas zu sehen, was unser Interesse erweckte.

Die Chance in Genf nutzten die Exoten und die Newcomer. Victor Muller war mit seinem neuen Spyker B6 Venator da, und der Stand war aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Newcomer Qoros war von Journalisten umlagert, denn das Produkt war in gewisser Weise interessant. Allerdings traf nicht jeder, der ein Debut in Genf hatte, auf Interesse. Tata zeigte Fahrzeuge, die (noch) keiner sehen wollte, dafür zogen Traditionsmarken wie Jaguar und Alfa Romeo um so mehr Besucher an. Bevor wir heute Nachmittag mit unserem virtuellen Messerundgang starten, reden wir noch über die andere Marke aus Schweden, die in Genf einen schwarzen Tag erlebte.

Weltpremiere: Volvo Diesel Plugin Hybrid
Weltpremiere: Volvo Diesel Plugin Hybrid

Der Volvo-Eklat in Genf

Einen handfesten Eklat erlebte Volvo auf dem Autosalon. Die Marke aus Göteborg steht aus begreiflichen Gründen unter unserer besonderen Beobachtung und geniesst auch im Team eine gewisse Sympathie. Auf der Messe präsentierten die Schweden ihre überarbeiteten Modelle, die über die nächsten Jahre bis zur neuen Volvo-Generation das Überleben sichern sollen.

Damit könnte fast alles in Ordnung sein im Hause Volvo. Ist es aber nicht ! Volvo Haupteigentümer Li Shufu verkündete, dass Volvo eine Schwäche habe. Volvo, so der Chinese vor den gespannt lauschenden Journalisten, habe seine Schwäche im Design. Volvo sei zu skandinavisch, und die Autos aus Göteborg entsprächen nicht den chinesischen Vorstellungen von Luxus. Die Zuhörer wollten es nicht glauben, aber Li Shufu hatte soeben die Axt an die Wurzeln von Volvo gelegt.

Um die Aussage richtig zu verstehen, sollte man die letzten Tage zurückverfolgen. Li Shufu hat den Hersteller der London-Taxis gekauft und befindet sich in ausgesprochener Shopping Laune. Sein nächstes Ziel ist der in Not geratene Hersteller Fisker, den er gerne in seinem Besitz sehen würde. Währenddessen wächst die Unzufriedenheit in Göteborg. Das Personal Karussell dreht sich immer schneller und die neue Volvo-Generation wird nicht zum Jahresende 2014 erscheinen, sondern erst im Verlauf des Jahres 2015. Es fehlt Geld für die benötigten Investitionen, während der Haupteigentümer auf Einkaufstour ist. Vor der Messse gibt Volvo`s CEO Samuelsson ein Interview. Sein Fokus liegt stark auf den schwedischen Wurzeln und auf skandinavischen Design. Er betont das so stark, dass man sich fragt, warum er das tut.

Im Rückblick versteht man. Die schwedische Presse schreibt am Tag nach der Li Shufu Pressekonferenz von “Katastrof för Volvo” und “Ägarens brutala sagning av Volvo”. Auf Volvo`s CEO Samuelsson lastet ein ungeheurer Druck, und es scheint, dass auch Jahre nach dem Kauf Li Shufu nicht verstanden hat, was der Kern von Volvo ist.

Damit war Volvo in der Presse. Nicht wie gedacht und erhofft. Der Plugin Diesel Hybrid aus Göteborg, eine Weltpremiere, interessierte niemanden mehr. Schade ! Unser virtueller Messerundgang startet im nächsten Artikel.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

17 thoughts on “Autosalon Genf. Blogger unterwegs

  • Saab-Jacken kommen demnächst, noch etwas Geduld 😉

  • siehe unten….

  • Ich freu´mich drauf!
    DANKE an das Dream-Team!

  • Wenn Volvo dann auch in der Masse abtaucht und ein Allerei-Design bekommt…. ;(
    Nicht, dass ich einen fahren würden wöllte aber schade wäre es schon.

  • Vielen Dank für diese ganz interessanten Beitrag zum Genfer Salon.
    Ihre Saab Jacken sind, wie schon gesagt, sehr schön.
    Das diese aber bei einigen eine schlechte Reaktion aufrufen sagt viel über diese Leute 🙂

  • Die Chinesen werden die besseren Nerven haben! Weil Geld beruhigt ungemein. Im Übrigen werden wir Europäer einsehen müssen, dass wir im globalen Automarkt bald nur noch der Blinddarm sind. Die grossen Absatzmärkte liegen in Asien. Und wer Autos kauft, befiehlt.

  • Eigentlich schade dass Volvo so einen Eigentümer bekommen hat der die Marke nicht versteht. Aber Schweden können recht stur sein, mal sehen wer in diesem Spiel die besseren Nerven hat.

  • Wann gibt es die Jacken im Trollig-Shop ? 😉

  • Den Motorjournalisten hat Vic ja Gespräche über Saab verweigert, Interviews gerne, solange nicht über Saab gesprochen würde. “No Saab”, hiess es da kratzbürstig. Auf Nachfrage, warum er nicht mehr über Saab sprechen wollte, sagte er nur, dass Saab hinter Ihnen liege… Ich hoffe, Tom, Vic war netter zu euch…

  • Die Aussage des Volvo-Eigentümers bezog sich auf die Sicht durch die gehobene chinesische Käuferschaft – die mag es vielleicht gern etwas weniger skandinavisch vom Design her.

    Da China der größte Wachstumsmarkt ist, hat das Design der dortigen Anschauung wohl etwas entgegenzukommen. Andererseits sehen die neueren Volvo-Modelle doch nicht mehr skandinavisch aus – für die wohlhabenden Chinesen fehlt beim Design wohl eher die protzige Komponente. Man will vermutlich etwas zur Schau stellen – obwohl man Angeberei wie in den USA eigentlich gar nicht nötig hätte!

  • Warum kaufe ich eine schwedische Marke wenn ich kein skandinavisches Design mag? Das Volvo beliebiger geworden ist mag stimmen, wäre für mich aber trotzdem ein alternative wenn von Saab nichts mehr kommt!

  • Ja, wir haben auch bei VM “vorbeigeschaut”, da kommt noch ein ausführlicher Bericht…

  • Super Idee, der SAAB-Jacken Auftritt! Kann mir das Geflüstere hinter Eurem Rücken sehr gut vorstellen…..Bin auf den nächsten Artikel schon gespannt! Habt Ihr auch bei VM vorbeigeschaut….
    Hoffentlich hört es bald auf zu schneien…

  • Was ist den an Volvos Design zu skandinavisch…. Die Marke ist verwechselbar und austauschbar geworden. Für mich als langjähriger Volvo Fahrer (heute SAAB) ist Volvo heute ein Mainstream Produkt und somit keine Alternative mehr für mich!

  • Das SAAB Team auf dem Volvo Stand. Das Bild des Tages – you make my Day 🙂

  • Geniale Jacken! Was für ein Statement für die Marke 🙂 Ihr seid cool!

  • Hehe … das mit den Jacken finde ich gut …. hat sicher auch etwas Spaß gemacht, die Reaktionen darauf zu beobachten …. 🙂

    Volvo zu skandinavisch?
    Au Backe … das klingt nicht so gut …. 🙁

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