Der neue Koenigsegg Gemera – made in Trollhättan?

Der diesjährige Genfer Autosalon wurde mit Spannung erwartet. Koenigsegg, so sagten die schwedischen Gerüchteköche, würde das Auto vorstellen, das man im früheren Saab Werk bauen wolle. Das Einstiegsmodell der Marke, die für hochpreisige Supersportwagen bekannt ist. Die vorab gestreuten Daten waren überraschend präzise. Drei Elektromotoren und ein Verbrenner, 1700 PS Systemleistung. Das trifft zu. Dennoch war die nach der Absage der Veranstaltung in Genf in das Internet verlegte Premiere eine echte Überraschung.

Der neue Koenigsegg Gemera
Der neue Koenigsegg Gemera. Bild: Koenigsegg

Wer ein Fahrzeug im bisherigen Koenigsegg Stil erwartet hatte, der musste zwei Mal hinschauen. Mit dem neuen Gemera steigt die Marke in die GT Klasse ein. Platz für 4 Personen und viel Gepäck. Kofferräume im Heck und an der Front – dazu eine sehr ansprechend gezeichnete Karosserie. Für Koenigsegg Verhältnisse wenig polarisierend und fast schon sozial-kompatibel. Eine weitere Überraschung ist der Antrieb.

FreeValve Motor im Gemera

Zum ersten Mal setzt Koenigsegg einen FreeValve Motor in einem seiner Sportwagen ein. Im Heck arbeitet ein Dreizylinder Motor mit 2 Litern Hubraum und einer Twin-Turbo Aufladung. Er leistet 600 PS und 600 Nm. FreeValve Motoren verzichten auf eine Nockenwelle, die Ventile sind individuell ansteuerbar. Im Vergleich zu herkömmlichen Motoren sind sie kompakter und bringen weniger Gewicht auf die Waage. Der Verbrauchsvorteil soll bei 15 – 20 % liegen. Der von der Koenigsegg Tochter FreeValve entwickelte Antrieb ist auf die Verwendung von synthetischen Kraftstoffen ausgelegt. Während der Präsentation spricht Christian von Koenigsegg von einem sonoren Klang des Motors mit seinen großvolumigen Zylindern. Die Akrapovic Abgasanlage wird sicher ebenfalls dafür sorgen.

Drei Elektromotoren ergänzen das Paket. Einer an der Front – zwei arbeiten am Heck. Die vorläufige Systemleistung wird mit 1.734 PS und 3.500 Newtonmetern angegeben. Rein elektrisch kann der Gemera mit seiner 16.6 KW Batterie 50 Kilometer weit fahren. Im Hybrid Mode soll er eine Reichweite von 950 Kilometern haben. Koenigsegg spricht deshalb während der Vorstellung von mehr als 1.000 Kilometern Reichweite, bei einem Kraftstoffvorrat von 75 Litern und geladener Batterie.

Koenigsegg Gemera 2022 aus Trollhättan

Die Positionierung ist eindeutig. Ein Batterie-elektrisches Fahrzeug wäre dem Hersteller aus Ängelholm zu schwer geraten. Die Hybridlösung mit einem innovativen Verbrenner sieht man als das bessere Paket. Die vorläufigen Daten unterstreichen das. 1.880 Kilogramm Gewicht bei einem fast 5 Meter langen Gran Turismo sprechen für intelligenten Fahrzeugbau. Dabei darf man nicht vergessen, dass sowohl Allradantrieb als auch Allradlenkung beim Gemera mit an Bord sind. Von 0 auf Tempo 100 beschleunigt der Gemera in 1.9 Sekunden. Die mit ca. 400 Kilometer pro Stunde angegebene Höchstgeschwindigkeit wird alle leistungsverwöhnten Koenigsegg Fans zufrieden stellen.

Nachdem der Genfer Autosalon aufgrund der sich in Europa rapid ausbreitenden Coronaviren abgesagt wurde, verlegte Koenigsegg wie andere Hersteller die Präsentation in das Netz. Wahrscheinlich gehört Präsentation im Web die Zukunft,  und große Automobilmessen sind ein Auslaufmodell. Der Nachteil aber ist, dass man nicht im persönlichen Gespräch nachhaken kann und Fragen offen bleiben. Nicht erwähnt wurde, wann der Gemera in Serie gehen wird. 300 Stück sollen gebaut werden, für Koenigsegg ein sehr hohes Volumen. Alle genannten Daten sind vorläufig, vieles weist auf einen frühen Entwicklungsstand hin. Unsere Informationen sprechen vom Start im Jahr 2022, der Produktionsstandort Trollhättan gilt als wahrscheinlich,  da in Ängelholm die Kapazitäten nicht ausreichend sind.

Bliebe am Ende noch die Frage nach dem Preis. Auch hier schweigt Koenigsegg noch und befördert so manche Fantasie vom Einstiegsmodell. Geld ist so eine Sache,  und Einstiegspreise sind relativ. In Schweden berichtet man von 1,3 Millionen in Euro,  die zu überweisen wären. Plus der Mehrwertsteuer, versteht sich.

19 Gedanken zu „Der neue Koenigsegg Gemera – made in Trollhättan?

  • Das Auto hat mich wirklich überrascht. Allein schon die technische Seite klingt sehr spannend.

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  • Geiles Teil

    Jetzt bitte noch einen Hybrid, der in Preis und Stückzahlen ein schwedischer Konkurrent zum Tesla S ist …

    Dann überdenke ich auch meine Position pro Tempolimit nochmals neu.

    Endlich Mal wieder eine technische Innovation im Sektor der Verbrennungsmotoren. Schade, dass sie (noch?) so exklusiv ist …

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  • Na gut, dann kaufen wir uns dann eben einen Gemera von Königsegg, wenns schon keine Saab’s mehr geben soll.
    Damit können wir dann bei 80/120 km/h speedlimit in der Schweiz wenigstens in 1,9 Sekunden von einem Lichtsignal zum andern blochen. Ein Grund mehr, in Deutschland freie Fahrt auf Autobahnen zu belassen, sonst könnte man sich ja nirgendwo mehr austoben mit den 1734 PS… Es sei denn unsere Passtrassen uphill unsicher zu machen damit…
    Aber bei allem Respekt vor der technischen Meisterleistung, ist da ja trotzdem eine grosse Dosis Unvernunft Pate gestanden.

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  • Innovationen auch Made in Trollhättan.
    Das tut glaube ich auch ein wenig der Saab Seele gut.
    Von Königsegg kann sich NEVS eine Menge abschauen.

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  • Technisch hört sich das sehr interessant und viel versprechend an, wäre für Trollhättan auch sicher auch sehr erfreulich sowas bauen zu können, auch wenn die Stückzahlen sehr klein sind. Bei einer Werksbesichtigung wäre ich aber falls möglich ist dabei.

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  • @ Ulrich,

    meinen Daumen (hoch) haben Sie. Aber faszinierend finde ich auch, wie (technisch) vernünftig Unvernunft sein kann. Koenigsegg verzichtet auf so ziemlich alles, was man konventionellen und elektrischen Autos anderer Hersteller vorwerfen könnte …

    Kaum Zylinder (derer nur 3), kaum Hubraum, fast keine Batteriekapazität (seltene und bislang nicht recyclingfähige Erden) und ein ganz normaler Tank …

    Faszinierend, was dabei an Fahrleistungen, Reichweite und Verbrauchswerten rauskommt, obwohl der Einsatz an Ressourcen eng begrenzt ist.

    Man stelle sich vor, wie ein vernünftiger Hybrid aussehen könnte, der Anregungen dieses Technologieträgers konsequent umsetzt. Nicht auszudenken.

    Für mich ist der Gemera insofern auch ein klares Ausrufezeichen. Der politische Betrieb und sein Getriebe sind nicht geeignet, um technische Vorschriften zu erlassenen, hat keinerlei technische Richtungskompetenz. Gleichwohl nimmt man eine solche für sich in Anspruch und geht dabei so weit, Forschung, Technik, Wirtschaft und Wissenschaft Rahmenbedingungen zu setzen, die man häufig einer Blockade gleichsetzen kann und muss. Das ist desaströs und anmaßend.

    Schlimm ist auch, dass diese “Richtungskompetenz” in Verhandlungen mit Lobbyisten erworben wird. So haben innovative Ansätze aus relativ kleinen Unternehmen kaum eine Chance. Das ist auch ein Grund dafür, dass man in D die Produktion von Solaranlagen China überlassen und E85 keine Chance gegeben hat.

    Man wird sehen, wie es weitergeht. Mehr Offenheit für auch unterschiedlichste Lösungen wäre schön, ist aber nicht in Sicht …

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  • Sehr interessant! Jetzt wünsche ich mir den FreeValve Motor noch in einem bezahlbaren Auto von NEVS. Dann wäre die Welt fast schon wieder perfekt.

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  • Ich laufe sicher nicht Gefahr, Käufer eines “GEMERA” zu werden…, doch die Ansicht aus der Vogelperspektive könnte mich evtl. schwach werden lassen: ich sehe ganz viel SAAB Aero X Studie! Pilots wanted… Große Klasse!
    Ich werde aus Auto wohl nie zu sehen bekommen…, diese Teile stehen wohl eher unter Verschluss. Oder???

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  • Daumen ganz hoch! So einem kleinen Unternehmen gelingt es, Grossdieseltechnologie in einen kleinen Benziner einzubauen und damit eine ECHTE Innovation zu platzieren! Auch 15% wären ein enormes Einsparungspotential.
    Tolles Konzept und Glück für Trollhättan.

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  • Ein Hybrid für Tempo 400, was für ein Unsinn. Wenn man damit dauerhaft jenseits der 300km/h unterwegs ist, dürfte der Tank spätestens nach einer Stunde leer sein. Aber interessant welchen Aufwand der Hersteller betreibt um ein per se nicht umweltfreundliches Auto irgendwie “grün” und zeitgemäß erscheinen zu lassen. Die Motortechnologie hätte sich in einem 9-5 gut gemacht und wäre sicher ein Wetbewerbsvorteil gewesen. Aber hier ist das nicht mehr als ein Feigenblatt. Wenigstens ist die Stückzahl begrenzt.

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    • Fahrzeuge wie der Gemera fristen ihr Dasein maximal als 5.-Wagen in klimatisierten Garagen oder Sammlungen. Die Kilometerleistung pro Jahr wird homöopathisch sein, die Klimabilanz zu vernachlässigen. Der Gemera ist ein Hochleistungs-Technologieträger der zeigen soll was möglich ist.

      Vielleicht fließt etwas von dem Gemera zu einem späteren Zeitpunkt in die Serie bei NEVS ein. Man wird sehen.

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  • @ Roland
    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Es werden vielleicht 300 Exemplare, die man wohl eher nicht im öffentlichen Straßenverkehr sieht. Es ist ein Technologieträger. Wie oft sieht man denn einen i8 auf der Straße, der ja in Leistung und Preis nur 10% dieses Supersportwagens darstellt?? An diesen Autos geht die Welt sicher nicht zu Grunde.

    Aber überleg mal, wieviel KM eine Portion Nordseekrabben auf der Uhr hat, bis sie auf Deinem Teller liegt. Die werden von der Nordseeküste per LKW nach Marokko zum Auspulen gefahren und da sie in Wirklichkeit nur DREI Tage haltbar sind, kommen sie als Chemie-Sondermüll zurück. Nur ein ganz kleines Beispiel des täglichen Wahnsinns… Davon reden weder Greta noch die sogenannten Umweltschützer, weil es nicht ins (Geschäfts-)Konzept passt. Besser ist es, den Leuten ein schlechtes Gewissen einzureden, damit die angeblich umweltfreundliche Neuware kaufen.

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  • @ Roland,

    der Gemera wird sich und seine Innovationen hoffentlich nie hinter einem Feigenblatt oder gar in einem Laubhaufen verstecken.

    VW baut Autos mit 8.0 Litern Hubraum und 16 Zylindern (Bugatti) und Herr Musk raucht bekanntermaßen einen Joint nach dem anderen und lacht sich nachts in den Schlaf, während Kinder andernorts seine riesigen Batterien mühevoll aus ungesicherten Stollen kratzen und Land und Wasser für ein paar Cent/h vergiften.

    Die Welt soll bitte wissen, dass und wie es anders geht.

    Selbstverständlich hätten wir alle das am liebsten in einem Saab alltagstauglich und von der reinen Vernunft getragen umgesetzt gesehen.

    Schade also, dass Koenigsegg Saab weder übernehmen noch retten konnte. Aber immerhin gibt es automobile Innovationen aus Schweden. Das ist doch auch schon was, finde ich …

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  • Wie man in D mit Innovationen umgeht, kann man sehr gut am Umgang mit den deutschen Herstellern von Solar- und Windanlagen sehen. Deutsche Ingenieurskunst wird durch Bürokraten und “Umweltschützer” abgebügelt. Was auch gut zu diesem Thema passt, ist das geplante Ende von Streetscooter. Unter https://app.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-das-ende-von-streetscooter-ist-ein-armutszeugnis-fuer-deutschland/25599856.html äußert sich der Gründer Günther Schuh dazu.
    Und was sagt der “große” Herr Duderhöffer dazu: “”Streetscooter war schon immer ein Kartenhaus, das jetzt in sich zusammengebrochen ist”, sagte Ferdinand Dudenhöffer dem “Business Insider”. “Die Technik der Fahrzeuge war schlicht und simpel. Der Marktpreis war dafür viel zu hoch. Es wundert also nicht, dass die am Ende nur von der Post in Auftrag genommen wurden.”
    So viel zum Thema Offenheit für unterschiedliche Lösungen in D. Frei nach “Mutti” Merkel: Der batterieelektische Antrieb ist alternativlos! 🙁

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  • Ich meine mal gelesen zu haben, dass es Koenigsegg gar nicht gefällt, wenn man seine Fahrzeuge mit teilelektrischen Antrieben als Hybrid bezeichnet.

    Kann man auch irgendwie verstehen, denn die Elektromotoren sind Teil des Koenigsegg Direct Drives KDD. Der sich dadurch auszeichnet, dass kein Schaltgetriebe, oder irgendein anderes Getriebe mit veränderbarer Übersetzung, mehr verbaut wird.
    Die Übersetzung des Antriebsstrangs ist dann so ausgelegt, das der Verbrenner bei Höchstgeschwindigkeit mit Maximaldrehzahl läuft und das Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen kommt dann von den Elektromotoren.

    Es ist also eigentlich eine andere Art von Antriebsstrang, der seine Plug-in-Fähigkeit möglicherweise hauptsächlich deshalb bekommen hat, weil es beim Marketing hilft.
    Warum wurde dann überhaupt der neue Antriebsstrang eingeführt? Vermutlich weil das Gewicht gegenüber einem klassischen Antriebsstrang nicht wesentlich höher ist, das Drehmoment aber schon.

    Faktisch ist es natürlich ein Hybrid, aber eher zum Beschleunigen, als zum Sparen. Aber auch das kann er ein bisschen, weil eben Rekuperation bzw. Energierückgewinnung möglich ist.

    Koenigsegg hat vermutlich den Anspruch, das beste Hyper- oder Mega-Car zu bauen, aber nicht per se das beste Auto. An letzterem kann man sowieso nur scheitern …

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  • Kleine Anekdote

    Ich las heute, dass der Ölwechsel des W16 von VW 27 Stunden dauert und 21.000 € kostet …

    Vermutlich ist das eine global gültige Pauschale Bugattis. Man darf nicht vergessen, dass Hypercars nicht etwa zum Service fahren, sondern ihr Personal kommen lassen.

    Es wird ganz einfach eingeflogen …

    Guckt man sich dann die jährliche Laufleistung solcher Autos an, müsste man deren CO2-Emission je Km eigentlich in Kilogramm oder gar Tonnen angeben. Das Gramm als Einheit hat da jedenfalls ausgedient und die Verbrauchswerte geraten zur Nebensache.

    Narrenfreiheit haben aber alle Hypercars. Sie tauchen in Sammlungen ab und bleiben den Nachweis schuldig, ob sie überhaupt für 50.000 Km gut sind …

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