Saab 900 von 1985 und 262.000 Kilometer

Sind es nur 262.000 oder schon 262.000 Kilometer, die der 900 von Tim auf dem Tacho stehen hat? Für einen Saab 900 ist es eher wenig, aber darum geht es nicht nur. Die Kilometerkönige wollen auch ein Benchmark für Nachhaltigkeit sein. Und hier ist der 34 Jahre alte Saab kaum zu schlagen.

262.000 Kilometer und Lust auf viele weitere
262.000 Kilometer und Lust auf viele weitere

Saab 900 von 1985

Die Produktion von wievielen Neuwagen hat der Saab 900 von 1985 mit seinem langen Autoleben schon überflüssig gemacht? Eine berechtigte Frage,  die leider viel zu wenig Beachtung in der aktuellen Klimadiskussion findet. Denn würde man ihm die vermiedenen CO2 Tonnen gutschreiben, dann wäre Tim mit seinem Schweden unschlagbar nachhaltig unterwegs. Der Saab darf auch im fortgeschrittenen Alter noch auf lange Strecke gehen. Dieses Jahr war er zu Gast auf dem Festival in Trollhättan, und unterwegs wurde auf einem Schrottplatz die Ersatzteilversorgung der nächsten Jahre sichergestellt.

Überhaupt, was könnte schon kaputtgehen? Kaum Elektronik, eine robuste Mechanik, und wenn ich richtig informiert bin, kein Turbo, sondern ein Sauger unter der Haube. Der Saab ist ein paar Jahre älter als sein jugendlicher Besitzer, Tim und ich kennen uns vom Saab Stammtisch in Alzenau.

Saab 900 von 1985
Saab 900 von 1985

Wie fühlt er sich mit seinem Klassiker aus Trollhättan? Bei jeder Fahrt, so schreibt er mir, stellt sich bei ihm ein Gefühl von absoluter Entspannung und Zufriedenheit ein. Das kann ich nachvollziehen, und interessant ist, dass er nicht als einziger Leser des Blogs mit einem Auto unterwegs ist, das älter als sein Besitzer ist. Zeichnet sich da ein neuer Trend ab? Vielleicht… Auf jeden Fall ist es ein hoffnungsvolles Zeichen von gelebter Nachhaltigkeit durch eine junge Generation, die Saab ebenso mag wie die älteren Freunde der Marke.

Am kommenden Samstag präsentiere ich den nächsten Saab Veteran. Es muss nicht immer der höchste Kilometerstand sein, es zählen auch Alter und vor allem Nachhaltigkeit. Alle Besitzer von Kilometerkönigen, die ihr Auto auf dem Blog sehen möchten, sind herzlich eingeladen,  Bilder und Informationen zu schicken.

8 Gedanken zu „Saab 900 von 1985 und 262.000 Kilometer

  • Durch die lange Nutzung unserer Saab und weil man eben nicht aller drei-vier Jahre ein neues Auto gekauft hat, was vielleicht für Saab irgendwo auch nicht gut war, habe wir hier mit dem 9-5 schon mal 12-15 Tonnen CO2 gespart. Ich hoffe doch stark, dass uns dies bei der Steuer mal gegen gerechnet wird.

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  • Ja. Auch mir ging es schon durch den Kopf….. Ab einem gewissen Alter und/oder Kilometerstand eine CO2 Prämie zu bekommen. Werde gleich an die zuständigen Ministerien schreiben. Fürchte nur, etwas länger auf die Antwort warten zu müssen, da zunächst das neue grandiose Klimapaket und die Förderung der ach so umweltfreundlichen Elektromobilität abgearbeitet werden müssen. Nicht zu vergessen die Fördergelder an die Autoindustrie für Erforschung neuer Antriebstechniken…..
    Daher lasse ich mir mit dem Schreiben ein wenig Zeit. Mache gleich einen Ausflug mit einem der Saabe. Und genieße es, wenn in 178 Kilometern der Zähler auf 300.000 springt….

    Einen schönes Wochenende.

    Der Lizi

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  • Gäbe es einen gesellschaftlichen Konsens auf mehr Nachhaltigkeit zu setzen, dann hätten auch alte Autos einen höheren Stellenwert. Leider wird das nie der Fall sein. Das System lebt nur durch Konsum und einen Innovationsrausch dessen Nutzen man kritisch hinterfragen sollte.

    Auf jeden Fall würde kein Großkonzern etwas verdienen, wenn wir alle unsere Autos so lange nutzen würden wie Tim. Aber er macht es richtig und das ist gut so.

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  • Blut ist im Schuh …

    Nicht so bei dieser Ballkönigin der Nachhaltigkeit mit zierlichen Füßen und ihren perfekt sitzenden 80er-Jahre Discoschuhen. Eine coole Braut im besten Alter und einem schicken weißen Kleid. Bestimmt wird sie lange leben und noch viele Wege auf dem einen oder anderen Parkett leichtfüßig zurücklegen …

    Cooles und passendes Nummernschild. Ich würde ihr tatsächlich wohl noch eine kleine Discokugel an den Innenspiegel hängen oder gar zwei. Ein schöner Kontrast zu „large fuzzy dice hanging proudly from rearview mirros, like testicles (Zitat aus einem Song von Cake)“ …

    Apropos Nachhaltigkeit, ebenso wie Leser Andreas vermisse ich eine entsprechende politische Steuerung oder wenigstens die zarte Pflanze einer gesellschaftlich deutlich hörbar aufkeimenden Diskussion darüber, wie man sie fördern könnte. Mir sind ausschließlich politisch im Namen der Umwelt gesetzte Kaufanreize bekannt. Anders gesagt, wir sind eine Wegwerfgesellschaft – aber immerhin eine im Namen der Umwelt. Sehr befremdlich …

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  • Die Türgriffe …

    … sind ein gleichermaßen schönes und erstaunliches Detail an diesem Auto. Verchromte Henkel aus Spritzguss waren 1985 nicht mehr unbedingt billig herzustellen. Ferner standen diese schon ab den 1970ern eher für das konservative Denken von den langjährigen Traditionalisten unter den Herstellern …

    Ausgerechnet die nationale und damals anti-aerodynamische Konkurrenz (Volvo) versenkte schon ab 1972 eine Griffmulde in den Türen. Der Griff selbst wurde als rechteckige Platte bündig mit der Karosserie ausgeführt und bot daher auch keinerlei Windwiderstand. Das war nicht mehr so schön wie zuvor, hätte man so oder so ähnlich aber auch an einem Flugzeug
    vorgefunden …

    Ich will das gar nicht negativ für SAAB werten. Ganz im Gegenteil bin ich auf der Suche nach einem Volvo deshalb bei einem 1970er gelandet, weil ich explizit keine anderen Griffe haben wollte.

    Aber witzig finde ich es trotzdem, dass der avantgardistischere (und aerodynamischere) der beiden Schweden trotz seiner Wurzeln im Flugzeugbau in diesem Punkt langjährig so konservativ war, wie Jaguar, Bentley oder Rolls Royce. Das fällt mir heute erstmalig auf und schien mir eine Erwähnung wert – aber keinerlei Wertung. Nein, ich mag diese Art von Türgriff an jedem Auto, an dem diese zwingend oder auch nur adäquat ist …

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    • Wie (fast) immer hat alles bei Saab seinen Grund. Der hat im konkreten Fall nichts mit Aerodynamik, wohl aber mit Sicherheit zu tun. Die Saab Türgriffe erlauben den Rettungskräften bei Unfällen höhere Zugkräfte als es die versenkbaren jener Zeit tun. Aus diesem Grund blieb Saab der Grundform fast immer treu und verzichtete auf versenkbare Griffe. Sicherheit vor Design!

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  • @Tom,

    ich hatte mir schon gedacht, dass es einen guten Grund gäbe, und dieser nicht rein ästhetischer Natur wäre, es bei Saab auch gar nicht sein könnte …

    Jetzt aber kenne ich diesen. 1.000 Dank also für die erhellende Info.

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  • P.S.

    Tatsächlich ist bei einem der Volvos, die ich einst mit dem erwähnten Türgriff hatte (144, 244 & 245 von ’72, ’78 bzw. ’84), dieser auch einmal gebrochen – seinem bestimmungsgemäßen Gebrauch erlegen. Auch andere Erinnerungen kommen zurück …

    Man musste die Hand um 180° drehen und die Finger von unten her in die Griffmulde einführen, ohne dass man für diesen Akt einer relativen Verrenkung haptisch belohnt worden wäre. Das waren keine Handschmeichler. Einfach nur die Tür zu öffnen, das hatte ein klein wenig von „Handwerk“ an sich …

    Erstaunlich, wie sich der unterschiedliche Ruf beider Marken auch in diesem Detail spiegelt – ausgerechnet in einem vermeintlich (aber eben nur vermeintlich) moderneren Türgriff der sonst so konventionellen und würfelförmigen Göteborger manifestiert sich letztlich das vergleichsweise grobschlächtige Denken der nationalen Saab-Konkurrenz. Wer hätte das gedacht?

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