Einmal Nordkap und zurück. Von Trondheim bis Narvik.

Ich setze meine Tour alleine fort. Der alte Mann und sein Saab in Richtung Narvik. Immer weiter nach Norden! Hinter Trondheim bog ich dann bald auf die Küstenstraße Fv17 ab, der Strecke die auf kleinen Straßen immer der Küste entlang führt. Man passiert viele Fjorde, mal werden sie umfahren, mal mit den Fähren durchquert, was immer eine schöne Abwechslung ist.

Weiter nach Norden. Der alte Mann und sein Saab
Weiter nach Norden. Der alte Mann und sein Saab

Kleinere Wartezeiten sind einzurechnen. Auf der Strecke passiert man die Landschaften Namdalen, Helgeland und Salten. Zuerst wollte das Wetter gar nicht so, wie ich das wollte, es regnete in Strömen. Der erste Tag fiel buchstäblich ins Wasser. Allmählich besserte sich das Wetter und meine Regel, min. 10 Grad, kein Regen = offen fahren konnte jetzt sehr oft angewendet werden! Herrlich, im offenen Saab Cabrio die wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft vorbeiziehen zu lassen. Das gelassene Fahren stellte sich noch nicht so ganz ein, denn zwischen den Fährpassagen ist doch immer ein ziemlicher Pulk an Autos unterwegs und man will ja die nächste Fähre auch in der Zeit erreichen. Denn fährt die Fähre ab, heisst es eine Stunde oder länger warten.

Da fehlte mir etwas die Gelassenheit, mal eine Fähre zu verpassen. Es ist jedoch so, man steckt sich ein Ziel, hat schon ein Hotel gebucht und dann muss man halt einfach dort mal ankommen.
Man fährt auch an dem großen Gletscher Engabreen, Svartisen, vorbei. Sehr imposant, wenn auch nur aus der Distanz gesehen.

Die großen Gletscher. Immer noch sehr imposant
Die großen Gletscher. Immer noch sehr imposant

Meine Übernachtungen auf der Strecke waren in Terak, Mo i Rana, Straumen und dann am Schluss in Narvik.

Das schlechteste Hotel meines Lebens

Terak, wie kam ich bloss dazu hier zu übernachten? Hässlicher Ort, gottverlassen und das wohl schlechteste Hotel meines Lebens. Am Morgen danach nur ein Gedanke möglichst schnell weg.
Mo i Rana ganz ok als Durchgang mit einem netten Hotel und gutem Frühstück. Schlichte Statue im Meer, Havmannen, genannt, ergibt ein schönes Fotomotiv.

Straumen, Ort des grössten Gezeiten Stromes der Welt, dem Saltstraumen, ein eindrückliches Schauspiel. Durch einen 2,5 Kilometer langen und etwa 150 Meter breiten Sund strömen im Wechsel der Gezeiten fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen dem Saltfjord am Meer und dem Skjerstadfjord im Inland (auch „Innerer Saltfjord“) hin und her. Der Sund befindet sich zwischen der Insel Straumøy im Süden und der Halbinsel Knaplundsoya im Norden. Der Wasserstrom durch die Engstelle zwischen Straumøya und dem Festland ist wegen geringer Wassertiefe klein.

Engstelle zwischen Straumøya und dem Festland
Engstelle zwischen Straumøya und dem Festland

Das Hotel ein alter Holzkasten mit vielen Nebengebäude. Als ich ankam standen vor diesen Nebengebäuden etwa 40 Motorräder. Da ging mir doch gleich etwas den Laden runter, mag ich diese Dinger die einfach so einen unsäglichen Lärm produzieren nicht wirklich. Umso erstaunter war ich dann am Morgen! Alle Motorräder verschwunden und ich habe nichts gehört, äh? Die müssen früh am Morgen abgefahren sein und zu der Sorte gehört habe die ein Motorrad leise bewegen können.

Dann Narvik, eine Industriestadt mit all ihren hässlichen Fratzen. Es wird ja nach wie vor viel Erz aus Kiruna nach Narvik transportiert und dort auf die Frachter verladen. Es liegt etwas Raues, rohes in der Luft von Narvik. Die Häuser wirken alle etwas heruntergewirtschaftet oder gar verlassen. Narvik, allein der Name hat etwas Schauerliches. Die Stadt hat auch eine traurige Vergangenheit. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie arg gebeutelt. Viele Hinweis-Tafeln zeigen das.

Nächster Halt: Die Lofoten.

5 Gedanken zu „Einmal Nordkap und zurück. Von Trondheim bis Narvik.

  • Vielen Dank für diesen schönen Reisebericht. Das lädt zum Nachahmen ein.

    Gruß vom Erik

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  • Schöne Bilder und sehr interessant geschrieben, lieber Hans! Vielen Dank! Auch sehr interessante Infos mit dem besten und dem schlechtesten Hotel des Lebens. 🙂

    Eine Frage stellt sich mir: Wird einem nicht ein wenig einsam auf so einer langen Strecke dann allein? Oder reicht die Gegenwart der Limonen-Schönheit, der Schönheit der Landschaft, der Genuss des Offenfahrens und das vielleicht zu hörende Vogelgezwitscher oder Meeresrauschen? (Die Abneigung gegen Motorradlärm kann ich schon nachvollziehen.) Oder genießt man dann die Saab-Soundanlage? Ich habe das bei meinem herrlichen, damals neu von mir konfigurierten 2007er Cabrio in dem wunderschönen Saphirblau-metallic (fusion blue, gabs bei den Modellen mit dem auch äußeren Facelift dann leider nur noch ganz kurz) jedenfalls auch gerne getan, die 300 Watt-Anlage mit 10 Boxen hatte einen fantastischen Klang! Und wenn man nicht gerade in der Stadt unterwegs war, fand ich es auch nicht zu bescheuert, den auch beim Offenfahren mal in vollen Zügen zu genießen! 🙂

    Freue mich schon auf den nächsten Teil des Reiseberichts!

    Antwort
    • Ja klar fühlt man sich etwas einsam auf so abgelegenen Strecken alleine unterwegs zu sein. Ich hätte meine Partnerin sehr gerne mit dabei gehabt. Geht halt aus ihrer Sicht leider nicht, weil sie das Haus und vorallem den Garten nicht alleine lassen kann, respektive will. ( da hatten wir schon unsere Diskussionen! )

      Den Tag über ist man dann aber mit allerlei Kram beschäftigt, einkaufen, tanken und natürlich rasten und gucken. Das Fahren ist ein wahres Vergnügen, gute, süffige Musik gehört natürlich dazu. Als sich bei mir dann langsam die Gelassenheit eingestellt hatte, stellte ich den Tempomat so auf 60-70 km/h ein, liess die Automatik meist im 4 Gang fahren und genoss die herrliche Landschaft. Genuss pur.
      Nun, dann kommt man Abends irgendwo an, geht ins Hotel, packt aus, duscht und geht dann irgendwo essen. Dann kehrt die Einsamkeit sehr schnell ein. Es gibt fast nichts langweiligeres oder sich allein fühlen, als in einem fast leeren, kahlen Restaurant auf sein Essen zu warten. Zum Glück gibt es heute die Smart Phones :-), da klimpert man halt auf diesem herum und guckt sich die nächste Strecke und andere Dinge an.

      Alleine reisen ist etwas zwiespältig. Man kann tatsächlich Tun und Lassen was man will, hat aber halt auch nie jemanden an der Seite um die schönen Eindrücke einer solchen Reise teilen zu können!

      Danke an alle Leser/innen für die bis jetzt sehr poitiven Feedbacks zu meinem Reisebericht.

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      • Ja, genau das sind die wirklich blöden Seiten des Alleinreisens: Alleine im Restaurant sitzen und dass man die schönen Eindrücke nicht mit seiner/seinem Liebsten teilen kann. Geht mir ganz genauso! Ich würde zB so gerne mal wieder einen Segeltörn zu kleinen Inselchen im Mittelmeer machen. Aber mein Liebster ist nicht seefest. Er sagt dann, ich solle das ohne ihn machen, aber dazu habe ich keine Lust. Gerade so romantische Eindrücke und genussvolle Momente will man ja mit dem Liebsten teilen. Glücklicherweise teilen wir die Saab- Leidenschaft! Die Garten-Leidenschaft kann ich als Frau aber auch nachvollziehen! Vielleicht ergibt sich ja doch mal ein Garten-Fan im Bekanntenkreis oder ein professioneller Gärtner, der aushelfen kann? Aber so war es ja auch schon ein guter Kompromiss. Vielleicht dann für die nächste Reise in die andere Richtung mit dem Saab zum Kap der guten Hoffnung?? 😉 😉 😉

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        • Kap der guten Hoffnung, der ist gut! Da würde ich aber meinen über Jahre in Kenya gefahrenen Landcruiser HJ47 vorziehen 😉

          Antwort

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