SAAB und Saugmotor

Ja, ich gebe es ja zu. Auch ich liebe Autos mit Turbomotoren, vor allem die vom alten Schrot und Korn. Heutzutage sind ja sogar bis ins Kleinwagensegment fast alle Autos mit Turbomotor ausgestattet, die sich, und das ist ja auch das Ziel in der Aggregateentwicklung, eher wie großvolumige Saugmotoren anfühlen (ich bin seit vielen Jahren bei einem großen Automobilhersteller im Süden des Landes als Antriebsstratege tätig!).

Ein Saab muss nicht immer Turbo sein
Ein Saab muss nicht immer Turbo sein

Aber, wo sind also die Exklusivität und dieser ungehobelte Charakter früherer Turbomotoren geblieben? Dieses „untenherum“ noch lahm, aber dafür umso mehr Bumms wenn der Turbokompressor Druck ausreichend aufgebaut hat. Ich hatte einige solcher Fahrzeuge und nicht nur SAABs.

Angefangen habe ich mit einem Nissan Silvia 1.8 Turbo von 1988 mit Heckantrieb. Das Auto hat viel Spaß gemacht und hatte damals eine deutlich bessere Elastizität als z.B. ein leistungsgleicher BMW318is mit Sechszehnventiler. Dann folgte ein Audi 200 quattro 20V mit legendärem 5-Zylinder-Turbomotor und 309 Nm bei bereits 1.950 min-1.  Darauf folgten 2 SAAB 900 Turbo 16 (die ich übrigens Beide noch immer besitze) und ein 9-3 Softturbo (den ich leider eingetauscht habe).

Jetzt fragt ihr euch bestimmt was denn das mit dem Titel zu tun hat? Ich wollte meine SAAB 900 Turbos das Salz im Winter nicht mehr antun. Also nur Zulassung mit Saisonkennzeichen. In den letzten Wintern bin ich entweder mit dem Auto meiner Frau oder Tochter oder sogar Bus gefahren, was zwar der Umwelt gut tut, jedoch meine Reisezeit verdoppelt. Und die 5 Monate Enthaltung vom SAAB Fahren wurden immer schwerer bis hin zum nicht mehr auszuhalten!

Das bedeutete: ein „Daily Driver“ SAAB musste her! Aber preisgünstig sollte er sein und am liebsten ein 9-3 Coupé, Handschalter mit natürlich einem Turbo. Da fand ich aber auf Mobile.de in der Nähe ein 9-3 5T 2.0i mit Automatik, also genau das Gegenteil von dem was ich eigentlich suchte. Ich bin das Auto dann aber trotzdem Probe gefahren und war positiv überrascht. Und da das Auto auch sonst für sein Alter in einem guten (nahezu kein Rost), gepflegten Zustand war, habe ich es gekauft.

Ja, es ist kein Sportwagen. Aber für das tägliche Pendeln, meistens auf der Landstraße und in der Stadt, reichen die Fahrleistungen völlig aus. Mehr noch: das Auto entschleunigt und befreit vom Stress. Nachdem ich das Öl der Automatik gewechselt habe, schaltet sie wieder butterweich. Obwohl fast 20 Jahre jung und 210.000 km fühlt sich das Fahrwerk immer noch knackig an und ist frei von Poltergeräuschen.

Auch sonst gibt es keine „Squeaks and Rattles“. Der Geradeauslauf ist tadellos, die Lenkung liefert viel Gefühl und eine gute Bremswirkung mit eindeutigem Pedalgefühl ergänzt das positive Bild. Eine weitere, absolute Stärke des Autos ist das Fahren im Schnee. Die Kombination aus neuen, sehr guten Winterreifen (Conti TS 860), geringem Drehmoment und das Winterprogramm der Automatik (Anfahren im 3. Gang) sorgt dafür, dass sich das Auto fleißig durch jede Schneedecke wühlt (und in diesem Winter gab es viel Schnee!).

Wie auf den Bildern zu sehen glänzt sogar der Lack, obwohl ich nur so ab und zu mal wasche. Klar, ein paar Kleinigkeiten gibt es immer: die übliche Pixelfehler sind vorhanden (die wichtigste Informationen sind aber noch erkennbar), der Luftmassenmesser war defekt und musste ersetzt werden, der komplette Auspuff war fällig und die Klimaautomatik kühlt nicht. Aber, alles in Allem, macht das Auto einfach glücklich und freue ich mich auf jede Fahrt!

Kommen wir jetzt zu meinem Fazit: Jungs und natürlich auch Mädels, traut euch zu einem SAAB mit Saugmotor! Es muss nicht immer ein Turbo sein, um mit einem SAAB glücklich zu werden.


Danke an Herman Verbeek für diese Saab Geschichte! Wie fährt es sich im Alltag mit einem älteren Saab? Was erlebt man, wie reagieren Freunde, Kollegen und die Familie? Mit Nachsicht, Begeisterung oder Mitleid? Wie hält man den Saab am Leben, was erlebt man mit Ersatzteilen und Werkstätten, wie optimiert oder restauriert man den alten Schweden?

Ein weites Themenfeld für die “Saab Geschichten 2019!”. Herausfordernd, aber auch interessant. Wie sieht es bei den Fans aus, wie stark schlägt das Saab-Herz im Alltag? Schreibt es uns, es lohnt sich!

13 Gedanken zu „SAAB und Saugmotor

  • Endlich wieder Sonntag und eine frische Dosis SAAB.

    Wagen und Motor hatte ich auch mal. Als Schalter in silber. Wiedersehen macht Freude. An Auto und Motor hatte ich nie etwas auszusetzen und musste logischerweise auch nie einen Lader oder einen der Schläuche oder andere Teile tauschen, die da dran hängen. Mit einem 2.3i im 9000 war ich auch ein paar tausend Km unterwegs. Prima Motor.

    Sehe das genauso wie der Autor. SAABs müssen nichts mehr beweisen und die jüngeren SAAB-Sauger schwimmen prima mit und können auch zügig unterwegs sein. Natürlich verbrauchen sie etwas mehr, als die in allen Fahrzeugklassen und für jeden Hubraum selbstverständlich gewordenen Turbos, ziehen den kleinen Motoren mit 90 oder 105 Turbo-PS aber auch noch immer davon und halten 200.000 Km länger als ein Rasenmähermotor in einem Auto von über einer Tonne …

    Wer heute einen SAAB Young- oder einen jüngeren Oldtimer sucht, guckt wohl besser nach Zustand und Ausstattung und auch nach der Farbe, als ausschließlich und prioritär in Richtung einer Zwangsbeatmung zu schielen.Und ich finde es verdammt cool, wenn jemand in der deutschen Autoindustrie seine Brötchen verdient und SAAB fährt. Vielen Dank an Herman Verbeek, für seine Turbo-Gedanken und die sonntäglich saabische Unterhaltung.

    11
  • Sehr schöner Beitrag von Herman. Im Stadtverkehr von Freiburg bewege ich gerade abwechselnd einen 9000 2.3 Sauger und einen mit Turbo und kann dem Autor nur zustimmen. Der aufgeladene Motor ist in vielen Situationen wirklich entbehrlich. Was macht eigentlich Tom’s weißer 9000CS 2.3i?

    • Der CS parkt (noch) im Hangar. Da sich meine bauliche Situation absehbar ändern wird ist die Zukunft offen. Updates, falls es welche geben sollte, kommen natürlich auf dem Blog.

  • Wieder eine schöne Saabgeschichte, danke.
    Turbos machen natürlich Spaß, aber auch die Sauger können viel Freude bereiten. Ich selbst hätte ja nichts gegen einen 9-3II 1,8i. Wegen der nur 122PS würden da auch die Unterhaltskosten im Rahmen bleiben.

  • Habe auch so ein SAAB für Anfänger gesucht, ohne Trionic und Turbo Problematik und schließlich gefunden. 9-3 S aus erste Hand und Checkheftgepflegt. Fahre damit über 4 Jahren, jetzt hat der 236.000 und ich bin sehr zufrieden. Weniger ist manchmal mehr )))

  • Danke für die Dosis Saab Geschichte. Ist doch immer wieder schön zu lesen, dass es noch andere Enthusiasten für Saab gibt.
    Mir gefällt die 93er Limousine sehr gut. Hat einfach eine schöne und zeitlose Form. Meine 93er Limousine ist einer der raren 5 türigen Viggen. Den Saab Saugmotor habe ich in meinem 93er Cabrio Baujahr 1998. Es ist der 2.3i Motor mit 150 PS, in Kombination mit der 4 Gang Automatik. Nun ja, das Gefährt ist doch etwas träge unterwegs, aber das macht ja nichts, ist ein Cabrio zum coolen cruisen. Und es wäre natürlich auch unfair den 2.3i mt dem 2.3 Turbo Viggen zu vergleichen, denn was geht schon so ab wie ein Viggen 😉
    Das gelbe 2.3i Cabrio wartet schon ungeduldig auf seinen ersten Einsatz! Ab dem 1.4. ist es wieder so weit, dann kann es losgehen 🙂
    Allen einen guten Start in die Woche und in den Frühling der da kommen soll!

    2
    1
  • Wieder eine tolle Saab Geschichte. Danke dafür.
    Ich habe zwar noch keinen „non-Turbo“ besessen, kann aber von Bekannten berichten, das diese Saabs keineswegs untermotorisiert sind. Gerade im Landstraßen Betrieb sind diese Motoren vollkommen ausreichend. Nur der Verbrauch soll etwas höher sein, weil man die fehlende Leistung durch höheres Ausdrehen der Gänge kompensieren will. Ich jedenfalls würde jeden Saab fahren. Bei guter Pflege halten alle Motoren lange. Einer meiner 9-5 Aero hatte 579000km runter!
    Allen Saabfahrern eine schöne Woche

    • Genau so ist es. Der Verbrauch ist je nach Fahrweise etwas höher oder sogar etwas niedriger …

      Sinn und Zweck eines Turbos ist ja streng genommen, mehr Sprit bei gleichem Hubraum und gleicher Drehzahl verbrennen zu können, weil man mehr Luft und somit Sauerstoff zuführt, als ein Sauger ziehen würde. Insofern konkurrieren Turbos auch gar nicht direkt mit den Saugern gleichen Volumens und selber Zylinderzahl.

      Ihre Minderverbräuche erzielen Turbos verglichen mit Saugern gleicher Leistung und ähnlichen Drehmoments, was ein sehr wichtiger Unterschied ist. Ein Sauger gleicher Potenz bräuchte mehr Hubraum und Zylinder, hätte mehr Reibungsverluste und höhere Massen, die er in vielen Betriebszuständen (Stadtverkehr oder konstant moderate Fahrt auf einer Landstraße) anders als ein kleinerer Turbo völlig sinn- und nutzlos mit sich rumschleppen und in Bewegung halten würde.

      Man kann also einem 2.0 oder 2.3 Sauger mit 4 Zylindern nicht per se unterstellen, dass er mehr verbrauchen würde als sein aufgeladenes (und leistungsstärkeres Turbo-) Pendant mit dem selben Motorblock.
      Und die SAAB-Sauger schaffen es nicht nur auf die Landstraße, ohne untermotorisiert zu sein. Außerhalb Deutschlands ist das ohnehin kein Thema. Ausgerechnet mit einem Sauger (9000 2.3i) bin ich 1994 meine wohl ewig währende höchste persönliche Durchschnittsgeschwindigkeit über 600 Km gefahren – ein kleines BAB-Talladega mit einem SAAB-Sauger!
      Eine phantastisch entspannte und sehr zügige Nachtfahrt mit Nightpanel aber ganz ohne Turbo.

      25 Jahre (ein Vierteljahrhundert) später bin ich zwar besser motorisiert, aber trotz Turbo im Durchschnitt langsamer unterwegs. Selbst in D spielt die Motorisierung nur noch eine untergeordnete Rolle. Limitierende Faktoren sind viel mehr die Verkehrslage, Baustellen, Tempolimits und Tankstops. Unter diesen Voraussetzungen halten die SAAB-Sauger auch auf der BAB ganz locker mit den SAAB-Turbos Schritt. Heute mehr denn je …

  • Ein Statement für den Sauger, wie schön! Der 9-3 I ist sowieso eines der schönsten Fahrzeuge aus Trollhättan. Danke für das Lesevergnügen!

  • Ich bin vor vielen Jahrzehnten von 99 EMS auf 99 turbo gewechselt – und habe die Vor- und Nachteile gespürt. Der Einspritzer hing irgendwie direkter am Gas, der Turbo (zumindest im unteren Drehzahlenbereich) eher indirekt. Das war beim folgenden 900 turbo auch so. Der 9000 i der dann folgte war wieder spontaner. Aber die Turbos war besser geworden und so folgte letztlich darauf wieder ein Turbo, ein 9000er. Tja, und dann verschwand einer der erfolgreichsten Saab-Händler, und seitdem gibt es östlich von Hamburg keinen mehr. Aber Saabs gibts hier noch viele, nicht nur in unserem Carport.

  • Schöner Bericht, Danke! Aber: Na ja! Meine Saugerbegeisterung hält sich in Grenzen (Der 900 S den ich hatte, hat mir von allen Saabs am wenigsten Spass gemacht). Bei uns im Bergischen Land kommt es auf der Landstrasse oft zu Überhol-Situationen, in denen ich von 60 auf 100 beschleunigen muss. Da habe ich festgestellt, dass die Herzklopfen im Sauger und Turbo dieselben sind, einmal weil es spannend ist, ob ich rechtzeitig vorbeikomme und einmal weil… „wow, wie geil ist das denn“.
    Gestern war ich im Emsland (Familienbesuch) 600km, davon 550 Autobahn, ganz entspannt 140, Tempomat und gute Musik. Da hätte ich den Turbo nicht gebraucht, aber gestört hat er auch nicht! Und 5,8l /100km Diesel im 9-5 Kombi zählen für mich auch, der Sauger tat es nie unter 9 l. Also: ich liebe meine Turbos!

    • Ja, na ja!

      Den Effekt der unterschiedlichen „Wows“ kenne ich auch. Allerdings wird es schon ein wenig unfair, wenn Sie nicht nur Turbo mit Sauger, sondern auch noch Diesel (Turbo) mit Benziner (Sauger) vergleichen, den Verbrauch ins Spiel bringen und dann auch noch je Liter messen, anstatt anhand des tatsächlichen Energieeinsatzes …

      Da kann man auch Kirschen mit Gummibärchen vergleichen. Äpfel und Birnen haben ausgedient …

      P.S.
      5,8 Liter Diesel entsprechen übrigens ca. 7 Litern Benzin an Energie und CO2-Emission. Ist ja auch okay, aber bei konstant 140 haut mich das auch nicht gerade vom Hocker und bleibt grob im Bereich dessen, was mit einem saugenden Benziner durchaus möglich wäre.

  • Ein sehr schöner Bericht zum und für den Saugmotor.
    Klar, ein Turbomotor bei SAAB ist absolute Endstufe, aber auch ein Sauger kann bequem und zügig sein. Fahre seit ein paar Jahren den 2,3 i Motor im 9000. Der Motor kann ruhig aber wenns darauf ankommt auch zügig fahren. Klar, kein Verhältnis zum Turbo aber für mich reicht es um auf der Autobahn auch mal links mit schwimmen zu können.
    Auf der letzten Reise von HH -> Hessen lag der Verbrauch bei 130 km/h bei 7,9 Litern, was ich für so einen großen Motor und das dementsprechende Alter wirklich sehr respektabel finde.

Kommentare sind geschlossen.