Meine Saab-Geschichte: Wie die Leidenschaft gesiegt hat

Für viele Leser, auch für mich, hat die Saab Leidenschaft mit dem klassischen 900 begonnen. Ein weiterer Beitrag zu unserer Ursaab Aktion. Laurenz erzählt wie bei ihm die Leidenschaft gesiegt hat.

Meine Saab-Leidenschaft reicht zurück bis in die Mitte der 1980er Jahre. Es muss um die Zeit gewesen sein, als der Wechsel von der Grundschule in die weiterführende Schule mit der Busfahrt von meinem Heimatdorf nach Bingen am Rhein einherging.

... in natürlicher Umgebung (waren das noch Zeiten, als am Saab-Museum neue Saab-Fahrzeuge beworben wurden...)
… in natürlicher Umgebung (waren das noch Zeiten, als am Saab-Museum neue Saab-Fahrzeuge beworben wurden…)

An der Bushaltestelle wartend nahm ich allmorgendlich ein vorbeifahrendes Fahrzeug wahr, dass mich sofort faszinierte, weil es sich so wohltuend abhob, so eigenwillig aussah, so ganz anders klang als alle Fahrzeuge, die ich bis dato kannte: Es war ein dunkelblauer Saab 900 Turbo. Das Bild mit dem bärtigen Fahrer am Steuer sehe ich noch heute messerscharf vor Augen. Jeden Morgen hoffte ich, die Zeit so abpassen zu können, um diesen kurzen Augenblick zu erleben, da der Saab elegant und gelassen an uns wartenden Schulkindern vorbei blubberte.

Etwa zur gleichen Zeit verlagerten sich die familiären Sommerurlaube aus beschaulichen dänischen Ferienhäusern nach Schweden, dessen südlicher Teil bis zur Höhe Stockholms mehrere Sommer in Folge kreuz und quer bereist wurde. Saabs, wohin das Auge blickte! Von da an war ich mit dem Saab-Virus infiziert, wenn er auch noch lange schlummern musste, bis sich sein Ausbruch durch den Kauf eines Saabs nicht mehr bändigen ließ. Der Vollständigkeit halber muss ich allerdings gestehen, dass es mir auch die andere schwedische Automarke angetan hatte: der 240 Kombi stand ebenfalls hoch in meiner schwärmerischen Gunst. Zwar habe ich mal in einem Artikel eines schwedischen Journalisten gelesen, ob man Saab oder Volvo bevorzuge, sei in etwa vergleichbar damit, welchem Geschlecht man näher stünde (ob er auch eine Zuordnung der beiden Marken zum männlichen oder weiblichen Geschlecht vornahm, daran erinnere ich mich nicht mehr). Dieser Einschätzung kann ich allerdings bis heute nicht ganz zustimmen: Es lässt sich durchaus vereinen, beide schwedischen Automarken zu mögen…

Eine weitere Hürde war zu überwinden: Im elterlichen Hause galt ein Auto als Gebrauchsgegenstand, es musste einen hohen Nutzwert haben, durfte nicht viel kosten und der Luxus endete schon damit, dass ein einfaches Radio eingebaut war. Zumindest auf gewisse Qualität wurde geachtet, die Familienfahrzeuge rollten aus den Hallen des größten deutschen Autobauers. Aber: dass ein Auto Spaß machen kann, dass man damit mehr verbinden kann als von A nach B zu kommen – dies alles kam im familiären Horizont nicht vor! Ich musste an mir arbeiten, diesen automobilen Vernunftansatz aus meinem eigenen Gedankengut zu verbannen.

Hilfreich war hier der Umzug nach Köln Ende der 1990er Jahre. Klassische Saab 900 gehörten dort doch regelmäßig zum Straßenbild, der schlummernde Virus begann zu erwachen. Ich machte mich auf die Suche und fand die auf Saab spezialisierte freie Werkstatt „KFZ Schütz“. Die dort angebotenen Fahrzeuge und mein nach dem Studium noch etwas schmaler Geldbeutel wollten jedoch nicht so recht zueinander passen. Es sollte zwei weitere Jahre (und ein Volvo 440!) dauern, bis 2001 mein automobiler Bescheidenheitsethos überwunden, das ausreichende Sparguthaben angesammelt und der erste Saab mein Eigen war. Auf ein Gesuch in einem Online-Saab-Forum erhielt ich mehrere Zuschriften. Die Wahl fiel auf einen schwarzen 900S Baujahr 1992. Der hatte zwar schon 214.000 Kilometer gelaufen, war aber in tollem Zustand und mit schöner Ausstattung. Neben den üblichen Features besaß der Wagen ein Schiebedach, Edelholzarmaturen und eine sehr feine Becker-Soundanlage. In der darauffolgenden Sommersaison spendierte ich ihm dann noch Super-Aero-Felgen, die Stahlfelgen durften fortan die Winterreifen tragen. Ich war glücklich!

Bis Ende 2006 fuhr ich meinen geliebten Schwarzen, im Alltag und auf weiten Reisen (Bretagne, Irland, Schweden, mehrmals Südengland) zeigte er sich als tolles Auto, gut umhegt und gepflegt durch das Team von KFZ Schütz. Als Ende 2006 dann doch beim Stand von 343.000 Kilometern umfangreichere Reparaturen anstanden, entschied ich mich, den 900 gegen einen 9-3 Baujahr 1999 einzutauschen – wir wurden aber leider nie so richtig warm miteinander. Und ja – es folgte ein weiterer Abstecher zur anderen schwedischen Marke. Aber: Seit gut zwei Jahren fahre ich ein Le-Mans-blaues Saab 900S Cabrio Baujahr 1992, die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Für den Alltag steht inzwischen ein vom Arbeitgeber zur Verfügung gestelltes norddeutsches Massengefährt vor der Tür und wie schon Ende der 1990er Jahre kämpft in mir derzeit Vernunft mit Leidenschaft: Wäre es nicht was, nicht nur an schönen Sonnentagen mit einem Saab zu cruisen, sondern auch im Alltag? Gerade jetzt, wo die Zukunft der Marke so unabsehbar ist? Soll ich, kann ich mich an einen 9-5NG wagen? Ist das klug? Spielt das überhaupt eine Rolle, ob es klug ist? So inspiziere ich Woche um Woche die in einschlägigen Internetportalen angebotenen Fahrzeuge, Ausgang – noch – offen…

Saab steht für mich für einen individuellen, sich wohltuend abgrenzenden Weg der Fortbewegung. Saab steht für mich für Spaß am Unterwegssein, ohne überheblich seine automobile Potenz jedem vor die Nase halten zu müssen, wie das so viele andere Autobauer tun. Eine Leidenschaft für Saab zu haben steht für mich dafür, ein Statement gegen den Mainstream der Globalisierung zu setzen, in dem der Mehrwert kleiner, feiner Manufakturen nichts mehr zählt und diese zum beliebigen Spielball der großen Player verkommen.

9 Gedanken zu „Meine Saab-Geschichte: Wie die Leidenschaft gesiegt hat

  • …. sehr schöner Bericht, danke !

  • Klasse Bericht! Finde mich absolut in dem Paradigma der Vernunft wieder 🙂

  • Super geschrieben! Toller Schlussabsatz 🙂 .

  • Na das geht ja mal unter die Haut. Was eine tolle geschichte!! Klasse

    Kann übrigens den Kauf eines 9-5 Ng nur empfehlen.. Reinsetzten und genießen!

  • Ich kann dem nur beipflichten, es ist durchaus möglich Saab UND Volvo zu mögen, manche Modelle mehr, manche weniger. Noch ein Suchender, ich schaue auch jeden Tag … 😉

  • Toller Bericht!
    DANKE auch für den sinnhaltigen letzten Absatz! Kann mich mit den Aussagen gut identifizieren 🙂 Welch` phantastische Breite des SAAB-Spirits!

  • Was für eine tolle Geschichte, danke dafür!
    So oder so ähnlich ist es mir auch passiert mit meinem allerersten Saab. Eigentlich wollte ich gar keinen Saab kaufen sondern einen Chevy Blazer. Habe mich dann für einen 9000er entschieden vor über 20 Jahren; den Blazer später trotzdem gekauft und einen weiteren 9000er. Davon aber mal ein wenig später.Infiziert habe ich mich trotzdem und kann auch nicht mehr davon lassen. Bin zurzeit krank und werde meine Geschichte nach der Genesung erzählen.

  • Eine tolle Geschichte. Vor allem der letzte Absatz spricht mir aus der Seele. Danke!

  • Danke für die tollen Kommentare… Und ein Nachtrag zu meiner Saab-Story: Gestern hat die Leidenschaft erneut gesiegt: Habe einen Kaufvertrag für einen 9-5NG unterschrieben!

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