Digitales Leben und Sterben

Wenn etwas für das digitale Zeitalter steht, dann ist die Kurzlebigkeit. Digitale Dinge sind vergänglich, vor allem,  wenn es um die nicht mehr existente Automarke Saab geht. Wir haben in diesem Jahr viele digitale Leuchttürme verloren. Gleichzeitig entsteht aber immer wieder Neues.

Alles Saab? 9-5 NG auf der Stadtautobahn in Kiel
Alles Saab? 9-5 NG auf der Stadtautobahn in Kiel

Digitales Sterben

Wenn man von einem digitalen Saab Leuchtturm spricht, dann fällt mir immer wieder Saabsunited ein. Das internationale Saab Flagschiff funkte im Januar sein letztes Lebenszeichen. Dann ereignete sich nichts mehr, das Projekt scheint tot – eingestellt wie einige andere Saab Präsenzen auch. Auch das Swedcarforum aus Österreich hat es nicht geschafft, es fand sich leider niemand,  der es übernehmen wollte. Der Berliner Saab Blog von Dirk Krinelke stellte im Juli seinen Dienst ein, und der Youngtimer Blog, ein Urgestein in der Szene,  der immer wieder Saab Inhalte hatte, machte im August die Schotten dicht.

Woran liegt es, dass private Initiativen vom Netz gehen? Ein Hauptgrund liegt wohl in der schwammig formulierten DSGVO. Als Blogger steht man stets mit einem Bein in der Grube der Abmahnanwälte, nicht Jeder tut sich das an. Ein anderer Punkt sind die steigenden Kosten, die das Hobby des Bloggens teuer machen. Vor 6 oder 7 Jahren war Vieles gratis. Ausser Server und Domainkosten war da nicht viel. Das hat sich, im Laufe der Jahre, verschärft. Heute zahlt man für Sicherheit, Backup, Design und für jedes kleine Stückchen Komfort. Die Lizenzen kosten. Monatlich, jährlich oder einmalig. Schon bei geringen Ansprüchen stehen am Jahresende unfreundliche 4-stellige Beträge auf der Rechnung. Das gibt nicht jedes Hobby-Budget her.

Vor allem auch, weil die Gegenfinanzierung immer schwieriger wird. Ich beobachte gut gemachte Blog Projekte, jenseits der Saab Welt, die trotz qualitativ hochwertiger Inhalte und vieler Besucher nicht einmal die Hälfte ihrer Kosten decken können. Es sind Randthemen, die dort besprochen werden. Mal geht es um Kultur, mal um alte Autos. Für Niemanden ist das lebenswichtig. Aber der Trend ist beängstigend, er zerstört digitale Vielfalt. Und er scheint weltweit gültig zu sein. Vor einigen Tagen schrieb Marktführer WordPress in einem Newsletter, dass man es sich doch bitte gut überlegen soll, bevor man seine Seite offline setzt. Ungewohnte Worte von einem Anbieter,  der mit dem jahrelangem Wachstum seiner Softwareprodukte den Erfolg gebucht hatte.

Digitales Leben

Glücklicherweise steckt in der Saab Szene jede Menge digitales Leben. Wenn etwas verschwindet, dann entsteht oft auch etwas Neues. Oder Projekte werden weiter geführt, gepflegt. Ein tolles Projekt ist 9-5sc-2012.com von Michèl. Es widmet sich ganz den letzten Fahrzeugen aus Trollhättan und hat vor einigen Tagen den Produktionsreport für den 9-4x und den 9-5 NG veröffentlicht.

Hinter diesen einzigartigen Statistiken steht Henrik Zaar und sein Team, sowie Mitarbeiter von Orio, die über Monate hinweg Daten zusammengetragen haben.

Saab 9000 im Alltag? Kein Problem. Der CS von Frank nach einem Frühstück mit Tom
Saab 9000 im Alltag? Kein Problem. Der CS von Frank nach einem Frühstück mit Tom

Mit einem anderen Saab beschäftigen sich Frank und Michael vom 1. deutschen Saab Club. Sie haben auf Youtube eine digitale Kaufberatung für den Saab 9000 erstellt. Die Teile 1, 2, und 3, sind bereits online, Fortsetzungen folgen. Sehr schön dabei: Es werden mit CC und CS die beiden Generationen des ersten großen Saabs besprochen.

Saab hat ein digitales Leben in der Nische, dessen Stärke sich aus der Vielfalt der Szene ergibt. Und Jeder ist eingeladen, kann mitmachen. Ob bei unserer Instagram Aktion, mit Videos, Blogs oder auch in Facebook Gruppen. Je mehr Engagement wir zeigen, umso präsenter bleibt die Marke im Web und im Alltag.

17 Gedanken zu „Digitales Leben und Sterben

  • 26. September 2018 um 11:04 AM
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    Ein Kollege schrieb auch ein kleines, regionales Blog. Nachdem er abgemahnt wurde hatte er keine Lust mehr. Ich kann es verstehen.

  • 26. September 2018 um 11:16 AM
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    Bericht vom “westen” ibz die Niederlande, meine (Saab-) generation hat in der schule Deuttsch gelernd. Dss benutze ich, beim lesen ihren (unser !) blog. Selbst erstandlog bring ich meine wenige €’s beim blog.
    Bleib Saab fahren, bleib blochen.
    Pieter Aandewiel
    Almere

  • 26. September 2018 um 12:17 PM
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    Lieber Tom. Es ist immer wieder eine Freude Deine Berichte zu lesen. Für mich persönlich ist die digitale Präsenz von Saab unverzichtbar um den Geist der Marke und die Saab-Gemeinde am Leben zu erhalten. Habe nicht die geringste Ahnung, wie die rechtliche Lage ist. Wäre aber bereit einen Mitgliedsbeitrag zu leisten, damit Dein Blog mich so lange begleitet wie meine Saabs……

    Gruß.

  • 26. September 2018 um 2:06 PM
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    Ich habe mal keine gefestigte Meinung dafür aber umso mehr Fragen …

    Eine Konsolidierung der Szene und ihrer digitalen Präsenz(en) fände ich ja gar nicht mal soooooo schlecht …

    Die Szene der SAAB-Fahrer ist klein genug, Wie viel Konkurrenz braucht man da online? Ein einziger Blog (je Sprachraum) wäre mir da am liebsten. Andererseits, müssten sich in diesem Blog (und Forum) dann aber auch alle Kräfte und Infos bündeln …

    Ansonsten droht Verlust. Ein Verlust an Kompetenz, Sachwissen, Infos, News und Gedanken …

    Was aber, wenn letztlich die gesamte Szene in der Start-up-Falle oder der der Abmahnungs-Hansel landet? Was, wenn für kostenfreie Angebote Lizenzgebühren erst eingeführt werden und schließlich anziehen? Was wenn Blogs durch Lizenz- und Servicegebühren wirtschaftlich immer schwieriger bis unmöglich werden? Was, wenn die Hansel einem nach dem anderen Blogger und letztlich allen die Lust nähmen?

    Das hätte dann mit Konsolidierung so rein gar nichts mehr zu tun. Es wäre vernichtend. Und es wäre furchtbar traurig …

    … für Welt und Internet insgesamt. SAAB wäre ja nur eines unzähliger Themen, die dadurch geopfert würden!

    So wird es hoffentlich nicht kommen?

    • 26. September 2018 um 7:14 PM
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      Ich denke die grundsätzliche Frage könnte sein wer heute noch ein Projekt mit der Bezeichnung “Saab” starten würde. Die Zielgruppe ist so klein wie eine deutsche Kleinstadt, also kaum messbar. Dazu kommt, rund ein Drittel der Saab Fahrer sind nicht mehr ganz so jung. Unter diesen Umständen würde kaum jemand ein größeres, langfristiges Projekt aufbauen. Und da liegt das Problem: Was jetzt verschwindet, das ist weg. Es wird nichts nachkommen, und das macht die Entwicklung bedenklich.

      • 27. September 2018 um 9:06 AM
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        Gute Grundsatzfrage. Ein Neustart von null? Nahezu undenkbar …

        Um so schöner, dass es ja einen anspruchsvollen SAAB-Blog gibt, der selbst noch die größten Enthusiasten der Szene anspricht und zu eigenen Kommentaren veranlasst. So war hier ja just erst zu lesen, dass sich einer einen konservierten Neuwagen in Reserve hält. Unglaublich! Das ist unglaublich gut.

        Etliche Leser besitzen mehr als einen SAAB und/oder haben eine langjährige Erfahrung mit verschiedenen Modellen der Marke. Mancher Kommentar kommt einem Artikel schon sehr nahe. Viele sind zumindest auf halbem Wege und lassen auf viel Hintergrundwissen und reichlich Erfahrungswerte schließen. Allen ist gemeinsam, dass Bilder fehlen. Logisch, denn es sind ja “nur” Kommentare.

        Viel Potential für Leserbeiträge und etliche Themen. Sind wir faule Leser?

  • 26. September 2018 um 7:36 PM
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    Schön, dass Du und Mark die Saabfahne noch hoch halten. Was wären wir ohne Eure Informationen und Aktivitäten. Viel Interessantes, auch älteren Jahrgangs oder aktuelle Informationen von Trollhättan, woher bekämen wir sie sonst. Macht weiter so. Danke für Euer Engagement.

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  • 27. September 2018 um 1:20 AM
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    In der Tat sind Blogs zunächst ein persönliches Hobby und klappen nur dann, wenn da Menschen mit Leidenschaft dahinter stehen. Das Ende von Saabsunited war spätestens dann absehbar als “Swade” zum einzig verbliebenen schwedischen Autobauer gewechselt ist. Youngtimer (oder auch Fuelbrothers) werde ich vermissen – aber genau wie der SaabBlog gehört sowas in einer eigenen Domain geführt und nicht in einer Facebook-Containerlandschaft wo jeder Schritt und Klick aufgezeichnet wird. Ich finde es grundsätzlich ziemlich ärgerlich, wenn ich bei FB eine automobilaffine Seite besuche und dann in Folge vom Algorithmus mit unerwünschter Autowerbung zugemüllt werde.
    Was mich aber so richtig sauer macht ist, dass Dank der voreilenden Fürsorge unserer allseits geachteten Gesetzesmacher diese ehemals so herrlich unbekümmert-bunte Bloglandschaft ausdörrt. Einfach so, weil mans kann und wie so oft hilft das Ganze in erster Linie mal wieder nur den Juristen und den Konzernen, die sich eine Rechtsabteilung leisten. Kaputt machen ist halt einfach – aber was aufbauen, was Bestand und eine Qualität hat, das ist die Kunst. Und von daher finde ichs Klasse und aller Achtung wert, was Du mit deinen Mitstreitern aufgebaut hast und trotz aller Widrigkeiten weitermacht. Klar – das was ihr macht ist auch im Interesse der Rechteinhaber von Saab – und Orio. Sonst könnten die euch das Leben sicherlich ganz leicht sehr schwer machen – aber genau das ist es auch was in der digitalen Saabwelt fehlt: ein gut gemachter Blog, der sich um die letzten Generationen der Saabs und die aktuelle Ersatzteilsituation kümmert. Ich hoffe dass ihr da noch lange nicht die Lust dran verliert und weitermacht.

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    • 27. September 2018 um 3:45 AM
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      Thankfully we have saabblog though… Don’t we Otto!!

      • 27. September 2018 um 11:39 AM
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        Very good point. Thumps up! Thankfully we do have saabblog …

        I guess this part of Otto’s comment was meant to be conjunctive (If we did not have …).

    • 27. September 2018 um 7:23 AM
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      FB wurde einst im Zuge einer Hysterie groß, die ich bis heute nicht verstanden habe.

      Firmen schalteten ganzseitige Anzeigen, dass sie nun auf FB seien, statt ihre eigene Webseite zu promoten. Und man bekam private E-Mails, die euphorisch zum Beitritt einluden, damit man sich schreiben könne. Die Mail selbst war der beste Beweis, dass man das aber doch längst konnte …

      Ich verstehe das alles bis heute nicht.

      • 27. September 2018 um 11:51 AM
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        FB ist die genialste Angelegenheit der Welt. User liefern kostenlos Daten ohne Limit, dafür werden sie mit Werbung überschüttet. Ein fantastisches Geschäftsmodell, und fast jeder macht mit. Aber nur FB verdient.

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        • 27. September 2018 um 2:04 PM
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          Das Geschäftsmodell verstehe ich schon. Ich verstehe aber nicht, warum die Welt da mitgemacht hat …

          Es war plötzlich so, als wäre das Internet gerade erst erfunden worden. Als wäre dessen Erfinder und alleiniger Eigentümer ein gewisser MZ, der sich sicherlich jede Nacht in den Schlaf gelacht hat. Noch nie zuvor (oder seither) ist jemand erfolgreicher “auf fremder Leute Pisse Kahn gefahren”.

          Plötzlich glaubte alle Welt, dass sie online nicht mehr präsent wäre, wenn nicht auf FB. Plötzlich konnte niemand mehr mit seinem digitalen Adressbuch umgehen oder eine E-Mail schreiben. Dabei waren alle Tools längst vorhanden und der Umgang geübt. Selbst heute gibt es noch Menschen, die (E-Mail-) Adressen in Gruppen anlegen und mit einem einzigen Klick Newsletter oder Einladungen privat oder geschäftlich an einzelne oder eine Vielzahl an intendierten Empfängern sehr zielgerichtet verschicken können …

          Es geht doch! Es geht noch immer. Und doch messen Statistiker und die Politik die “digitale Kompetenz” einer Bevölkerung inzwischen viel lieber daran, wie hoch die Quote der FB-Mitglieder ist, als mal zu eruieren, wer noch was mit Hard- und Software autonom zu vollbringen in der Lage ist …

          Der Erfolg von FB/MZ bleibt mir ein Rätsel. Die einzig gültige Erklärung finde ich menschlich enttäuschend, denn gewachsen ist das alles einzig auf dem Kompost einer vollkommen irrationalen Versäumnisangst. Vom Privatiere bis hin zur Chefin einer PR-Abteilung waren plötzlich alle in panischer Angst vereint. Entweder man ist bei FB, oder man ist offline und nicht mehr von dieser Welt …

          Wie gesagt, MZ hat sich garantiert lange Jahre jede Nacht in den Schlaf gelacht. Und ich fürchte, er hat vollkommen recht. Der Weltgemeinschaft mal eben das Internet (zu großen Teilen) aus der Hand zu nehmen, der Weltgemeinschaft den E-Mail-Verkehr abzuerziehen und sich als einzig relevanter Wegelagerer und Raubritter weltweit erfolgreich zu etablieren, das ist wahrhaft lächerlich …

          Ein solcher Coup ist noch keinem Wegelagerer oder Raubritter je zuvor gelungen. Die Ausmaße sind episch …

          Wäre es nicht längst passiert, sondern nur eine Vision (beispielsweise eines Autoren), würde niemand glauben, dass so etwas möglich wäre. Ein Buch, welches fiktiv davon handeln würde, würde von jedem Rezensenten ganz gründlich als nicht lesbar oder nicht lesenswert zer- und verrissen werden …

          Hier ist die Realität der Fiktion (mal wieder) sehr, sehr weit und auf das Allertraurigste voraus.

        • 27. September 2018 um 3:18 PM
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          … und “sie” waren auch noch so “clever” und haben sich z.B. WhatsApp “einverleibt” ….
          (so kriegt man auch noch “Real-Kontakte” zu den eigenen Daten dazu) …..

  • 27. September 2018 um 11:03 PM
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    Was jetzt verschwindet ist weg, ist Quatsch !
    Meine Kinder sind im Saab groß- und auch kutuschiert worden.
    Der Älteste fährt nen Saab 9-5 , erste Serie, wie im Saab Museum zu sehen ist.
    Der zweite, noch keinen Führerschein, hilft schon fleißig mit am Schrauben.
    Sein Saab steht auch schon fest und er freut sich drauf.

    Also, wird schon.

    • 28. September 2018 um 11:19 AM
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      Schön zu hören, dass (auch) Ihr Nachwuchs den SAAB-Staffelstab weitertragen wird …

      Aber Ihr Kommentar handelt vom analogen Leben und Fahren. Im Artikel ging es um Digitales, um den zeitgemäßen aber bröselnden Kit einer schrumpfenden und im Durchschnitt alternden Interessengemeinschaft. Das Statement war kein Quatsch, fürchte ich.

      Einen Artikel Ihres Ältesten (Leserbeitrag) würde ich ja gerne hier lesen. Ich war vermutlich ungefähr im gleichen Alter, als mein Vater und ich den damals nagelneuen 9-5 zur Probe fuhren. Ich fand ihn großartig, aber mein Vater, der nach 3 Jahren für einen 9000-Firmenwagen adäquaten Ersatz suchte, kam aus dem Schimpfen gar nicht mehr raus.

      Die Tirade finde ich noch heute unfair und glaube, auch mein Vater hat seine Entscheidung (Markenwechsel) im Nachhinein bereut, hätte doch lieber einen 9-5 SC gehabt. Auch kaufte er später wieder einen SAAB als privates Fahrzeug.

      Aber er war damals enttäuscht (und wütend), dass SAAB einiges weichgespült hatte, was ihm zuvor am 9000 so gut gefiel und die Marke von anderen deutlich abhob. Er war ganz einfach trotzig …

      Ich dann auch. Ich fahre heute nämlich eine Chrombrille und hole nach, was mein Vater mir vorenthalten hatte. Und ich glaube, meinem Vater gefällt das sogar. Er mag meinen SC und den Umstand, dass ich SAAB fahre.

      Wie erlebt Ihr Sohn den 9-5? Was sind die Gründe, diesen Wagen unzähligen Alternativen vorzuziehen?

    • 28. September 2018 um 11:24 AM
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      Dann hoffe ich ehrlich, dass es so ist. Mich würde es mehr als freuen, wenn die Einschätzung zutrifft.

Kommentare sind geschlossen.