Schweden-Tour mit Saab 9-5: Spontan, exzessiv – genussvolle Erholung pur Part 1/3

Es war mal wieder einer dieser Tage: Man hängt etwas in den Seilen, weil der Job einem in den vergangenen Monaten eine Menge abverlangt hat. Vieles, was man gern privat unternommen hätte, ist ausgefallen oder viel zu kurz gekommen. Zeit, um sich ein Ventil zu suchen und einfach mal spontan auszubrechen. Mal raus aus dem Alltag und nur das tun, wozu man gerade Lust hat…

Schwedentour mit dem Saab 9-5.
Schwedentour mit dem Saab 9-5.

Ich hatte mir vorgenommen, eine mehrtägige „Genussfahrt“ in meinem 9-5 zu unternehmen. Allein, nur ich und der Saab. Einfach mal in den Tag hinein fahren, sein eigenes Tempo gehen – oder besser fahren – und den Weg zum Ziel zu machen.

Mein erster Gedanke (ergab sich durch die geografische günstige Wohnlage Norddeutschland):
Ein mal rund um Dänemark herum. Immer die Straße nehmen, die einen am dichtesten an der Küste entlang führt. Gemütlich, ohne Stress. Erst dann anhalten, wenn man müde ist, sich eine kleine Bleibe suchen und am nächsten Tag weiter.

Die Streckenplanung war bereits vollendet, als ein wirklich unmoralisches Angebot in Form eines E-Mail-Newsletters der Stena-Line ins Postfach flatterte: Bis Weihnachten 50% auf alle Reisen.

Nicht verwunderlich, dass bereits Sekundenbruchteile nach dem Lesen der ersten Zeilen das Unterbewusstsein sofort einen Alternativ-Plan zu der ursprünglichen Dänemark-Tour schmiedet: Schweden!

Ab ins Internet, auf die Webseite der Fährgesellschaft. Ein kurzer Preis-Check für ein verlängertes Schweden-Wochenende machte die Entscheidung leicht: Ein Paar angesammelte „EXTRA“-Punkte (das Miles&More-Programm der Reederei) versüßten alles noch zusätzlich. Schlussendlich wurde gebucht und die Kreditkarte (Fährpassage für 1 Person mit Auto und Außenkabine – hin und zurück wohlgemerkt) mit lächerlichen 71 Euro belastet.

Da wäre ja die Anfahrt von Hamburg an die dänische Grenze fast teurer geworden.

Schnell wurde eine neue Strecke durch Südschweden geplant. Motto: Der Weg ist das Ziel. Keine Besuche bei Freunden. Diesmal auch nicht in Trollhättan stoppen. Einfach kreuz und quer über die schönsten Nebenstraßen nördlich des Vänern, soweit man es jeweils an einem Tag schafft.

Was Übernachtungsmöglichkeiten anging, wollte ich – trotz all der Spontanität – kein Risiko eingehen. Denn es war bereits spät im Jahr und die Saison lange zu Ende. Daher buchte ein Paar nette Hotels im Voraus. Das wurde jedoch sehr pragmatisch gelöst: Einen ungefähren Punkt auf der Landkarte anvisieren, bis wohin man es innerhalb einer Tagesetappe ungefähr schaffen könnte. Dort einen „größeren“ Ort auswählen und über ein Hotelbuchugs-Portal in dessen Umgebung nach einem besonders schönen Hotel suchen. Wo genau man nachher landet, ist vollkommen egal. Aber das Hotel dort muss wirklich nett sein.

Der selbst verordnete Rehabilitation-Kurzurlaub ins Land der Sääbe und Elche beginnt an einem Donnerstag. Den 9-5 frisch gewaschen und voll getankt geht es nach Kiel. Die Autobahn ist zum Glück noch leer – und trotz der Mega-Baustelle kommt kein Stress auf. Schließlich bin ich früh dran, und in einem Saab unterwegs. In Kiel ist ein kurzer Stopp im Saab-Zentrum eingeplant. Den Freunden bei Lafrentz Hallo! Sagen. Außerdem noch schnell die Mittelstellung der Lenkung korrigieren.. Wer will schon mit schief stehendem Lenkrad durch Schweden touren…

Leider gibt es hier gleich eine Hiobs-Botschaft. Die vordere äußere Achsmanschette hat einen Riss und das Fett ist überall im Radhaus verteilt.

Sollte das schon das Ende meiner Schweden-Tour sein, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Das Team von Lafrentz beginnt sofort zu rotieren. Fieberhaft versucht man ein Ersatzteil zu organisieren. Hier würde sogar der freundliche Opelhändler helfen – wenn er das Teil dann da gehabt hätte….

Leider ist nichts zu machen.

Glücklicherweise ist die Beschädigung an einer „günstigen“ Stelle. Mit einem Hochleistung-Kleber wird der Riss verschlossen. Auf eigene Gefahr natürlich. Denn schließlich will ich mich davon nicht stoppen lassen. Ein ganz besonderer Dank an das Lafrentz-Team, dass sie sich die Zeit für die Notreparatur – die übrigens die ganze Reise lang gehalten hat – genommen haben!

Für mich beginnt ein Schweden-Urlaub immer in dem Moment, in dem ich mit meinem Saab auf die Fähre rolle. Schnell die Kabine beziehen und dann das Auslaufen mit einem gekühlten „Nolands Guld“ an Deck genießen. Herrlich!

Am nächsten Morgen erwartet mich Göteborg mit trockenem Wetter. Immerhin haben wir Anfang November und da hätte auch Regen nicht gewundert.

Meine Route führt mich über ein Stück Autobahn, westlich aus Göteborg heraus in Richtung Küste.
Da ich ja nur eine grobe Streckenplanung hatte und jederzeit Raum für spontane Änderungen war, beschloss ich kurzerhand die Küste doch erst später anzufahren und bog in Richtung Norden ab.
Mit dieser spontanen Streckenänderung warf ich einen meiner Vorsätze über den Haufen. Denn der Bug meines 9-5 zeigt nun in die einzig wahre Richtung: Nach Trollhättan! War auch eine blöde Idee, dieses Zwischenziel auslassen zu wollen. Soviel Zeit muss einfach drin sein.

Westlich des Göta Älvs geht es auf herrlich geschwungenen Nebenstraßen in Richtung Lilla Edet. Vorbei an herbstlich goldgefärbten Laubbäumen und grünem Nadelgehölz. Ich erobere die Stadt von Westen aus, über die Brücke der Trollhättan-Fälle.

In Trollhättans Stadtzentrum wird eifrig gebaut. Aber es ist trotzdem bedrückend einsam im November. Wir kennen das ja schon von unserer spontanen Tour im Dezember 2013, als wir im Saab-Werk dem „Roll out“ des ersten NEVS-9-3 beiwohnen konnten. Lange ist es her, vieles hat sich seither anders entwickelt, als wir damals noch voller Euphorie gedacht hatten. Aber solch dunkle Gedanken sollen meine Laune an diesem Tag nicht verderben.

Trollhättan im Schnelldurchgang:

Nach dem durchfahren des Zentrums geht’s in die Stallbacka. Natürlich wird der 9-5 hier, an seinem Geburtsort, ein weiteres Mal vor dem riesigen Saab-Schriftzug fotografiert. Einziger Unterschied zu früheren Bildern: Es wehen mal wieder Flaggen an den drei Fahnenmasten. Diese vermeintliche Kleinigkeit, das Wehen der NEVS-Flaggen über dem SAAB-Lettern, verleiht der Stallbacka ein zartes Anzeichen von Leben…

Der Blick auf die gefüllten Firmenparkplätze verrät auch, dass hier einiges los sein muss. Viele Gebäude sind von innen beleuchtet. Es wird also in irgendeiner Form gearbeitet. Das Fabrik Außengelände hingegen ist nach wie vor verwaist. Keine LKW, keine Fahrzeuge – und Neuwagen schon gar nicht.

Nächstes Ziel: Grafittvägen. Hier hatte seinerzeit ANA die Außenstelle für Fahrzeugverwertung und Teilverkauf. Inzwischen ist der Betrieb unter neuer Leitung. Auf dem Hof stehen traurig dreinschauende Wracks diverser Hersteller. Meine Aufmerksamkeit gehört natürlich den Modellen unserer Marke. Am Rande des Platzes erblicke ich einige ausgeschlachtete Rohkrossen.

Von einem weißen 9-5 NG ist nur noch die Hälfte übrig. Er wurde einmal der Länge nach durchgeschnitten. Daneben ein 9-3 Cabriolet in Rot. Und ein schwarzer 9-5 mit Ausschnitt fürs Panoramadach. Man fragt sich, was die augenscheinlich ehemals unversehrten Fahrzeuge verbrochen haben, um hier ein solch elendes Ende zu fristen…

Auf der gegenüberliegenden Seite entdecke ich zwischen diversen schrottreifen Fremd-Fahrzeugen, denen man kaum eine Träne nachweint, zwei weitere Saab 9-5 NG. Ein grünvermoster Weißer und ein jämmerlich zerschundener Grüner. Ich hatte kurz das Gefühl, dass mein Schwarzer 9-5, mit dem ich direkt neben seinen sterbenden Brüdern stand, etwas traurig durch den Zaun zu ihnen hinüber schaut…

Schnell weiter! Denn schließlich bin ich ja nur auf der Durchreise und will Schweden genießen!

Nachdem ich Uddevalla passiert habe, komme ich endlich an die Küste. Das Meer liegt ruhig vor mir. Es wirkt alles so friedlich.

Weiter geht die Fahrt nach Norden, dann Richtung Nord-Osten. Die erst noch breiteren Landstraßen wechseln zu schmalen Überland-Straßen. Ich schlängele mich vorbei an unzähligen kleinen und größeren Seen, durch Wälder und Wiesen. Der Verkehr um mich herum wird immer weniger. Die Orte weichen einzelnen Häusern. Es wird einsam.

Bei den Pausen zwischendurch ist man überwältigt von der Stille. Es weht kein Lüftchen. Der Himmel leicht bedeckt. Kein Vogel zwitschert, kein rauschen von Blättern – nichts…

Fast etwas unheimlich. Als „Großstadtkind“ kennt man diese Art der Stille nicht. Zu Hause in Hamburg hört man immer irgendetwas. Den Containerhafen, die Schiffe auf der Elbe, den Verkehr, die Nachbarn… Hier? Nichts! Einfach herrlich und Entspannung pur. Man schaut in die Ferne und hört förmlich auf zu denken.

Einige Hundert Kilometer später beginnt es zu dämmern und der Tag weicht der Nacht. Nun ist es Zeit, das erste Hotel anzusteuern.

Ich hatte mich für den kleinen „Ort“ Borgvik entschieden – oder besser für das Hotel, das zufällig dort liegt.

Auf der Karte ist jedoch kein Ort auszumachen. Das Hotel scheint so ziemlich im Nichts zu liegen. Ein paar Straßen, einige Häuser. Das war’s. Man darf also gespannt sein.

Ich folge den Anweisungen des Navi durch die Dunkelheit. Zuverlässig lotst es mich vor das Hotel. Ein uriger Feldsteinbau aus der Jahrhundertwende. Er gehört zu einem Ensemble aus historischen Gebäuden und Resten einer ehemaligen Eisenhütte.

 

Das Hauptgebäude ist stimmungsvoll beleuchtet. Nebenan plätschern kleine Wasserfälle. Leider ist jedoch die Tür verschlossen. Hmm. Es ist auch verdächtig dunkel im Inneren. Sollten die mich vergessen haben?
Auf meiner Buchungsbestätigung finde ich zum Glück eine Telefonnummer. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine freundliche Schwedin. Sie sagt, dass sie die Rezeption schon mittags geschlossen hätten, weil niemand sonst da wäre. Aber der Schlüssel würde außen auf dem Haus stecken (das wäre anderswo wahrscheinlich undenkbar). Sie beschreibt mir den Weg zu dem Nebengebäude, in dem sich mein Zimmer befindet.

Nach einigem Herumirren mit Taschenlampe findet sich schließlich mein Quartier. Ein sehr hübsches und gemütlich eingerichtetes Zimmer. Ich bin froh, nicht im Auto schlafen zu müssen und lege mich hin. Die Gedanken an den erlebnisreichen Tag in Schweden lassen mich schnell einschlafen. Am nächsten Tag geht es weiter nach Norden. Das Ziel: Falun.

Saab Lesertasse 2015
Saab Lesertasse 2015

Oli übernachtet in Borgvik, morgen startet er mit seinem Saab 9-5 in Richtung Falun. Fortsetzung folgt.  Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir belohnen jede Veröffentlichung auf dem Blog mit einer exklusiven Saab Lesertasse!

8 Gedanken zu „Schweden-Tour mit Saab 9-5: Spontan, exzessiv – genussvolle Erholung pur Part 1/3

  • Schöner Bericht!
    Wo bekommt man denn die Überfahrt für 71€?

    • Danke 🙂
      Es war eine Ticket-Sale Aktion von Stena. Eine Woche lang konnte man Fährtickets für einen begrenzten Zeitraum mit 50% Rabatt buchen. Die Reise hätte so günstige 170 Euro gekostet. Dann noch ein Paar “Extra-Punkte” (Meilen) im Wert von 99 Euro einlösen – und schwupps kost’ der Spaß nur 71 Euro.
      Als Saab-Fahrer mit Faible für Skandinavien sollte man dringend deren Newsletter abonnieren 😉

      • Den habe ich! Ist mir wohl durch die Lappen gegangen. Wir werden wohl aus Zeitgründen über Rødby fahren!

  • Hallo zusammen,
    ich kann mich nur anschließen; wirklich ein schöner Bericht mit eindrucksvollen Bildern.
    Ich meine beim Lesen gespürt zu haben, das die Deine Erholung wirklich schon mit Fahrtbeginn eingesetzt hat. Nicht selbstverständlich, wenn der Beruf viele Opfer von einem gefordert hat.
    Was dieser Saab-Geist in uns allen bewirken kann, wenn man ihn ein Mal an sich heran gelassen hat – schon toll.
    Ich freue mich auf die Fortsetzung der Geschichte.
    Danke für diesen unterhaltsamen und gedankennachhaltigen Dienstagmorgen.
    Glück auf!

  • Was für ein schöner Bericht – genau so eine Tour könnte ich auch gerade gebrauchen. Lieber Oli, viel Freude in Schweden 🙂

    Gruss aus dem Süden.

  • Super Idee und schöner Bericht Oli.
    Genauso mache ich es schon seit Jahren beim Segeln, kein Ziel, sondern “mit dem Wind treiben lassen” und wenn man müde wird bleibt man irgendwo liegen (da hat man ja das Hotelzimmer dabei).
    Das werde ich auch mal mit dem SAAB probieren.

    Mehr Entspannung geht kaum.

  • …ein wirklich schöner Bericht. Danke!

  • Oh wie schön, ich beneide dich! Leider habe ich schon 1000km Anfahrtsweg bis ich nur schon bei euch im Norden von D bin! Ich würde mich viel öfters in Schweden und auch Norwegen aufhalten, wenn es nur nicht so weit wäre! ( war im Juni 2014 mit meinem 95 NG in Trollhätten und es hat mir sehr gefallen! ) Gruss aus der Schweiz, Hans

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