Urlaubsreise

Leise, fast unbemerkt, hatte ich mich vom Blog verabschiedet,  um einige Urlaubstage am Strand der Ostsee zu verbringen. Saab 9-5 und 9-3 wurden vollgeladen;  mehr als 650 Kilometer in Richtung Norden lagen vor uns. Das Ziel: eine kleine Stadt an der Ostsee, kleiner noch als Trollhättan.

Abendstimmung. Saab 9-5 an der Ostsee.
Abendstimmung. Saab 9-5 an der Ostsee.

In der Nähe von Kappeln wartete ein Strandhaus und 7 Tage Ausspannen mit der Familie an der See. Das Meer genießen, die Segler an sich vorüberziehen lassen. Ein Buch oder gleich mehrere gute Bücher lesen…und keine Verpflichtungen. Was für eine traumhafte Perspektive !

Wie immer geht es nicht ohne Saab. Ein Saab ist kein Saab, zwei Saabs hingegen liefern Gesprächsstoff. Wer zwei Autos „Made by Trollhättan“ vor seinem Feriendomizil  parkt, der fällt auf. Der 9-5 ist immer noch ein Hingucker und im Verbund mit dem 9-3 ein Thema am Strand. Vor den Häusern parken Audi, BMW, Mercedes und Porsche, zwischendrin mal die anderen Wagen vom Volkswagen-Konzern. Die Exoten sind unsere Autos und ein neuer Toyota, der bezeichnenderweise aus Schweden kommt, um an der Schlei Urlaub zu machen.

Saab

Warum fährt man (immer noch) Saab? Karriereknick, Überzeugungstäter, Schwedenfan? Die Marke ist Geschichte, da gibt es nichts mehr zu diskutieren. NEVS hat mit Schlagzeilen in der deutschen Presse dafür gesorgt,  dass jeder, aber wirklich jeder,  der sich für Autos interessiert, bis ins kleinste Dorf das Drama kennt. Aber NEVS ist nicht Saab, sondern sind nur (vorerst gescheiterte) Investoren aus China. Saab hingegen ist Schweden,  und Saab hat – so die Strandmeinung – immer gute Qualität gebaut. Sichere, hervorragende Autos aus Skandinavien eben. Bedauerlich, so das Ergebnis der Benzin-Gespräche an der See, dass die Marke verschwunden ist. Klar wird: der Bruch ist da, Saab ist Geschichte. Mit vielen Sympathien und gutem Ruf, und dem Generalverdacht,  dass wer Saab fährt,  ein Überzeugungstäter sein könnte.

Da hätten die neuen Besitzer in Trollhättan die Möglichkeit gehabt,  nahtlos an alte Tradition anzuknüpfen. Das hat man gründlich vermasselt, steht nach fruchtlosen Jahren immer noch mit leeren Händen da. Wer irgendwann die Marke in Europa neu beleben will – er wird die Zäsur der letzten Jahre spüren und es sehr schwer haben.

Kappeln

Kappeln liegt an der Schlei, Trollhättan am Göta Älv. Beide Städte sind nicht wohlhabend, beide haben eine Klappbrücke,  die den Autoverkehr wirkungsvoll zum Erliegen bringen kann. Damit hätten wir die Gemeinsamkeiten schon aufgezählt. Unter dem Codenamen „Deekelsen“ kam die Region mit einer Arztserie zu kurzfristigem und zweifelhaftem Ruhm. Die Landarzt-Sendung hat man gnädig entsorgt, und man muss Kappeln nicht kennen, wirklich nicht, hätte dann aber ein sympathisches, freundliches Städtchen versäumt. Jenseits des Tourismus gibt es an der Schlei Perlen zu entdecken, die lohnenswert sind.

Wer frischen Fisch mag, der findet in der Nähe des Nordhafens die Fischräucherei Föh. Das dazu gehörige Restaurant mit Terrasse hat keinerlei Schnickschnack, Selbstbedienung ist angesagt, die Kommunikation mit den Gästen ist karg. Der Fisch ist dafür unschlagbar frisch, unschlagbar gut und ebenso preiswert. Die Räucherei hat eine Tradition von mehr als 100 Jahren – Kappeln ohne Föh geht nicht. Wir waren während unserer Ostseewoche dort Stammgast.

Es sind kleine Familienbetriebe, über mehrere Generationen geführt, die Orten ein besonderes Flair geben. Dazu gehört, mit langer Tradition, die Töpferei Stock. Wer Handwerkskunst von der Ostsee als Mitbringsel für gute Freunde oder für das eigene Vergnügen schätzt, der ist bei Debora Stock an der richtigen Adresse. Unsere Frida wird zur Begrüßung geknuddelt, wir können uns in ruhiger, netter Atmosphäre umschauen – und werden natürlich fündig. Handwerk, „Made by Kappeln“, wir mögen es.

Frida

Womit wir bei Frida wären. Einige Leser kennen meine Hundegeschichte, die in eine Zeit ohne Hund mündete. Seit einigen Wochen ist Frida da, verkürzt meine Nächte und hat jede Menge verrückter Ideen. Sie ist drei Monate alt, ziemlich cool für ihr Alter, schon jetzt zu 100 % Saab 9-3 und Saab 9000 zertifiziert. Natürlich ist sie Langstrecken-kompatibel und verreist, wie es sich für einen ordentlichen Labrador gehört, immer besonders geschützt in einem Transportkäfig.

Ihre Mission: Weniger Schreibtisch für Tom, mehr Bewegung. Damit hat sie Erfolg.

Saab

Natürlich geht jeder Urlaub irgendwann zu Ende. Nach einer Woche quälen wir uns über übervolle Ostsee-Straßen zurück in Richtung Autobahn- die ebenso voll sind. Es ist Hauptreisezeit. Die Schweden sind auf dem Weg in Richtung Süden. Bis auf eine Ausnahme- ein 1999er 9-5 Kombi,  der bei Hannover defekt auf dem Seitenstreifen ausrollen wird, sehen wir keinen einzigen Saab mit schwedischer Registrierung. Die Schweden präferieren BMW, Audi und Volvo. Was sie wohl empfinden, wenn 9-5 und 9-3 vorbeiziehen? Ob sie reflektieren, dass da ein Stück schwedische Industriekultur verloren gegangen ist…etwas,  für das es sich gelohnt hätte,  aktiv zu werden?

Egal, unsere beiden Autos sind ausgesprochene Langstrecken-Fahrzeuge. Voll beladen sind wir entspannt und sparsam unterwegs. Beim Verbrauch gibt es dann eine kleine Überraschung. Der große, schwere 9-5 mit seiner Automatik schlägt den kleineren und leichteren 9-3 mit Handschaltung; wenn auch nur knapp!  Nach einer Rückfahrt mit Stau und zähflüssigem Verkehr stehen beim Saab 9-5 8,9 Liter, beim 9-3 Kombi 9,0 Liter als Verbrauch fest. Die Erklärung ist einfach. Im großen 9-5 arbeitet ein Direkteinspritzer Turbo, der 2011er 9-3 hat noch den „alten“ Motor mit Trionic. Fortschritt sichtbar gemacht, auch wenn die Saab Geschichte an einem vorläufigen Endpunkt ist. Schade.

11 thoughts on “Urlaubsreise

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    So ganz unbemerkt war es nicht – daß deine Artikel in der letzten Zeit rar gesät waren, ist mir aufgefallen. Ich war nur irritiert, weil keine Sommerpause dezidiert angekündigt worden war.

    Wenn ich an Kappeln an der Schlei denke, dann muss ich sofort an meinen Französisch-Lehrer P. F. – wegen Nase, Mimik und Haupthaar von uns „Cäsar“ genannt, denken. Er erzählte immer gerne von drei Dingen: Kappeln, dem Rudern auf der Schlei und seiner Zeit als Feldjäger (dort erlernte Techniken wandte er des öfteren mal an…).

    A propos Karriereknick: Ich würde es so ausdrücken. Wer einen großen 9-5 fährt, hat es in seiner Karriere so weit gebracht, dass er sich ein eigenes Auto kaufen kann, und keinen geschenkten Dienst-BMW (oder Audi) mehr braucht… 🙂

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    „Warum fährt man (immer noch) Saab? Karriereknick, Überzeugungstäter, Schwedenfan?“…

    ist schon interessant, wenn man kein aktuelles Auto fährt wird schon vermutet das man dem aktuellen Wirtschaftsleben nicht gewachsen ist. Oder man ist halt ein schrulliger Schwedenfan.
    Ich hab den 9000er über 10Jahre gefahren weil mir absolut(außer Allrad) nix gefehlt hat und trotz Karrierknick nach oben, oder genau deswegen hab ich mir den 9-7x und 9-5NG zugelegt. Es hätte auch Q7 oder Panamera werden können.

    Der 9000er war seiner Zeit schon weit voraus, die beiden anderen auf der Höhe der Zeit, ich hoffe mal das in absehbarer Zeit Nachschub gibt.

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      Also, bergsaab, das hört sich doch im positiven Sinne sehr nach „Überzeugungstäter“ an.

      Auch meine bessere Hälfte und ich warten, bei weiterhin angenehmen Fahrten mit unserem 9-3er und 9-5er (jeweils um die 200.000 km gelaufen), auf Nachschub aus Trollhättan. Dabei interessiert es wirklich nicht, wenn die lieben Mitmenschen versuchen, hier etwas hineinzudeuteln!

      Vermutlich werde ich mich während der Wartezeit auf möglichen Nachschub (dies könnte ja noch etwas dauern) demächst erstmal auf die Suche nach einem für mich geeigneten 9-5 II mit Dieselaggregat machen – selbst bei einem zusätzlichen größreren Lottogewinn würde sich an meiner Vorgehensweise mit Sicherheit nichts ändern.

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    In stralsund sieht man regelmäßig schwedische saabs.
    Und einer steht leider auf dem schrotti ohne papiere.

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      Freitagmorgen sind immerhin 2 Saabs (9-5 SC) mit Schedischem Kennzeichen mit uns mit der Fähre in Kiel angekommen. die meisten Schweden waren anders motorisiert., ganz im Gegenteil zur Gegend nördlich von Göteborg. wahrscheinlich fahren die Schweden mit ihren Saab lieber dort rum als im Stau auf der A7 stehen 😎

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    Herzlichste Glückwünsche zu Frida Tom! Welche Überraschung…

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    Hallo,
    ich habe vor ca. Einem Jahr einen weißen Saab 9-5 NG in der Nähe von Kappeln (Mohrkirch) getroffen. Ich bin angehalten, da ich den Eindruck hatte, der Fahrer sucht nach dem Weg. Tatsächlich war er auf der Suche nach dem Geburts? Haus der Großmutter. Ich fuhr ein 900 Cabrio. Kann es sein, dass Du das warst?
    Wäre ja ein Wahnsinns Zufall!

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      Ein weißer 9-5 NG ist schon sehr, sehr selten. Nein, ich war es nicht. Es war mein erster, definitiv aber nicht mein letzter Besuch an der Schlei 😉

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        Servus Tom,

        wir waren letztes Jahr auch an der Schlei, und kann Deine Begeisterung verstehen, wirklich ein schöner Fleck an der Ostsee ! Dieses Jahr waren wir an der Nordsee Richtung Dänemark, und ich habe eine sehr hohe Saabdichte festgestellt, es wurde sich sogar gegenseitig Gegrüßt !

        Thomas

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    Na das hört sich nach einem gelungenen Urlaub ! Schön 🙂

    Aber endlich gibt’s wieder Beträge denn wir haben dich bereits vermisst!

    Schönes Wochenende trotzdem 🙂

    Grüße aus Hessen

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