Die Optimisten

Kaum war die Hürde zur Weiterführung der Rekonstruktion genommen, schon gab es fühlbaren Optimismus im NEVS Lager. Frank Smit erzählte über die Pläne mit der Phoenix Plattform und vom möglichen Bau eines kleinen Saab 9-2 und eines kleinen SUV.

NEVS 9-3 ©2014 saabblog.net
NEVS 9-3 ©2014 saabblog.net

Alles ganz konkret, mit gerade mal 18 bis 24 Monaten Abstand vom Einstieg eines neuen Mehrheitsaktionärs. Auch ein 9-3 Nachfolger, der ein Schrägheck haben könnte und auf den hinteren Sitzen mehr Platz bieten soll, ist in der Pipeline. NEVS entwickelt weiter, nicht mehr in dem Tempo wie vor Eintritt in die Rekonstruktion, sondern auf einem langsameren Level.  Das Geld dazu kommt zum Teil aus China, von Kai Johan Jiang. Hmm. 18 bis 24 Monate, das ist keine lange Zeit.

Ist das realistisch? Wenn die Mittel zur Fortführung der Arbeiten vorhanden sind, dann ja. Warum ich in diesem Fall den Optimismus im Ansatz teile, ist eine andere Geschichte, die mit Fakten belegbar ist. Zu gegebener Zeit mehr auf dem Blog, jetzt aber zurück zu den Optimisten von NEVS.

Am folgenden Tag verkündete CEO Bergman,  dass der Einstieg der zwei großen anvisierten Partner in kurzer Frist erfolgen könnte. Er rechne mit einem bindenden Vertrag während der Rekonstruktionsphase, also bis zum 29. November. Die neuen Partner würden die benötigten Mittel zum Aufbau einer Produktpalette bereit stellen, etliche Milliarden, mehr als Saab jemals zur Verfügung gehabt hätte.

Möglich ist alles, und bevor wir alle wieder in Kakophonie verfallen, sollten wir zu unterscheiden lernen. Um das, was passiert, besser einzuordnen, könnte folgende Sprachregelung funktionieren:

Es gibt NEVS 1.0. Das Unternehmen ist in Schwierigkeiten, die man zum größten Teil selbst verursacht hat. NEVS 1.0 scheint in der aktuellen Konstellation nicht überlebensfähig, wir sollten es aus unserem Gedächtnis streichen. Es könnte in naher Zukunft, wenn man nicht noch auf den letzten Metern scheitert, NEVS 2.0 geben. Ein weißes Stück Papier, denn die Version 2.0 sollte mit 1.0 wenig gemeinsam haben. Neue Eigentümer werden Unternehmenskultur und Ausrichtung neu definieren, nichts hat mehr Charme als ein kompletter Neustart. Vielleicht sollte sich NEVS 2.0 als Konsequenz umbenennen, denn der Name NEVS ist, sorry in die Stallbacka, ziemlich verbrannt.

NEVS 2.0, mit neuen Eigentümern, frischem Kapital und einem Management,  das hoffentlich aus der Autoindustrie kommt,  könnte Chancen haben…wenn die richtigen Partner mit dem richtigen Namen und genügend Geld dahinter stehen. NEVS verhandelt schon rund 9 Monate mit den Parteien, wer immer auch kaufen wird, der kennt die Fakten bis ins Detail. Was kommt, und das wissen die Investoren, sind Jahre von Aufbauarbeit. Jahre ohne Aussicht auf Ertrag. Am Ende, nach einer Dekade vielleicht, könnte ein hochprofitabler Konzern stehen. Volkswagen hat bei der Marke mit den vier Ringen vorgemacht, wie es gehen könnte. Die Tochter in Ingolstadt verkauft, nach langer Aufbauphase, aufgehübschte Baukastenware zu Premiumpreisen und ist die Cashcow im Konzern.

Rein theoretisch ist Trollhättan der passende Standort für solche Pläne. Die Region Göteborg hat eine der höchsten Ingenieursdichten in ganz Europa, nur vergleichbar mit München und Stockholm. Automobiles Wissen, gefördert von der EU und dem schwedischen Staat, ist vor Ort. Das Werk ist in einem guten Zustand, hochmodern und flexibel. 190.000 Fahrzeuge im Jahr sollen laut NEVS machbar sein.

Trotzdem ist der Ausgang der Geschichte äußerst vage. Wieviel Substanz hinter dem steckt, was NEVS 1.0 nach außen lässt, ist nicht einzuschätzen.

Hier gibt es klare Unterschiede zur Victor Muller Zeit. Muller hatte die Macht von Presse und Blogs erkannt. Er nutzte die Medien, spielte mit ihnen, manchmal missbrauchte er sie auch. Aber es gab immer eine gewisse Abstimmung, Presse und Blogger wussten immer über die grobe Richtung der Entwicklung. Manchmal mehr, manchmal weniger.  Das sicherte eine treue Gefolgschaft und war meist zum Vorteil für Muller. Die treue Gefolgschaft vom Großteil der Fans und Mitarbeiter hatte er bis zum Ende, zum Teil darüber hinaus.

NEVS 1.0 macht es den Medien schwer. Transparenz, Vertrauen, Offenheit, das fehlt. Das Potential von Social Media wird kaum genutzt. Fehlinformationen, ob bewusst oder nicht, kommen aus den Gebäuden in der Stallbacka. Was im Ergebnis dazu führt, dass NEVS in den Medien und in der Öffentlichkeit recht alt aussieht, und dass Loyalitäten spürbar bröckeln. Bestes Beispiel: SU Autoren schreiben jetzt auch einen BMW Blog.  Na warum wohl?

Was hat das alles langfristig mit Saab zu tun? Selbst wenn es NEVS 2.0 geben sollte, der Eigentümer die nötige Substanz mitbringt, selbst dann wäre da noch die Sache mit den Markenrechten. Scheinbar plagen NEVS 1.0 selbst keine Zweifel, was die zukünftige Verwendung des Markennamens angeht. Auf den Papieren zur Rekonstruktion prangt das Logo,  und auch sonst spricht man gerne über die Saab Zukunft 2014.

Zum Beispiel am nächsten Mittwoch um 15:15 Uhr auf großer Bühne. Die schwedischen Lieferanten der Autoindustrie halten ihren jährlichen Kongress in Göteborg ab. Erster Redner ist Volvo CEO Håkan Samuelsson, der ab 09:20 Uhr spricht. Der letzte Redner des Tages, bitte jetzt keine Symbolik sehen, Mattias Bergman von NEVS 1.0. Sein Beitrag zur Saab Zukunft:”Nevs launch of Saab with a new business plan and new a vision”. Die Presse ist vor Ort. Am nächsten Mittwoch mehr zum Thema.

24 Gedanken zu „Die Optimisten

  • 10. Oktober 2014 um 11:58 AM
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    Hallo Tom.

    Vielen Dank für die vielen Informationen.

    Tja. Leider ist bei mir die Hoffnung auf ein Minimum gesunken. Schön wäre es, wenn wirklich in 18-24 Monaten neue Modelle aus Trollhättan rollen würden, die auch den SAAB Spirit in sich tragen.
    Aber schafft NEVS1.0 das wirklich? Oder geht das Sterben auf Raten weiter? Die Hoffnung stirbt zuletzt und Geduld haben wir ja. Und wenn nix dabei rauskommt? Tja, da eh kaum noch Hoffnung da ist, und wir alle damit eh rechnen ist es ja nicht mehr so schlimm.
    Sollte uns aber NEVS2.0 mit neuen SAAB-Modellen überraschen, dann ist es ja umso besser!!!
    Für mich macht es auch irgendwie immer mehr Sinn, dass Mahindra in Trollhättan einsteigen will! Die haben zwar noch mit SsangYoung eine große Baustelle. Diese lässt sich wohl allein mit Geld nicht lösen. Bei SsangYoung soll wohl noch einige Probleme bei der Endentwicklung ihrer Modelle bestehen.
    Also nimmt Mahindra (hoffentlich) noch mehr Geld in die Hand und kaufen sich in eine vorhandene Automobil-Infrastruktur ein (bzw. übernehmen die ganz) und haben vor ihrer neuen Haustür eine der höchsten automobile Ingeneuerdichte, mit dehnen auch schon zusammengearbeitet wird.

    Also hoffentlich kommen Mittwoch dann noch mehr Fakten auf den Tisch, die unsere Hoffnung weiter wachsen lassen.

    Ein schönes sonnigies uns saabiges WE wünscht

    André

  • 10. Oktober 2014 um 12:01 PM
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    Jetzt, nachdem alles vorbeit ist, kann ich es ja sagen: für mich war der Name NEVS und alles dahinter ein tiefrotes Tuch. Seit der ersten Minute.
    “National” und “Sweden” ist reine Hochstapelei. Und kein Chines heisst “Karl”.
    Sorry, aber das musste mal raus.
    Hoffen wir, dass sich endlich seriöse und zugleich solvente Leute finden, welche diese Marke retten. Bei dem aktuellen Preis lohnt es sich.

  • 10. Oktober 2014 um 12:34 PM
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    Danke fuer diese viele Informationen.
    Hoffe NEVS 2.0 wird etwas mehr Erfolgreich.

  • 10. Oktober 2014 um 1:00 PM
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    Selbst wenn, was ich nicht glaube, es in 18-24 Monaten wieder Fahrzeuge mit dem Saablogo geben würde, welcher normale Mensch würde die denn kaufen?
    Man kauft sich doch keinen Neuwagen wenn man nicht weiß ob es den Laden ein halbes Jahr später noch gibt. Die wievielte Pleite/Beinahpleite in den letzten Jahren ist das jetzt? Da hat ja Lada mittlerweile einen besseren Ruf als dieser Laden

    • 10. Oktober 2014 um 1:07 PM
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      Daniel, Daniel, was soll ich sagen… Ob jemand die Fahrzeuge kaufen würde hängt davon ab wer übernimmt. (Falls NEVS erfolgreich die Verhandlungen anbschließt…). Der richtige Namen und sie Karten werden dann neu gemischt, eine Chance ist da.

  • 10. Oktober 2014 um 1:00 PM
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    Danke Tom, für die Sachlichkeit zum Wo.-Ende.
    China und Transparenz? Das passt eh nicht! Ich warte ab. Ich fahre SAAB. Mal sehen, was die Zeit so in Trollhättan mit sich bringt…
    Sonniges SAAB Wochende 🙂

    • 10. Oktober 2014 um 1:05 PM
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      Blende doch mal China aus, es könnte bei der 2.0er Version auch eine andere Nationalität sein. Oder 🙂

      • 10. Oktober 2014 um 1:40 PM
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        Wer es macht is doch egal. Hauptsache sie machen es richtig. Sieht man ja zb. bei VOLVO.

        • 10. Oktober 2014 um 2:01 PM
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          Das ist sehr richtig. Vor ein paar Jahren hätte ich Geld darauf gesetzt, dass Volvo es nicht schafft unter der Führung aus China.

          Aber man hat Volvo Zeit gelassen sowie Geld und Freiraum gegeben. Wenn der neue Investor bei SAAB auch so verfährt…

          • 11. Oktober 2014 um 4:10 PM
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            Ein kleines Detail am Rande…. Volvo wurde von Ford 2009 verkauft.. Nicht weil es Volvo schlecht gegangen wäre… nein Ford wollte sich auf seine eigenen Marken Ford, Mercury und Lincoln konzentrieren….
            Volvo war zur Zeit des Verkaufs gut aufgestellt!!

  • 10. Oktober 2014 um 1:26 PM
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    Schön wär`s schon wenn`s so kommen würde wie beschrieben. Aber nach den letzten Jahren glaub ich das erst wenn ich einen Saab Neuwagen beim Händler stehen sehe . Und wenn man eins in den letzten Jahren gelernt hat dann das : traue niemals einem Chinesen.

    • 11. Oktober 2014 um 9:21 AM
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      Ich glaube,dass man nicht verallgemeinern sollte! SAAB halt Pech gehabt,aber dass es auch anders gehen kann sieht man ja bei Volvo!

  • 10. Oktober 2014 um 2:12 PM
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    Was hört man den zum Thema E-Auto ? Würden die Neuen wenn es sie den geben würde elektrisch fahren ?

    • 10. Oktober 2014 um 2:51 PM
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      Das weiß doch der Onkel Kai noch gar nicht … und will es auch nicht wissen … die Strategie ist doch eine ganz andere … siehe unten …

    • 10. Oktober 2014 um 5:34 PM
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      Ich gehe davon aus dass man auch in Zukunft sowohl mit konventionellen, als auch mit EV fahren wird. Das Concept der Rekonstruktions-Anwälte bestätigt das, ausserdem ist Trollhättan der beste Entwicklungsstandort für E-Mobilität.

      • 11. Oktober 2014 um 9:24 AM
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        Bei aller Zuneigung zu Saab, wieso sollte ausgerechnet Trollhättan der Beste Entwicklungsstandort für E-Fahrzeugen sein? Wegen der Temperaturen, der umliegenden Lieferanten und Dienstleister? Also warum ist der Trollhättan besser als München, Stuttgart, Ingolstadt, Wolfsburg, Palina Alto oder Paris, Dearborn sowie Detroit?

        All diese Orte haben die gleiche Infrastruktur und die Hersteller erproben ihre Fahrzeuge alle gleich und haben wenigstens schon E-Fahrzeuge oder Hybriden im Angebot.

        • 11. Oktober 2014 um 11:07 AM
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          Wer aufmerksam mitliest ist im Vorteil 😉 Das Innovatum in Trollhättan ist ein staatlich geförderter Hotspot für Elektromobilität, seit vielen Jahren. Auch deshalb lassen Fremdfirmen, auch aus Deutschland dort entwickeln.

          • 11. Oktober 2014 um 6:10 PM
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            Danke für die Antwort, ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Das mit der Förderung ist natürlich ein wichtiger Aspekt. Und es stimmt ich habe nicht immer alle Artikel gelesen oder wieder vergessen. =D

            Grüße aus Sansibar

  • 10. Oktober 2014 um 2:49 PM
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    Die Marke SAAB ist durch NEVS zum Spielball eines Zockers aus China geworden, dem die Produktion von Fahrzeugen relativ egal ist. Die vielen halbherzigen und wenig durchdachten und durch eigenes Verschulden gescheiterten Pläne haben diesen Verdacht bestätigt. Das eigentliche Ziel des Investors aus Fernost ist Geld zu machen, ohne Autos zu bauen und so wird der Hebel ausgenutzt, dass andere (z.B. Mahindra) Saab tatsächlich reaktivieren wollen. Ich bin fest überzeugt, dass auch der Wiederverkauf des 9-3 Sedan geklappt hätte, wenn das Paket gepasst hätte (Ausstattung, Preis, Händlernetz, etc.). Die Anschaffung eines Fahrzeuges ist (für die meisten) eine hohe Investition. Dieses Gut muss geschützt werden, das braucht Vertrauen und das erreicht man nicht mit monatelangem Schweigen. Auch würde es mich zuletzt nicht wundern, wenn ein Staatsanwalt gegen die damaligen Insolvenzverwalter wegen Verdachts auf Korruption ermitteln würde. Ich glaube nichts von den jetzigen Plänen, gar nichts, nicht einen Satz. Man sollte dieser Posse ein Ende bereiten und im November das ganze auf den Prüfstand stellen. SAAB braucht eine Zukunft, denn diese Marke ist zu Schade fürs Museum und zu Schade für Investoren, die nur Kasse machen wollen. Zudem pennt die Schwedische Regierung mit offenen Augen: würde man bei BMW, VW, Fiat & Co anfragen und Fördermittel bereitstellen, dann könnte ich mir vorstellen, dass so eine tragbare Lösung daraus wird.

  • 10. Oktober 2014 um 7:18 PM
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    Die reinste Geheimniskrämerei. Aus all diesen Meldungen wird man nicht schlauer als vorher. Feststeht: Jede Richtung ist denkbar. Nur Insider kennen genaue Fakten, Daten etc. Beispiel: Phoenix Plattform. Was steht hier wirklich zum Verkauf?

    Mag ein wenig kontrovers klingen: Aber angenommen ein deutscher Konzern will den Zug der Elektromobilität nicht noch mehr verpassen. Eine E-Auto-Plattform made in Europe… Es kann ein geniales Produkt sein oder aber auch die reinste Hochstapelei. Who knows?

    Je mehr man sich mit E-Mobilität befasst, desto klarer wird mir, welch großes Zukunftsthema dies ist. Noch kann man auf diesem Kontinent kein Geld damit verdienen, aber die Chinesen machens vor. Vielleicht hat NEVS durch diese Plattform doch einen großen Joker in der Hand, was aber nur Branchen-Insider wissen.

    Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir es erfahren….

  • 10. Oktober 2014 um 9:47 PM
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    Einen kleineren SUV, so im CX60 Format, von SAAB, made in Sweden, würde ich sofort kaufen! Kommt er?

      • 11. Oktober 2014 um 9:28 AM
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        Abwarten und genießen! (Was vor der Haustür steht. Weiß man doch. 😉 )

  • 11. Oktober 2014 um 9:14 AM
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    Selbst wenn man als Auftragsfertiget und Entwickler arbeiten würde, könnte man parallel an eigenen Fahrzeugen weiterentwickeln und diese dann später “im eigenen Auftrag“ fertigen lassen. Aber bleiben wir einfach mal gespannt.

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