Schwedenreise. Trollhattan in der dunklen Jahreszeit.

Saab Fans sind gerne zu Gast in Trollhättan, und man sagt uns Deutschen prinzipiell eine Affinität zum Land im Norden nach. Die Hauptreisezeit ist ab Mai, und bereits im Oktober versiegt der Strom der Touristen schon wieder. Schweden sei dann kalt und dunkel und eine Reise nicht mehr wert, sagt man. Ob es wirklich so ist, konnten Mark und ich im Dezember im Selbstversuch testen.

Saab Fahnen vor dem Powertrain Komplex
Saab Fahnen vor dem Powertrain Komplex

Wir waren zu Gast im Saab Werk, und keiner von uns kam bisher so spät im Jahr nach Schweden. Stimmen die Vorurteile und sollte man im Winter besser andere Reiseziele wählen? Da ist die Sache mit dem Tageslicht. Göteborg kann an diesen trüben Tagen, wenn die Sonne ihre Arbeit komplett verweigert, den Charme einer sibirischen Stadt entwickeln. Gefühlt erscheint die Sonne eine Stunde später als im Rhein-Main-Gebiet, verschwindet aber auch eine Stunde früher. Das, was wir Dämmerung nennen, hält länger vor, und das Licht entwickelt seinen ganz eigenen Charme.

Man versteht, warum es in Skandinavien Vorschrift ist, mit eingeschalteten Scheinwerfern zu fahren, man schätzt jeden Sonnenstrahl. Denn die Sonne ist unabdingbar,  und graue, dunkle Tage schlagen aufs Gemüt. Wir hatten Glück während unseres Besuchs – Trollhättan präsentierte sich bei bestem Wetter. Im Frühwinter ist das Leben in der Saab Stadt merklich ruhiger geworden. Die Kommune ist klein, der Strassenverkehr überschaubar, wenig Frequenz in der Fussgängerzone. Die Schweden sind unter sich, und nur ganz selten tauchen fremdländische Besucher auf. Restaurants und Cafés, die wir im Sommer voller Leben vorgefunden haben, finden nur ein überschaubares Publikum.

Es geht gemächlich, irgendwie familiär zu. Wer Entschleunigung im Leben sucht, der wäre hier angekommen. In Schweden ist der kostenfreie Internetzugang in Restaurants Standard, die Zugangsdaten gibt es bei der Servicekraft. Klappt es dann mit dem Passwort nicht, übernimmt es eine freundliche Schwedin, den Zugriff herzustellen. Oder verschwindet, wenn auch das nicht funktionieren will, mit dem Tablet des Kunden kurz im Küchenbereich, um das Problem zu lösen. So ist es uns ergangen, und was in anderen Ländern zu feuchtnassen Händen und zur Angst um das Gerät führen würde, ist in Schweden völlig normal.

Das Saab Museum am Göta Älv hat während der Wintermonate verkürzte Öffnungszeiten. Der Besucherstrom ist überschaubar, was der Vorteil dieser Jahreszeit ist. Die ehrenamtlichen Helfer nehmen sich Zeit, erzählen interessante Geschichten aus ihrer aktiven Zeit bei Saab, und der Besucher erfährt Anekdoten, die nirgendwo dokumentiert und damit unbezahlbar sind. Je nachdem, wer im Museum seinen Dienst tut, kann es sein, dass man zu selbstgebackenen Kuchen oder Plätzchen eingeladen wird. Da ist Kalorienalarm angesagt, denn das Backwerk ist schrecklich lecker und der Besucher findet sich dann unverhofft in einer geselliger Runde mit Saab Veteranen wieder.

Während dieser stillen Zeit ist ein Besuch in der Ausstellung des Innovatums, am alten Kraftwerk, an der Saab Fabrik in der Stallbacka und am Flugplatz empfehlenswert. Ein Bummel am Göta Älv in Richtung Innenstadt und ein Spaziergang durch die Altstadt hat den Charme der Entdeckungstour. Es gibt in Trollhättan viele kleine Geschäfte, die inhabergeführt sind und ein individuelles Angebot jenseits des Mainstreams haben. Am Abend kann man, zum Abschluss des Tages, gut Essen gehen. Einen Platz in den guten Restaurants, man kann dazu unseren Reiseführer befragen, findet sich im Winter ohne Problem.

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Vielleicht ist es gerade die dunkle Jahreszeit, die uns einen Blick in die schwedische Seele gewährt. Schweden ist ruhiger und irgendwie wunderschön. Die schroffe, wilde Landschaft des Västragötlands mit seinen Felsen, kommt ohne das freundliche Grün des Sommers stärker zum Vorschein und lässt uns erahnen. dass die Lebensverhältnisse hier nicht immer einfach waren. Fährt man bei stockdunkler Nacht über den Inlandsvägen zurück nach Göteborg, dann freut man sich über die kleinen LEDs an der Fahrbahnbegrenzung. Die aktive Beleuchtung hilft den Weg zu finden, und an den Stellen, wo die LED Beleuchtung eingespart wurde, finden wir verbeulte Leitplanken.

Ja, Schweden ist dunkel und fremd in diesen Monaten, ganz anders, als wir es vom Midsomar her kannten. Gleichzeitig aber schön, spannend und eine Reise wert.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

7 Gedanken zu „Schwedenreise. Trollhattan in der dunklen Jahreszeit.

  • Nicht nur Trollhättan ist eine Reise im Winter wert – insbesondere Mittelschweden und Nordschweden bringen im Winter Erholung pur.

    Alle paar Jahre fahren wir mit dem 9-5 zum Ski-Langlauf in entsprechende Regionen – besser geht´s nicht!

    Landschaft, Ruhe und Menschen – eine Klasse für sich!

    • So ist es und ich kann nur zustimmen und empfehlen: Erholung pur. Auch wir fahren seit 1999 mit unserem Saab zum Ski-Langlauf nach Värmland – besser geht´s nicht! Am 8.2. gehts wieder los, mit der Nachtfähre von Rostock nach Trelleborg, ausgeschlafen ankommen und los geht der Urlaub!

  • Schön. Mehr gibt es nicht zu sagen.

  • Ich hatte früher beruflich im winterlichen Schweden bis in den hohen Norden zu tun, das ist schon eine ganz eigene tolle Stimmung dort. Aber die Natur verzeiht dann keine Fehler.

  • Trollhättan im Winter, ist besonders im November und Dezember eher nicht zu empfehlen, besonders wenn man zur Depression neigt. Das Wetter ist nass und kalt, alles ist grau und die Sonne geht früh unter. In der Stadt ist es öd, da das Einkaufen und damit das Leben, findet in Överby oder Trestadtcenter, draußen vor der Stadt statt. Im Dezember ist dann ab 15 Uhr duster (manchmal auch eher). Wen dies nicht stört, der erlebt natürlich Schweden pur und der kann auch nachvollziehen, warum Saab immer so viele eigenwillige Lösungen zu bieten hatte. Bei dem Wetter sitzt man gerne in der Stube oder im Büro und tüftelt…
    Selten ist das Wetter so, wie es am 2. Dezember 2013 war, mit Sonne und blauem Himmel, das hatte NEVS perfekt organisiert.
    Ab Februar allerdings, wenn die Tage spürbar länger werden und man mit Schnee rechnen kann, dann ist es auch in Trollhättan viel heimeliger.
    Wer allerdings weiter in den Norden will, also mindestens Dalarna oder Norrland, der erlebt auch im November/Dezember schon perfekten Winter, durch die weiße Landschaft ist es trotz kurzer Tage gefühlt viel heller als in Deutschland, zumal alles er- und beleuchtet ist. Der “endlose” Weg im Saab mit “dubbdäck” ist das beste was man sich gönnen kann, es geht auch mit normalen Winterreifen, erst ab April würde ich Spikes dringend empfehlen.
    Schweden in der “dunklen” Jahreszeit ist etwas für Liebhaber, viel intensiver und unvergleichlich, allerdings nicht der Süden und die Küstenregion, da ist es einfach nur nebelig und Schmuddelwetter, meistens jedenfalls.

  • wie fährt man am besten mit dem Auto von Deutschland aus rüber? Via Dänemark über die Brücke oder besser mit der Fähre ab Rostock?

    • Ich fahre immer Fähre Puttgarden-Rödby und Helsingör-Helsingborg, da hat man schöne Pausen mit Restauration. Je nach dem aus welcher Richtung Du kommst, ist es der direkte kurze Weg (Vogelfluglinie).

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