Der Saab Blues

Wie realistisch ist es, auf eine zukünftige Autoproduktion in Trollhättan zu hoffen ? Schwedische Freunde, die den Blog seit Februar begleiten, rechnen nicht mehr mit einer Produktion in Saab City. Der Schock über den Konkurs des Autobauers ist überwunden und die Realität ist grau in grau.

Verständlich ist es, denn alle haben treu zu Saab gestanden, ihren 9-5 oder Saab 9-3 länger gefahren als gewollt und auf ein neues Auto aus laufender Produktion gehofft. Irgendwann ist es mit der Geduld am Ende und im Januar und Februar stehen die längst aufgeschobenen Käufe an. Primär wird nach einem Saab Jahreswagen geschaut, in Schweden ist die Auswahl besser als in Deutschland. Die GMAC Leasing sammelt jetzt die Saab Firmenwagen ein um sie als Rückläufer auf den Markt zu werfen.

In Deutschland ist die Auswahl wesentlich enger. Mein Saab 9-5 wird jetzt 5 Jahre alt und eigentlich wollte ich 2011 schon einen neuen Saab fahren. Aus den bekannten Gründen wurde daraus nichts und nur meine Frau kam glücklicherweise zu einem neuen Saab 9-3. Jetzt, ab Mitte Januar gehe ich auf die Suche nach einem 9-5 II, allerdings mit wenig Hoffnung. Sollte es kein neuer Saab werden, dann kommt in unserem Fuhrpark ein Fremdfabrikat dazu, die Saabs werden es hoffentlich verzeihen.

Dass die schwedischen Freunde mit Ihrer negativen Einschätzung richtig liegen, konnte man mal wieder bei Dagens Industri nachlesen. Semcon CEO Kjell Nilsson berichtet von einem Minenfeld aus Lizenzen, das GM rund um das Werk in der Stallbacka ausgelegt hat. Schöner hätte ich es nicht ausdrücken können und es deckt sich mit meinen rudimentären Einblicken in die Produktionsumgebung. Im Gegensatz zu Volvo, wo Ford einen klaren Schnitt gemacht hat, besteht bei Saab immer noch eine verhängnisvolle Abhängigkeit zu GM.

Bevor jetzt Leser meinen über GM schimpfen zu müssen, sollten sie folgendes bedenken. Verträge werden immer von zwei Seiten geschlossen. GM hat für seine Seite gut verhandelt und die eigenen Interessen gewahrt. Spyker hat schlecht verhandelt und dennoch unterschrieben.

Immer klarer wird auch, dass die Saab Interessenten in erster Linie an der PhoeniX Plattform, in zweiter Linie an den Produktionsanlagen und so gut wie nicht am Standort interessiert sind. Was leider scheinbar auch auf Youngman zutrifft. Grünes Licht von der NDRC aus Peking gibt es nur für den Kauf der Rechte an der Phoenix Plattform, vorerst nicht für das Werk.

Für alle, die es nicht wissen. Die Marke Saab ist an den Standort Trollhättan und an die Nutzungsgenehmigung durch Scania und Saab AB gebunden. Spyker, bzw. Swedish Automobile, war nie Eigentümer der Markenrechte. Saabs aus der Türkei oder aus der inneren Mongolei wird es ohne den Standort Trollhättan nicht geben, was ich irgendwie beruhigend finde.

Alles grau in grau also im Saab Land ? Nur fast, nicht ganz. Die örtliche Zeitung in Trollhättan berichtet von einem Autohersteller der als neuer Interessent für Saab aufgetaucht ist. Kein Name, keine Herkunft, dazu sei es noch zu früh. Dazu kann ich folgendes ergänzen. Seit dem Saab Konkurs prüft ein Autohersteller intensiv die Möglichkeiten des Einstiegs. Das ist mittlerweile aus erster Hand bestätigt. Er kommt aus Westeuropa und hat jetzt Kontakt mit dem Konkursverwalter.

Mehr dazu gibt es von meiner Seite nicht. Denn unsere Hoffnungen und Erwartungen sind in den letzten Monaten komplett enttäuscht worden. Weitere Enttäuschungen möchte ich vermeiden. Abwarten…

Text: tom@saabblog.net

31 thoughts on “Der Saab Blues

  • Also der Renault/Nissan Konzern kann ich mir noch gut vorstellen, nur warum haben sie nicht schon lange zugegriffen? Jetzt wo das Vertrauen der Kunden praktisch auf Null gesunken ist, wird es nur noch schwieriger Saab wieder auf die Beine zu helfen. Aber im Premium-segment hat der Renault/Nissan Konzern wirklich aufholbedarf. Gut Nissan hat noch Infinity aber die tun sich ja auch eher schwer in Europa Fuss zu fassen. Warten wir also mal ab ob in letzter Sekunde doch noch eine Wende passiert?
    Nun wünsche ich allen einen guten Rutsch ins 2012!
    Liebe Grüsse aus der Schweiz, dem wunderschönen Baselbiet.
    Thomas F

  • GM hat geäußert, dass man gerne zuhören wird, wenn sich ein Käufer findet, der in Lizenz Autos bauen will und nicht gegen die Interessen von GM verstößt.
    Wenn dass dann auch so ungefähr der Vertragstext zwischen Spyker und GM war, war VM von Anfang an GM ausgeliefert und konnte nur hoffen, dass eine seiner Lösungen nicht gegen die Interessen von GM verstößt.
    Auf jeden Fall macht es auch einen einfachen Neuanfang nach dem Konkurs recht unwahrscheinlich.

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      Dies sehen wir hier nicht ganz so negativ.

      Die Amerikaner haben immer hervorgehoben, dass keinerlei Nachteile auf dem lukrativsten Markt – nämlich China – für ihre tollen Fahrzeuge entstehen sollten….

      Bei einem indischen Konzern (siehe Tata bei Jaguar) würde das Geschäft in ähnlicher Art und Weise weiterlaufen wie vor der Zwangspause – also ohne für GM gravierende Ausbreitung auf dem China-Markt!

      Man sollte demnach bei den Interessenten genau differenzieren – nicht jede Gruppe ist so „gefährlich“ wie die Chinesen. Aus diesem Grunde git es ja auch die sog. ABC-Parole.

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    So, nun sind die Inder auch im Boot, jetzt fehlen nur noch saudische Scheichs. Wenn das so weitergeht findet GM wieder gefallen an SAAB. Grundsätzlich ist die aktuelle Fokussierung auf den Verkauf als Ganzes, welcher von der schwedischen Schuldenverwaltung bevorzugt wird, ein gutes Zeichen. Das bedeutet doch, dass man dort Chancen für SAAB als Automobilhersteller sieht.

    Die nächsten 14-20 Tage werden hochinteressant. Nervenaufreibend wird es sowieso. Vielleicht doch noch ein Happy End mit Automobilproduktion in Trollhättan?

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      Irgendwie reden wir aneinander vorbei. Hier ist noch kein indischer Konzern im Boot – das erste Gespräch wurde von einem Konkursverwalter abgewürgt! Sollte es hierfür keine stichhaltige Begründung geben, wäre die Entfernung dieser Person vom Amt des Verwalters schleunigst angezeigt und eine anschließende Entschuldigung bei der indischen Seite Pflicht.

      Ich kann mich nur wiederholen: Unglaublich!

      D. R.

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        auf einem anderen Saabblog wird berichtet , dass nicht die Verhandlungen mit dem indischen Konzern abgelehnt wurden, sondern mit dem von dem indischen Konzern beauftragten Anwalt . Dieser ist nähmlich Herr Carlsström , und dieser gilt bei den schwedischen Behörden als No Go wegen seinem anderen Klienten Herrn Antonov

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    Bei saabsunited wird berichtet, dass durch einen Konkursverwalter ein Treffen mit indischen Investoren abgesagt wurde!!?? Was läuft hier denn für eine Merkwürdigkeit?

    Sollte man nicht gerade bei möglicherweise sehr finanzkräftigen Interessenten alle Türen offen halten und sich zumindest einmal austauschen? Was wird hier eigentlich gespielt?

    Hoffentlich wird noch Licht in dieses merkwürdige Verhalten gebracht. Die Jahre zuvor haben die Amerikaner SAAB an der Nase geführt – dies sollte nun eigentlich nicht weiterhin von den eigenen Landsleuten praktiziert werden. Unglaublich!

    D. R.

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    Vieleicht gibt es auch einen deutschen Hersteller der an Saab Interesse hat, da gibts einen der baut sportliche Autos mit Heckantrieb und hat ne 2. Marke die baut Autos mit Frontantrieb.

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      Hey SearchSaab,

      einen potentiellen Interessenten mit einem „Mitarbeiter“ im gelben Saab Cab??

      You know what I mean!?

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        Hey Mark,

        kann schon sein 🙂

        Schön wäre das ja 🙂

        Ciao

        Marco

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    …also Renault wäre echt super…denn ausgefallene Design hatten sie die letzten Jahre auf jeden Fall.. .AVANTIME …VEL SATIS … und die Sicherheit ist auch sehr gut…
    Alles besser als aus China oder vom Balkan…
    Also Daumen drücken und GEDULD 😉

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    kann ich mich nur anschließen. Zudem kooperiert GM ja mit Renault bereits im Transporter-Bereich, da sollte man sich mit den ach so kostbaren Lizenzen evtl. doch etwas leichter tun.

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    Also in Zukunft wohl doch Froschschenkel mit Knäckebrot 😉

    Mit einem Einstieg von VW (oder Skoda, also faktisch doch VW) rechne ich nicht. Mit der Kernmarke VW und Audi beliefert man schon alle Segmente, in denen SAAB Modelle anbietet. Und durch den Ankauf von Seat hat man ja schon Erfahrungen, was passiert, wenn man zwei eigene Marken auf ein Kundensegment loslässt.

    Auf BMW trifft wohl das gleiche zu – bleiben von den westeuropäischen eigentlich nur französische Automarken, die im Oberklasse-Segment kaum was anbieten können. Da wäre SAAB wohl schon mal eine Prüfung der Optionen wert…

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      Sollte tatsächlich Renault / Nissan der bisher unsichtbare Interessent sein?

      Um in der Übergangsphase das Werk Trollhättan bei nur wenigen SAAB-Modellreihen auszulasten, könnte man beispielsweise die für MAGNA vorgesehene Produktion des kleinen Infiniti (Nissan) selbst in Trollhättan bewerkstelligen – hohe Ausgaben für die Auftragsfertigung bei MAGNA würden somit entfallen.

      Deine Sicht der Dinge, Phibo, in Bezug auf das Oberklasse-Segment ist bei mir ähnlich: Außer dem total veralteten MAXIMA und einigen Renault-Versuchen in der Oberklasse etwas auf die Beine (Räder) zu stellen, gibt es keinerlei Anzeichen in dieser Richtung – wenn dies alles jemand(einschließlich SAAB-Rettung) hinbekommt, dann Carlos Ghosn (Vorstandsvorsitzender von Renault / Nissan)!

      Viele Grüße aus der Hansestadt
      Joachim

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        Andererseits ist Ghosn als jemand bekannt, der mit sehr spitzen Bleistiften rechnet. Sollte SAAB also nicht den Eindruck erwecken, sehr bald auch und vor allem eine finanzielle Bereicherung für Renault/Nissan (also, nur mal angenommen ;-)) zu sein, wird er das Projekt auch sehr schnell wieder beerdigen. Außerdem versucht Nissan ja grade, Infiniti im europäischen Raum als seine Edelmarke aufzubauen.

        Das Problem ist, das SAAB, was den Umfang der Modellpalette und das Produktionsvolumen angeht, eine typische Zweitmarke ist – wie Lexus für Toyota, oder Infiniti für Nissan (!). Nur hat GM es leider nicht verstanden, wie man mit mehreren Marken mehrere Marktsegmente bedient, ohne daß sich beide in die Quere kommen, oder man am falschen Ende rumspart.

        Außer Abwarten bleibt wohl nichts zu tun. Grüße aus dem Südwesten.

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    Wenn ich noch an die Zuversicht vom Genfer Salon denke und nun greift der Blues um sich; eine tragische Entwicklung. Je mehr der Blues um sich greift umso mehr überlege ich, ob die geplanten Treffen am 14.01./ 15.01. vielleicht doch ein Zeichen setzen können, dass noch Leben in der Marke ist. Vielleicht inspiriert es einen Interessenten.

    Aber eines noch. Sollte der unausweichlich scheinende Tag kommen, an dem der letzte endgültig das Licht in der Stallbacka ausschaltet, das Tor verriegelt (, den Schlüssel wegwirft,) und dann der (vermutlich) letzte Blog- Eintrag folgen, dann verrate uns noch den westeuropäischen Namen 🙂

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    Hei Mädels und Jungs! Hört doch etwas Musik von Roxette oder ABBA aus Schweden! SAAB wird ganz sicher weiter bestehen. Positives Denken ist wichtig. Gruss vom optimististen SAAB-Fan aus der Schweiz.

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    Kann es vielleicht doch VW sein? Die haben doch Geld im Überfluß und suchen weitere Standbeine in weltweiten Märkten.

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    „Der Schock über den Konkurs ist überwunden…“? Ganz ehrlich: Bei mir sitzt der noch tief. Und ich denke, bei den meisten in Trollhätan auch. Habe heute einen Newsletter von „rescue-saab“ bekommen – die Jungs klangen auch noch ziemlich geschockt. Zumal die Aussichten sehr trübe sind.
    Aber wie man ja weiß, sind Notgemeinschaften solidarisch. Und in so einem blog lässt es sich dann ganz gut gemeinsam trauernd aushalten…;-)

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    Auf Saabsunited schreibt jemand von Rumors über den Hersteller in Weteuropa und es fällt der Namen Skoda

    Hier der Kommentar:
    5. Skoda – This is now an interesting rumor. Why would Skoda be interested in SAAB? Production facilities? I don’t think so. They have cheaper work force in their neighborhood in Slovakia, if they want. Engineering? SAAB have skillful engineers, but Skoda have access to the best technology in the car world. What is left is the brand. Skoda is an interesting story withing VW concern, because they seem to be pretty skillful in driving their own story regarding their models. Skoda Yeti and Superb don’t have peers in VW world, so my feeling is that VW respects Skoda and give them some independence in their strategy. Maybe Skoda has decided to use SAAB as a sub-brand? Seat has failed as a “sporty, independent thinking brand” and maybe it is time for a new one. SAAB would fit as such, and for me this would be “dream come true”, especially because they could just f@ck off GM and their IP crap.

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    Ein Hersteller in Westeuropa kann meiner Meinung nur aus Frankreich kommen, tippe auf PSA oder Renault,denn diese haben kein weltweises Vertriebsnetz wie Saab.

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    Wenn nur die Autoteppiche aus der Türkei kommen, hätte ich keine Probleme damit.

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    Hallo zusammen,

    mir ist (wie auch gestern bereits dargelegt) nach wie vor völlig unklar, wie z. B. die türkischen Interessenten nach einem Kauf der Phoenix-Plattform vorgehen wollen – dort gibt es keinen nennenswerten Autohersteller, der mal eben eine gute Karosserie (Design, Sicherheit etc.) dazu besteuern könnte.

    Das Interesse (Besitz) nur an einer Plattform reicht doch keinesfalls, um qualitativ hochwertige Fahrzeuge herstellen zu können – zumindest die Einbindung von geeigneten Entwicklungsingenieuren (Design, Karosserie etc.) wäre hier von großer Wichtigkeit. Noch könnte ein Investor hier auf Trollhättan-Resourcen zurückgreifen. Wenn er es ganz richtig machen will, setzt er die Automobilproduktion soagr am Standort fort – denn nur dann wären es bekanntlich echte Saab-Fahrzeuge mit dem dazugehörigen Emblem am Kühlergrill!

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      Lieber Joachim, in der Türkei fertigt Renault Autos, der FIAT Konzern fertigt gemeinsam mit PSA dort die Transporterbaureihen. Die Türkei ist Autoproduzent, allerdings erst auf den zweiten Blick. Vermutlich gibt es den Ehrgeiz ein nationales Produkt zu bauen.

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        Hallo 900,

        wie richtig bemerkt, geht es um Renault und Fiat – dies sind allerdings keine tü+rkischen Unternehmen.

        In Trollhättan waren jedoch türkische Interessenten und nicht Delegationen von Renault oder Fiat!

        Meine Frage bleibt nach wie vor unbeantwortet: Was könnte ein türkisches Unternehmen mit (nur) der Phönix-Plattform anfangen?

        Joachim

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          Das Transporterwerk gehört nicht FIAT oder REANAULT. Ich habe es nicht richtig ausgeführt, kommt davon wenn man während der Arbeit Saab surft… Also, sorry.

          Die türkische Gruppe nennt sich TOFAS OTOMOBIL, hat früher eigene PKW gefertigt, baut jetzt Lizenzen, die Transporter und so. Haben eigenes Werk, nur das Know How fehlt. Hier der Link:

          http://english.tofas.com.tr/

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    Viele sagten schon zu mir, bald kommen so China SAAB’s auf den Markt, welche keine SAABs sind, sondern nur deren Namen haben. Ich bestritt das immer und es tut gut nun zu lesen, dass dies nie passieren wird 🙂

    Sollte niemand unsere Marke aufkaufen, kann sie wenigstens in Frieden ruhen…

    L.G.

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    Autohersteller aus Westeuropa ????????? klingt ja interessant………….. schön wäre zu wissen wer das ist

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    Ich würde sogar noch einen „SAAB“ aus einer Fremdproduktion kaufen… Mir geht es hauptsächlich um die Schlichtheit/Schönheit der Autos, die Sicherheit, deren Komfort und der Robustheit gegenüber Rost, etc. . Die Erwartungen, die ich in die Fabrikate von SAAB gesteckt habe, wurden immer erfüllt und übertroffen! Hoffen wir auf eine gelungene Alternative für jeden von uns…

    Gruß,
    Creativ

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