Rückspiegel: Wie Presse funktioniert und der Saab den ich nicht mag

Wir sind Drama und großes Theater gewöhnt. Aber auch für sturmerprobte Saabianer war die Woche voller Dramatik. Daraus können wir einiges lernen. Wir können sehen wie Pressearbeit funktioniert, und wie nicht. Saab Pressechef Eric Geers und seine Crew leben seit Monaten mit der Krise und sie haben einen schweren Stand. Denn durch fehlende Koordination möglicher Saab Partner und auch durch Indiskretionen kamen Meldungen an die Öffentlichkeit, die so nicht hätten sein sollen. Geers hat einen sehr schweren Job…

Am Mittwoch war erneut so ein Tag. Der alte Pang steht nicht mehr zu Saab. Angeblich ein Übersetzungsfehler, wenn es so war, vielleicht aber auch die Wahrheit. Die Meldung machte ihren Weg und wurde kurz darauf von Saab dementiert. Sinnlos. Dann noch ein Unterstützungsbrief von Pang Da. Ohne Wirkung. Dann eine Mitteilung von SWAN (Swedish Automobile), aber wer zum Teufel interessiert sich für SWAN in der deutschen Presse. Und wie funktioniert der ominöse SWAN Presseverteiler überhaupt ? Eben.

Ausserdem: Schlechte Nachrichten sind gut fürs Geschäft.

Zum Beispiel im Handelsblatt, wo China Saab in die Pleite treibt, veröffentlicht nach der Gegendarstellung, welche man ignoriert hat. Dafür aber der Platz 1 bei Google. Die schlechte Nachricht ist öffenlich, der Tag war aus medialer Sicht gelaufen. Gestern um die Mittagszeit beim Handelsblatt nach guten Saab Nachrichten geschaut. Fehlanzeige.

Dann heute um 15:07 Uhr, kommt die gute Saab Nachricht über das Auto Medien Portal und sickert von nun an weiter in die deutschen Netzwerke

ampnet – 14. Oktober 2011. Saab hat vom chinesischen Autounternehmen Youngman erstes Geld erhalten. Es soll sich um elf Millionen Euro handeln. Zuletzt waren angekündigte 70 Millionen Euro zunächst ausgeblieben. Der führende Bushersteller Chinas will gemeinsam mit dem Fahrzeug-Großhändler Pang Da rund 245 Millionen Euro in die angeschlagene schwedische Traditionsmarke investieren. Weitere Tranchen sollen noch im Laufe des Monats folgen.

Mit dem Überbrückungskredit könnte Saab die ausstehenden Gehälter für seine Beschäftigten in Trollhättan bezahlen. Dort sind seit Monaten keine Autos mehr vom Band gerollt, weil auch Zulieferer nicht mehr bezahlt werden konnten. Eine Insolvenz hatte Saab-Eigner Victor Muller, Chef von Spyker Cars in den Niederlanden, im vergangenen Monat durch einen Restrukturierungsplan abwenden können. (ampnet/jri)

So funktioniert Presse, schlechte Nachrichten verbreiten sich in Windeseile, andere sehr langsam.

Stop Blogging ?

Diese Woche bekam ich eine ganze Menge, sehr herzlicher Mails von Saab Fans aus allen deutschsprachigen Ländern. Dabei ging es um die Ankündigung, zum Monatsende den Blog einzustellen.

Zur Erklärung: Der Blog ist eine Leidenschaft, welche eigentlich die Marke positiv Saab unterstützen soll. Aber, der Blog war auch als reine Freizeitbeschäftigung und Hobby mit zwei Autoren geplant. Mein Mitgründer Marco stieg, wie bekannt ist, sehr schnell aus. Was auch nicht vorhersehbar war, ist die Eigendynamik, welche der Blog im deutschen Sprachbereich entwickelt hat. Rechne ich die Stunden zusammen, welche ich täglich mit Saab verbringe so ist ein richtiger Job daraus geworden.

Das allein wäre kein Drama, wäre die Lage bei Saab etwas entspannter und transparenter. Momentan sehe ich die Zukunft immer noch mit vielen, vielen Fragezeichen und zu wenig Perspektiven. Und um ehrlich zu bleiben, spukt seit einiger Zeit ein Projekt durch meinen Kopf, wo ich gezwungen bin langsam eine Entscheidung zu treffen. Es hat nichts mit Autos oder Saab zu tun, ist wesentlich entspannter, zukunftsfähig und sehr reizvoll.

Vielleicht ergibt sich auch die Situation den Blog in andere, gute Hände zu geben. Ein Gespräch dazu habe ich bereits geführt und wir werden sehen wie sich das enwickelt.

Auf jeden Fall sage ich ein dickes Danke für die Mails und ich werde mir die Entscheidung nicht leicht machen, das ist versprochen.

Der Saab den ich nicht mag.

Wie infiziert ist jemand, der Tag für Tag neben seinem Beruf über Saab schreibt ? Ist diesem Mensch noch zu helfen und ist er überhaupt noch kritikfähig ? Er ist es, was ich irgendwie beruhigend finde.

Irgendwann geht jede Serie einmal zu Ende. In den letzten Monaten konnte ich vier neue Saab fahren, was schon eine Leistung ist bei einem Hersteller der sich standhaft weigert Autos zu bauen. Da waren zwei Saab 9-3 TTiD4, die mich absolut begeistert haben. Da ist der Saab 9-3 Sportkombi 1.8t, den wir gekauft und aktuell gehirscht haben. Dann gab es noch ein kurze Begegnung mit einem Saab 9-5 XWD. Alle neuen Saab waren erste Sahne und nach jeder Probefahrt habe ich mich über die Tatsache der ruhenden Produktion geärgert.

Diese Woche rief mich dann mein guter Freund Silvio an, der in seinen alten Saab 9-5 viel Geld investiert weil er die Marke nicht wechseln will und es keinen neuen Saab für ihn gibt. Er hatte als Ersatztauto von der Werkstatt ein Saab 9-3 Cabriolet und meinte, es sei ein fürchterliches Auto.

Jetzt hatte ich vor meinem Saab 9-5 ebenfalls ein Saab 9-3 Cabriolet das, wenn es mal fuhr, mir sehr viel Spaß gemacht hat. Die meiste Zeit bevorzugte die Kiste allerdings wohltemperierte Werkstatthallen, statt sich auf der Strasse die Reifen schmutzig zu  machen, und war ein komplettes Montagsauto. Ja, auch das kommt bei Saab vor. Ich habe mich dann an dieser Fuhre fürchterlich gerächt, in dem ich sie verkauft habe 😎 . Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich mache es kurz, denn der Tag war anspruchsvoll und ich möchte an die Sonne und meinen Mac jetzt abschalten. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Saab 9-3 Cabriolet war ich der gleichen Meinung wie mein Freund Silvio. Das Cabriolet, eine fürchterliche Kiste.

Jetzt sollten nicht gleich alle Saab Cabriolet Fahrer gequält aufschreien, denn die Sache hat einen Grund. Also, entspannt euch bitte. Den Grund erzähle ich ausführlich am Sonntag, soviel Spannung muss sein… 🙂

Text: tom@saabblog.net

9 Gedanken zu „Rückspiegel: Wie Presse funktioniert und der Saab den ich nicht mag

  • …Ja, dann bin mal auf Sonntag gespannt….;-)

  • oh man, heute ist erst Freitag =(

    und genau wegen so tollen geschichten zwischendurch, darfst du den blog nich aufgeben :'(

    L.G.

    P.S. du musst übrigens nach ‘Saab News’ googlen, da hatte ich am Do. morgen schon die gute Nachricht von Youngman drinne 😉

  • War es ein 9-3 Cabrio I oder II? Welche Baujahre?

    • Wenn Du mein Montagscabrio meinst, das war ein Saab 9-3 Aero Hirsch Cabrio von 2004. Aber, wie ich denke, eine Ausnahme. 🙂

      • Ja, das meinte ich. Das wurde dann von Magna in Graz produziert…

  • .. ja, ja das Cabrio von Saab, eigentlich immer ein Traumwagen. Natürlich ganz vorne
    die 900er Serie.
    Den habe ich leider bis heute nicht.
    Aber dafür den 4. 9-3 II;
    Ein mal muß ich zugeben, leider auch ein Montagsauto, wurde gewandelt.
    War ein 2.0 mit 150 PS -Vektor.
    Der Ersatzwagen, zwar auch nur “150 PS”, hatte aber sonst komplette Aero-
    Austattung und Optik – lief 3 Jahre ohne einen Werkstattaufenthalt-außen Durchsicht.
    Und Leistung war im Vergleich zum Ersten wie von einem anderen Stern.
    Danach ergatterte ich einen Aero mit nur 20.000 Km. (hab ich noch).
    Jetzt im Spätsommer ergab sich die Möglichkeit das gleiche Auto, nur gehirscht und
    noch mal weniger Km, zu erstehen. Auf Grund der Situation bei Saab und der Verrücktheit
    der Saab-Liebhaber, haben wir den auch noch geholt. (Das Modell mit der Ausstattung wird
    man wahrscheinlich sonst nicht mehr bekommen.)
    Übrigens alle in der Werbefarbe Lime-Yellow. Der jetzige mit 6-Gang und über 250 PS geht
    super. Warum die lange Einleitung?: Also die 9-3er Bj. 2005/2006 waren wirklich gut, ich glaube
    die meint Tom (hoffentlich) nicht.

    • Nein, Tom hatte einen 2004er. Lime Yellow ist cool. Glückwunsch 😎

    • 9-3 I scheint qualitativ deutlich besser zu sein als die frühen Jahre des 9-3 II. Auch der Innenraum solider.

  • also ich habe das 9-3 cab MY 2007, bisher keine Problem, läuft super

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