Produktionsstart unsicher und Motoren-Gerüchte

Es ist einer dieser Artikel, die mir die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Am Samstag hatte die örtliche Zeitung in Trollhättan den Produktionsstart bei Saab im Visier. Sechs Monate vor Produktionsbeginn sollte eigentlich die Einstellungsphase starten, nur ist dort keine Aktivität feststellbar. Ein Grund für die TTELA, einige Fragen an NEVS Pressechef Mikael Östlund zu stellen.

V6 mit sequentiellem Turbolader im Saab
V6 mit sequentiellem Turbolader im Saab

Östlund bestätigte im Gespräch mit Valdemar Lönnroth von der TTELA, dass noch kein Rekrutierungsprozess gestartet wurde. Allerdings, so Östlund, ist es nicht sicher, ob man überhaupt einen Vorlauf von 6 Monaten braucht. Denn, so der Pressechef, beschäftigen sich intern Mitarbeiter mit den Produktionsvorbereitungen. Die Verhandlungen mit den Lieferanten seien weiter am Laufen. Ausserdem schrumpft die Zahl der Lieferanten laut Östlund auf nur noch 500. Viel weniger, als Saab in vergangen Zeiten hatte und ein klarer Hinweis, dass immer mehr Kompetenz von Drittfirmen eingekauft wird. Saab 2.0 könnte damit ein sehr schlankes Unternehmen werden.

Die TTELA meint Informationen zu besitzen, nachdem die Saab Benzinmotoren in Zukunft aus China kommen würden. Dazu gab es von Östlund keinen Kommentar. Ja, ja, die Gerüchteküche… Interessanterweise ist über die Arbeiten am 9-3 Nachfolger mehr bekannt als über die mögliche Konfiguration des „alten“ 9-3. Auf SU waren diese Gerüchte vor einigen Tagen ein Thema, und der Autor meinte seinen Lesern suggerieren zu können, dass es egal sei, was unter der Haube eines Saabs wäre.

Ist es so? Mein erster Saab hatte einen Turbolader und 16 Ventile. Damals ein Argument für mich, Saab zu fahren. Einen klassischen 900 ohne Turbolader und mit 8-Ventil Technik wäre mir zu antiquiert gewesen. Der Nachfolger hatte Ladeluftkühler, Ausgleichswellen und Direktzündung. Der Saab 9000 CS war bei seinem Erscheinen das umweltfreundlichste Auto mit den besten Abgaswerten seiner Klasse. Für den 9-5 Biopower, der viel später kam, sprach der Vorteil eines Vielstoffmotors. Mir war es nie egal, was unter der Haube war. Wer Saab fährt, der hat einen gewissen Anspruch. Ein Saab soll ja auch Premium sein, ein Wort, das NEVS gerne in den Mund nimmt. Ein Saab, so meine ich, soll eine gewisse Wertigkeit haben, was den Kern besser trifft.

Unter der Haube soll ein Motor sein, welcher der Marke entspricht. Umweltfreundlich, mit Turbo, und innovativ. Der Nachfolger des Saab 9-3 soll, so erzählte Östlund am Samstag in der TTELA, drei bis fünf Jahre entfernt sein. Eine lange Zeit in der Autobranche und für NEVS zu lange, um in Trollhättan nicht zu produzieren. Im Klartext ist damit der Produktionsstart für NEVS ohne Alternative. Damit ist es umso wichtiger, dass aus dem alten 9-3 eine überzeugendes Paket wird.

Die Karosserie mag ein Klassiker sein, unter der Haube aber sollte überzeugende Technik stecken. Die Anpassung eines neuen Motors, denn GM scheint wirklich aus dem Rennen zu sein, braucht Zeit. Die Prüfstände in Trollhättan laufen, mit was auch immer. Hallo NEVS, nehmt Euch die Zeit!

Damit wir es richtig verstehen. NEVS hatte niemals einen Produktionsstart in der KW 34 versprochen, sondern nur in Aussicht gestellt. Auch hat NEVS dieses Datum bisher noch nicht zurück genommen. Mir ist es egal, ob die Bänder in der KW 34, oder KW 40 laufen. Auch mit der KW 50 oder dem Januar 2014 kann ich leben. Es ist das Produkt, auf das es ankommt. Das Paket muss stimmen, ein Saab muss ein Saab sein. Es muss ein adäquater Motor unter der wohlgeformten Haube stecken. Dann wird aus dem Klassiker, zu dem der 9-3 II reift, auch ein Erfolg.

Text: tom@saabblog.net

Bild: saabblog.net

13 Gedanken zu „Produktionsstart unsicher und Motoren-Gerüchte

  • Danke! Wieder einmal ein lesenswerter, interessanter Artikel!

  • Ja NEVS sollte sich Zeit lassen, auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht an. Aber lieber Tom du solltest dir die Zeit mnehmen und deine Motorabdeckung säubern 🙂

    Ciao

    M.

    • Ja, ja, sobald der Schnee weg ist…

  • Völlig einverstanden, Tom.
    Gut geschrieben.

  • China Motor klingt ja erst mal schlimm. Allerdings bauen auch VW und BMW und wer auch immer Motoren in China und wer sagt da was über schlechte Qualität. NEVS sollte sich die Zeit nehmen die gebraucht wird um ein gutes Produkt auf die Beine oder Räder zu stellen und nicht durch die Presse unter Druck setzen lassen.

  • Tom, hast Du da nicht „Was“ mit „Woher“ verwechselt?

    Es sollte egal sein Woher die Motoren her kommen, bin aber mit Dir einer Meinung, dass Ein Saab einen modernen Motor haben mit vernünftigen Verbrauchswerten und Laufleistung, aber ob dieser Motor in China, Spanien, USA oder Deutschland gebaut wird, ist bei gleichbleibender Qualität vollkommen egal.

  • Also für mich ein 100%iges NEIN-DANKE und das garantierte Ende meiner Liebschaft mit Saab.
    Wenn dort ein x-beliebiger Gähn-Langeweile-Chinamotor seine Dienste tun wird, der an Emotionen gleich eines Brillance (hab schon mal aus Spaß den BS4 probegefahren) freigibt, dann darf sich einer freuen: Subaru Boxer.

  • Die Sache ist doch klar das Produkt muss stimmen. Stimmt es nicht, dann wird unser SAAB zum Hobby und es kommt ein Neuwagen als Familienauto. Vielleicht ein Subaru, vielleicht ein Freelander. Der Blogger hat wie immer recht 😉

  • China Motor ist im dem Sinne fragwürdig , wenn es von einem für uns chinesischen No-Name Hersteller kommt , da dann das Produkt keinen Saab Charakter hat sondern immer auf alte Lizensen aufbaut und wohl nicht umbedingt Innovativ sind, aber welcher Hersteller käme dann in Frage………

  • Die Saab H Engine Lizenzen (Nachfolger der B205 & B235) sind doch zu BIAC nach China verkauft worden…

  • China Motor? Für wen wäre SAAB dann überhaupt noch interessant? Maximal ein paar Chinesen, aber das kann eigentlich nicht im Sinne von NEVS sein.

  • Ich denke schon, daß man sich bei der Suche nach einem Lieferanten für Motoren – oder zumindest Motoren-Basispakete, die man dann anpassen kann – auf dem europäischen, oder eventuell noch japanischen Markt umsehen sollte (Danke, Joachim). Bis in China ein der Marke entsprechender Motor gebaut wird, wird wohl noch einiges Wasser den Jangtse herunterfließen. Besonders wenn man den Premium-Aspekt bedenkt. Wenn SAAB sich abheben will, dann sollte Premium nicht bei der Wahl der Innenraummaterialien aufhören, sondern darunter weitergehen: Ob man Zahnriemen oder Ketten für den Ventiltrieb verwendet. Ob die Materialstärken in Lagern und Karosserieteilen dem Minimum entsprechen, oder robuster sind. Für solche Dinge steht SAAB eher, als für einen aufgemotzten Innenraum.

  • Upsala, nun ist schon egal wo der Motor gebaut wird. Warum ist es dann wichtig das Saab noch in Trollhätten fertigt. Ehrlich manchmal geht mir die Anpassung an die Umstände bei Saab zu weit.
    Hat jemand Infos ob diese Saab jemals nach Deutschland kommen könnten ? Oder will NEVS wirklich wie Volvo nach China importieren bei hohen Zöllen obwohl dort schon das aufgehübschte alte 93 Derivat rumfährt ?

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