Saab News Schweden: Neues vom Kronofogden
Heute war ein gemischter Tag für Saab in Schweden. Der Konkursantrag gegen die Saab Tochter “Saab Tools AB” wurde endgültig zurückgezogen. Auch gab es keine weiteren Anträge am Amtsgericht in Vänersborg. Was eine gute Nachricht ist. Wäre Saab eine deutsche Firma, wären heute ein weiteres dutzend Anträge gefolgt.
Das ist scheinbar ein gravierender Unterschied zwischen den Schweden und den Deutschen. Lars Thunberg von Sweparts war die letzten Tage, ungewollt, sehr gefragt bei den schwedischen Medien. Ihm war die Sache sichtbar unangenehm und er hat sich fast für den Konkursantrag entschuldigt. In mehreren Interviews sagte er es wäre für ihn “schlimm gewesen, wenn er Saab in den Abgrund gerissen hätte”. Für seine Firma sind die 5.9 Millionen Kronen 8-9 % des jährlichen Umsatzes. Klar welchen Stellenwert diese Forderung für Lars Thunberg hat. Er freut sich, das sagte er wiederholt, auf die Zusammenarbeit mit Saab und ist sehr glücklich über die Einigung. Kein Wort des Grolls, im Gegenteil. Es war nur leichte Kritik an der Geschäftsleitung zu hören, die mehrmals die Versprechen nicht gehalten hat.
In Deutschland würde Saab von diesem Lieferanten keine Chance und keinen erneuten Vertrauensbeweis bekommen. Auch kein Zahlungsplan würde akzeptiert werden. Die Schweden sind anders, die halten im Zweifelsfall zusammen und – denken langfristig. Womit wir beim Kronofogden wären.
Der Kronofogden hat 42 Anträge auf Vollstreckung dem Unternehmen in der Stallbacka zugestellt. Die Höhe der Foderungen beträgt 17.9 Millionen Kronen, also ca. 2 Millionen €. Saab Automobile hat, wie heute bekannt wurde , nicht wiedersprochen. Die höchsten Forderungen kommen von Kongsberg Automotive AB mit 4.3 Millionen Kronen und Fasitet PDE AB mit 4.8 Millionen Kronen.
Die Gläubiger haben jetzt einen Titel, können in das Schuldnervermögen vollstrecken. Von den 42 Gläubigern mit Titel, haben nur 8 Gläubiger die Vollstreckung in das Vermögen beantragt, darunter Kongsberg Automotive. Die Mehrzahl der Gläubiger sieht nach wie vor Saabs Zukunftsperspektiven und wartet mit Blick auf eine spätere, gute Geschäftsbeziehung, ab.
Möglich wäre jetzt eine Pfändung von Sachwerten oder Barvermögen für die 8 Gläubiger, welche die Forderungen eintreiben möchten. Sehr viel möglicher ist das folgendes passiert: NICHTS.
Der Vollstreckungsbeamte des Kronofogden entscheidet wie er vorgehen möchte. Im Hinblick auf die anhaltenden Gespräche von Saab mit Lieferanten und Banken ist es sehr wahrscheinlich dass der Vollstreckungsbeamte zuerst den Ausgang der Gespräche abwartet und dann entscheidet.
Das ist die Meinung der schwedischen Nachrichtenagentur TT vom heutigen Tag. Eine Garantie für das Stillhalten gibt es natürlich nicht.
Wie immer. Warten wir ab, bleiben wir cool. Der Schwedenkrimi geht weiter.
Text: tom@saabblog.net
Saab Liebe hin und her aber Deutschland Bashing finde ich nicht ok. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß in Deutschland die Lieferanten sehr wohl auf eine einvernehmliche Lösung hinarbeiten.
Lieferung bei teilweiser Abtragung der Altlasten sind ebenfalls durchaus üblich. Mal abgesehen davon, daß Saab in Deutschland nicht den Wahnsinn einer Zwangsschliessung wegen Urlaubsansprüchen zu stemmen hätte.
Trotzdem, alles Glück den Kämpfern bei und um Saab, auf dass diese Marke erhalten bleibt !