Saab Krise: Kein EIB Geld mehr für Saab

Es geht weiter, unerbittlich. Leider. Das Svenska Dagbladet meldet heute abend keine guten Nachrichten aus Luxemburg. Bei der EIB hat Saab vor Wochen eine weitere Tranche aus dem zugesagten Kredit beantragt.

Es geht dabei um annähernd 30 Millionen € oder 260 Millionen Kronen.

Kreise, welche der EIB nahestehen, berichten nun dass es nicht zu einer Auszahlung kommen wird. Die EIB ist laut ihren Statuten verpflichtet Entwicklungsgelder nur an “wirtschaftlich gesunde” Unternehmen zu zahlen. Geht es Saab wieder besser, ist man zur Zahlung bereit.

Die Weigerung der EIB kann das “Ende” für Mullers wackeligen Finanzplan sein. Eigentlich sollte mit dem Geld aus dem Immobilienverkauf, plus EIB Kredit, die Produktion angeworfen werden. Auch das Immobiliengeschäft hängt an der EIB. Gibt diese die Sicherheiten nicht frei, platzt der Verkauf.

Nein, kein guter Tag heute, wirklich nicht.

Text: tom@saabblog.net

Ein Gedanke zu „Saab Krise: Kein EIB Geld mehr für Saab

  • Kein guter Tag für Saab?

    Man kann es auch anders sehen. Sollten wir nicht inzwischen hellsichtiger sein? Lange hielt ich Muller nur für einen Spieler, der auch perfekt zu bluffen versteht. Aber zeichnete sich nicht schon nach dem ersten Produktionsstop (nur ein Husten odgl.) und erst recht nach dem zweiten (nur für ein paar Tage) ab, daß die Täuschungen gegenüber den Zulieferern wohl schon seit längerem die Grenze zum Betrug überschritten haben könnten? Vollends deutlich wurde das Debakel dann noch durch die Muller-Vorschläge an die Zulieferer: elende Konditionen, die diese auch fast schon anzunehmen bereit waren. Kann man sich nicht vorstellen, mit welchem (glücklicherweise überschätzten) Erpressungspotential hier schon seit langem gepokert wurde? In welcher Pression sich z.B. der erste Lieferant damals befunden haben mußte, der dennoch tapfer sagte „bis hierher und nicht weiter“ und so den ersten Produktionsstop bewirkte. Oder denken Sie an den großen chinesischen Autohändler, der so und soviel Autos im Voraus bezahlt hat. Drängt sich hier nicht die Annahme auf, daß sich dieser Händler nicht nur betrogen, sondern auch noch in eine Erpressungssituation hineingezogen fühlen muß (entweder ihr schießt nach oder ihr habt alles verloren). Deshalb sehe ich auch die in diesem Blog oft heftig gescholte schwedische Regierung und die EIB nicht in so schlechtem Licht. Im Gegenteil. Sie haben mit ihrer Haltung vor allem deutlich gemacht, daß sie nicht geneigt sind, sich erpressen zu lassen, indem sie Muller darauf hinweisen, daß Saab für sie keine große Bedeutung hat (was hintergründig keineswegs wahr sein muß, aber Mullers Spekulation nicht aufgehen läßt, sondern Raum für andere, bessere Lösungen läßt). Man möchte schon fast politisch abschweifen und hinzufügen: Wie hätten wir Deutschen uns ein solches Verhalten in Bezug auf Griechenland und den Euro gewünscht, wieviele Milliarden deutschen Geldes hätten wir damit einem Faß ohne Boden vorenthalten.

    Mullers einziges und bleibendes Verdienst wird sein, daß er der Welt gezeigt hat, welche tolle Autos die Saab Ingenieure, Designer und Werkleute zu bauen imstande sind. Das ist meines Erachtens aber auch alles.

    Sonst hat er den guten Namen nur beschädigt. Es sind ja nicht nur die Zulieferer guter Ware, die sich nach allen bisherigen Erkenntnissen geprellt fühlen müssen. Es sind auch die Händler, die gutgläubig Investitionen getätigt und nun ihre Forderungen nicht mehr durchsetzen können. Und erst die Kunden, die für ihr gutes Geld ein Auto geliefert bekommen haben, bei dem sie sich im Nachhinein sagen müssen: Da schau, für diese feinen ventilierten Sitze, das Glasschiebedach und das Head-UP-Display meines schönen neuen Aero haben die Zulieferer bisher nichts oder fast nichts bekommen. Gewiß, keine eigene Schuld und dennoch kein schönes Gefühl.

    Nein, Muller hat den Spirit of Saab beschädigt. Denn zu diesem Spirit gehört Qualität und Ehrlichkeit.

Kommentare sind geschlossen.